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Überraschende Quartalszahlen: Michael Kors bremst Abwärtstrend

Zuletzt war der US-amerikanische Modekonzern Michael Kors durch die Übernahme des Luxusschumachers Jimmy Choo in die Schlagzeilen geraten. Am Dienstag konnte das Unternehmen auch mit seinen aktuellen Quartalszahlen überzeugen. Zwar waren Umsatz und Ergebnis erneut geschrumpft, aber bei weitem nicht so stark, wie im Vorfeld befürchtet worden war. Prompt stieg der Aktienkurs des lange schwächelnden Unternehmens um mehr als zwanzig Prozent. „Die Resultate im ersten Quartal haben vor allem aufgrund überraschend hoher Einzelhandelserlöse in Nordamerika und Europa unsere Erwartungen übertroffen“, erklärte CEO John Idol. Trotz der „ermutigenden Zahlen“ bleibe 2017/18 aber ein „Übergangsjahr“, in dem es darum gehe, die Grundlagen für eine erfolgreiche Zukunft zu schaffen.

Gegenüber dem Vorjahresquartal sank der Umsatz in den Monaten April bis Juni um 3,6 Prozent und erreichte 952,4 Millionen US-Dollar (809,5 Millionen Euro). Damit fiel er deutlich höher aus, als im Vorfeld erwartet worden war: Die Prognose des Unternehmens hatte höchstens 930 Millionen US-Dollar in Aussicht gestellt. Zu dem überraschend guten Resultat trugen solide Zahlen im nordamerikanischen und europäischen Einzelhandel bei. Insgesamt gingen die Erlöse der Retail-Sparte auf vergleichbarer Fläche nur noch um 5,9 Prozent zurück. Hier hatten Analysten einen deutlich stärkeren Abwärtstrend erwartet. Insgesamt stieg der Einzelhandelsumsatz dank der Eröffnungen von 67 neuen Boutiquen in den vergangenen zwölf Monaten und der Übernahme des früheren Lizenzpartners in China um 10,1 Prozent auf 619,9 Millionen US-Dollar. Der Großhandelsumsatz schrumpfte aufgrund gezielter Reduzierungen der Liefermengen um 23,0 Prozent auf 303,6 Millionen US-Dollar.

Insgesamt kam Michael Kors im ersten Quartal in Amerika auf einen Umsatz von 634,1 Millionen US-Dollar (-8,2 Prozent, währungsbereinigt -7,9 Prozent). In Europa sanken die Erlöse um 10,2 Prozent (währungsbereinigt -7,5 Prozent) auf 201,2 Millionen US-Dollar, in Asien stiegen sie um 60,2 Prozent (währungsbereinigt +61,9 Prozent) auf 117,1 Millionen US-Dollar.

In der zweiten Jahreshälfte soll Neuzugang Jimmy Choo 275 Millionen US-Dollar zum Umsatz beisteuern

Höhere Betriebsausgaben und Einmalaufwendungen für die Umstrukturierung des China-Geschäfts belasteten das Ergebnis. So ging der operative Gewinn um 20,1 Prozent auf 149,4 Millionen US-Dollar zurück. Das Unternehmen verwies allerdings darauf, dass die operative Marge nur aufgrund von Sondereffekten unterhalb des Vorjahresniveaus gelegen habe. Der Quartalsüberschuss nach Minderheitenanteilen sank um 14,7 Prozent auf 125,5 Millionen US-Dollar (106,7 Millionen Euro). Trotzdem übertrafen die vorgelegten Zahlen die Erwartungen deutlich.

So konnte das Management auch die Jahresprognosen leicht anheben. Beim Umsatz rechnet es nun mit 4,275 Milliarden US-Dollar, nachdem zuvor 4,25 Milliarden US-Dollar erwartet worden waren. Der Zielkorridor für den um Sondereffekte – etwa die Folgekosten der geplanten Ladenschließungen – bereinigten verwässerten Gewinn pro Aktie wurde von 3,57 bis 3,67 US-Dollar auf 3,62 bis 3,72 US-Dollar korrigiert. Wie die Zahlen dann am Ende tatsächlich aussehen werden, ist aber derzeit nur schwer absehbar: Die zu erwartenden Umsatz- und Ergebnisbeiträge des Schuhlabels Jimmy Choo sind hier noch nicht eingerechnet, weil der Kauf noch nicht offiziell vollzogen ist. Michael Kors erwartet aber, dass der Neuzugang in der zweiten Hälfte des laufenden Geschäftsjahr einen zusätzlichen Umsatz in Höhe von etwa 275 Millionen US-Dollar beisteuern wird.

Michael Kors: 1. Quartal 2017/18
Umsatz 952,4 Millionen $
Nettogewinn 125,5 Millionen $

Foto: Michael Kors Facebook-Page

Ralph Lauren schreibt im ersten Quartal wieder schwarze Zahlen

Mit einem unerwartet hohen Gewinn konnte der US-amerikanische Modekonzern Ralph Lauren Corporation am Dienstag die Anleger überzeugen. Der Aktienkurs des Unternehmens stieg nach der Veröffentlichung der aktuellen Quartalszahlen um mehr als zehn Prozent. Gleichzeitig meldete das Unternehmen einen deutlichen Umsatzrückgang. Der war allerdings gezielten strategischen Maßnahmen im Rahmen des „Way Forward“ genannten Sanierungsprogramms geschuldet und kam daher nicht überraschend.

Im ersten Quartal 2017/18, das die Monate April bis Juni umfasste, erwirtschaftete Ralph Lauren einen Umsatz von 1,35 Milliarden US-Dollar (1,15 Milliarden Euro), was einen Rückgang um 13 Prozent (währungsbereinigt -12 Prozent) gegenüber dem Vorjahreszeitraum bedeutete. Den hatte das Unternehmen bewusst herbeigeführt: Durch Ladenschließungen, die Reduzierung von Lieferungen an Handelspartner und die Einschränkung von Rabattaktionen reagierte das Unternehmen auf die Nachfrageschwäche in den USA und tat erste Schritte zu einer Steigerung der Profitabilität.

Am deutlichsten machten sich die Maßnahmen erwartungsgemäß in Nordamerika bemerkbar: Dort sanken die Erlöse um 17 Prozent auf 710 Millionen US-Dollar. Auch in Europa sorgten geänderte Liefertermine und geringere Preisnachlässe für einen Umsatzschwund im zweistelligen Prozentbereich. Die Erlöse verfehlten mit 323 Millionen US-Dollar das Vorjahresniveau um 14 Prozent (währungsbereinigt -10 Prozent). Ausgesprochen stabil zeigte sich Ralph Lauren demgegenüber in Asien: Dort sank der Umsatz nur aufgrund von Wechselkursveränderungen um ein Prozent auf 209 Millionen US-Dollar. Währungsbereinigt bedeutete das eine Steigerung um ein Prozent.

Hohe Einsparungen und niedrigere Restrukturierungskosten brachten das Unternehmen in die Gewinnzone zurück

Beim Ergebnis konnte das Unternehmen große Fortschritte vorweisen: Trotz ungünstiger Währungseffekte wurde die Bruttomarge aufgrund niedrigerer Produktionskosten und Rabatte klar verbessert. Zudem sorgten die bereits realisierten Sparmaßnahmen für eine deutliche Senkung der Betriebskosten, und die Wertberichtigungen und Restrukturierungsausgaben fielen um einiges geringer aus als im Vorjahr. So schrieb das Unternehmen operativ wieder schwarze Zahlen: Nach einem Betriebsverlust in Höhe von 31,2 Millionen US-Dollar im Vorjahr konnte diesmal ein operativer Gewinn von 90,3 Millionen US-Dollar verbucht werden. Unter dem Strich stand ein Quartalsüberschuss in Höhe von 59,5 Millionen US-Dollar (50,7 Millionen Euro), nachdem im vergangenen Jahr nach drei Monaten ein Nettoverlust von 22,3 Millionen US-Dollar angefallen war. Bereinigt um Restrukturierungskosten in beiden Vergleichszeiträumen stieg der Nettogewinn nach Angaben des Unternehmens von 89,5 auf 91,1 Millionen US-Dollar.

Trotz der überraschend guten Zahlen ließ das Management um den neuen CEO Patrice Louvet die Jahresprognosen unverändert. Damit rechnet es weiterhin mit einem währungsbereinigten Umsatzrückgang um acht bis neun Prozent und einer operativen Marge zwischen 9,0 und 10,5 Prozent. Nach ersten Erfolgen bei der Sanierung sieht der frischgebackene Konzernchef das Unternehmen wieder auf einem guten Weg: „Wir sind weiter dabei, ein starkes Fundament für zukünftiges Wachstum zu legen. Das belegen die Fortschritte, die wir bei den Schlüsselelementen unseres ‚Way Forward‘-Plans im abgelaufenen Quartal gemacht haben“, erklärte er.

Foto: Ralph Lauren Facebook-Page

Tod’s: Große Hoffnungen trotz magerer Halbjahreszahlen

Der italienische Luxusgüterkonzern Tod’s Group hat im ersten Halbjahr 2017 beim Umsatz und Gewinn das Vorjahresniveau verfehlt. Für CEO Diego Della Valle war das keine große Überraschung: Die vorläufigen Zahlen, die das Unternehmen Ende vergangener Woche vorlegte, hätten „im Rahmen der Erwartungen“ gelegen, erklärte er. Angesichts einiger strategischer und personeller Veränderungen gab er sich sogar ausgesprochen optimistisch: „Wir sind zuversichtlich, in Zukunft wesentliche Verbesserungen beim Umsatz und der Gewinnmarge zu erzielen“, ließ Della Valle mitteilen.

In den ersten sechs Monaten fielen die Zahlen allerdings erst einmal schlechter aus als im vergangenen Jahr. Der Umsatz schrumpfte um 2,9 Prozent (währungsbereinigt -3,2 Prozent) auf 483,0 Millionen Euro. In fast allen Marktregionen waren die Erlöse rückläufig. Besonders schlecht sah es in Amerika aus. Dort machten den Italienern die insgesamt schwierigen Rahmenbedingungen zu schaffen. Geringere Frequenzen in den eigenen Boutiquen und die Schwäche der großen Warenhausketten ließen die Erlöse um 16,9 Prozent (währungsbereinigt -19,7 Prozent) auf 40,5 Millionen Euro abrutschen.

Auch in Italien ging es bergab, wenn auch weniger rasant: Der Umsatz in der Heimat sank um 2,2 Prozent auf 145,4 Millionen Euro. Im restlichen Europa konnte der Konzern das Vorjahresniveau in etwa halten: Der ausgewiesene Umsatz sank um 0,6 Prozent auf 119,3 Millionen Euro, bereinigt um Wechselkursveränderungen bedeutete das ein Wachstum um 1,2 Prozent. Die Erlöse in der Region Großchina stiegen um 1,4 Prozent (währungsbereinigt +1,3 Prozent) auf 108,5 Millionen Euro, im Rest der Welt gingen sie um 5,1 Prozent (währungsbereinigt -8,1 Prozent) auf 69,3 Millionen Euro zurück.

Während das Label Roger Vivier zweistellig zulegen konnte, sanken die Umsätze von Tod’s und Hogan

Nicht nur in den einzelnen Regionen entwickelten sich die Umsätze höchst uneinheitlich. Auch die vier Konzernmarken erlebten unterschiedliche Trends. So zeigten die beiden größten Labels Schwächen: Bei Tod’s sanken die Erlöse um 6,1 Prozent (währungsbereinigt -6,5 Prozent) auf 265,3 Millionen Euro, bei Hogan schrumpften sie um 6,9 Prozent (währungsbereinigt -6,8 Prozent) auf 98,7 Millionen Euro. Aufwärts ging es hingegen bei Fay (+4,1 Prozent, 25,9 Millionen Euro) und vor allem bei Roger Vivier. Der Umsatz der Marke stieg um 11,0 Prozent (währungsbereinigt +10,6 Prozent) auf 92,6 Millionen Euro.

Auch beim Ergebnis ging es abwärts: Die Italiener profitierten zwar von niedrigeren Materialkosten, dafür fielen höhere Ausgaben für neu eröffnete Boutiquen an: Ende Juni verfügte der Konzern weltweit über 270 eigene Stores, neun mehr als ein Jahr zuvor. So sank der operative Gewinn (EBIT) um 15,6 Prozent auf 52,3 Millionen Euro. Geringere Steuerbelastungen sorgten dafür, dass der Halbjahresüberschuss nach Minderheitenanteilen lediglich um 7,3 Prozent auf 34,7 Millionen Euro zurückging.

Tod’s Group, 1. Halbjahr 2017
Umsatz 483,0 Millionen €
Nettogewinn 34,7 Millionen €
Foto: Tod’s Facebook-Page
Firmen legen Pläne vor: Textilbündnis auf dem Prüfstand

Das Textilbündnis, zu dem sich Politik, Nichtregierungsorganisationen und Modeindustrie zusammengeschlossen haben, um sich für eine nachhaltigere, umwelt- und sozialverträglichere Textilproduktion einzusetzen, geht in diesen Tagen in seine entscheidende Phase. Die beteiligten Unternehmen schicken sich an, ihre konkreten Pläne zum Erreichen der Zielvorgaben einzureichen und bewerten zu lassen. Im Zuge dessen wird sich zeigen, wer es ernst meint und wer nur eine weitere Greenwashing-Kampagne anstrebt.

Gerade die Menschenrechts- und Umweltorganisationen des Bündnisses mahnen die Vertreter der Industrie derzeit nachdrücklich an, ihre sogenannten Roadmaps einzureichen. Wieviele das in den nächsten Tagen und Wochen sein werden, ist jedoch bislang völlig offen. „Wie viele Mitglieder des Textilbündnisses werden ihre Roadmap veröffentlichen? Welchen Anspruchsgrad werden diese Roadmaps haben? Wird das Bündnis sich auf inhaltlich verbindliche Anforderungen für die Roadmaps der nächsten Jahre wie zum Beispiel Schritte hin zur Umsetzung von existenzsichernden Löhnen einigen?“ will etwa die Organisation Clean Clothes Campaign - Kampagne für Saubere Kleidung (CCC) wissen.

In diesem Jahr müssen die Hersteller zum ersten Mal eine Roadmap erstellen und diese einer externen Prüfung auf Plausibilität durch einen unabhängigen Dienstleister unterziehen. Einige Unternehmen wie Otto oder Rewe sind dieser Verpflichtung bereits nachgekommen. Andere hingegen drücken sich laut CCC weiter und sind daher zum Teil schon wieder aus dem Bündnis ausgeschlossen oder sind selbst ausgetreten. Zu den umsatzstärksten und öffentlich bekannten Unternehmen, die das Bündnis verlassen haben, zählen beispielsweise Engbers, Ernsting's Family, Real, Trigema und Walbusch.

Auch Unternehmen fordern mehr Engagement

„"Das Bündnis jetzt zu verlassen, wo die Unternehmen über ein Lippenbekenntnis hinausgehen müssen, zeigt, dass ihr Engagement für Sozial- und Umweltstandards in ihren Lieferketten wohl doch nicht so ernst gemeint war" so Berndt Hinzmann vom ebenfalls am Textilbündnis beteiligten INKOTA-Netzwerk. Die Roadmaps der 20 zivilgesellschaftlichen Mitglieder des Textilbündnisses wurden extern auf Plausibilität geprüft und angenommen. Ein Großteil davon ist auch bereit, diese zu veröffentlichen, obwohl das gegenwärtig vorgegebene Fragenraster schwierig mit den Aktivitäten der Zivilgesellschaft vereinbar war und ihr politisches Engagement weit über ihre Mitarbeit im Textilbündnis hinausreicht, was aber in der Roadmap nicht darstellbar war.

Die zivilen Organisationen fordert nun nochmals alle Unternehmen im Bündnis auf, ihre Roadmaps ebenfalls zu veröffentlichen, um ihr Engagement transparent in der Öffentlichkeit darzustellen. „Transparenz ist ein wichtiger Aspekt, um zu nachprüfbaren Verbesserungen der sozialen und ökologischen Bedingungen in der textilen Kette zu gelangen. Daneben ist vor allem das Ambitionsniveau der geplanten Maßnahmen ein wichtiger Gradmesser", erläutert Maik Pflaum von der Christlichen Initiative Romero, die ebenfalls Teil des Bündnisses ist.

Ihre konkreten Pläne veröffentlich haben zuletzt die beiden Handelsunternehmen Otto und Rewe. Rewe lässt darin wissen, dass man bereits jetzt sämtliche Produktionsstätten für textile Eigenmarken in relevanten Ländern auf die Einhaltung von Sozialstandards überprüfe. Gleiches gelte auch für die Abwasserqualität der Fabriken, die das Unternehmen im Rahmen seines Detox Programms ebenfalls kontrolliert. Neu in den Maßnahmenkatalog aufgenommen hat Rewe eigenen Angaben zufolge das Thema „Umweltmanagement". Man habe sich für das Jahr 2017 vorgenommen, einen geeigneten Anbieter für ein Umweltmanagement-Programm zu identifizieren, um in der Folge einen Piloten zu starten. Innerhalb des Bündnisses engagiere man sich außerdem in der Expertengruppe Chemikalien- und Umweltmanagement für die Schaffung gemeinsamer Standards und in einer Projektgruppe für gemeinsame Trainingsmaßnahmen für Fabriken vor Ort.

Für den Versandhändler Otto steht aktuell vor allem die Überprüfung und Neuausrichtung der tieferen Lieferkette auf der Agenda. Vor allem das Auslisten bestimmter Chemikalien in der Vorstufe soll weiter vorangetrieben werden, heißt es aus dem Konzernsitz in Hamburg. Außerdem will das Unternehmen den Anteil an nachhaltiger Baumwolle aus dem Cotton made in Africa-Programm weiter ausbauen und mithilfe weiterer Qualifizierungsmaßnahmen in den Betrieben die Arbeitsbedingungen weiter verbessern.

Genauso wie CCC, INKOTA oder Romero fordern auch Rewe und Otto mehr Engagement von den anderen beteiligten Unternehmen und der Politik. Damit das Textilbündnis ein Erfolg werden könne, müssten alle Partner aktiv ihren Beitrag dazu leisten, so Johannes Merck, Direktor Corporate Responsibility bei der Otto Group. „Das Bündnis hat eine Zukunft, wenn alle Mitglieder – und ich betone alle – ihre Kräfte mobilisieren und dort einsetzen, wo die Hebelwirkung am größten ist.“ Dazu gehör es auch, Kompromisse zu schließen. Eine ausschließlich an Unternehmen gerichtete Erwartungshaltung könne hierbei nicht erfolgreich sein. „Neben den Nichtregierungsorganisationen ist insbesondere die Politik gefordert, die bei den Regierungen der Partnerländer darauf drängen muss, dass bestehendes Arbeitsrecht umgesetzt und gewerkschaftliche Strukturen gestärkt werden“, so Merck weiter.

Foto: birgitH / pixelio.de

Adidas und Puma: Aufholjagd in Übersee

Für Sportartikelfirmen ist der nordamerikanische Markt ebenso verführerisch wie schwierig. Einerseits wird nirgends wird so viel Geld für Turnschuhe und Sportswear ausgegeben wie in den USA, andererseits sind die Konsumenten zurückhaltender geworden. Oft lassen sich Produkte nur mit hohen Preisnachlässen verkaufen, einige wichtige Handelsketten mussten in den vergangenen Jahren Insolvenz anmelden. Darunter leiden derzeit vor allem die lokalen Platzhirsche: Beim Marktführer Nike und Under Armour, dem Aufsteiger der vergangenen Jahre, stagnierten die Umsätze in der Heimat zuletzt. Die deutschen Traditionsmarken Adidas und Puma konnten hingegen mächtig Boden gutmachen.

Während die größten einheimischen Marken in Nordamerika stagnieren, können Adidas und Puma wieder Boden gutmachen

Die jüngsten Quartalszahlen der vier Unternehmen sprechen eine deutliche Sprache: Nike kam im vierten Quartal in Nordamerika kaum voran – der Umsatz in den Monaten März bis Mai lag mit 3,75 Milliarden US-Dollar gerade einmal um 0,5 Prozent über dem Vorjahresniveau. Ähnlich mager sah es bei Under Armour aus: 829,5 Millionen US-Dollar erwirtschaftete das Unternehmen in Nordamerika im zweiten Vierteljahr, was einer Steigerungsrate um 0,3 Prozent entsprach.

Während sich die wichtigsten US-Konkurrenten kaum vom Fleck bewegten, konnte der Adidas-Konzern zum Jahresbeginn in deren Heimat auftrumpfen. Im ersten Quartal stiegen die gemeinsamen Erlöse der Marken Adidas und Reebok in Nordamerika um erstaunliche 35,8 Prozent (währungsbereinigt +30,6 Prozent) auf 988 Millionen Euro. Im zweiten Vierteljahr, für das die Zahlen am Donnerstag vorgelegt werden, ist erneut mit kräftigen Verbesserungen zu rechnen. Positiv entwickelte sich auch Puma. Zwar sind die Resultate nicht unbedingt vergleichbar – konkrete Daten weist das Unternehmen nur für Amerika insgesamt aus – aber zum Wachstum um 12,4 Prozent (währungsbereinigt +10,5 Prozent) auf 354,6 Millionen Euro trugen im zweiten Quartal auch deutlich bessere Geschäfte in Nordamerika bei.

Adidas und Puma: Aufholjagd in Übersee

Nach schwächeren Jahren haben sich beide deutsche Traditionsmarken neu aufgestellt

Ein Grund für den aktuellen Erfolg der deutschen Traditionsmarken ist, dass sie sich anders als ihre beiden großen US-Konkurrenten in den vergangenen Jahren neu aufstellen mussten. Vor nicht allzu langer Zeit hatten Adidas und Puma deutlich an Attraktivität verloren und darauf mit Reformen reagiert, die auch eine Modernisierung des jeweiligen Markenimages zur Folge hatten. Beide setzten neue Schwerpunkte, verpflichteten frische Aushängeschilder und justierten das Verhältnis von sportlichem Leistungsversprechen und modischer Lifestyleaussage neu, dessen Koordinaten sich branchenweit aufgrund des aktuellen Athleisure-Booms verschoben haben.

So rückte Adidas technische Innovationen stärker in den Vordergrund – eigentlich eine Domäne der US-Marken – und schuf sich damit ein moderneres, im Fertigungsbereich sogar ausgesprochen futuristisches Image . Gleichzeitig wurde das Lifestyleportfolio um neue Attraktionen bereichert, etwa durch den spektakulären Wechsel des US-Rappers Kanye West, der zuvor mit Nike zusammengearbeitet hatte und nun seit zweieinhalb Jahren Turnschuhe für die Herzogenauracher entwirft. So kann Adidas bei den Produkten, die nicht für den aktiven Sport gedacht, aber für den Umsatz umso wichtiger sind, mittlerweile nicht nur mit Reissues bewährter Old-School-Klassiker glänzen, sondern auch durch modische Aktualität.

Puma unterzog sich nach dürren Jahren ebenfalls einer Frischzellenkur: Kann das Label im Performance-Bereich schon seit 15 Jahren von der Partnerschaft mit Usain Bolt, dem wohl weltweit populärsten Sportler, zehren, wurde zuletzt auch im Lifestyle-Bereich globale Prominenz verpflichtet, die ein junges Publikum begeistern kann. Am augenfälligsten ist dabei die 2014 gestartete Kreativpartnerschaft mit Popstar Rihanna, aber auch Kollaborationen mit dem Rapper Big Sean, dem Supermodel Cara Delevigne oder dem Reality-TV-Sternchen Kylie Jenner sprechen neue Zielgruppen an.

Bei den beiden US-Konkurrenten waren solche Neuerfindungen angesichts der wirtschaftlichen Erfolge lange nicht nötig. Erst in den vergangenen Wochen reagierten sie auf die nachlassende Nachfrage: Sowohl Nike als auch Under Armour kündigten nun ihrerseits einschneidende Restrukturierungsmaßnahmen an.

Fotos: Adidas, Puma

Hugo Boss verdoppelt Halbjahresgewinn

Dank besserer Geschäfte im Ausland hat der Metzinger Modekonzern Hugo Boss AG das erste Halbjahr 2017 mit einem kleinen Umsatzplus abgeschlossen. Der Nettogewinn konnte sogar mehr als verdoppelt werden, was aber vor allem an restrukturierungsbedingten Sondereffekten lag. Insgesamt sieht sich der Konzern bei seinen Umbaubemühungen auf Kurs: „Unsere strategische Neuausrichtung beginnt zu greifen. Das zweite Quartal ist erfreulich verlaufen. Vor allem in den USA und im Online-Geschäft haben wir deutliche Fortschritte gemacht“, kommentierte Vorstandschef Mark Langer die am Mittwoch veröffentlichten Zahlen. Die Prognosen für das Gesamtjahr blieben unverändert.

In den ersten sechs Monaten erwirtschaftete Hugo Boss einen Umsatz in Höhe von 1,29 Milliarden Euro, was einer Steigerung um zwei Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum entsprach. Stark entwickelte sich das Label Hugo, dessen Erlöse um elf Prozent auf 187,3 Millionen Euro stiegen. Die Umsätze der Kernmarke Boss lagen wie im Vorjahreszeitraum bei 1,10 Milliarden Euro. Sie profitierte von der Integration der früher eigenständigen Linie Boss Green: Die Umsätze mit trendiger Athleisurewear stiegen und konnten geringere Erlöse mit traditioneller Business-Mode kompensieren.

Im zweiten Quartal nahmen die Geschäfte in Asien und Nordamerika Fahrt auf

In Europa, der wichtigsten Marktregion des Konzerns, in der auch die Geschäfte im Nahen Osten und in Afrika geführt werden, übertrafen die Erlöse im ersten Halbjahr mit 783,7 Millionen Euro das Vorjahresniveau nur knapp (+0,4 Prozent, währungsbereinigt +2 Prozent). Die einzelnen nationalen Märkte entwickelten sich unterschiedlich: Während die Erlöse in Großbritannien währungsbereinigt um neun Prozent stiegen, gingen sie in Frankreich zurück (-7 Prozent). In Deutschland schrumpfte der Umsatz um zwei Prozent auf 209 Millionen Euro.

In Amerika stieg der Halbjahresumsatz dank günstiger Wechselkursveränderungen um ein Prozent (währungsbereinigt -2 Prozent) auf 273,8 Millionen Euro. Im zweiten Vierteljahr zeichnete sich ein kräftiger Aufwärtstrend ab: In den USA stiegen die Erlöse erstmals seit zwei Jahren, auch in Kanada gab es Zuwächse. Der Quartalsumsatz stieg daher um fünf Prozent (währungsbereinigt +3 Prozent).

Auch im asiatisch-pazifischen Raum nahm das Wachstumstempo im zweiten Quartal Fahrt auf (+11 Prozent, währungsbereinigt +10 Prozent). Insgesamt stieg der Halbjahresumsatz in der Region um sieben Prozent (währungsbereinigt +5 Prozent) auf 195,1 Millionen Euro. Die globalen Lizenzeinnahmen beliefen sich in den ersten sechs Monaten auf 34,4 Millionen Euro (+16 Prozent).

Sondereffekte sorgen für einen Gewinnsprung

Aufgrund der Einschränkung von Rabatten konnte der Konzern seine Bruttomarge verbessern. Die Ausgaben für Vertrieb, Marketing und Verwaltung stiegen proportional zum Umsatz. Dass unter dem Strich trotzdem ein deutlich höheres Ergebnis stand, lag an Sondereffekten: Im Vorjahr hatte die Schließung unprofitabler Filialen im Rahmen des laufenden Restrukturierungsprogramms Belastungen in Höhe von 65 Millionen Euro zur Folge gehabt, in diesem Jahr beliefen sich die entsprechenden Kosten lediglich auf sieben Millionen Euro. Daher fiel das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) mit 145,1 Millionen Euro mehr als doppelt so hoch aus wie im ersten Halbjahr 2016, als es bei 69,1 Millionen Euro gelegen hatte. Der Konzernüberschuss sprang von 49,5 auf 105,6 Millionen Euro.

Angesichts der vorliegenden Halbjahreszahlen sah Konzernchef Langer keinen Grund, etwas am Kurs oder an den aktuellen Prognosen für 2017 zu ändern. „Wir bekräftigen unseren Ausblick für das Gesamtjahr und blicken mit Zuversicht auch über dieses Jahr hinaus“, erklärte er. „Die neue Markenstrategie ist vom Handel sehr positiv aufgenommen worden. Damit haben wir ein wichtiges Zwischenziel unserer strategischen Neuausrichtung erreicht.“

Hugo Boss AG, 1. Halbjahr 2017
Umsatz 1,29 Milliarden €
Nettogewinn 105,6 Millionen €

Foto: Hugo Boss AG
Düsseldorf Ordertage - Ein Tag bei ACO Modeagentur

INTERVIEW Die Modeagentur ACO sitzt in der Georg-Glock-Straße in Düsseldorf, nahe der Showroom-Meile auf der Kaiserswerther Straße, die das Epizentrum der Orderveranstaltung CPD bildet. Die Agentur, die es seit vierzig Jahren gibt, vertritt unter anderem die Marken Marciano Los Angeles, Fusalp, P.a.r.o.s.h., Iceberg, Pinko, Tara Jarmon, Pleinsud Jeanius, Versace Collection, Just Cavalli und Plein Sport in Deutschland. FashionUnited verbrachte einen Freitagvormittag während der Ordertage in der Agentur und ließ sich von Falko Diebel das Ordergeschäft und die Agenturarbeit erklären.

FashionUnited: Was macht einen guten Agenten aus?

Falko Diebel: Als Agent muss man wissen, wer vor einem steht, oder es zumindest rausfinden können. Das Business verändert sich. Deshalb werden Service und Kompetenzen im Sinne einer 360-Grad-Betreuung wieder wichtiger. Der Agent muss seine Distribution sowie den Kunden und seine individuellen Befindlichkeiten kennen. Für einen Agenten ist es außerordentlich wichtig, den Bezug zum echten Einzelhandel nicht zu verlieren. Was sagen die Endkonsumenten zu unseren Produkten? Gerade bei Reklamationen ist das besonders wichtig. Bei den italienischen Schnitten zum Beispiel sind die Arme des Öfteren zu eng. Wir sehen es als unsere Aufgabe, italienische Kollektionen auf den deutschen Markt zu Übersetzen.

FashionUnited: Was sollten neue Händler wissen?

Ganz unbeschriebene Blätter, die einen neuen Laden eröffnen wollen, haben es sehr schwer aktuell. Ich glaube, allein aus Spaß macht das heute keiner mehr. Der kaufmännische Teil am Handel wird wieder wichtiger, der ‚Spaßfaktor‘ geht zurück. Der Markt wird ‚bereinigt‘, viele alte Hasen müssen dicht machen. Das bedeutet für neue Händler, dass sie noch kompetenter und professioneller an die Sache herangehen und sich im Vorfeld informieren und positionieren müssen, da der Wettbewerb deutlich härter geworden ist. Wir freuen uns daher umso mehr, über jedes neue Geschäftsmodell, das sich im Markt etablieren kann und dem wir dabei helfen können.

Düsseldorf Ordertage - Ein Tag bei ACO Modeagentur

FashionUnited: Wie genau geht eine Order vonstatten?

Falko Diebel: Es gibt ganz verschiedene Kunden. Die einen arbeiten nur mit Rechner nach Listen und es gibt welche, die ganz Oldschool die Kleider mitzeichnen. Unterschiedliche Handelsformen benötigen unterschiedliche Wege, ihre Kollektionen zu ordern. Department-Stores arbeiten stark mit Listenformaten während der inhabergeführte Einzelhändler eher aus dem Bauch hinaus entscheidet. Winni Klenk von Abseits in Stuttgart zum Beispiel geht durch die Kleiderständer der Kollektionen und wählt seine Favoriten aus. Er zeigt auf das, was ihm gefällt, legt die Teile, in diesem Fall Hosen, heraus und dann entscheiden wir anhand von Farbkarten, welche Styles in welchen Farben und Größen wie oft geordert werden. Das geht bei ihm ruckzuck. Aufgrund der schwierigen Marktsituation haben aktuell dennoch viele Händler die Handbremse angezogen. Auch wenn sich die Designer gerade in diese Saison alle Mühe geben, zu inspirieren.

FashionUnited: Heißt das, es werden mehr Basics geordert?

Falko Diebel: Der typische Order-Aufbau ist, dass von allem etwas dabei ist, in Sachen Stil wie auch in Sachen Preislage. Wichtig ist, dass man seine Bestseller kennt, aber man braucht auch ein paar ‚Showpieces‘ Der Endkunde braucht im Laden auch etwas zum Nein-Sagen - so im Sinne von: ‚Das da ist mir zu verrückt, aber das andere nehme ich‘, oder ‚das ist mir zu teuer, aber das andere Teil leiste ich mir‘. Nur crazy und beratungsintensiv funktioniert im Handel nicht.

Es geht auch weg von ganz großen Namen hin zu ‚kleinerer Name aber dennoch gute Qualität‘. Selbst bei den High Fashion Concept-Stores ist das zu sehen. Die Schere zwischen ganz billig und ganz teuer geht etwas zu. Weil das Luxus-Kleid für geht vielleicht nur einmal im Monat weg, aber ein Kleid für ein paar hundert Euro verkaufe ich an die gleiche Frau in drei verschiedenen Varianten. Die Jugend baut im moment eine ganz andere Brand-Awareness auf. Die preisliche Mitte wird wieder stärker.

FashionUnited: Das ist aber nicht die selbe Mitte, die es früher einmal gab?

Falko Diebel: Stimmt. Es geht eher um einen anderen Mix. Der Look ändert sich und die Bereitschaft, Neues auszuprobieren, ist auf allen Seiten viel höher. Wer das nicht mitmachen kann, der hat es in der Zukunft schwer, sich in dem Markt zu positionieren.

Diesen Wandel im Konsumentenverhalten kann auch die Inhaberin von Selendi Die Mode, Belinda Selendi aus Österreich, die bei ACO zu Besuch ist, bestätigen: „Für mich hat Mode momentan an Wert verloren, weil es von allem zu viel gibt. Deshalb müssen es wirklich besondere Teile sein, tragbare Teile und was, was der Kunde wirklich noch nicht im Schrank hat. Alle Kleiderschränke sind voll. Da muss man sehr gewählt aussuchen,“ sagt sie.

Düsseldorf Ordertage - Ein Tag bei ACO Modeagentur

FashionUnited: Wie würdest du allgemein die Lage in Eurem Business aktuell beschreiben?

Falko Diebel: Die goldenen Zeiten sind vorbei und daran müssen wir uns alle noch gewöhnen. Der Markt ist sehr empfindlich. Der Handel ist zum Teil recht unzufrieden. Es ist unsere Aufgabe, dem entgegen zu wirken, indem wir neue Impulse setzen. Das Markenportfolio wird für Händler immer wichtiger. Der deutsche Händler ist heute besser informiert denn je, weil er ständig auf Reisen ist. Die Münchner Händler wissen, was es in Berlin gibt und umgekehrt. Der Markt verändert sich aktuell rasant, dadurch ergeben sich aber auch Möglichkeiten für neue Brands, sich dementsprechend zu positionieren. Eine Krise birgt auch immer eine Chance.

FashionUnited: Wie haltet Ihr Euch über den POS informiert?

Deshalb haben wir unser Beratungskonzept ‚The Farm‘ ins Leben gerufen, das gerade im KaDeWe als Pop-Up-Fläche zu sehen ist. Wir zeigen mit unserer Agentur und The Farm, was auch im Handel machbar ist und wie man einen Store so aufbauen kann, dass er inspiriert. The Farm ist ein Beratungskonzept, das derzeit mit einer Testfläche im Kadewe vertreten ist. Dieses gibt uns die Möglichkeit, Rückschlüsse auf verschiedene Retail-Konzepte zu ziehen und bildet so die Basis für unsere Empfehlungen an Händler und Marken. So können wir sehr gut analysieren, was am POS geht und was geht nicht.

Foto: Winni Klenk von Abseits in Stuttgart ist auf der Suche nach dem besonderen Stück. Barbara Russ für FashionUnited

Under Armour schreibt rote Zahlen und kündigt Reformen an

Beim US-amerikanischen Sportartikelhersteller Under Armour Inc. lief es zuletzt alles andere als rund. Nachdem der Aufsteiger aus Baltimore jahrelang mit phänomenalen Wachstumsraten selbst etablierte Konkurrenten wie Adidas das Fürchten gelehrt hatte, stellten sich Sättigungseffekte ein. Vor allem auf dem ohnehin schwierigen Heimatmarkt scheint Under Armour sein Potential ausgereizt zu haben. Die Anleger reagierten verschnupft: Innerhalb eines Jahres verlor die Aktie die Hälfte ihres Wertes.

Auch im zweiten Quartal 2017, für das der Sportartikler am Dienstag Zahlen vorlegte, lag das Umsatzwachstum weit unterhalb früherer Steigerungsraten. Zwar wurde der Quartalsverlust reduziert, aber angesichts der anhaltenden Schwächephase senkte Under Armour seine Jahresprognosen und verkündete einschneidende Restrukturierungsmaßnahmen. Die gehen erst einmal ins Geld: Das Unternehmen rechnet mit zusätzlichen Einmalbelastungen im dreistelligen Millionen-Dollar-Bereich.

Aufgrund schwacher Geschäfte in Nordamerika steigt der Quartalsumsatz nur um 8,7 Prozent

In den Monaten April bis Juni erwirtschaftete Under Armour einen Umsatz in Höhe von 1,09 Milliarden US-Dollar (921,3 Millionen Euro). Gegenüber dem Vorjahresquartal bedeutete das eine Steigerung um 8,7 Prozent (währungsbereinigt +8,3 Prozent). Während die Umsätze mit Bekleidung und Accessoires deutlich stiegen, gingen sie im Schuhgeschäft zurück.

Kaum Bewegung gab es beim Umsatz in der Heimat: In Nordamerika übertrafen die Erlöse mit 829,8 Millionen US-Dollar das Vorjahresniveau nur knapp (+0,3 Prozent). Damit büßte das Unternehmen dort weiter Marktanteile gegenüber der Konkurrenz ein: Marken wie Puma und Adidas konnten zuletzt zweistellige Zuwächse verbuchen.

Um die Abhängigkeit vom schwächelnden Heimatmarkt zu verringern, setzte Under Armour in den vergangenen Jahren gezielt auf die Expansion im Ausland. So erwies sich das internationale Geschäft erneut als Wachstumsmotor. Im asiatisch-pazifischen Raum stiegen die Erlöse um 88,8 Prozent auf 93,6 Millionen US-Dollar, in der Region EMEA, die Europa, den Nahen Osten und Afrika umfasst, um 57,0 Prozent auf 103,9 Millionen US-Dollar und in Lateinamerika um 10,4 Prozent auf 38,0 Millionen US-Dollar. In der mit millionenschweren Investitionen aufgebauten Connected-Fitness-Sparte sank der globale Umsatz um 2,2 Prozent auf 23,0 Millionen US-Dollar.

Sondereffekte sorgen für einen deutlich niedrigeren Quartalsverlust

Höhere Betriebskosten und Preisnachlässe sowie negative Währungseffekte sorgten dafür, dass Under Armour das Quartal mit einem operativen Verlust abschloss. Der Fehlbetrag lag bei 4,8 Millionen US-Dollar, nachdem im Vorjahr noch ein Betriebsgewinn von 19,4 Millionen US-Dollar erzielt worden war. Der auf die Anteilseigner entfallende Nettoverlust fiel aufgrund von Einmaleffekten allerdings geringer aus: Er sank von 52,7 auf 12,3 Millionen US-Dollar (10,4 Millionen Euro). Im Vorjahresquartal war das Unternehmen nur aufgrund von Sonderzahlungen an bestimmte Aktionäre in Höhe von 59 Millionen US-Dollar in die roten Zahlen gerutscht.

Kostspielige Restrukturierungsmaßnahmen werden den Jahresgewinn belasten

Aufgrund der erneut unbefriedigenden Resultate kündigte die Konzernleitung einen Restrukturierungsplan an. Ziel sei eine „höhere Effizienz“ und die stärkere Konzentration auf rentable Investitionen, erläuterte CEO Kevin Plank. So will das Unternehmen nach Jahren des rapiden Wachstums nun Einschnitte vornehmen. Geplant sind Ladenschließungen und Entlassungen. Die geplanten Maßnahmen werden das Ergebnis empfindlich belasten. Das Unternehmen bezifferte die voraussichtlichen Restrukturierungskosten auf 110 bis 130 Millionen US-Dollar vor Steuern im laufenden Geschäftsjahr. Davon entfallen bis zu siebzig Millionen US-Dollar auf die vorzeitige Beendigung von Mietverträgen und Abfindungszahlungen, der Rest auf Abschreibungen und Wertberichtigungen.

Angesichts der schwachen Nachfrage in Nordamerika und der Zusatzbelastungen durch die Sanierungsmaßnahmen schraubte das Management auch die Jahresprognosen nach unten: Beim Umsatz wird für 2017 jetzt nur noch mit einem Wachstum im Bereich von neun bis elf Prozent gerechnet, nachdem zuvor eine Steigerung um elf bis zwölf Prozent angepeilt worden war. Auch beim operativen Gewinn wurden die Erwartungen deutlich zurückgeschraubt. Aufgrund der Restrukturierungskosten rechnet das Unternehmen nun nur noch mit 160 bis 180 Millionen US-Dollar. Bereinigt um Sondereffekte wären das 280 bis 300 Millionen US-Dollar. Zuvor hatte die Prognose bei 320 Millionen US-Dollar gelegen.

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