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Türkische Modemarken haben Indien im Visier

Führende türkische Einzelhändler wie Mavi, NetWork, Tuğba, Twigy und Viz haben den indischen Markt mit seiner riesigen jungen und konsumtechnisch aufstrebenden Bevölkerung für sich entdeckt. Um Partner für einen möglichen Markteintritt zu gewinnen trafen sich deshalb Vertreter dieser Marken jüngst in Indien mit großen Akteuren wie Landmark, Major Brands, Future Retail und Reliance, die bereits viele internationale Marken im Land vertreten.

'Warum erst jetzt fragt man sich', denn Indien und die Türkei sind weder geografisch noch kulturell weit voneinander entfernt - ein Flug von Mumbai nach Istanbul dauert gerade einmal fünfeinhalb Stunden und beide Länder haben aufgrund ihrer großen muslemischen Bevölkerungen viele kulturelle Gemeinsamkeiten. Zudem sind Bekleidung und Textilien in beiden Ländern ein wichtiger Wirtschaftszweig, ebenso die Baumwollindustrie.

Aber besser spät als nie - selbst Späteinsteiger H&M, der erst 2015, fünf Jahre nach dem Rivalen Zara auf den indischen Markt trat, konnte schnell aufholen und betreibt inzwischen mit 21 Filialen sogar ein Geschäft mehr als Zara. Zudem ist die Nachfrage nach Fast Fashion aus dem Westen in Indien noch nicht gesättigt und das Land soll sich laut Einschätzungen in den nächsten 30 Jahren zu einer wichtigen Konsumgesellschaft entwickeln.

Türkische Modemarken haben Indien im Visier

Die Türkei ist eines der wenigen Herstellungsländer, die sich an international anerkannte ökologische Standards hält und zum Beispiel den Gebrauch krebserregender Färbemittel verbietet. Als sowohl bekleidungsproduzierende und -konsumierende Gesellschaften sollten Indien und die Türkei in der Tat viel zu besprechen haben.

Fotos: Mavi-Website, NetWork-Website
Ahlers: Auslaufaktivitäten drücken Umsatz und Gewinn

Der Ahlers-Konzern befindet sich aktuell noch in einer Umbau- und Konsolidierungsphase. Ein schmerzhafter Prozess, dessen Auswirkungen sich auch in den aktuellen Geschäftszahlen niederschlagen. So lagen die Umsätze in den ersten neun Monaten 2016/17 bei 179,7 Millionen Euro und damit um 2,6 Prozent unter dem Vorjahreswert von 184,5 Millionen.

Das EBITDA sank sogar um 12,8 Prozent auf nur noch 10,9 Millionen Euro, nach 12,5 Millionen im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Noch schlechter sieht das Ergebnis nach Steuern aus, das um um 19,6 Prozent auf gerade mal 4,1 Millionen Euro absackte. Dennoch gibt es Grund für Optimismus: Ohne die Altlasten aus der Geschäftsabwicklung der Marken Gin Tonic und Private Label hätte das Unternehmen zumindest ein Nullwachstum verbuchen können.

Die verbliebenen Marken Pioneer Authentic Jeans, Baldessarini und Pierre Cardin entwickeln sich nämlich durchaus erfreulich und werden wohl in den kommenden Geschäftsberichten wieder für bessere Zahlen sorgen.

Markenwachstum von zwei Prozent anvisiert

Für glänzende Zahlen sorgt bei Ahlers hingegen bereits jetzt das Online-Geschäft, das im Berichtszeitraum kräftig zulegte. Nach dem Neudesign der Online Shops, dem Wechsel des Dienstleisters im Herbst des Vorjahres nahmen die Umsätze im ersten Halbjahr endlich wieder Fahrt auf. Nachdem die Umsätze im ersten Quartal 2016/17 noch stabil waren, legten sie im Folgequartal schon mit 13 Prozent und nun im dritten Quartal mit 24 Prozent zu. Aufgelaufen wuchs das E-Commerce-Geschäft damit in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2016/17 um elf Prozent.

„Der stationäre deutsche Bekleidungseinzelhandel sieht sich seit einigen Jahren mit Frequenzrückgängen konfrontiert. Wir haben uns in diesem Umfeld auf die sich ändernden Anforderungen des Handels eingestellt, arbeiten eng mit den Einzelhandelskunden zusammen und wachsen mit unserem Marken Pierre Cardin, Pioneer und Baldessarini“, so die Vorstandsvorsitzende Stella A. Ahlers in einem Statement.

Da ist es kaum überraschend, dass der Vorstand die im Geschäftsbericht des Vorjahres veröffentlichte Umsatz- und Ergebnisprognose für das Geschäftsjahr 2016/17 erneut bestätigt. Für das vierte Quartal 2017 rechnet der Vorstand sogar mit steigenden Umsätzen, weil sich die Umsätze mit Herbst-/Winterware vom dritten in das vierte Quartal verschoben haben. Man geht zudem davon aus, dass die bestehenden Marken im Gesamtjahr 2016/17 um etwa zwei Prozent wachsen. „Damit sollte das Umsatzminus der beendeten Aktivitäten weitgehend ausgeglichen und für das Geschäftsjahr 2016/17 ein etwa stabiler Gesamtumsatz erreicht werden“, heißt es. In Erwartung einer leicht wachsenden Rohertragsmarge, betrieblicher Aufwendungen auf Vorjahresniveau und sinkender Sonderaufwendungen sollte dann auch das Konzernergebnis wieder „moderat steigen“.

Foto: Baldessarini

Vor den Verhandlungen über Einschnitte bei den Gehältern von Kaufhof-Beschäftigten fordert die Gewerkschaft Verdi von der Konzernspitze ein tragfähiges Zukunftskonzept für das Warenhaus. «Kaufhof braucht überzeugende Konzepte, wie die Umsätze gesteigert werden sollen», sagte Verdi-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger am Donnerstag. Mit Personalkostenkürzungen bringe man das Unternehmen nicht voran.

Nutzenberger machte Managementfehler mitverantwortlich für die Lage der Warenhauskette. Bereits seit 2015 habe der Gesamtbetriebsrat eine nicht erkennbare Verkaufsstrategie und eine verfehlte Rabattpolitik bemängelt. «Ein Umsteuern konnten wir aber bis heute nicht erkennen», sage die Gewerkschafterin.

Das Verdi-Vorstandsmitglied verwies auf zahlreiche offene Fragen, die noch zu klären seien. So müsse über die Mieterhöhungen gesprochen werden, die der kanadische Mutterkonzern HBC der deutschen Tochter aufgebürdet habe. Außerdem werfe es Fragen auf, wenn HBC einerseits in Europa teuere Expansionspläne vorantreibe, aber nun gleichzeitig den Beschäftigen bei Kaufhof in die Tasche greifen wolle. «Die Beschäftigten von Kaufhof wollen nicht für Managementfehler büßen», betonte Nutzenberger.

Das Kaufhof-Management will wegen der schwierigen wirtschaftlichen Lage des Konzerns in Verhandlungen mit Verdi Einschnitte bei Löhnen und Gehältern der etwa 21 000 Mitarbeiter durchsetzen. Dazu soll ein Tarifvertrag zur Beschäftigungssicherung abgeschlossen werden. (DPA)

Neue Pläne: Wie Gucci zur Öko-Marke werden will

Die Luxusmarke Gucci will sich von den klassischen Maßstäben des Modegeschäfts verabschieden und sich als sozial verantwortungsvolles, nachhaltiges Modeunternehmen neu positionieren. Das als etwas angestaubt geltende Traditionshaus will so endlich den Schritt in die Moderne wagen und so neue Käuferschichten gewinnen. Die Verantwortlichen des zum Luxusgüter-Konzern zählenden Unternehmens haben anscheinend erkannt, dass es ein „weiter so!“ im hochpreisigen Modegeschäft nicht mehr geben kann – zumindest, wenn man weiterhin eine relevante Rolle auf dem globalen Luxusmarkt spielen will.

Gucci-Chef Marco Bizzarri gab nun auf einer vom Mutterkonzern Kering initiierten Talkrunde erstmals Einblick in die Pläne des Modehauses. Als erste Maßnahme auf dem Weg zum Nachhaltigkeits-Champion will Gucci demnach künftig komplett auf den Einsatz von Echtpelz verzichten. Bereits ab der kommenden Kollektion für die Saison Frühjahr/Sommer 2018 soll der Pelzverzicht zur Firmenpolitik werden. Zudem werde das Unternehmen der „Fur Free Alliance“ beitreten, einem Zusammenschluss von Unternehmen, die ihre Produkte pelzfrei halten.

Restbestände vergangener Kollektionen, in denen noch Echtpelz verarbeitet ist, sollen im Rahmen einer Auktion meistbietend versteigert und die Erlöse an Tierschutzorganisationen gespendet werden.

Umweltschutz, Sozialkompetenz und Innovation im Fokus

Der Verzicht auf den Einsatz von Echtpelz reicht jedoch bei weitem nicht aus, um sich im Wettbewerb von seinen Mitbewerbern abzuheben. Schließlich sind andere Marken wie Armani oder Hugo Boss bereits viel früher auf diese Idee gekommen und schmücken sich seit geraumer Zeit mit der Mitgliedschaft in der Fur Free Alliance. Gucci will daher noch einen Schritt weiter gehen und seine neue „Culture of Purpose“ auch sozial- und umweltpolitisch aufladen.

Gucci-Geschäftsführer Bizzarri verkündete daher auf der Kering-Veranstaltung im London College of Fashion, die durch die Textil- und Lederproduktion entstehenden Einflüsse auf die Umwelt signifikant reduzieren zu wollen. Man setze deshalb auf eine durchsichtige Lieferkette und wolle erreichen, dass 95 Prozent aller Gucci-Produkte auf ihrem Weg von der Rohstoffproduktion bis in den Flagship Store nachvollziehbar seien, so Bizzarri. Und das garantiert.

Schließlich will sich das Unternehmen auch noch vermehrt um die Menschen kümmern, die für Gucci arbeiten – von der externen Produktion bis in die hauseigene Chefetage. Man verpflichte sich, das Leben der Menschen zu verbessern, vor allem in der Produktion, heißt es. Dafür unterstütze man diverse Sozialprojekte und arbeite eng mit Organisationen vor Ort zusammen. Auch für die Gleichberechtigung werde man sich weiter stark machen, so Bizzarri.

Die Zukunft soll so wieder Gucci gehören – auch, weil das Unternehmen innovativer und schneller werden will. Dabei soll ein neu geschaffenes Start-Up Umfeld beitragen, das dem Traditionshaus mit neuen Ideen einheizen soll. Vor allem technische Neuerungen, die Produktion und Vertrieb effektiver und umweltschonender gestalten, stünden dabei im Fokus, lässt Bizzarri wissen.

Foto: Getty Images / Kering

Mango: Erfolg durch Investitionen und Expansion

Der spanische Modekonzern Mango ist als eine der wenigen Modeketten weltweit auf Expansionskurs und verzeichnet seit Jahren Umsatz- und Gewinnsteigerungen, etwa im Jahr 2015, als Mango alle Erwartungen übertraf und es auf Platz 9 der beliebtesten Modemarken der Welt schaffte. Was ist das Geheimnis des Erfolges der Modemarke? FashionUnited wollte es genauer wissen und hat die Entwicklungen der letzten Jahre zusammengestellt.

Expansion wird bei Mango groß geschrieben - im Jahr 1992 fing das 1984 gegründete Modeunternehmen damit an, und zwar mit zwei Filialen in Portugal, die es neben 100 Geschäften im Heimatmarkt Spanien betrieb. Zu dem Zeitpunkt bot die Marke nur Damenmode an; Herrenmode kam erst im Jahr 2008 hinzu. Ende 2010 betrieb das Unternehmen bereits mehr als 1.700 Filialen in 101 Ländern.

Mango: Erfolg durch Investitionen und Expansion

Mango - 2730 Filialen in 105 Ländern weltweit

Heute beschäftigt der Bekleidungskonzern weltweit über 13.456 Mitarbeiter, 1.800 davon im Hangar Design Center und im Gesellschaftssitz in Palau de Plegamans bei Barcelona. Das Durchschnittsalter liegt bei 29 Jahren und 86 Prozent aller Mitarbeiter sind Frauen. Die Zahl der Geschäfte ist inzwischen auf über 2.730 gestiegen, die auf 105 Länder in fünf Kontinenten verteilt sind.

Auf neue Markterschließungen wurde von Anfang an Wert gelegt, so etwa schon früh der russische und chinesische Markt; vor wenigen Tagen eröffnete Mango ein

erstes Geschäft in Indien zusammen mit Myntra, der größten Mode- und Lifestyle-Shopping-Plattform Indiens.

Auch der Nahe Osten bleibt ein Kernmarkt für Mango: seit seinem Markteintritt im Jahr 1996 hat das Unternehmen in der Region 250 Verkaufspunkte eröffnet. Ähnlich sieht es in Deutschland aus, einem „strategisch sehr wichtigen Markt“, so Mango, auf den es ebenfalls 1996 trat. Nach der Eröffnung von „Megastores“ in Frankfurt, Nürnberg und Hannover bringt die Neueröffnung eines Geschäfts in der Hamburger Innenstadt im April dieses Jahres die Anzahl der deutschen Filialen auf 152 .

Mango: Erfolg durch Investitionen und Expansion

Mango setzt auf e-Commerce und Logistik

Nach einer eigenen Website, die 1995 ins Leben gerufen wurde, erkannte die Marke schon früh die Notwendigkeit eines eigenen Webshops und führte im Jahr 2000 seinen Online-Shop ein, der bald auf die gesamte EU, nicht-EU-Länder wie Andorra, Norwegen und die Schweiz, Nordamerika und Outletshops in Europa ausgeweitet wurde.

Die richtige Logistik ist da sehr wichtig, damit alle Märkte schnell und effizient beliefert werden können. Mango setzte früh auf ein eigenes System, das in den letzten 30 Jahren dank neuer Technologien stetig weiterentwickelt und ausgebaut wurde. Derzeit können 30.000 Kleidungsstücke pro Stunde sortiert und verteilt werden. Auch das Liefergebiet für den 24-Stunden-Versand wurde von 10 auf 28 europäische Länder und die USA ausgeweitet.

Innovationen treiben das Wachstum voran

Dem Thema Nachhaltigkeit widmete sich Mango zuletzt im Februar dieses Jahres, als das Unternehmen eine erste nachhaltige Modekollektion ankündigte, die ab März erhältlich war. Die 25-teilige Damen- und 20-teilige Herrenkollektion namens „Mango Committed“ besteht aus Kleidungsstücken, die ausschließlich aus nachhaltigen Materialien gefertigt sind. Nachdem das Unternehmen Bio-Baumwolle zunächst für die Linien Woman und Baby einsetzte, kündigte es in seinem Nachhaltigkeitsbericht an, diese auf alle Linien ausweiten zu wollen.

Mango: Erfolg durch Investitionen und Expansion

Mit „Mango Touch“ startete das Unternehmen im September 2011 ein neues Geschäftsmodell, nämlich Geschäfte, die ausschließlich Accessoires anbieten, und testete dies in Ländern wie Spanien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Frankreich, Italien, Katar, Russland und anderen, bevor es sich damit auch nach Bangkok, Jakarta, Lissabon, Marbella, Palma de Mallorca, Rom, Santiago de Chile und Singapur wagte.

Mango: Erfolg durch Investitionen und Expansion

Auch was die Kauflust seiner Kunden und Kundinnen angeht, will das Unternehmen nichts dem Zufall überlassen, wie Mangos Partnerschaft mit Shazam zeigt, die Anfang dieses Jahres geschlossen wurde. Die App soll als Kaufverstärker agieren, da sie Mango-Kunden (zuächst in Spanien) ermöglichen soll, beim Stöbern im Laden ihre Lieblingslieder zu spielen.

Bei so vielen Investitionen ist es nicht verwunderlich, dass die Gewinne des spanischen Unternehmens trotz guter Umsätze gering bleiben. 2016 etwa wuchs es durch eine allgemeine Umsatzflaute und Fast Fashion-Investitionen zum ersten Mal seit Jahren nicht. Im zweiten Halbjahr zeichnete sich jedoch bereits eine beträchtliche Besserung ab, besonders im Online-Bereich.

Mangos Stärke liegt auch darin, selbst in Krisenzeiten ruhig zu bleiben und Entscheidungen zu treffen, die zunächst schmerzvoll sind, dann aber die gewünschte Wirkung zeigen. So hatte der Konzern etwa Anfang dieses Jahrzehnts, als die globale wirtschaftliche Situation sich verschlechterte, seine Preise um 20 Prozent gesenkt. Dadurch wollte Mango auch sein Image als Anbieter hochwertiger Produkte zu niedrigen Preisen verbessern.

Mango: Erfolg durch Investitionen und Expansion

Überlegte Entscheidungen statt Trends, Investitionen in neue Produkte und Technologien sowie die Erschließung neuer Märkte scheinen sich für Mango in den letzten Jahren ausgezahlt zu haben. Zudem sorgte eine Überarbeitung seines Images, an dem Mango seit 2009 arbeitete, für ein neues, jüngeres Erscheinungsbild samt neuem Logo, das von den Kunden und Kundinnen gut angenommen wurde. Sollte Mango auch weiterhin ähnlich gut planen und auf Krisen reagieren, sieht die Zukunft des spanischen Modekonzerns auch weiterhin rosig aus.

Fotos: Mango & Mango Committed

Der Handels- und Dienstleistungskonzern Otto Group hat in den ersten sechs Monaten seines Geschäftsjahres (März bis August) den Umsatz um rund sieben Prozent gesteigert. Auch die Ergebnisse hätten sich weiter gut entwickelt, teilte die Otto Group am Donnerstag in Hamburg mit, ohne Zahlen zu nennen. Im besonders bedeutenden Online-Handel habe der Konzern zweistellig zulegen können. Die mehr als 100 Online-Shops der Gruppe erreichten ein Wachstum von zehn Prozent. Damit beginne der ambitionierte Wachstumskurs aufzugehen, so das Unternehmen.

Im deutschen Markt lag die Otto Group mit ihrem Online-Umsatz von rund 4,9 Milliarden Euro im vergangenen Jahr auf dem zweiten Platz aller Online-Händler, hinter Amazon mit 8,1 Milliarden Euro. Das ergaben unabhängige Untersuchungen. Auf Rang drei liegt demnach Zalando mit 1,1 Milliarden Euro; alle übrigen Anbieter sind nochmals deutlich kleiner. Allein Amazon, Otto und Zalando machen fast ein Drittel des deutschen Online-Marktes aus. (DPA)

Marken sollen in Kambodscha Stellung für Menschenrechte beziehen

London - Führende Modemarken, die in Kambodscha produzieren, sind angehalten, über die zahlreichen Menschenrechtsverletzungen zu sprechen, die dort mit den Einschränkungen des demokratischen und zivilgesellschaftlichen Raums einhergehen.

Arbeiterrechtsorganisationen wie Clean Clothes Campaign, Worker Rights Consortium und International Labour Rights Forum rufen internationale Modeunternehmen, die in Kambodscha fertigen lassen oder von dort Material beziehen, dazu auf, sich gegen Unterdrückung politischer Anführer, NGOs und unabhängiger Medien auszusprechen und die lokale Regierung in die Pflicht zu nehmen, Menschen- und Arbeiterrechte zu respektieren.

„Wenn die Marken nicht laut und deutlich Position beziehen, fürchten wir, dass die Errungenschaften der kambodschanischen Gewerkschaften, Arbeitsrechts-NGOs und anderer zivilgesellschaftlicher Organisationen deutlich beeinträchtigt werden könnten“, so Jessica Champagne, Deputy Director for Field Operations and Strategy des Worker Rights Consortiums in einem Statement.

Marken sollen in Kambodscha Stellung für Menschenrechte beziehen

Händler sollen über Menschen- und Arbeitsrechtsverletzungen in Kambodscha sprechen

„Dies wird negative Auswirkungen auf die Freiheit von Arbeitern haben, Anliegen hervorzubringen und für Verbesserungen einzutreten. Wir sehen schon jetzt eine Verschlechterung hart erkämpfter Rechte, die Arbeiter und Aktivisten in den letzten zehn Jahren errungen haben."

Aktuelle Beispiele der Unterdrückung der kambodschanischen Demokratie und Zivilgesellschaft beinhalten die Verhaftung des Oppositionsführers und Präsidenten der National Rescue Party, Kem Sokha, der wegen Landesverrats angezeigt wurde, die Schließung des durch die USA finanzierten National Democratic Institute und die Einstellung der Zeitung Cambodia Daily, eines englischsprachigen Mediums, das es seit 24 Jahren gegeben hatte.

Aktuell ist der Bekleidungs- und Schuhsektor Kambodschas 6,8 Milliarden US-Dollar wert, was etwa 80 Prozent der gesamten Exporte des Landes ausmacht. Etwa 700.000 Beschäftigte arbeiten in dem Sektor. Aus diesem Grund fordern Arbeitsrechtsaktivisten, dass die multinationalen Marken ihre Stimme nutzen.

„Trotz der schlechter werdenden Situation ist es essentiell, dass Marken weiterhin in Kambodscha aktiv bleiben und die Rechte der Arbeiter, die ihre Produkte fertigen, aufrecht erhalten und verteidigen“, forderte Ben Vanpeperstraete, Lobby and Advocacy Coordinator der Clean Clothes Campaign. „Sie sollten darauf bestehen, dass die Regierung die grundlegenden Rechte aller Menschen respektiert.“

„Große Marken können und sollten ihren Einfluss nutzen“, so Judy Gearhart, Executive Director des International Labor Rights Forum. „Sie profitieren davon, dort Geschäfte zu treiben, und wenn sie behaupten wollen, dies verantwortlich zu tun, dann müssen sie ihre Prinzipien in die Tat umsetzen. Ohne fundamentale Freiheiten und eine Regierung, die Menschenrechte, Arbeiter und Gewerkschaften respektiert, wird der ganze Sektor leiden.“

Bild 1: Pixabay

Bild 2: Der Women Power Fashion Pop-up Sweatshop, by Anko Stoffels

Der schwedische Modehändler H&M steht an diesem Freitag (13.10.) im Fokus von Protestaktionen in Deutschland und Indien. Anlass seien verstärkte Angriffe auf die Rechte von Beschäftigten und Betriebsräten in Deutschland sowie anstehende Tarifverhandlungen bei H&M-Zulieferbetrieben in Indien, teilte die Gewerkschaft Verdi am Mittwoch in Berlin mit. «H&M fällt hierzulande immer wieder durch schlechte Arbeitsbedingungen auf», kritisierte Vorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger. «In Ländern wie Indien, Bangladesch oder Sri Lanka herrschen in vielen Zulieferfabriken immer noch menschenunwürdige Arbeitsbedingungen.» In mehr als 17 deutschen Städten seien Aktionen geplant.

Der schwedische Konzern wies die Vorwürfe zurück. «Wir erschweren keine Betriebsratsarbeit», heißt es in einer Stellungnahme der deutschen Zentrale in Hamburg. «Nie gab es Kündigungen aufgrund von Gewerkschafts- oder Betriebsratsarbeit und wird es auch nicht geben.» Grundsätzlich habe sich H&M weltweit zur Einhaltung der Arbeitsnormen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) verpflichtet. (DPA)

Gardeur: Massekredit soll Abhilfe schaffen

Beim insolventen Mönchengladbacher Hosenspezialisten Gardeur kann bald durchgeatmet werden: Ein Massekredit, der durch die Hausbanken der Gardeur Gruppe finanziert werden und dem operativen Geschäft dienen soll, steht kurz vor dem Abschluss.

„Ich gehe davon aus, dass wir in den nächsten Tagen den Vertrag über Massekredit unterschreiben werden“, sagte der vorläufige Insolvenzverwalter Biner Bähr laut TextilWirtschaft. Die Auszahlung des Massekredits in „signifikanter Millionenhöhe“ soll ebenfalls in den nächsten Tagen erfolgen und Wareneinkauf und Auslieferung als erste Priorität in Angriff genommen werden, damit der Geschäftsbetrieb so weiterlaufen kann wie bisher.

„Designer und Schnittmacher arbeiten im Moment an der Erstellung der Herbst/Winter-Kollektion 2018. Die Musterung dafür, die wir durch unsere eigene Musternäherei und Wäscherei im Haus erstellen, ist im vollen Gang. Das Team ist hochmotiviert und engagiert bei der Sache. Sobald der Massekredit für das operative Geschäft in den nächsten Tagen ausbezahlt wird, hat die Auslieferung die höchste Priorität. Wir werden bereits fertige Hosen ausliefern können und parallel die Produktion sehr schnell hochfahren“, bestätigte Ulrike Mellenthin, Leiterin Unternehmenskommunikation, gegenüber 1st-blue.

Zwei Massekredite sollen Gardeur finanzieren

Ein erster Massekredit für die Löhne und Gehälter der Mitarbeiter, der durch das Insolvenzgeld der Bundesagentur für Arbeit gesichert ist, läuft bereits und greift bis zum 30. November 2017. Damit scheint die Finanzierung für die nächsten Monate zunächst gesichert.

Danach springt hoffentlich ein neuer Investor ein, der im nächsten Schritt nun gefunden werden soll. Laut Gardeur gibt es bereits mehrere Interessenten und das Unternehmen ist zuversichtlich, bis Ende November mit einem geeigneten Kandidaten einig geworden zu sein.

Gardeur hatte erst vor einer Woche beim Amtsgericht Mönchengladbach einen Antrag auf die Eröffnung von Insolvenzverfahren über das Vermögen von vier Gesellschaften der Gardeur-Gruppe beantragt - der Gardeur GmbH, der Gardeur Service GmbH, der Gardeur Beteiligungs GmbH sowie der CDS Club Du Sport Bekleidung GmbH.

Foto: Gardeur Website
US-Modekonzern vor Namenswechsel: Coach heißt bald Tapestry

Beim US-amerikanischen Lederwarenspezialisten Coach Inc. hat sich in den vergangenen Jahren einiges getan. Lange stand der Konzern nur für die gleichnamige Marke, dann fiel die strategische Entscheidung, ihn zu einem „kundenorientierten Multimarkenunternehmen“ auszubauen. Das ist inzwischen geschehen: Erst übernahm Coach das Schuhlabel Stuart Weitzman, dann vor wenigen Monaten auch das Modehaus Kate Spade. Dieser Wandel soll sich künftig auch im Namen widerspiegeln: Am Mittwoch gab der Konzern bekannt, dass er sich am 31. Oktober in „Tapestry“ umbenennen wird. Das umfassende Rebranding wurde zusammen mit der auf Markenentwicklung spezialisierten New Yorker Agentur Carbone Smolan erarbeitet.

„Vor drei Jahren haben wir unsere Vision verkündet, Coach umzubauen und über die Marke hinaus zu wachsen. Durch die Umsetzung unserer Strategie und den Kauf von Stuart Weitzman im Jahr 2015 und von Kate Spade in diesem Sommer haben wir diese Ziele erreicht“, erklärte CEO Victor Luis in einer Mitteilung. Jede der drei Marken habe ein eigenständiges Profil, gleichzeitig teilten sie gemeinsame Werte, so Luis. Daher habe der Konzern „einen Namen gesucht, der diese Werte, aber auch die kulturelle Vielfalt unserer Mitarbeiter und Marken heute und in Zukunft zum Ausdruck bringt“. Letztlich sei die Entscheidung auf „Tapestry“ gefallen, weil der Begriff für „Kreativität, Handwerkskunst, Authentizität und Inklusivität auf der gemeinsamen Basis einheitlicher Werte“ stehe.

„Tapestry“ wird ab Ende Oktober als Dachgesellschaft der drei Konzernmarken Coach, Stuart Weitzman und Kate Spade firmieren. Auch an der Börse hat die Umbenennung Folgen: Als offizielles Kürzel wird danach TPR statt COH verwendet.

Foto: Coach Facebook-Page