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Sustainable Cotton Ranking 2017: einige Vorreiter, viele Nicht-Starter

Zum zweiten Mal haben das Pesticide Action Network (PAN) UK, Solidaridad und der WWF ihren Bericht „Sustainable Cotton Ranking“ veröffentlicht. In diesem Jahr wurden mehr Unternehmen bewertet als im Vorjahr, nämlich 75 insgesamt, darunter auch Onlinehändler wie Zalando und Amazon und wichtige Unternehmen aller Kontinente, darunter auch in Ländern wie China und Brasilien. Wie zuvor wurden alle Unternehmen auf ihren Ansatz zu nachhaltiger Baumwolle, Rückverfolgbarkeit und die tatsächliche Nutzung bewertet.

Es ist wichtig, die Nutzung von nachhaltiger Baumwolle zu verfolgen, da die Produktion derzeit so hoch ist wie nie zuvor. Tatsächlich werden aber nur etwa 21 Prozent davon von Unternehmen bezogen. Der Rest wird als herkömmliche Baumwolle verkauft. Diese Diskrepanz stellt ein erstzunehmendes Risiko für die Zukunft nachhaltiger Baumwolle dar. Anhand des Rankings hoffen die oben genannten Organisationen, die Nachfrage nach nachhaltiger Baumwolle und ihre Verwendung von Unternehmen, die Bekleidung und Heimtextilien verkaufen, zu erhöhen.

Das erste Cotton Ranking im Jahr 2016 zeigte, dass die Mehrheit der baumwollverbrauchenden Unternehmen schlecht abschnitt, was den Gebrauch von nachhaltiger Baumwolle anging. Nur 8 von 37 Unternehmen zeigten eine positive Entwicklung. Das zweite Sustainable Cotton Ranking zeigt, dass insgesamt mehr Unternehmen Schritte unternommen haben, um ihren Gebrauch, ihre Rückverfolgbarkeit und Beschaffung nachhaltiger Baumwolle zu verbessern, dass aber viele noch nicht einmal angefangen haben.

Globales Baumwoll-Ranking nimmt 8 deutsche Firmen unter die Lupe

Für die 29 untersuchten baumwollproduzierenden Länder von A für Australien bis Z für Sambia und Simbabwe (Zambia und Zimbabwe auf Englisch) wurden die produzierten Mengen nachhaltiger Baumwolle (wo verfügbar) je nach Baumwollstandard angegeben. Die folgenden vier Baumwollstandards wurden berücksichtigt: die Better Cotton Initiative (BCI), Cotton made in Africa (CmiA), Fairtrade und Organic Cotton.

Die geografische Verteilung der untersuchten baumwollbeziehenden Unternehmen ergibt sich wie folgt: 33 in Europa, davon 8 in Deutschland, jeweils 6 in Großbritannien und Frankreich, 5 in Italien, 4 in Spanien, 2 in Schweden und jeweils eines in Dänemark und der Schweiz; 24 in den USA; 3 in Kanada; 3 in Brasilien, 2 in Südafrika, 8 in China und jeweils eines in Japan und Korea. Vier indische Unternehmen wurden separat aufgelistet. Brasilien, China, Indien, Südafrika und die USA nehmen einen Sonderstatus ein, da sie sowohl baumwollproduzierende als auch -beziehende Länder sind.

Die untersuchten Unternehmen wurden je nachdem, wo sie auf ihrem Weg zu nachhaltiger Baumwolle angekommen sind, benotet: 0-4,9 bedeutet, sie haben noch nicht begonnen; 5-24,9 heißt, sie fangen gerade an; 25-49,9 bedeutet, sie sind zielstrebig auf dem Weg und 50-100 heißt, sie führen den Weg an. Die Gesamtnote setzt sich aus den Teilnoten für die drei Bereiche Ansatz, Umsetzung und Rückverfolgbarkeit zusammen.

IKEA, Marks & Spencer, C&A, H&M, Nike und Levi's liegen vorn

Spitzenreiter ist IKEA mit einer Gesamtnote von fast 80, gefolgt von der Maxinvest AG (60) und der Cofra Group, Marks & Spencer, Hennes & Mauritz und Adidas im Bereich 50-60. Die Otto Group, Nike, Levi Strauss, Woolworth und die VF Corporation liegen im nächsten Bereich, 25-49, während Tesco, Kering und Decathlon ihn knapp verpassten. Die nächsten 34 Marken und Einzelhändler befinden sich im unteren Bereich, das heißt, sie haben den Weg zu nachhaltiger Baumwolle noch nicht eingeschlagen. Darunter sind PVH, Gap, Tom Tailor, Inditex, Esprit, Bestseller, Benetton, Target, Fast Retailing, Forever 21 und Zalando.

Die restlichen 27 untersuchten Unternehmen schafften es nicht, überhaupt zu punkten und blieben bei Null, darunter Amazon, Footlocker, Max Mara, Metersbonwe, New Yorker, S. Oliver, Walmart und die Youngor Group. Die vier indischen Unternehmen - Aditya Birla Fashion & Retail, Arvind Lifestyle, Raymond & ITC - haben keine öffentlich zugänglichen Informationen zu den untersuchten Kriterien, sind aber repräsentative Beispiele eines sich entwickelnden Marktes. Der Bericht fasst zusammen, dass also 17 Unternehmen anderen den Weg zeigen, darunter die Top 6 IKEA, Marks & Spencer, C&A, H&M, Nike, Inc., Levi Strauss & Co. Zehn Unternehmen sind zielstrebig dabei, während 14 ihren Weg erst beginnen und 34 noch nicht begonnen haben.

„Trotz Investitionen in Verbesserungsprojekte bleibt die verstärkte nachhaltige Baumwollbeschaffung ein Nischenmarkt für Marken mit großen Handelsvolumen und Exportmärkten“, fasst der Bericht die Ergebnisse zusammen. Der gesamte Bericht ist über die speziell eingerichtete Website sustainablecottonranking.org abrufbar. Man darf gespannt sein, ob sich die untersuchten Marken und Einzelhändler ihre Ergebnisse zu Herzen nehmen werden und wie der nächste Bericht ausfällt.

Foto: Solidaridad-Website
Uniqlo: durch Expansion zum 2020 Ziel?

Fast Retailing, der japanische Modekonzern von Tadashi Yanai, hat sich bis 2020 ein ehrgeiziges Ziel gesetzt - das größte Modeunternehmen der Welt zu werden und bis 2020 5 Billionen Yen (rund 39 Milliarden Euro) einzubringen. Das Wachstum von Uniqlo, der Hauptmarke des Unternehmens, spielt dabei eine große Rolle, wenn Konkurrenten wie H&M, Zara & Co. überholt werden sollen. Um dies zu verwirklichen, muss Fast Retailing kräftig expandieren - FashionUnited hat die wichtigsten Entwicklungen der letzten Jahre nachgezeichnet, um zu sehen, ob Uniqlo sich seinem Ziel nähert. Wie realistisch es ist, können Sie auf einen Blick auch dieser Infografik entnehmen.

Spanien

Erst vor wenigen Tagen hat Uniqlo seine erste Filiale in Spanien eröffnet - in Barcelona. Diese wurde mit Spannung erwartet und der Flagshipstore an der Passeig de Gràcia 18 enttäuscht nicht und bietet auf vier Etagen alles, was das Herz von Uniqlo-Fans begehrt.

Uniqlo: durch Expansion zum 2020 Ziel?

Indien

Indien, einer der großen Wachstumsmärkte zusammen mit China, ist Uniqlos Aufmerksamkeit nicht entgangen. Allerdings gestaltet sich die Suche nach qualitativ hochwertigen Einzelhandelsflächen schwieriger als gedacht, gerade auch, da Uniqlo mitrund 1.400 - 1.600 Quadratmetern pro Laden keine kleinen Flächen verlangt. Deshalb verzögert sich Uniqlos Markteintritt in Indien bis 2019.

Laut jüngster Meldungen soll der Mode-Einzelhändler aber endlich eine geeignete Ladenfläche in der DLF Place Mall in Saket, Neu Delhi gefunden haben. Uniqlo wird aller Voraussicht nach in die Verkäufsräume ziehen, die durch den Umzug von Jack & Jones, Vero Moda, Only und Mothercare frei werden. Nach Neu Delhi soll Mumbai folgen, so dass zum Diwali-Fest im nächsten Jahr oder spätestens Anfang 2019 die ersten indischen Uniqlo-Geschäfte erwartet werden können. Ob jemals die im Sommer 2014 angekündigten ehrgeizigen Pläne, bis zu 1.000 Geschäfte in Indien zu eröffnen, verwirklicht werden, ist fraglich. Damals hatte Uniqlo ankündigt, einen Teil seiner Produktion nach Indien verlagern zu wollen. „Wir wollen in Indien in den Einzelhandel investieren”, hatte es damals noch geheißen.

Uniqlo: durch Expansion zum 2020 Ziel?

USA

In den USA ist Uniqlo seit seinem Markteintritt Ende 2006 inzwischen mit 45 Filialen vertreten (Stand: Juli 2017). Sollte US-Präsident Donald Trump jedoch im Rahmen der 'America First'-Initiative darauf bestehen, dass ausländische Firmen auch in den USA herstellen, wenn sie auf dem US-Markt bleiben wollen, dann könnte dies zu Uniqlos Rückzug aus den USA führen. Dies würde jedoch die 2020 Pläne von Fast Retailing durchkreuzen, denn der Konzern hatte 200 Filialen in den USA vorgesehen, die pro Jahr einen Umsatz von 10 Milliarden US-Dollar generieren sollen.

Deutschland

Am 24. März eröffnete Uniqlo an der Schlossstraße in Berlin sein viertes deutsches Geschäft. Diese interaktive Karte zeigt alle Standorte in Deutschland. Der erste deutsche Flagshipstore wurde am 11. April 2014 an der Tauentzienstraße in Berlin eröffnet. Uniqlo hatte zudem „Interesse“ daran bekundet, „Stores in allen gröβeren Städten in Deutschland zu eröffnen“ und bereits im Februar 2016 von weiteren Filialeröffnungen in deutschen Metropolen wie Hamburg, Frankfurt, München und Stuttgart gesprochen, doch blieben diese bis auf letztere bis jetzt aus.

Warum der Modekonzern vier Filialen in der Hauptstadt und nur eine im Rest Deutschlandd eröffnete, fragte sich sicher nicht nur FashionUnited. „Wir haben Berlin ausgewählt für den deutschen Markteintritt, da es sich um eine der führenden Modemetropolen Europas handelt. Der Berliner Konsument hat Interesse an und Wissen über Mode und weiß unser Angebot an qualitativ hochwertiger, vielseitiger Bekleidung mit gutem Preis-Leistungsverhältnis zu schätzen. Wir sahen weiteres Potential durch die Expansion in andere Gegenden der Stadt,“ kam die Antwort von Unternehmensseite.

Singapur

Diesen wichtigen Standort eroberte Uniqlo mit einem ersten weltweiten Flagshipstore im Herbst 2016. Das neue Geschäft ist mit 2.700 Quadratmetern das weltweit größte und befindet sich in Singapurs stark frequentierter Orchard Central Mall. Auf drei Etagen finden Kunden Uniqlos gesamtes Angebot an Herren-, Damen-, Kinder- und Babybekleidung.

China

Trotz Flaute in China gibt sich Uniqlo optimistisch für diesen wichtigen Wachstumsmarkt. Uniqlo-Geschäftsführer Tadashi Yanai sagte gegenüber chinesischen Journalisten, es gäbe noch „viele Möglichkeiten“ in China. Yanai besuchte das Land im Herbst 2015, um den weltweiten Launch einer neuen Produktreihe in Zusammenarbeit mit Walt Disney bekannt zu geben. Nach Japan ist China der größte Markt des Unternehmens, in den es im Jahr 2002 eintrat. Derzeit betreibt es hier 545 Uniqlo-Filialen (Stand: Juni 2017).

Australien/Pazifik

Im April 2014 öffnete das erste australische Uniqlo-Geschäft in Melbourne seine Pforten, gefolg von einer weiteren Filiale in Sydney. Der asiatisch-pazifische Raum bleibt eine wichtige Region für Uniqlo wie die frühen Geschäftseröffnungen in den folgenden Gebieten zeigen: Malaysia (2010), Taiwan (2010), Thailand (2011), Philippinen (2012), Indonesien (2013) und Australien (2014).

Außer den genannten Standorten ist Unqilo auch seit den frühen 2000er Jahren in Großbritannien vertreten, sowie seit 2011 in Südkorea, seit 2013 in Bangladesch, seit 2014 in Frankreich und seit 2016 in Belgien und Kanada.

Wie gesehen, sind ehrgeizige Wachstumsankündigungen und Geschäftseröffnungen mit Vorsicht zu genießen, da jeder Markt bestimmte Risiken birgt, die sich am besten mit einer langsamen und geplanten Expansion kontern lassen. Für H&M, Zara & Co. ist Uniqlo jedoch kein Konkurrent, der unterschätzt werden sollte.

Foto: Uniqlo
H&M im Jubiläumsjahr unter Druck: Neue Offensive mit Arket-Läden

HINTERGRUND - Im hart umkämpften Textilmarkt sucht Branchengigant H&M neue Absatzmärkte. Jetzt soll in München die erste deutsche Filiale der neuen Konzern-Marke Arket starten - mit deutlich höheren Preisen als es die Kunden bislang gewohnt sind.

Die neuste Adresse in der Kopenhagener Mode-Shopping-Welt hat kein Schaufenster

Über der Tür steht auch kein Markenname - nur neben dem Fenster, unauffällig in dünnen schwarzen Lettern auf weißem Grund. Arket soll kein Laden für die klassische Fußgängerzonen-Schaufenster-Hatz sein, sondern «slow fashion», den Gegenentwurf zum Massenkonsum, massentauglich machen. Mitte Oktober öffnet ein solcher Store auch in München.

Die schwedische H&M-Gruppe, zu der die Kette gehört, zielt damit im Jahr ihres 70. Geburtstages auf neue Käuferschichten, die keine Lust mehr haben auf trendgetriebenes, eiliges Shoppen. Es sollen haltbare Produkte mit gehobener Qualität in den Regalen der spartanisch eingerichteten Läden liegen - zu deutlich höheren Preisen.

Das 1947 gegründete schwedische Unternehmen reagiert mit seiner mittlerweile siebten Marke auf wachsenden Druck: Im dritten Quartal musste der Konzern einen deutlichen Gewinnrückgang verbuchen. Konkurrenten wie Primark, Zara, Tk-maxx und Co. sind ihm im Billig-Geschäft auf den Fersen. Die gesamte Modebranche befinde sich im Umbruch, muss Unternehmens-Chef Karl-Johan Persson feststellen. Sein Vater, Gründer-Sohn und Aufsichtsratschef Stefan Persson feiert am 4.Oktober Geburtstag - er wird 70, genauso alt wie H&M.

Das H&M-Format komme langsam an seine Grenzen, sagt Joachim Stumpf von der Handelsberatung BBE. Arket sei "ein neuer Versuch, mit einem hochwertigeren Angebot an den Markt zu gehen". Er werde vor allem zu einem Verdrängungswettbewerb etwa mit den Modehäusern führen. "Wir kaufen alle in der Summe nicht mehr", sagt Stumpf. Ein Ende des Billig-Booms im Textilhandel sieht er auch angesichts der H&M-Offensive jedoch nicht.

«Kunden sind heute in bestimmten Situationen bereit, etwas mehr für ein Produkt zu bezahlen, auch wenn man grundsätzlich auf den Preis achtet», sagt Hansjürgen Heinick, Textilhandelsfachmann beim Kölner Institut für Handelsforschung (IFH), zu den Chancen der neuen Kette. Bei einem Gesamtvolumen von rund 56 Milliarden Euro hatte der deutsche Bekleidungsmarkt im vergangenen Jahr lediglich um rund ein Prozent zugelegt - gewinnen konnte dabei jedoch nur der Onlinehandel.

Bereits zu Jahresbeginn lief es nur mühsam für H&M, der Umsatz wuchs schwächer als geplant. Der Konzern müsse schneller und flexibler werden, forderte Vorstandschef Persson da. Es kämen immer weniger Kunden in die Läden, räumte er unlängst ein. Weltweit betreibt H&M derzeit mehr als 4500 Filialen - und will zwar weiter expandieren, zugleich aber das Online-Geschäft ausbauen.

In Kopenhagen liegt in dem Arket-Laden eine deutlich kleinere Kollektion in den Regalen, mit Stücken beispielsweise aus Merino und Alpaka, die man auch in drei Jahren noch tragen könnte. Die H&M-Gruppe nimmt damit eine Tendenz auf, die bisher eher Designer und Läden wie «The Store» im Berliner Soho-Haus lebten, die aber im mittleren Preissegment noch nicht so richtig angekommen war. Wer hier einkauft, so stellen es sich die Erfinder zumindest vor, soll die geschäftige Einkaufsstraße hinter sich lassen, sich im Laden ins Café setzen. Ausatmen.

Verkauft werden die Arket-Kollektionen, aber auch ausgewählte Produkte von Nicht-H&M-Marken. Und das Erlebnis, das Einkaufen vor Ort vom Klick im Netz unterscheiden soll. "Als wir dieses Projekt vor etwas mehr als zwei Jahren gestartet haben, haben wir gesehen, dass es viele Kunden gibt, die klassische Qualitätsprodukte suchen, in einer sowohl einfachen wie inspirierenden Umgebung", sagte Arket-Direktor Lars Axelsson dem Online-Magazin Business of Fashion.

Woran sich die Käufer wohl erstmal gewöhnen müssen: Alles, was bei Arket im Regal liegt, hat statt Namen eine neunstellige Nummer. Die Erfinder versuchen so, Laden und Internetseite zu verknüpfen. Man könne einmal entdeckte Produkte viel leichter wieder finden. Merken allerdings wird man sich den Code kaum.

Von Arket gibt es bisher erst vier Läden, in London, Kopenhagen und Brüssel. Nach München soll im Frühjahr Stockholm kommen. Der Name bedeutet schlicht Blatt Papier - laut H&M ein Bild für Optimismus und offene Möglichkeiten. (Von Theresa Münch und Uta Knapp, DPA)

Foto: Arket; Danielle Wightman-Stone (FashionUnited)

Recht und Praxis: Händlerhaftung für fehlende Produktkennzeichnung

Wir alle kennen sie, die in die Kleidung eingenähten, oftmals beidseitig bedruckten Zettel mit ellenlangen Texten, die vor allem eins tun: kratzen. Oftmals werden die Zettel daher nach einem kurzen Blick auf die Pflegehinweise abgeschnitten und weggeworfen. Viele Hersteller zeichnen auf den Zetteln (oder gar Zettel-Bündeln) gestrichelte Linien und Scherensymbole ein, um dem Käufer das Herausschneiden zu erleichtern. Und doch sind die ungeliebten Zettel nicht nur für Verbraucher, sondern auch für Hersteller und Händler überaus wichtig. Denn das, was auf den Zetteln steht, ist zum Teil gesetzlich vorgeschrieben (siehe z.B. hier zur Textilkennzeichnung).

In Deutschland regelt unter anderem das Produktsicherheitsgesetz (ProdSG), was auf den Zetteln zu stehen hat. Ziel dieses Gesetzes ist es, die Produktsicherheit für den Verbraucher zu gewährleisten. Denn nicht nur bei Lebensmitteln kann es vorkommen, dass unsichere Produkte in den Markt gelangen. Auch Bekleidungsstücke und Accessoires können mangelhaft oder gar gefährlich sein. Für den Verbraucher ist es daher wichtig, dass solche Gefahren und Mängel schnell entdeckt werden und sämtliche betroffene Produkte notfalls aus dem Verkehr gezogen werden können. Dabei kommt es aber vor, dass die Behörden die erforderlichen Schritte nicht effektiv umsetzen können, weil entweder der Bereitsteller des Produkts nicht ermittelt oder die betroffene Charge des Verbraucherprodukts nicht identifiziert werden kann.

Die Kennzeichnungspflicht für Verbraucherprodukte…

Dem soll mit der Kennzeichnungspflicht des Produktsicherheitsgesetzes entgegengewirkt werden. Von der Kennzeichnungspflicht umfasst sind alle Verbraucherprodukte. Nach der Definition des Produktsicherheitsgesetzes sind Verbraucherprodukte alle neuen, gebrauchten oder wiederaufbereiteten Produkte, die für Verbraucher bestimmt sind oder unter Bedingungen, die nach vernünftigem Ermessen vorhersehbar sind, von Verbrauchern benutzt werden können, selbst wenn sie nicht für diese bestimmt sind. Als Verbraucherprodukte gelten aber auch Produkte, die dem Verbraucher im Rahmen einer Dienstleistung zur Verfügung gestellt werden. Die Definition ist damit weit gefasst.

… trifft in erster Linie den Hersteller…

Das Produktsicherheitsgesetz regelt nun, dass der Hersteller (ggf. neben weiteren Personen) die Verpflichtung hat, bei der Bereitstellung eines Verbraucherprodukts auf dem Markt unter anderem seinen Namen und seine Kontaktanschrift anzugeben. Somit gehört jedenfalls im Grundsatz der Name des Herstellers zusammen mit seiner Adresse auf das Produkt oder – falls eine Angabe auf dem Produkt unmöglich ist – auf seine Verpackung. Alternativ können Name und Adresse des Händlers angegeben werden, verpflichtend ist dies aber nicht.

… aber auch Händler treffen Pflichten

Zwar treffen die Kennzeichnungspflichten die Händler von Verbraucherprodukten damit nicht unmittelbar. Das Produktsicherheitsgesetz sieht aber vor, dass Händler dazu beitragen müssen, dass nur sichere Verbraucherprodukte auf dem Markt bereitgestellt werden. Über diese Hintertür hat der Bundesgerichtshof vor kurzem eine Haftung des Händlers für den Fall angenommen, dass die Herstellerkennzeichnung fehlte. Das Gericht hat in der Entscheidung "Motivkontaktlinsen" (BGH, Urteil vom 12.01.2017, Az. I ZR 258/15) klargestellt, dass jeder Händler wissen müsse, dass das Fehlen der Kennzeichnung die Sicherheit und Gesundheit von Personen gefährde und somit gegen die Anforderungen des Produktsicherheitsgesetzes verstoße. Händler, die die richtige Kennzeichnung bei den von ihnen angebotenen Produkten nicht überprüfen oder unzureichend gekennzeichnete Produkte in den Verkehr bringen, verstoßen damit selbst gegen das Produktsicherheitsgesetz.

Fehlt die (richtige) Kennzeichnung, so haftet nun auch der Händler. Neben drohenden Bußgeldern wegen Ordnungswidrigkeit haben fehlende Kennzeichnungen auf Verbraucherprodukten noch weitere mögliche Folgen: Der Vertrieb eines nicht (richtig) gekennzeichneten Produkts kann wettbewerbswidrig sein, so dass Hersteller und Händler befürchten müssen, von Wettbewerbern oder Verbraucherschutzverbänden abgemahnt zu werden. Um dies zu vermeiden, sollten Unternehmen aller Handelsstufen darauf achten, dass die von ihnen vertriebenen Produkte richtig gekennzeichnet sind.

Bitte beachten Sie, dass dieser Artikel keine Rechtsberatung darstellt und eine solche nicht ersetzen kann.

Geschrieben von Janina Voogd, LL.M. (Cape Town), Noerr LLP

Janina Voogd ist Rechtsanwältin in der Praxisgruppe Gewerblicher Rechtsschutz im Münchener Büro der Sozietät Noerr LLP. Sie berät nationale und internationale Unternehmen in allen Bereichen des Marken- und Designrechts. Darüber hinaus berät sie im Wettbewerbs- und Vertriebsrecht. Einen Schwerpunkt bildet dabei die Beratung von Unternehmen in der Mode- und Kosmetikbranche. Janina Voogd ist Lehrbeauftragte für Marken- und Designrecht an der AMD Akademie Mode & Design in München.

H&M mit Gewinnrückgang - Onlinegeschäft wird weiter ausgebaut

Der wachsende Bestellboom über das Internet und die stärker werdende Konkurrenz bringen den schwedischen Textilhändler Hennes & Mauritz (H&M) in Bedrängnis. Wie H&M am Donnerstag mitteilte, ging der Gewinn wegen kräftiger Preisnachlässe zwischen Juni und August um mehr als ein Fünftel auf 3,8 Milliarden schwedische Kronen (400 Mio Euro) zurück. Der Umsatz legte im dritten Geschäftsquartal um 5 Prozent auf 51,2 Milliarden Kronen zu. H&M hatte die Preise gesenkt, um die Sommerware aus den Lagern zu bekommen. Das zehrt am Gewinn.

Die gesamte Modebranche befinde sich derzeit im Umbruch, sagte H&M-Chef Karl-Johan Persson. Auch H&M trage dem Wandel zur Digitalisierung Rechnung und mache online große Fortschritte. 25 bis 30 Prozent der Umsätze werden laut Persson derzeit im Internet erzielt. Gleichzeitig kämen aber immer weniger Kunden in die Läden, räumte er ein. Der Konzernlenker hofft nun auf ein gutes Herbstgeschäft. Die Kollektion sei gut angekommen, sagte er.

Insgesamt kam der Konzern Ende August auf 4553 Läden weltweit. 90 Filialen will der Konzern in diesem Jahr schließen, aber auch neue aufmachen. Am Ende will H&M 385 mehr Läden haben als vor einem Jahr. Das Onlinegeschäft wird weiter ausgebaut.(DPA)

Neuer Besitzer von McGregor, Gaastra und Adam: Wer ist Rens van de Schoor?

Er ist gerade einmal 40 Jahre alt, aber der ehemalige ING-Bankier Rens van de Schoor hat in zwei Jahren einige Ikonen der niederländischen Handelslandschaft vor dem sicheren Ende gerettet. Trotz der schlechten Lage in der Einzelhandelsbranche glaubt van de Schoor an eine Zukunft für den Modeeinzelhandel und daran, dass die Leute weiterhin gerne shoppen. Nun hat er die Doniger Group mit den Marken McGregor, Gaastra und Adam übernommen. Van de Schoors Modekarriere aus der Vogelperspektive.

Wer ist Rens van de Schoor?

Rens van de Schoor wird von holländischen Medien als Ex-Banker mit viel Courage bezeichnet. Er arbeitete bei der sogenannten ‚Intensive Care’-Abteilung der ING-Bank, die sich um (Handels-) Unternehmen kümmert, welche schlecht performen, aber einen Kredit bei der Bank bekommen haben.

2011 wurde van de Schoor der Financial Director der Coltext Group und war dort für das 'Gesundschrumpfen‘ des Unternehmens und die Schließung seiner Franchise-Stores verantwortlich. Ihm sei dies laut eigener Aussage schwer gefallen, egal wie rational er versucht habe, sich der Sache zu nähern.

2014 verkaufte Coltex seine Handelskette Steps & Superstar an die FNG Group. Dabei lernten sich van de Schoor und FNG-Inhaber Dieter Penninckz kennen und wurden Freunde. Kurze Zeit darauf wurde Rens van de Schoor Managing Director bei NLB Fashion, einer unabhängigen holländischen Firma, die für alle Aktivitäten der FNG Group in den Niederlanden zuständig ist.

Van de Schoor glaubt fest an Offline-Handel. Er sagt, der Wechsel vom physischen POS zum Online-Shop solle zwar selbstverständlich reibungslos funktionieren, doch die Menschen wollten auch in Zukunft noch in realen Läden shoppen, weil es ihnen Spaß macht.

Am 18. November 2015 verkündete Rens van de Schoor, dass er mit seiner Investmentfirma R&S Finance, gegründet 2014, an die Börse gehen will. Zu diesem Zwecke nutzte er die bereits existierende, aber nicht genutzte börsennotierte Dico International, die wiederum R&S, zum damaligen Zeitpunkt 16 Millionen Euro wert, zu einem Aktienwert von 1,60 Euro aufkauft.

Dico International nennt sich anschließend in R&S Retail um. Der Namenswechsel wird am 20. Januar 2016 rechtswirksam und die R&S Retail Group wird als börsennotierte Gesellschaft an der Amsterdamer Börse Euronext geführt. Das Ziel, laut eigenen Angaben: „Handels- und Modeketten zu kaufen und durch die Optimierung von Business Operations deren Wert zu steigern.“

Miss Etam / Etam Gruppe

Im Januar 2016 finalisierte R&S die Übernahme der Womenswear-Handelskette Miss Etam - Miss Etam ist ein holländisches Unternehmen, das in keiner Beziehung zum französischen Label Etam Development steht. Die Kette bietet Casualwear im mittleren Preissegment und hat etwa 100 eigene Läden in dem Niederlanden, mit etwa 800 Angestellten. 2015 war sie Pleite gegangen und von R&S gerettet worden, allerdings mussten etwa 80 Geschäfte schließen und der Firmenhauptsitz wurde ebenfalls von R&S reorganisiert.

Übernahme von Brantano

Im April 2016 bekommt R&S die Möglichkeit, die Marke Brantano zu erwerben. Die Aktien der Handelskette Brantano, die aus dem Nachlass der bankrotten Macintosh Retail Group erworben wurden, befinden sich im Besitz von Brantnew. Brantnew ist ein neues Unternehmen des Unternehmertrios Rens van de Schoor, Dieter Penninckx und Wouter Torfs, Inhaber der gleichnamigen Schuhkette. Mit Brantano wird die Akquisition im September 2016 abgeschlossen.

Neuanfang für Promiss

Im Juli 2016 wird die erneute Markteinführung der Marke Promiss bekannt gegeben. Promiss wurde im Jahr 2015, zusammen mit Miss Etam in Konkursmasse erworben, danach wurden etwa 70 Filialen geschlossen. Der Markenname blieb in den Händen von R & S Retail. Der Besitzer kann den Namen von Promiss noch für andere Konzepte verwenden, wie beispielsweise für einen Online-Shop oder Shop-in-Shops.

R&S auf Übernahmepfad: Umgekehrte Übernahme der FNG Group

2016 fusionierte die R&S Retail Group mit der belgischen FNG Group (Fred & Ginger, CKS, Claudia Sträter, Expresso & Steps). Im März 2016 wird bekannt, dass die R&S Retail Group die belgische FNG-Gruppe übernehmen will. Der Grund, warum R&S FNG übernimmt und nicht umgekehrt, obwohl die FNG mit einem Umsatz von 250 Millionen Euro viel größer ist als die R&S Gruppe, ist die Listung von R&S bei Euronext in Amsterdam. Gemeinsam haben die Unternehmen 2.500 Mitarbeiter und einen Umsatz von 350 Millionen Euro. Die Fusion wurde im März 2016 angekündigt und im September 2016 finalisiert. FNG hatte damals 1800 Angestellte, 300 eigene Markenläden und 1500 Multibrand-Handelspartner. Der konsolidierte Umsatz lag bei 250 Millionen Euro. Damit war die FNG Gruppe das größte Modeunternehmen Belgiens.

Am 27. September 2016 verzeichnet die Gruppe einen gemeinsamen Umsatz von 500 Millionen Euro - R&S Retail ist somit fast über Nacht zum Big Player auf den niederländischen und belgischen Märkten aufgestiegen. Darüber hinaus gibt es Gerüchte, die Gruppe wolle auch in anderen Ländern einkaufen gehen.

Im Januar 2017 wird die R&S Retail in FNG Group umbenannt. Dieter Penninckx wird der neue CEO. Bereits im März 2017 kann Miss Etam verkünden, wieder ökonomisch gesund zu sein. Im September 2017 bekommt die FNG Gruppe weitere 15 Million Euro Kapitalzuwachs. Rens van de Schoor verkauft seine Anteile an der FNG Group.

Übernahme von McGregor, Gaastra und Adam

Am 25. September 2017 wird ein weiterer Schritt verkündet: Rens van de Schoor gründet Du Soutien Beheer und übernimmt die Marken McGregor, Gaastra und Adam Menswear. Die Doniger Fashion Group hatte am 7. September Insolvenz angemeldet. Neben der Dachgesellschaft waren davon auch die Töchter Doniger Online BV, Adam Retail BV, Doniger Fashion BV, Doniger Retail BV, MCG Online Personnel BV, AR Personnel BV, AR Housing BV, DR Personnel BV und DR Housing BV betroffen. Das Unternehmen betreibt derzeit insgesamt 75 eigene Shops, von denen sich 53 in den Niederlanden und 22 in den Auslandsmärkten Deutschland, Belgien und Frankreich befinden.

Nike: Gewinn sinkt im ersten Quartal um fast ein Viertel

Der weltgrößte Sportartikelkonzern Nike Inc. ist wie erwartet mit mageren Zahlen ins Geschäftsjahr 2017/18 gestartet. Im Auftaktquartal stagnierte der Umsatz, der Gewinn fiel sogar deutlich niedriger aus als im Vorjahreszeitraum. Dafür sorgten unter anderem schwache Geschäfte der Hauptmarke Nike in Nordamerika und ein kräftiger Umsatzrückgang beim Label Converse.

Insgesamt belief sich der Konzernumsatz in den Monaten Juni bis August wie im Vorjahr auf 9,1 Milliarden US-Dollar (7,7 Milliarden Euro). Der Markenumsatz von Nike wuchs um zwei Prozent auf 8,6 Milliarden US-Dollar, die Erlöse von Converse schrumpften um 16 Prozent auf 483 Millionen US-Dollar.

Der Umsatzrückgang in Nordamerika wurden durch Zuwächse im Ausland kompensiert

Die Marke Nike hatte vor allem in der Heimat mit schwierigen Marktbedingungen zu kämpfen. In Nordamerika sanken ihre Erlöse um drei Prozent auf 3,9 Milliarden US-Dollar. Der Konzern machte hierfür einen „erwarteten Umsatzrückgang im Großhandelsgeschäft“ verantwortlich.

Besser sah es in den übrigen Marktregionen aus. In der Region EMEA, die Europa, den Nahen Osten und Afrika umfasst, wuchs der Umsatz um vier Prozent (währungsbereinigt +5 Prozent) auf 2,3 Milliarden US-Dollar, in China stieg er um neun Prozent (währungsbereinigt +12 Prozent) auf 1,1 Milliarden US-Dollar. Der Gesamtumsatz im asiatisch-pazifischen Raum und in Lateinamerika, zwei Regionen, die der Konzern nach einer Reform der Berichtsstruktur nun in der gemeinsamen Region APLA führt, legte um fünf Prozent (währungsbereinigt +6 Prozent) auf 1,2 Milliarden US-Dollar zu.

Wechselkursveränderungen und höhere Steuern ließen den Quartalsüberschuss um 24 Prozent abrutschen

Beim Ergebnis ging es deutlich bergab. Dazu trug die Tatsache bei, dass die Bruttomarge mit 43,7 Prozent niedriger ausfiel als im Vorjahresquartal (45,5 Prozent). Das Unternehmen begründete den Rückgang mit negativen Währungseffekten und umfangreicheren Preisnachlässen. Trotz geringerer Marketingausgaben als im Vorsommer, in dem kostspielige Kampagnen im Rahmen der Olympischen Sommerspiele und der Fußball-Europameisterschaften durchgeführt worden waren, ging der Gewinn vor Steuern um 16 Prozent auf 1,1 Milliarden US-Dollar zurück. Hier machten sich die Folgekosten von Stellenstreichungen sowie gesteigerte Investitionen ins Online-Geschäft bemerkbar. Deutlich höhere Steuerbelastungen ließen den Nettoquartalsgewinn sogar um 24 Prozent auf 950 Millionen US-Dollar (808 Millionen Euro) abrutschen. Der verwässerte Gewinn pro Aktie schrumpfte um 22 Prozent auf 0,57 US-Dollar.

Foto: Nike Inc.

Greenpeace Studie über die Mythen der Kreislaufwirtschaft

Greenpeace ist nicht gerade ein Fan der Bekleidungsindustrie. In regelmäßigen Abständen prangert die Umweltorganisation mit lautstarken Aktionen die umweltzerstörenden Praktiken in der globalen Supply Chain an. Diesmal aber kritisiert sie etwas ganz anderes: Die Kreislaufwirtschaft, der sich so viele Mode-Unternehmen derzeit angeblich widmen.

Alle wollen kreislauffähig werden?

Unternehmen wie H&M, Tchibo, C&A und mit ihnen viele weitere rühmen sich derzeit, an der „Kreislauffähigkeit“ ihrer Produkte zu arbeiten. Tchibo strebt einen geschlossenen Stoffkreislauf an, C&A hat ein kompostierbares T-Shirt entwickelt, Reebok kompostierbare Schuhe, Wolford will 2018 eine biologisch abbaubare Kollektion vorstellen und Adidas verwendet recycelte Fischernetze für Sneaker. Bis 2030 will H&M komplett auf recycelte oder nachhaltig hergestellte Textilien umgestellt haben. Es gibt eine Menge Beispiele für den aktuellen Hype um die „Circular Economy“. Dass ausgerechnet Fast Fashion Anbieter - also diejenigen, die mit ihrem rasanten Tempo das Problem der Ressourcenverschwendung auf die Spitze treiben - das Thema Kreislaufwirtschaft propagieren, ist überraschend und zugleich nachvollziehbar. Denn es macht sich wunderbar als PR-Thema und liest sich so, als habe massenhafter Konsum nichts zu tun mit massenhaftem Verbrauch. Die Botschaft: Konsument und Industrie machen alles richtig, wenn sie weiterhin maßlos konsumieren, weil die Industrie bald Wege gefunden hat, alles unendlich zu recyceln. Ob das wirklich so stimmt, wollte Greenpeace mit der Studie „Fashion at the Cross Roads“ jetzt wissen.

Echte Kreislauffähigkeit oder nur Green Washing?

Die Idee der Kreislaufwirtschaft ist tatsächlich verlockend: Wenn wir es schaffen, die Rohstoffe für unsere Kleidung immer wieder zu recyceln, ist die vielbeklagte Ressourcenverschwendung der Fast-Fashion endlich Schnee von gestern. Konsum ohne Verbrauch, also ohne Ende, wäre dann möglich. Die Idee ist großartig, findet auch Greenpeace. Entwickelt wurde sie in den 1990er Jahren von dem deutschen Chemiker Prof. Dr. Michael Braungart und dem amerikanischen Architekten William McDonough als das sogenannte Cradle to Cradle (C2C) Konzept. Es unterscheidet zwischen biologischen und technischen Kreisläufen: entweder werden die Rohstoffe von Mikroorganismen in biologische Nährstoffe aufgelöst und gelangen zurück ins Erdreich, sie werden also biologisch abgebaut; oder sie werden innerhalb des technischen Zyklus immer wieder zur Herstellung neuer Produkte verwendet, also endlos recycelt. Dafür ist es im Sinne des C2C notwendig, dass Wiederverwertbarkeit und Entsorgung bereits beim Design mit eingeplant werden, dass alle technischen und biologischen Prozesse natürlich umweltverträglich ablaufen und letztendlich sogar Produkte entwickelt werden, die Gutes bewirken statt einfach nur weniger schlecht zu sein. Nur: C2C erfordert den ernstgemeinten Umbau der gesamten Bekleidungsindustrie – vom Konsumenten bis hin zum Entsorger. Das wird so schnell nicht umsetzbar sein und ist nicht einmal das Ziel vieler Unternehmen, so das Fazit von Greenpeace. Die Organisation warnt daher vor noch mehr „Green Washing“ und überzogenen Erwartungen.

Industrie geht die eigenen Abfälle kaum an

Dass die Industrie die Kreislaufwirtschaft kaum im Sinne ihrer Erfinder ernst meint, dafür will Greenpeace in der Studie Beweise liefern. Denn allein mehr recycelte Fasern zu verwenden reicht bei weitem nicht aus. „Es ist erstaunlich, dass zwar viele Mainstream-Modeunternehmen von Kreislaufwirtschaft sprechen“, heißt es in der Studie, „aber nur sehr wenig Forschung zum Design von kreislauffähigen Materialien und Produkten gemacht wird.“ Laut Greenpeace fehlt es an einem holistischen Ansatz innerhalb der Textilindustrie, die eigenen Abfälle zu recyceln oder gar zu vermeiden. Bisher fußt die Recycling-Idee vor allem auf dem Recycling von PET-Flaschen, die gar nicht aus der Modeindustrie stammen. Die eigenen Abfälle gehe man dagegen gar nicht an. Statt in unausgereifte Ideen zur Kreislaufwirtschaft zu investieren, sei es laut Greenpeace viel wichtiger, den Ressourcenverbrauch endlich zu verlangsamen und weiter die Entgiftungsprozesse der Materialien voranzutreiben, wie es die Umweltorganisation mit der Detox-Kampagne seit vielen Jahren fordert.

Kritische Antwort auch auf „Pulse“-Bericht

„Unser Ziel war es, eine kritische Antwort auf den unausgereiften und lückenhaften `Circular Economy‘-Ansatz zu geben, wie er derzeit von einigen großen Brands verbreitet wird“, sagte Chiara Campione, Greenpeace Italien, anlässlich der Vorstellung der Studie während der Fashion Week in Mailand. Diese Studie ist auch eine Reaktion auf den Report „Pulse of the Fashion Industry“, der während des Copenhagen Fashion Summit von der Global Fashion Agenda, einem Nachhaltigkeits-Forum mit Mitgliedern wie H&M, Li&Fung etc. und der Boston Consulting Group vorgestellt wurde. Der Report kommt zwar u.a. zu dem Ergebnis, dass die Mode-Industrie weiter und noch ernsthafter an der Umsetzung einer nachhaltigeren Wirtschaft arbeiten müsse. Campione: „Die Zukunft basiert laut diesem Bericht aber auf der noch stärkeren Verwendung von umweltschädlichem Polyester und sucht Wachstum durch noch mehr Materialverbrauch, ohne Überproduktion, Überkonsumption und den Verfall von Langlebigkeit und Qualität unserer Produkte zu thematisieren.“

Foto: Greenpeace