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Deutschland-Premiere: Alberto startet mit „Alexa“-Technologie

Wer im neuen Concept-Store von Hosenspezialist Alberto in Mönchengladbach eine Frage hat, kann sich seit zwei Wochen vertrauensvoll an „Alexa“ wenden, den intelligenten Sprachcomputer von Amazon. Alberto gehört zu einem der ersten Mode-Unternehmen in Deutschland, das Künstliche Intelligenz aktiv in den Handel integriert und dabei lernt, sie für sich nutzbar zu machen. Was verspricht sich Alberto davon?

Online und offline verbinden

„Der Markt hat sich in den letzten Jahren sehr verkrampft darauf konzentriert, wie man das Online-Geschäft gestaltet“, erklärt Marco Lanowy, teilhabender Geschäftsführer des Hosenspezialisten Alberto. „Wir haben schon sehr früh, 2004, unseren Online-Shop gelauncht. Uns interessiert, wie man die Online-Welt mit der Offline-Welt verbindet.“ Alexa ist das „Computergehirn“ hinter Amazon Echo, einem Gerät, das vollständig durch Sprache gesteuert wird und dank Freisprechfunktion schnell und einfach Fragen beantworten oder Aktionen durchführen kann. Seit zwei Wochen ist das Gerät im Store installiert und wird seither mit großer Begeisterung und ohne große Hemmschwellen, so Lanowy, von Kunden und Personal gleichermaßen genutzt. Das Gerät, das aussieht wie ein Lautsprecher, kann Fragen zu Produkten beantworten, zum Unternehmen, zu speziellen Waschungen und Stofflieferanten, also eigentlich zu allem, was Alberto wichtig ist und womit Alberto Alexa „gefüttert“ hat. Darüber hinaus kann Alexa natürlich noch alle anderen Fragen beantworten, deren Antworten das Internet zur Verfügung stellt.

Deutschland-Premiere: Alberto startet mit „Alexa“-Technologie

Kein Ersatz sondern Ergänzung

„Das Spannende hierbei ist für uns, welche Fragen stellen die Kunden?“, erklärt Lanowy. Alberto erfährt so aus erster Hand, welche Wünsche Kunden haben und wo man Dinge verbessern kann. Immer wenn Fragen nicht beantwortet werden können, werden neue Antworten im System hinterlegt. So lernt Alexa dauerhaft hinzu und wird nicht nur für Kunden zu einer intelligenten Wissensdatenbank, sondern auch für das Personal. Alexa soll deshalb auch dazu genutzt werden, Mitarbeiter zu schulen. Ersetzen soll das Gerät das Personal im Store hingegen nicht, so Lanowy: „Alexa ist kein Ersatz, sondern eine Ergänzung.“ Für ihn ist die Nutzung der neuen Sprachtechnologie nur die logische Konsequenz daraus, wie wir inzwischen schon auf visueller Ebene digitale Technologien nutzen. Wir alle kennen die Tablets und Computerstelen in den Stores, mit denen der Kunde nach Produkten und Informationen online suchen kann. Aber wie hoch ist der Anteil der Kunden, die diese Geräte wirklich nutzen? Sprachsteuerung ist hingegen unschlagbar einfach. Alexa reagiert auf Zuruf. Jeder, der seine Frage mit: „Alexa, frag Alberto…“ beginnt, aktiviert das Gerät. Alle anderen Gespräche und Geräusche in der Umgebung bleiben unberücksichtigt und werden auch nicht mitgeschnitten.

Lernen mit der Technologie

Das rasante Tempo des technischen Fortschritts verlangt kurze Reaktionszeiten und eine „Learning by Doing“-Mentalität. Auch im Handel. „Wir wollen ganz viel mit Alexa lernen“, erklärt Lanowy, und er weiß auch, dass solche neuen Technologien in den letzten Jahren nicht immer gleich erfolgreich waren. „Wir können uns aber sehr gut vorstellen, dass Alexa uns noch viele weitere Möglichkeiten bietet, die wir bislang noch nicht realisiert haben.“ Dazu gehört natürlich auch die Anbindung an das eigene Warenwirtschaftssystem, wodurch binnen Sekunden Bestände abgefragt werden können. Ob Alexa dann sinnvollerweise an der Kasse steht und vom Personal genutzt wird oder in der Kabine, und da vom Kunden bedient wird, wird sich zeigen. Als nächsten Step will Alberto Alexa im Showroom einsetzen und dort z.B. Infos zur neuen Kollektion geben. Lanowy kann sich auch vorstellen, eine mobile Alexa zu Schulungszwecken bei Partnern anzuwenden. Letztendlich will er auch dahin kommen, dass Alexa einmal die Frage beantworten kann: Alexa, frag Alberto, was ich anziehen soll?

Kundenbedürfnis im Mittelpunkt

Alberto geht es bei all dem Investment in die neue Technologie nicht darum, den POS mit einem weiteren technischen Gimmick zu verschönern. Dass Alberto die Nähe zum Kunden ernst nimmt, zeigt vor allem das Investment in den Concept-Store, der als erster Alberto-Store weltweit im vergangenen Oktober in Mönchengladbach eröffnet wurde. Hier steht nicht nur Alexa und will Neues vom Kunden erfahren, hier sind auch regelmäßig interne Alberto-Mitarbeiter vom nahegelegenen Headquarter im Einsatz. Vom Lageristen bis hin zum Designer haben alle die Möglichkeit, im Store mitzuarbeiten und dabei wertvolle Erfahrungen mit dem Kunden zu sammeln. Ein Angebot, das sehr gerne genutzt wird, sagt Lanowy.

Fotos: Alberto

Chinesische Bekleidungs- und Textilunternehmen verstärken Investitionen in Äthiopien

Äthiopien gewinnt als neues Beschaffungland zunehmend an Dynamik wie zehn große chinesische Unternehmen - die Hälfte davon Textil- und Bekleidungshersteller - gezeigt haben: Sie haben beschlossen, noch in der ersten Hälfte des laufenden äthiopischen Haushaltsjahres in das ostafrikanische Land zu investieren. Einer von ihnen, der Textilhersteller und -händler Jiangsu Sunshine Group, hat sogar fast eine Milliarde US-Dollar zugesagt.

Die Investitionsdynamik folgt einer Maßnahme der Äthiopischen Investitionskommission (EIC), die vorrangig auf große, effektive Unternehmen setzt, die mehr und schnelle Beschäftigung bieten können. Darüber hinaus verstärkt die EIC ihre Anstrengungen zur Gewinnung ausländischer Direktinvestitionen (FDI), da diese in den ersten sechs Monaten des laufenden Geschäftsjahres einen leichten Rückgang auf 1,2 Milliarden US-Dollar aufwiesen; Ziel für das gesamte Geschäftsjahr sind 3,5 Millionen US-Dollar, so EIC-Beauftragter Fitsum Arega.

Das Land richtet seine Aufmerksamkeit besonders auf exportorientierte Betriebe und solche, die mehr Arbeitsplätze schaffen können, und konzentriert sich daher auf Unternehmen der verarbeitenden Industrien wie Textil und Bekleidung, Leder und Lederwaren. China ist in beiden Punkten führend, jedoch dicht gefolgt von Indien: Von 124 ausländischen Investoren, die in den vergangenen drei Monaten ein starkes Interesse geäußert haben, stammen 71 aus China.

Die niedrigsten Löhne der Welt, eine verfügbare und schulbare Arbeiterschaft, anhaltende Infrastrukturprojekte, eine schnell wachsende Wirtschaft, Unterstützung der Regierung und ein günstiges Investitionsklima sind einige der wichtigsten Faktoren, die besonders Textil- und Bekleidungsunternehmen motivieren, in Äthiopien zu investieren; einige fragen sich sogar, ob es gar das neue Bangladesch werde. Auf jeden Fall befindet sich die äthiopische Textilindustrie im Aufschung und Unternehmen wie Ayka Textile aus der Türkei, der britische Einzelhandelskonzern Tesco und die schwedische Fast Fashion-Kette H&M entdeckten Äthiopien bereits vor ein paar Jahren und investieren weiterhin. Im Jahr 2015 schloss sich Äthiopien auch der Cotton made in Africa-Initiative an.

“Wir empfehlen allen Investoren, aufgrund der wirtschaftlichen, politischen und sozialen Stabilität in Äthiopien zu investieren, die von einem unglaublichen Engagement der Regierung und Anreizen für den Textilsektor unterstützt wird”, sagte Osman Basoglu, Geschäftsführer von Etur Textile Plc, einem Teil der Yuskel Group, auf der EIC-Website.

In Bezug auf die jüngsten Unruhen in den Staaten Oromia und Amhara teilte Fitsum Arega mit, dass die Regierung mehr als 100 Millionen Birr (4,15 Millionen Euro) in die finanzielle Unterstützung für betroffenen Gartenbaubetriebe bereitsstelle. Darüber hinaus gewährt sie Unternehmen, deren Besitz beschädigt wurde, einen einjährigen Aufschub und Zollfreiheit. Er stellte fest, dass kein ausländischer Investor seinen Betrieb infolge der jüngsten Unruhen unterbrochen oder eingestellt habe.

Derzeit steht das ostafrikanische Land in den Startlöchern für das 5. Africa Business Forum, einer zweimal jährlich stattfindender Veranstaltung, auf der internationale Investoren Kunden verschiedener Branchen und aus aller Welt treffen können, sowie ihre afrikanischen Kunden und Partner. Das Africa Business Forum wurde 2014 ins Leben gerufen und wird in diesem Jahr am 1. März in Addis Abeba stattfinden.

Foto: Ayka Textile
Prada: Aufwärtstrend nach Umsatzrutsch

Das Geschäftsjahr 2016/17 lief für den italienischen Luxusmodekonzern Prada SpA ausgesprochen schlecht. In allen wichtigen Märkten gingen die Umsätze zurück – und das teilweise massiv. Zuletzt entdeckte die Unternehmensführung aber Anzeichen für eine positive Trendwende.

Am Montag veröffentlichte das Modehaus vorläufige Umsatzzahlen für das Ende Januar abgeschlossene Geschäftsjahr. Demnach sanken die Erlöse im Vergleich zum Vorjahr um zehn Prozent auf rund 3,18 Milliarden Euro. Bereinigt um Wechselkursveränderungen schrumpften sie um neun Prozent.

Besonders schlecht entwickelte sich der eigene Einzelhandel: In den 620 Boutiquen des Unternehmens ging der Umsatz um 14 Prozent (währungsbereinigt -13 Prozent) auf gut 2,63 Milliarden Euro zurück. Das Unternehmen verwies allerdings auf einen Aufwärtstrend in der zweiten Jahreshälfte, insbesondere in den Monaten Dezember und Januar.

Im Großhandelsgeschäft konnte Prada dank neuer Partnerschaften mit wichtigen Online-Händlern seine Erlöse um 13 Prozent (währungsbereinigt +14 Prozent) auf 504 Millionen Euro steigern. Die Lizenzeinnahmen stiegen dank der Zuwächse bei Brillen und Düften um drei Prozent auf 45 Millionen Euro.

CEO Patrizio Bertelli setzt auf innovative digitale Projekte und Omnichannel-Strategien

In allen Märkten schrumpften die Umsätze auf währungsbereinigter Basis. In Europa hielt sich der Schwund noch in Grenzen (-5 Prozent), in den übrigen Regionen ging es steiler bergab. So gingen die Erlöse im wichtigen asiatisch-pazifischen Raum währungsbereinigt um zwölf Prozent zurück. Auch hier machte die Konzernführung zuletzt aber Verbesserungen aus: In China seien die Erlöse in der zweiten Jahreshälfte deutlich gestiegen, in den seit langem kriselnden Märkten Hongkong und Macao sei der Abwärtstrend gebremst worden. Auch im Mittleren Osten (-10 Prozent), Amerika (-12 Prozent) und Japan (-13 Prozent) verfehlten die Umsätze bereinigt um Wechselkursveränderungen das Vorjahresniveau deutlich.

Neben ersten Verbesserungen in einigen Märkten und Vertriebskanälen gaben CEO Patrizio Bertelli auch strategische Veränderungen Anlass zur Hoffnung. So verwies er auf die vergangenen Jahr eingeleiteten Rationalisierungsmaßnahmen, die Überarbeitung der digitalen Strategie und Strukturveränderungen im Retail-Management, die eine „innovative Verbindung der traditionellen Vertriebskanäle mit dem Online-Geschäft“ zum Ziel haben.

Foto: Prada
Levi Strauss steigert Jahresumsatz und Gewinn

Dank guter Geschäfte in Europa und Asien hat der US-amerikanische Bekleidungskonzern Levi Strauss & Co. im Geschäftsjahr 2015/16 Umsatz und Ergebnis verbessern können. In Amerika sorgten ungünstige Wechselkursveränderungen und die Schwäche im Großhandel dafür, dass die Erlöse das Vorjahresniveau verfehlten.

Insgesamt erwirtschaftete das Unternehmen im abgelaufenen Geschäftsjahr, das am 27. November 2016 endete, einen Umsatz in Höhe von 4,55 Milliarden US-Dollar (4,27 Milliarden Euro). Gegenüber dem Vorjahr entsprach das einer Steigerung um ein Prozent. Währungsbereinigt wuchsen die Erlöse um drei Prozent. Stark entwickelte sich der eigene Einzelhandel, in dem der Umsatz währungsbereinigt um zwölf Prozent stieg. Die Erlöse im Großhandel stagnierten hingegen.

Vor allem in der Region Americas schwächelte das Wholesale-Geschäft. Dort waren die Umsätze rückläufig. Trotz Zuwächsen im eigenen Einzelhandel sanken die Gesamterlöse in Amerika daher um zwei Prozent auf 2,68 Milliarden US-Dollar. Währungsbereinigt erreichten sie immerhin das Vorjahresniveau.

In Europa wuchs der Umsatz im Geschäftsjahr 2015/16 währungsbereinigt um zehn Prozent

Besser sah es in Europa und Asien aus. In Europa stieg der Umsatz um sieben Prozent (währungsbereinigt +10 Prozent) auf 1,09 Milliarden US-Dollar. Im Großhandel wuchsen die Erlöse um einen einstelligen Prozentsatz, im eigenen Einzelhandel aufgrund von neu eröffneten Shops sogar zweistellig. In Asien wurde der Umsatz um vier Prozent (währungsbereinigt +6 Prozent) auf 778 Millionen US-Dollar gesteigert.

Auch beim Ergebnis machte Levi Strauss Fortschritte. So konnte die Bruttomarge aufgrund niedrigerer Produktionskosten und der Rationalisierung der Lieferkette verbessert werden. Weil weitaus geringere Restrukturierungskosten als im Vorjahr anfielen, konnten höhere Investitionen in den Ausbau des stationären Einzelhandels und das Online-Geschäft kompensiert werden. Letztlich stieg das operative Ergebnis um sieben Prozent auf 462 Millionen US-Dollar. Bereinigt um Einmaleffekte und Wechselkursveränderungen wuchs der Betriebsgewinn um zwei Prozent. Der auf die Anteilseigner entfallende Jahresüberschuss stieg aufgrund günstiger Sondereffekte um 39 Prozent auf 291 Millionen US-Dollar (273 Millionen Euro).

„Wir freuen uns, auch im vierten Jahr in Folge ein profitables Wachstum auf währungsbereinigter Basis präsentieren zu können“, erklärte CEO Chip Bergh in einer Mitteilung. Wesentliche Faktoren für den anhaltenden Aufwärtstrend seien „die Stärke der Marke Levi’s und des eigenen Einzelhandels“. So geht Bergh auch zuversichtlich ins neue Geschäftsjahr: „Trotz der weiterhin sehr schwierigen Rahmenbedingungen sind wir angesichts unseres vielfältigen Portfolios optimistisch, was die langfristigen Wachstumsperspektiven angeht“, erklärte er.

Levi Strauss: Geschäftsjahr 2015/16
Umsatz 4,55 Milliarden $
Nettogewinn 291 Millionen $

Foto: Levi’s
Skechers: Rekordumsatz beflügelt Aktienkurs

Der US-amerikanische Freizeitschuhanbieter Skechers Inc. hat auch das Geschäftsjahr 2016 mit neuen Rekordzahlen abgeschlossen. Die Aussichten für das laufende Quartal fielen zwar recht zurückhaltend aus, übertrafen aber die Erwartungen der Analysten. So sprang der Aktienkurs seit der Veröffentlichung der Resultate um mehr als zwanzig Prozent.

Am vergangenen Donnerstag teilte Skechers mit, dass der Jahresumsatz 2016 ein neues Rekordniveau erreicht habe. Das Unternehmen steigerte seine Erlöse gegenüber dem Vorjahr überraschend stark um 13,2 Prozent auf 3,56 Milliarden US-Dollar (3,35 Milliarden Euro). Der operative Gewinn wuchs um 5,6 Prozent auf 370,5 Millionen US-Dollar, der Jahresüberschuss nach Minderheitenanteilen um 5,0 Prozent auf 243,5 Millionen US-Dollar (228,6 Millionen Euro).

2016 sei „ein weiteres bedeutendes Wachstumsjahr“ für Skechers gewesen, erklärte CEO Robert Greenberg. Das Unternehmen habe seinen Rang als zweitgrößte Schuhmarke in den USA behaupten können. Auch international sieht der Konzernchef weitere Wachstumschancen: „Wir glauben, dass wir unsere globalen Marktanteile vergrößern werden, weil wir im Auslandsgeschäft weiterhin die höchsten Zuwachsraten erreichen“, so Greenberg.

Für das erste Quartal 2017 rechnet das Unternehmen mit einem mindestens gleichbleibenden Umsatz im US-Großhandel sowie Zuwächsen im Auslandsgeschäft und im eigenen Einzelhandel. Konkret wurde ein Umsatz im Bereich von 1,050 bis 1,075 Milliarden US-Dollar prognostiziert. Der Quartalsgewinn pro Aktie soll 0,50 bis 0,55 US-Dollar betragen.

Foto: Skechers via Facebook
Trump, Welthandel und die Zukunft der Textilindustrie

HINTERGRUND Angesichts weitreichender Ereignisse wie Brexit, der jüngsten Präsidentschaftswahl der USA und dem Rückzugs des Landes vom TPP, wurde die weltweite Textil- und Bekleidungsindustrie in jüngster Zeit Veränderungen unterzogen, die den täglichen Betrieb beeinflussen. Aus diesem Grund hat Kingpins, die internationale Boutique-Denim-Show der Beschaffung, eine Podiumsdiskussion mit dem Titel „Live: Kingpins Goes to DC: : Trump, Trade and the Future of the Global Textile Industry“ ausgestrahlt, um die Schnittstelle zwischen Regierung und Textilindustrie und Modebranche zu erforschen.

Der erste Teil einer Reihe geplanter Diskussionen zu den Herausforderungen und Chancen der Textil- und Bekleidungsindustrie wurde am 9. Februar 2017 in Kooperation mit Just-Style gestartet. Er konzentrierte sich darauf, was das aktuelle politische Klima sowohl für die globale als auch die US Denim- und Bekleidungsindustrie bdeutet. Diskussionsteilnehmer waren Julia K. Hughes, Präsidentin der United States Fashion Industry Association (USFIA) und Augustine Tantillo, Präsident und CEO des National Council of Textile Organisationen (NCTO). Robert Antoshak, Geschäftsführer von Olah Inc., leitete die Diskussion.

Hughes sprach über die jüngsten Veränderungen in der Textil- und Modebranche der USA und die Unterstützung der heimischen Produktion von Präsident Donald Trump und wies darauf hin, dass der Handel Arbeitsplätze schafft und dass die Produktion im Ausland ebenfalls Arbeitsplätze in den USA fördert. Tantillo konterte mit der Feststellung, dass Produkte der Branche im Wert von 60-65 Milliarden US-Dollar in den USA produziert werden. „Es ist gut, eine Regierung zu haben, die ein Grundinteresse an der Unterstützung dieses Ziels bestätigt“, sagte er und fügte hinzu: „Unsere Verpflichtung ist hier.“

Trump, Welthandel und die Zukunft der Textilindustrie

Ursprungslandregel: Vor- oder Nachteil?

Auf die Frage nach Handelsabkommen wie NAFTA und einer potenziellen Aktualisierung antwortete Hughes mit „ja“, hält sie sie doch im Allgemeinen für eine gute Idee, warnte jedoch vor potenziell schwierigen Veränderung wie zum Beispiel Steuern auf Waren nach Mexiko oder Änderungen in der internationalen Lieferkette. Tantillo verwies auf die Ursprungslandregel, die bestimmt, dass das Garn für einen bestimmten Stoff aus einem NAFTA-Land stammen muss, als „großen Erfolg“ , warnte aber, dass ihre Vorteile nur für Unterzeichnerstaaten und nicht für Nicht- Unterzeichner wie China gelten sollten.

Hughes steuerte eine andere Perspektive bei: „Zwar gibt es US-Unternehmen, die durch die Ursprungslandregel erfolgreich sind ... sie behindert aber auch die Lieferkette der westlichen Hemisphäre, da sie nicht schnell genug ist“, zum Beispiel durch die Nichtverfügbarkeit von Produkten außerhalb von Mexiko und Kanada.

Auf die Frage, ob die Handelsbeziehungen durch mögliche Wiederverhandlungen zwischen Mexiko, Kanada und den USA und einer potenziell strengen China-Politik leiden würden, wies Hughes darauf hin, dass derzeit 41 Prozent der Importe der Branche aus China kommen. „China ist wichtig und es ist interessant, dass die derzeitige Regierung noch keine Maßnahmen gegen China getroffen hat“, bemerkte sie.

Tantillo wies als Antwort auf die vielen Probleme hin, die sich bei Geschäften mit China ergeben, etwa was den Schutz des geistigen Eigentums angeht, Subventionen, die Abwertung der chinesischen Währung und Produktionsstandards, die in der westlichen Hemisphäre in Bezug auf das Leben der Arbeitnehmer und den Umweltschutz nicht akzeptabel seien. „Es ist erfrischend, endlich jemanden sagen zu hören, dass China einen enormen Einfluss ausübt, aber die Frage bleibt, ob sie dort durch faire Maßnahmen hingekommen sind oder ob sie diesen Marktanteil durch faire und ausgewogene Praktiken beibehalten können“, gab er zu bedenken.

Aus mit dem TPP?

In Bezug auf die TPP stimmten beide Diskussionsteilnehmer überein, dass, obwohl die TPP wahrscheinlich noch nicht tot sei, sie „an diesem Punkt in einem sehr tiefen Winterschlaf ist und vielleicht nicht mehr aus ihm aufwachen wird“. Tantillo wies darauf hin, dass die meisten Länder bereits ein bilaterales Handelsabkommen mit den USA hätten, während einige TPP-Mitglieder wie Japan, Vietnam und Malaysia keine so guten Kandidaten seien wie beispielsweise Japan und möglicherweise Großbritannien. Laut Hughes müssen die USA engagiert bleiben und sich die vielen Handelsabkommen vor Augen führen, die bereits bestehen. “Wir wollen nicht zurückbleiben, wir müssen ein globales Land bleiben“, warnte sie.

Zum Schluß beantworteten die beiden Experten die von just-style-Chefredakteurin Leonie Barrie beigesteuerte Frage, wie Unternehmen der Branche mit der aktuellen Unsicherheit umgehen sollten. „Mein Rat ist gerade jetzt: Ruhe bewahren“, sagte Hughes. „Was können wir mit unserer Beschaffungsstrategie machen? Geschäftschließungen beeinflussen uns, was sind die Auswirkungen des E-Commerce? ... Wir müssen ruhig bleiben und nicht wegen eines Tweets aktiv werden“, sagte sie. „Seien Sie so gut, wie Sie in Bezug auf Innovation und Produktqualität sein können“, riet Tantillo.

Fotos: Kingpins Livestream, von links nach rechts: Julia Hughes, Auggie Tantillo, Robert Antoshak
Primarks Förderprogramm für nachhaltige Baumwolle verzeichnet gute Erfolge

Der irische Textildiscounter Primark hat jüngst die Ergebnisse seines Förderprogramms für nachhaltige Baumwolle in Zusammenarbeit mit CottonConnect und der indischen Gewerkschaft Self-Employed Women’s Association (SEWA) veröffentlicht, das sich bereits im dritten Jahr befindet. Die Zahlen belegen die positive Auswirkung des Programms auf die Lebensqualität von Baumwollfarmerinnen in Indien: Im Durchschnitt verdienten sie fast das Zweieinhalbfache (247 Prozent) als mit herkömmlichen Anbaumethoden und können das zusätzliche Einkommen in ihre Farmen, Unterkünfte, die Gesundheit ihrer Familie und die Bildung ihrer Kinder investieren.

Das Programm schult indische Farmerinnen in nachhaltigen Anbaumethoden, sodass sie ein höheres Einkommen erzielen und ihren Lebensstandard verbessern können. Insgesamt nahmen in den ersten drei Jahren 1.251 Farmerinnen aus dem indischen Bundesstaat Gujarat teil; 2016 erweitete Primark das Programm um weitere 10.000 Farmerinnen über einen Zeitraum von sechs Jahren.

Indien ist derzeit - dicht hinter China - der zweitgrößte Baumwollproduzent der Welt. Frauen spielen dabei eine zentrale Rolle im Baumwollanbau, erledigen sie laut Erkenntnissen des Internationalen Handelszentrums (ITC) doch 70 Prozent der Arbeit beim Pflanzen und 90 Prozent der Ernte. Beim Lohn zeigt sich jedoch eine deutliche Diskrepanz : Frauen erhalten in den ländlichen Gebieten Indiens lediglich 78 Prozent des Lohns, den Männer für die gleiche Arbeit erhalten. Dieses Gefälle trägt dazu bei, dass Indien Platz 130 unter 188 Ländern im Gender Inequality Index der Vereinten Nationen belegt. Die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern ist damit eine der größten Herausforderungen für die Entwicklung des Landes.

Förderprogramme unterstützt Wohl der Frauen und der Umwelt

„Die Resultate des Förderprogrammes zeigen, dass sich ein langfristiges Engagement zur Unterstützung weiblicher Baumwollfarmer für das Wohl der Frauen, ihrer Familien und lokalen Gemeinschaften auszahlt. So stieg der durchschnittliche Profit nicht nur um 247 Prozent bei um 19,2 Prozent niedrigeren Anbaukosten, zugleich konnte der Umweltschutz deutlich verbessert werden. Die Farmerinnen verwenden dank nachhaltiger Anbaumethoden im Schnitt 40 Prozent weniger künstliche Düngemittel und 44 Prozent weniger Pestizide; der Wasserverbrauch sank um 10 Prozent“, heißt es in der Pressemitteilung vom Donnerstag.

„Es ist eine Herausforderung, nachhaltige, dauerhafte Veränderungen für indische Baumwollfarmerinnen zu erreichen. Das kann niemand alleine schaffen“, sagte Alison Ward, CEO von CottonConnect. „Durch unsere Zusammenarbeit mit Primark und der SEWA konnten wir sehr gute Ergebnisse für die am Programm beteiligten Farmerinnen, ihre Familien und lokalen Gemeinschaften erzielen. Für unseren Erfolg war es von elementarer Bedeutung, dass wir zunächst die Unterstützung der Dorfältesten und anderen Familienmitgliedern gewonnen haben. Das ermöglichte einen wirklichen Kulturwandel. Die Frauen werden jetzt angehört und ihre Meinung respektiert. Sie entscheiden nun mit in den Belangen ihrer Familien und Gemeinschaften. Wir konnten erleben, was mit einer kleinen Gruppe von knapp über 1.000 Farmern möglich ist, aber es ist offensichtlich, dass diese Herangehensweise viel Potenzial hat. Wir freuen uns darauf, was wir mit der nächsten Gruppe an weiblichen Kleinbauern erreichen können.“

„Vor meiner Teilnahme am Programm wusste ich über den Anbau nur das, was ich selbst durch die tägliche Praxis lernte. Nach drei Jahren Schulung fühle ich mich jetzt als Expertin für Baumwollanbau. Mein Ertrag und mein Gewinn haben sich erhöht und mein Leben ist besser geworden. Meine beiden Kinder gehen jetzt in die Schule, und ich konnte uns ein neues Haus bauen, einen Traktor anschaffen und einen Kanal zur Bewässerung unseres Feldes anlegen. Ich wurde außerdem in die Verwaltung meines Dorfes gewählt und achte darauf, meine Erfahrungen weiterzugeben und andere Frauen zu ermutigen, ebenfalls an diesem Programm teilzunehmen“, bestätigte Varsha Agola, eine der Farmerinnen.

Auch die Gewerkschaft SEWA, die zum ersten Mal mit einem westlichen Unternehmen und Agrarexperten zusammenarbeitet, ist zufrieden mit dem Erfolg: „In unserer Arbeit mit armen Frauen in ländlichen Gebieten Indiens haben wir die Erfahrung gemacht, dass eine Beschäftigung sehr wichtig für die ökonomischen Möglichkeiten und Eigenständigkeit ist – nicht nur wirtschaftlich, sondern auch, um Entscheidungen treffen zu können. ... Was uns am meisten begeistert, ist die positive Auswirkung des Programmes nicht nur auf die Farmer, sondern auf die gesamte dörfliche Gemeinschaft“, bekräfigte SEWA-Vorsitzende Reema Nanavaty.

Aber nachhaltige Anbaumethoden sind natürlich nicht nur gut für die wirtschaftliche Situation der Farmer und Farmerinnen, sondern auch für die Umwelt. Gerade im Dürregebiet Gujarat ist die Verringerung des Wasserverbrauchs durch das Projekt um 12,9 Prozent ein wichtiger Faktor. „Langfristiges Ziel von Primark ist es, sämtliche Baumwolle innerhalb unserer Lieferkette aus nachhaltigen Quellen zu beziehen. Wir haben SEWA und CottonConnect angesprochen, da wir ein Projekt auf die Beine stellen wollten, das uns wertvolle Einblicke in die nachhaltige Produktion von Baumwolle gibt. Außerdem sollte es den Baumwollfarmern in Indien auch wirklich etwas bringen“, bestätigt Katharine Stewart, verantwortlich für ethischen Handel und Nachhaltigkeit bei Primark.

Primarks Förderprogramm für nachhaltige Baumwolle wurde 2013 gestartet und war zunächst auf drei Jahre ausgelegt. Dabei wurden bereits 1.251 Farmerinnen in nachhaltigen Anbaumethoden geschult. Im Jahr 2016 wurde das Programm um weitere 10.000 Frauen über einen Zeitraum von sechs Jahren ausgeweitet. Die Schulungen und Unterstützung, die die Farmerinnen von CottonConnect- und SEWA-Experten vor Ort erhalten, erfolgen in der Form von Kursen, Training auf den Feldern und Lerngruppen. Dabei geht es um Wissen über die für die jeweilige Fläche besten Anbautechniken, die Nutzung unterschiedlicher Bewässerungssysteme, der Wahl des richtigen Saatguts, Aussaat, Böden, Wasser und Pflanzenschutz, bis hin zu Ernte, Qualität der Fasern sowie Sortierung und Lagerung der geernteten Baumwolle und mehr.

Foto: Primark

Der französische Luxus- und Lifestylekonzern Kering ist 2016 dank der Zuwächse bei Luxusmarken wie Gucci und dem Sportunternehmen Puma kräftig gewachsen. Konzernweit legten die Erlöse um 6,9 Prozent auf 12,4 Milliarden Euro zu, wie Kering am Freitag mitteilte. Dies war mehr als von Analysten im Schnitt erwartet. Überwiegend verzeichnete der Konzern zweistellige Wachstumsraten. Nur in Nordamerika sei das Wachstum etwas moderater und in Japan mau. Im laufenden Jahr setzt Konzernchef Francois-Henri Pinault auf Wachstum aus eigener Kraft.

Der Sportartikelhersteller Puma, der mehrheitlich zu Kering gehört, legte 2016 laut Zahlen vom Vortag um 7 Prozent auf 3,6 Milliarden Euro zu. Bereinigt betrug das Plus 10 Prozent. Operativ verdiente Puma mit 128 Millionen Euro etwa ein Drittel mehr als im Vorjahr. Nach etlichen mauen Jahren mit zum Teil rückläufigen Ergebnissen gelang dem Adidas- und Nike-Herausforderer ein satter Gewinnsprung. Unter dem Strich schnellte der Gewinn um 68 Prozent auf 62 Millionen Euro in die Höhe. Kering hob hier die Kooperations-Erfolge mit dem Ausnahmesprinter Usain Bolt und der US-Sängerin Rihanna hervor.

Das Luxussegment, das mit 8,5 Milliarden Euro den größten Batzen zum Konzernumsatz beisteuerte, wuchs um 7,7 Prozent. Dies lag vor allem an den starken Zuwächsen der Marken Yves Saint Laurent und Gucci. Der Gewinn legte um 17 Prozent auf 813,5 Millionen Euro zu. (DPA)

Deutsche in Konsumlaune – Handel im Aufwind

Die deutsche Wirtschaft ist derzeit in heller Aufregung. Schließlich weiß niemand, wie sich die auf nationalen Wirtschaftsprotektionismus ausgerichteten Pläne des neuen US-Präsidenten Donald Trump die so wichtigen Exporte deutscher Firmen auswirken werden. Umso wichtiger wird da der Binnenmarkt, der in diesem Jahr zur wesentlichen Stütze der hiesigen Wirtschaft werden soll.

Hoffnung machen da vor allem die neuesten Erkenntnisse der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK), die zeigen, dass der private Konsum tatsächlich eine wichtige Stütze für die Konjunktur in Deutschland und Europa sein wird. Lat der neuesten Prognose werden die Konsumausgaben der privaten Haushalte in Deutschland im Jahr 2017 nämlich real um 1,5 Prozent steigen. Für die Europäische Union erwartet die GfK einen Anstieg zwischen einem und 1,5 Prozent.

„Im Gleichklang mit einem anhaltend positiven Wirtschaftswachstum und europaweit sinkender Arbeitslosigkeit bleibt der private Konsum auch 2017 eine wichtige Stütze für die Konjunktur in Deutschland und Europa“, so GfK-Konsumexperte Rolf Bürkl. „Für Deutschland rechnen wir damit, dass der private Verbrauch real um 1,5 Prozent steigen wird und damit in etwa so stark zulegt wie das BIP insgesamt.“

Modehandel profitiert nicht

Durchatmen und sich sogar ein wenig freuen darf sich laut GfK vor allem der Einzelhandel. Schließlich sollen sich die positiven wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und die anhaltend gute Konsumlaune in Deutschland auch 2017 in weiter steigenden Umsätzen niederschlagen. „Die zunehmende Zahl an Haushalten in Deutschland, die aus dem anhaltenden Bevölkerungswachstum und dem positiven Wanderungssaldo resultiert, sowie die steigende Konsumstimmung sind die wesentlichen Treiber dieser positiven Entwicklung“, so die GfK.

Profitieren von dieser erfreulichen Entwicklung wird nach Ansicht der Experten jedoch in erster Linie der Lebensmittelhandel. Hier werden für 2017 Umsatzsteigerungen in Höhe von rund zwei Prozent erwartet.

Im Nonfood-Handel erwartet Dr. Wolfgang Adlwarth, Handelsexperte von GfK, hingegen nur einen moderateren Anstieg um 0,8 Prozent auf 170,6 Milliarden Euro. Dies sei unter anderem auf Sättigungstendenzen im Textil- und Elektronikhandel zurückzuführen, was dem Nonfood-Einzelhandel bereits 2016 weniger bereits weniger einbrachte als dem Lebensmittelhandel. Das Drama um den stationären Modehandel dürfte sich daher trotz steigender Konsumlaune weiter verschärfen.

Weiter zulegen soll hingegen einmal mehr der Onlinehandel, der bereits im vergangenen Jahr ein Umsatzplus von rund acht Prozent verbuchen konnte. Erwartet wird, dass diese Wachstumsrate noch einmal wiederholt oder sogar überschritten wird.

Foto: Rainer Sturm / pixelio.de

Trump greift Kaufhauskette wegen Modekollektion der Tochter an

US-Präsident Donald Trump hat die Kaufhauskette Nordstrom angegriffen, weil diese die die Modekollektion seiner Tochter Ivanka aus dem Sortiment genommen hat. "Meine Tochter Ivanka wurde von Nordstrom so unfair behandelt", twitterte Trump am Mittwoch (Ortszeit). "Sie ist ein so wunderbarer Mensch - sie bringt mich immer dazu, die richtigen Dinge zu tun! Schrecklich!"

Die Nachricht wurde zwar von Trumps eigenem Twitterprofil abgesetzt, dann jedoch auch vom offiziellen Account des US-Präsidenten @POTUS (President of the United States) weiterverbreitet. Dieses Konto steht Trump erst seit Amtsantritt zur Verfügung, es war unter Vorgänger Barack Obama entstanden und ist nicht für private Zwecke gedacht.

"Dies ist ein Missbrauch des öffentlichen Amts zum privaten Vorteil", sagte Richard Painter, früherer Ethikbeauftragter in der Regierung von Präsident George W. Bush, dem "Wall Street Journal". Es sei zudem ein Machtmissbrauch, denn die Nachricht sei eindeutig - Nordstrom werde so zur "Persona non grata" der Trump-Administration erklärt.

US-Präsident Donald Trump hat die Kaufhauskette Nordstrom angegriffen

Es habe noch nie zuvor einen US-Präsidenten gegeben, der seine Macht des Amtes so offensichtlich zum Vorteil seiner eigenen Familie ausnutze, kritisierte Jordan Libowitz von der Nonprofit-Organisation Citizens for Responsibility and Ethics in Washington, die sich die Bekämpfung von Korruption in der US-Politik zum Ziel gesetzt hat.

Trump greift Kaufhauskette wegen Modekollektion der Tochter an

Trumps Sprecher Sean Spicer verteidigte den Präsidenten später im Briefing des Weißen Hauses vehement: Trump habe jedes Recht, seiner Familie beizustehen. Bei der Entscheidung Nordstroms handle es sich ganz klar um eine direkte Attacke auf die Politik des Präsidenten, insbesondere sein Dekret eines Einreisestopps für Staatsangehörige aus sieben Ländern.

Spicer ignorierte damit mehrere Statements des Konzerns, der seine Entscheidung mit niedrigen Verkaufszahlen der Kollektion Ivanka Trumps begründet hatte. Nordstrom hatte betont, der Schritt sei nicht politisch motiviert. Jedes Jahr würden etwa zehn Prozent des Sortiments abhängig vom Absatz ausgetauscht und in diesem Fall habe es eben die Marke von Ivanka Trump getroffen.

Auch an den Finanzmärkten war Trumps Attacke auf Nordstrom zur Wochenmitte Thema. Die Aktie der Kaufhauskette reagierte mit deutlichen Gewinnen auf die Kritik und ging letztlich mit einem Plus von gut vier Prozent aus dem US-Handel. Das sorgte bei Händlern durchaus für Gesprächsstoff, denn bei vorherigen Trump-Angriffen auf börsennotierte Konzerne waren die Kurse unter Druck geraten.

Nordstroms Entscheidung, die Kollektion von Ivanka Trump auszulisten, folgte auf Boykottaufrufe gegen Händler, die Produkte der Trump-Familie vertreiben. Hinter den Appellen, die im Internet unter dem Hashtag "GrabYourWallet" (Greif deinen Geldbeutel) laufen, steht eine Initiative von Gegnern des US-Präsidenten. Auch die Bekleidungsketten TJ Maxx und Marshalls gerieten hier ins Visier.

Laut einem Bericht der "New York Times" wies der Mutterkonzern TJX die Mitarbeiter in den Geschäften in der vergangenen Woche an, Werbeschilder für die Artikel von Ivanka Trump zu beseitigen. Die Produkte würden aber dennoch weiterverkauft, erklärte ein Sprecher. Die 35-jährige Trump-Tochter hatte 2007 eine Schmucklinie herausgebracht, seit 2011 werden auch Kleidung und Schuhe unter ihrem Label verkauft. Die Geschäftsfrau war nach Trumps Wahlsieg wegen umstrittener PR-Aktionen für ihre Produkte kritisiert worden. (DPA)

Foto: Brendan Smialowski / AFP, Facebook Ivanka Trump HQ