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Beschaffung: Was tut sich in der Türkei?

Zwischen Europa und Asien gelegen, nimmt die Türkei eine wichtige Brückenfunktion ein; geografisch ebenso wie beschaffungstechnisch. Für die Bundesrepublik Deutschland ist die Türkei seit Jahren einer der wichtigsten Handelspartner, wobei sich die Importe aus dem Land in den letzten zehn Jahren fast verdoppelt haben. Textilien und Bekleidung führen weiterhin den Import nach Deutschland an, womit die Türkei als Beschaffungsland in unmittelbarer Nachbarschaft eine wichtige Stellung einnimmt. Grund genug für FashionUnited, die Entwicklungen der letzten Jahre nachzuzeichnen.

Aktuell müssen sich die Modemarken Zara, Next und Mango Vorwürfen stellen, türkische Bekleidungsarbeiter im Stich gelassen zu haben, nachdem ihre Fabrik Bravo Tekstil in Istanbul im Juli letzten Jahres plötzlich schließen musste. Drei Monatslöhne und Abfindungen der 140 Mitarbeiter stehen noch aus; insgesamt rund 650.000 Euro. Die drei Marken sind gerade einmal bereit, ein Viertel der Summe zu zahlen, obwohl allein Zara 75 Prozent der Aufträge von Bravo ausmachte. Jetzt kam es zum Stillstand, so dass sich die verzweifelten Arbeiter an die Öffentlichkeit und die Verbraucher wenden.

Im Juli dieses Jahres löste ein einfaches, weißes T-Shirt eine Welle von Festnahmen in der Türkei aus. 15 Menschen wurden verhaftet, nur weil sie ein weißes T-Shirt mit dem Aufdruck "Hero" vor einem schwarzen Hintergrund und der Unterschrift "Heroes are immortal" trugen. Die türkischen Behörden argumentierten, dass das T-Shirt eine versteckte Nachricht und Unterstützung für den Drahtzieher des Putschversuchs am 15. Juli letzten Jahres, Fethullah Gulen, sei. Diese Maßnahme löste weltweit Empörung aus.

Beschaffung: Was tut sich in der Türkei?

Türkische Modebranche investiert in neue Märkte

Das Jahr 2016 startete unternehmerisch, zog es türkische Modemarken nach Aufhebung der Wirtschaftssanktionen in den Iran, um sie einem neuen Markt von 80 Millionen potenziellen Kunden auszusetzen. Den Auftakt machte die türkische Bekleidungsmarke D'S Damat am 19. Januar mit einem Flagshipstore an Teherans beliebter Einkaufsstraße Mirdamad. Auch der türkische Einzelhändler Mudo und die United Brands Association (BMD), eine in Istanbul ansässige Dachorganisation von mehr als 500 renommierten türkische Marken und Einzelhändlern, zeigten sich interessiert.

Im Jahr 2015, als sich die Situation in Syrien zuspitzte und ihre Auswirkungen auf die Textilindustrie deutlich wurden, machten sich auch Bedenken über „Conflict Cotton“ breit, also Baumwolle, die die terroristische Organisation Islamischer Staat (IS) mitfinanziert. Angesichts der Flüchtlingsströme in Europa musste sich die Branche auch Gedanken über syrische Flüchtlingskinder machen, die in türkischen Bekleidungsfabriken als billige Arbeitskräfte auftauchten, aber auch erwachsene Bekleidungsarbeiter aus Syrien mussten ihre Situation in türkischen Fabriken erst klären.

Ende Januar 2015 gab der türkische Textilkonzern Eroglu bekannt, die niederländische Modekette Mexx, die im Dezember 2014 Insolvenz angemeldet hatte, übernommen zu haben und Dutzende Filialen in Europa neu eröffnen zu wollen.

Äthiopien, von einigen aufgrund extrem niederiger Löhne und einer großen, jungen Arbeiterschaft als a href="/ https://fashionunited.de/nachrichten/business/wird-a-thiopien-das-neue-bangladesch/2015071418478" target=" _self">neues Bangladesch bezeichnet, zog im Jahr 2014 Investoren an, unter anderem die Ayka Addis Textile & Investment Group, eine Tochtergesellschaft des Istanbuler Unternehmens Ayka Textile. Sie plante, eine Milliarde äthiopische Birr (37,6 Millionen Euro) in die Expansion seiner bestehenden Produktionseinheit in Alem Gena, 19 Kilometer von Addis Abeba entfernt, zu investieren. Auch Tesco und H&M setzen auf das Land und starteten mit der Schulung äthiopischer Bekleidungsarbeiter.

Die türkische Firmengruppe Anka Textil sorgte im April 2013 in Deutschland für Aufregung, nachdem sie ankündigte, Mönchengladbach zum zentralen Umschlagplatz der türkischen Modeindustrie in Europa machen zu wollen. Sie fing zunächst mit einem Showroom an und gründete dann die Tochtergesellschaft Anka Textil Europa GmbH. Zu einer geplanten permanenten Textilmesse mit Hunderten von Ausstellern kam es allerdings nicht.

Türkei bleibt wichtiges Beschaffungsland

Im Juli 2011 führte die Türkei erste türkische H&M-Filiale im Forum Istanbul eröffnen zu wollen. Inzwischen betreibt das Unternehmen Dutzende von H&M-Filialen im gesamten Land.

Während das Modeland Türkei sich im Jahr 2010 noch verstärkt auf Design statt Produktion konzentrieren wollte, machten die Ereignisse in sogenannten Billiglohnländern wie Bangladesch, Indien und Pakistan diesen Plänen einen Strich durch die Rechnung beziehungsweise gaben der Türkei als Beschaffungsland erneut Auftrieb. Der Einsturz des Rana Plaza-Gebäudes in Bangladesch und Fabrikbrände in Pakistan und Indien richteten die Aufmerksam etlicher (europäischer) Auftraggeber wieder auf die Türkei, ein Beschaffungsland, das nicht 100 Prozent sicher, aber zumindest geografisch näher ist.

Gerade als Denimproduzent hat sich die Türkei einen guten Ruf verschafft, weshalb zum Beispiel der Denim-Hersteller Vicunha Europa , der seit 2007 seine Produktionskapazitäten im Ausland erhöht, 2008 seine Produktion um einen Standort in der Türkei erweiterte. „Die Türkei zählt zu den wichtigsten und gefragtesten Denimproduktionsländern. Wir freuen uns sehr darüber, dort einen erfahrenen und etablierten Experten als Partner gefunden zu haben“, kommentierte Geschäftsführer Thomas Dislich.

Wie man sieht, bleibt die Türkei auch weiterhin ein wichtiger Handelspartner und ein wichtiges Beschaffungsland für die deutsche und europäische Modebranche. Wie sich die Expansion der türkischen Bekleidungsindustrie auswirken wird, bleibt abzuwarten.

Fotos: Business and Human Rights Resource Centre (BHRRC) / FashionUnited
Zara, Next und Mango lassen türkische Bekleidungsarbeiter im Stich

140 türkische Bekleidungsarbeiter warten seit Juli 2016 auf drei Monatslöhne und Abfindungszahlungen. Zu diesem Zeitpunkt hatte Bravo Tekstil in Istanbul plötzlich schließen müssen. Seit über einem Jahr kämpfen die ehemaligen Arbeiter um ihr Geld und haben sich jetzt an Zara, Next und Mango als wichtige Auftraggeber von Bravo Tekstil gewandt.

“Marken sind die Hauptauftraggeber. Sie haben wiederholt bewiesen, dass sie jeden Aspekt der Aufträge an ihre Lieferanten kontrollieren. Deshalb ist es klar, dass es in ihrer Macht steht, dafür zu sorgen, dass alle Arbeiter, die ihre Kleidung produzieren, ihre Monatslöhne erhalten und in sicheren Bedingungen arbeiten; dazu sind sie moralisch verpflichtet”, kommentierte Bego Demir von Clean Clothes Campaign Turkey.

Modemarken sind nicht bereit, Arbeitern zu helfen

Die spanische Fast Fashion-Marke Zara, die 75 Prozent der Produktion von Bravo Tekstil für ihre Aufträge beanspruchte, hat bis jetzt die gute Gelegenheit ausgeschlagen, positive Schlagzeilen zu machen. Next und Mango sind Zaras Beispiel gefolgt und weigern sich ebenfalls, volle Verantwortung für die 140 Bravo Tekstil-Mitarbeiter zu übernehmen. Insgesamt würden die drei Marken nur ein Viertel des geforderten Betrags bereitstellen. Dabei ist die Streitsumme mit 2,8 Millionen türkischen Lire (rund 650.000 Euro) wenig für einen Konzern wie Zara zum Beispiel, dessen Mutterkonzern

Doniger-Insolvenz: Investor übernimmt niederländische Stores von Gaastra, McGregor und Adam

Vor zweieinhalb Wochen musste der niederländische Bekleidungskonzern Doniger Fashion Group Insolvenz anmelden. Nun scheint die Zukunft der heimischen Shops der zur Gruppe gehörenden Marken Gaastra, McGregor und Adam gesichert.

Der eigens gegründeter Investmentfonds Du Soutien Beheer, hinter dem der Geschäftsmann Rens van de Schoor steht, will den Geschäftsbetrieb der Marken in den Niederlanden sichern. Am Montag teilte der zuständige Insolvenzverwalter mit, dass eine entsprechende Vereinbarung mit dem Investor geschlossen wurde. Damit bleiben alle Stores der drei Marken weiterhin geöffnet. Die betroffenen Mitarbeiter wurden über die neue Entwicklung bereits informiert.

Für den Insolvenzverwalter ist die Übernahme „die beste Chance auf Kontinuität und den Erhalt von Arbeitsplätzen“

Van de Schoor beteiligt sich nicht zum ersten Mal an der Sanierung angeschlagener Bekleidungsunternehmen. So hat er bereits am Neustart von Miss Etam und Promiss mitgewirkt. Nun konnte er mit seinen Plänen auch den Insolvenzverwalter von Doniger überzeugen. „Das Angebot von Du Soutien bietet den Gläubigern einen guten Lösung und ist zudem die beste Chance auf Kontinuität und den Erhalt von Arbeitsplätzen“, heißt es in einer Mitteilung.

Die Doniger Fashion Group hatte am 7. September Insolvenz angemeldet. Neben der Dachgesellschaft waren davon auch die Töchter Doniger Online BV, Adam Retail BV, Doniger Fashion BV, Doniger Retail BV, MCG Online Personnel BV, AR Personnel BV, AR Housing BV, DR Personnel BV und DR Housing BV betroffen. Das Unternehmen betreibt derzeit insgesamt 75 eigene Shops, von denen sich 53 in den Niederlanden und 22 in den Auslandsmärkten Deutschland, Belgien und Frankreich befinden.

Foto: Gaastra Facebook-Page
OVS: Integration von Charles Vögele verläuft „reibungslos“

Die Übernahme des schweizerischen Bekleidungsfilialisten Charles Vögele hat den Umsatz des italienischen Handelskonzerns OVS SpA bereits in der ersten Hälfte des Geschäftsjahres 2017/18 beflügelt. Noch ist der Integrationsprozess aber in vollem Gange: In den kommenden Monaten soll die Umwandlung aller Charles-Vögele-Filialen in der Schweiz in OVS-Shops abgeschlossen werden. Bislang verlaufe die Transformation „reibungslos“, erklärte CEO Stefano Beraldo. Die entsprechenden Resultate seien „weitgehend positiv“. Im vergangenen Winter hatte das italienische Konsortium Sempione Retail, das OVS zusammen mit Finanzinvestoren gebildet hatte, den schweizerischen Einzelhändler übernommen.

Hauptziel der Übernahme war, die Filialen von Charles Vögele in wichtigen Märkten in das Netzwerk von OVS zu integrieren und damit die Präsenz des Fast-Fashion-Anbieters im Ausland entscheidend zu stärken. So verschwindet der Name Charles Vögele nun Schritt für Schritt. Vollständig vollzogen sei die Umstellung bereits in Slowenien, teilte OVS mit. In der Schweiz läuft sie auf vollen Touren: Dort wurden seit der zweiten Juli-Hälfte bereits 75 Shops zu OVS-Filialen. Die komplette Umstellung soll Anfang 2018 abgeschlossen werden.

Die Übernahme von Charles Vögele trug maßgeblich zum deutlichen Umsatzplus im ersten Halbjahr bei

An den aktuellen Halbjahreszahlen, die OVS in dieser Woche veröffentlichte, sind erste Effekte der Übernahme bereits ablesbar. Insgesamt belief sich der Umsatz des Konzerns, zu dem neben dem Konzept OVS auch der Filialist Upim gehört, in den Monaten Februar bis Juli auf 697,1 Millionen Euro. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum bedeutete das eine Steigerung um 8,9 Prozent. Neueröffnungen bei den bestehenden Konzepten trugen nach Angaben des Konzerns 4.1 Prozentpunkte zum Wachstum bei, der Rest der Steigerung (+4,8 Prozent) resultierte aus der Charles-Vögele-Übernahme. Die Umsätze in den schon länger als ein Jahre bestehenden OVS- und Upim-Filialen blieben unverändert.

Effizienzsteigerungen in der Lieferkette, niedrigere Preisnachlässe und Optimierungsmaßnahmen bei den Filialstandorten ließen das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) kräftig steigen: Gegenüber dem Vorjahreszeitraum wuchs es um 9,4 Prozent auf 82,1 Millionen Euro. Konzernchef Beraldo verwies darauf, dass sich im Rahmen der Charles-Vögele-Transaktion vereinbarte Einnahmen erst in der zweiten Jahreshälfte positiv auf das Ergebnis auswirken würden. Der um Sondereffekte bereinigte Nettogewinn stieg um 24,7 Prozent auf 38,4 Millionen Euro.

Aufgrund von Einmalbelastungen musste der Konzern allerdings einen Halbjahresverlust von 15,9 Millionen Euro ausweisen. Das lag vor allem an einer Neubewertung von zukünftigen Warenlieferungen, die durch Wechselkursveränderungen zwischen dem Euro und dem US-Dollar notwendig geworden war. Im Vorjahr hatte OVS im gleichen Zeitraum einen Überschuss in Höhe von 18,0 Millionen Euro erzielt.

Foto: OVS Facebook-Page
Zalando will mit Technologie-Startups kooperieren

„Build“ heißt die neue Idee aus dem Hause Zalando. Damit will die Berliner Online-Plattform für Mode ab sofort Technologie-Startups dazu einladen, ihre neuen Lösungen und Technologien im Zalando Fashion Store zu integrieren.

Mehr Personalisierung, mehr Inspiration

Mit der neu eingerichteten Abteilung „Build“ will sich Zalando auch in Zukunft die Innovationsführerschaft im Fashion-Onlinehandel sichern: Build ist ein Kooperationsangebot an junge Startups weltweit, deren neue Lösungen und Technologien dazu beitragen können, das Einkaufserlebnis der Zalando Kunden weiter zu verbessern. Das können neue Ideen zum Personalisieren sein, wie z.B. Größenberatung und Passform, oder neue Inspirationen beim Shopping durch Styling- und Outfit-Tipps oder andere inspirierende Inhalte wie Bilder und Videos.

Zalando will mit Technologie-Startups kooperieren

Teil des Plattformgedankens

Build ist Teil der Zalando Plattformstrategie. „Unser Ziel ist es, alle Akteure im Modemarkt miteinander zu verbinden, vom Hersteller über den Einzelhändler bis hin zum Stylisten”, so Marc Lamik, Head of Partnerships bei Zalando. Gemäß des Ziels, für unterschiedlichste Kunden und Marken gleichermaßen zu der Anlaufstelle für Mode zu werden, will Zalando jedem Modekunden ein optimales Benutzererlebnis bieten, egal welchen Hintergrund er als Verbraucher hat. „Um das zu gewährleisten, genügt es nicht, dass Zalando stets das Beste bietet - wir müssen darüber hinaus die besten Kundenerlebnisse, die der Markt zu bieten hat, in unsere Plattform integrieren“, so Lamik weiter. „Mit Build vernetzen wir uns mit der internationalen Start-up Szene und gehen gemeinsam neue Wege im Online-Shopping.“

Erster Partner kommt aus Israel

Der erste Partner ist bereits an Bord: Es ist das israelische Startup Bllush, das Fotos von Social Media-Influencern mit dem Zalando Fashion Store verbindet. Alle Bilder sind „shoppable”, das heißt, abgebildete Kleidungsstücke sind mit dem entsprechenden Artikel im Shop verknüpft und können direkt in den Warenkorb gelegt werden. Die Funktion soll zunächst für Sportbekleidung auf der deutschen Seite verfügbar sein. Weitere Partner sowie Zalando-Shops in anderen Märkten sollen in den kommenden Monaten angebunden werden. Für Startups wird die Kooperation deshalb interessant, weil sie ihre Technologie an 21 Millionen Zalando-Kunden in Europa testen können. Lamik: „Die Partner profitieren dabei von unserer Reichweite und unserer Erfahrung, während wir durch die Zusammenarbeit unterschiedliche Funktionalitäten und Services testen sowie neue Produkte und Dienstleistungen noch schneller implementieren können.“ Die Rechte an der Technologie sollen in jedem Fall bei den Partnerfirmen bleiben.

Foto: Zalando

Esprit: Sparmaßnahmen beflügeln das Ergebnis

Der Bekleidungskonzern Esprit Holdings Ltd. ist bei seinen Umbauarbeiten weiter vorangekommen. Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2016/17 sanken die Umsätze angesichts zahlreicher Ladenschließungen wie erwartet, gleichzeitig konnte aber das Ergebnis verbessert werden. Der Nettogewinn wurde gegenüber dem Vorjahr sogar verdreifacht. Für das laufende Jahr rechnet das Management mit einer Fortsetzung dieser Trends.

Im vergangenen Geschäftsjahr, das Ende Juni abgeschlossen wurde, kam Esprit auf einen Konzernumsatz in Höhe von 15,9 Milliarden Hongkong-Dollar (1,7 Milliarden Euro). Gegenüber dem Vorjahr schrumpften die Erlöse damit um 10,4 Prozent, bereinigt um Wechselkursveränderungen gingen sie um 8,7 Prozent zurück. Da der Konzern seine kontrollierten Verkaufsflächen im Rahmen des laufenden Sparprogramms um 8,5 Prozent verkleinert hatte, war mit einem entsprechenden Umsatzrückgang gerechnet worden.

Auch in Deutschland, dem größten Einzelmarkt von Esprit, schrumpfte der Umsatz. In den stationären Shops und im Großhandel sank er um 8,8 Prozent auf 5,5 Milliarden Hongkong-Dollar, im separat ausgewiesenen Online-Geschäft ging er um 3,8 Prozent auf 2,4 Milliarden Hongkong-Dollar zurück. Auch in den übrigen Marktregionen musste das Unternehmen erneut niedrigere Erlöse hinnehmen.

Im laufenden Jahr will Esprit seinen gezielten Schrumpfkurs fortsetzen

Positiv entwickelte sich demgegenüber das Ergebnis. Hier machten sich die Sparmaßnahmen positiv bemerkbar. So hatte der Konzern im vergangenen Jahr weitere unprofitable Filialen geschlossen und auch anderen Stellen Kosten gesenkt. Der operative Verlust fiel dadurch deutlich geringer aus als im Vorjahr: Er sank von 596 auf 102 Millionen Hongkong-Dollar. Bereinigt um Sondereffekte wurde er von 572 auf 186 Millionen Hongkong-Dollar reduziert. Aufgrund von Steuergutschriften konnte Esprit erneut einen kleinen Nettogewinn erzielen. Der Jahresüberschuss stieg gegenüber dem vergangenen Jahr von 21 auf 67 Millionen Hongkong-Dollar (7 Millionen Euro). Angesichts des nur kleinen Gewinns verzichtet das Unternehmen aber wie im Vorjahr auf eine Dividende.

Nachdem der Konzern im vergangenen Jahr sein Filialnetz um 95 Standorte auf weltweit 666 eigene Stores verkleinert hatte, sollen im laufenden Jahr weitere Schließungen folgen. „Kurzfristig werden wir unsere Schrumpfkur fortsetzen, weil noch nicht alle unprofitablen Shops geschlossen sind. Auch die unproduktiven Wholesale-Flächen werden weiter reduziert“, erklärte CEO Jose Manuel Martínez Gutiérrez in einer Mitteilung. Obwohl einige gezielte Neueröffnungen und eine höhere Flächenproduktivität in den verbleibenden Shops die Effekte der Schließungen dämpfen sollen, rechnet Martínez für das laufende Jahr mit einem „leichten Umsatzrückgang“. Beim Ergebnis erwartet er angesichts der Sparmaßnahmen eine ähnlich positive Entwicklung wie im vergangenen Geschäftsjahr.

Esprit, Geschäftsjahr 2016/17
Umsatz 15,9 Milliarden HK$
Nettogewinn 67 Millionen HK$

Foto: Esprit
Zara-Mutter Inditex erzielt zweistelliges Umsatzplus im ersten Halbjahr

Der spanische Bekleidungskonzern Inditex ist auch im der ersten Hälfte des Geschäftsjahres 2017/18 schneller gewachsen als die Konkurrenz. Das Ergebnis konnte mit der Umsatzentwicklung allerdings nicht ganz Schritt halten und blieb hinter den Erwartungen zurück. Schuld daran war unter anderem die starke Kursentwicklung des Euro in den vergangenen Monaten.

Der Konzern, zu dem Konzepte wie Zara, Bershka und Massimo Dutti gehören, erwirtschaftete in den Monaten Februar bis Juli einen Umsatz in Höhe von 11,7 Milliarden Euro. Damit konnte er im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 11,5 Prozent zulegen. Bereinigt um Wechselkursveränderungen erreichte die Wachstumsrate elf Prozent. Neben zahlreichen neuen Filialen trug eine Steigerung um sechs Prozent auf vergleichbarer Fläche, also in den Läden, die schon länger als zwölf Monate bestehen, zur deutlichen Verbesserung bei.

Den Großteil des Konzernumsatzes steuerte erneut die Kette Zara bei: Ihre Erlöse wuchsen um elf Prozent auf 7,7 Milliarden Euro. Erstmals konnte auch ein zweites Konzept im ersten Halbjahr die Milliarden-Euro-Schwelle überschreiten: Bei Bershka stieg der Umsatz um 14 Prozent auf rund 1,0 Milliarden Euro. Auch die übrigen Konzernmarken konnten allesamt zulegen. Inditex ist damit in den vergangenen Monaten der Konkurrent weiter enteilt: Der schwedische Konzern Hennes & Mauritz war zuletzt von zweistelligen Zuwächsen weit entfernt.

Der Nettogewinn des spanischen Bekleidungskonzerns stieg um 8,6 Prozent

Beim Ergebnis machten sich neben der Stärke des Euro gegenüber einigen Lokalwährungen auch höhere Betriebskosten bemerkbar. Die resultierten vor allem aus der Eröffnung neuer Filialen. Ende Juli verfügte Inditex weltweit über insgesamt 7.405 Geschäfte, ein Jahr zuvor waren es noch 7.096 gewesen. So wuchs der operative Gewinn um 8,6 Prozent auf 1,7 Milliarden Euro. Unter dem Strich stand nach sechs Monaten ein auf die Anteilseigner entfallender Überschuss in Höhe von 1,4 Milliarden Euro. Damit wurde das entsprechende Vorjahresniveau ebenfalls um 8,6 Prozent übertroffen. Der Gewinn pro Aktie stieg von 0,40 auf 0,44 Euro.

Auch ins zweite Halbjahr ist Inditex gut gestartet. Nach Angaben des Unternehmens lag der Umsatz im Zeitraum vom 1. August bis zum 17. September währungsbereinigt um zwölf Prozent über dem Vorjahresniveau. Seit Anfang August ist der Konzern auch auf seinem Expansionskurs weiter vorangekommen. So wurde mit Weißrussland ein neuer Markt erschlossen. In der Hauptstadt Minsk eröffneten am 16. August die ersten Filialen der Konzepte Zara, Pull & Bear, Massimo Dutti, Bershka, Stradivarius, Oysho und Zara Home. Damit ist Inditex nun in 94 Ländern vertreten.

Der nächste große Schritt steht schon bevor: Am 4. Oktober wird Zara seinen Online-Shop in Indien eröffnen. Seit Jahresbeginn hat die Kette ihre Internet-Präsenz bereits durch die Eröffnung von eigenen Plattformen in Singapur, Malaysia, Thailand und Vietnam ausgebaut.

Inditex, 1. Halbjahr 2017/18
Umsatz 11,7 Milliarden €
Nettogewinn 1,4 Milliarden €

Foto: Inditex
6 nachhaltige Textiloptionen, die die Branche verändern werden

Bananen, Kaffee, Ananas, Lotus, Brennnesseln und Hanf - was sich wie eine, zugegebenermaßen etwas exotische Einkaufsliste anhört - sind alles natürliche Rohstoffe, aus denen sich nachhaltige Textilien machen lassen. Wie, das wird im weiteren erklärt werden; warum, sollte offentlich sein: Angesichts schwindender Ressourcen, die besonders durch Naturfasern wie Baumwolle erschöpft werden, und der Umweltbelastung erdölbasierter Fasern wie Acryl, Polyester, Nylon und Spandex, ist es höchste Zeit für die Textil- und Bekleidungsindustrie, nach nachaltigen Alternativen Ausschau zu halten und zu beweisen, dass die Textil- und Bekleidungsproduktion keine umweltverschmutzende Angelegenheit sein muss. Im Gegenteil. FashionUnited stellt sechs interessante Alternativen vor.

6 nachhaltige Textiloptionen, die die Branche verändern werden

1. Hanffasern

Aus Hanf lässt sich zum Beispiel eine der vielseitigsten Naturfasern gewinnen - Hanffasern, die antibakteriell, haltbar und belastbar sind und als Textilien verarbeitet zudem wie eine natürliche Klimaanlage funktionieren. Darüber hinaus ist Hanf eine schnell wachsende Pflanze, die sehr wenig Wasser verbraucht und keine Herbizide, Pestizide, synthetische Dünger oder GVO-Samen erfordert. 'What's not to love?' könnte man sich fragen und warum die Superpflanze nicht bereits zum Standard in der Textilverarbeitung geworden ist.

Der Grund ist die Verbindung der Cannabis-Sativa-Pflanze mit Erholungsdrogen. Auch wenn das einzige Hochgefühl, das die Produktion und Verwendung von industriellem Hanf auslöst, nur von dem Wissen erzeugt wird, etwas für die Umwelt zu tun, ist der Anbau vor allem in der westlichen Welt erheblich behindert worden. Kein Wunder also, dass China einen Schritt voraus ist, da hier die industrielle Nutzung der Cannabis-Pflanze nie verboten war. Aus diesem Grund macht China derzeit über 50 Prozent der weltweiten Hanfproduktion aus und hält mehr als die Hälfte der über 600 internationalen Patente auf Hanffasern und die Textilproduktion. Dies sollte sich ändern.

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2. Brennnesselfasern

Die gemeine Brennnessel, Urtica dioica, ist eine weit verbreitete Pflanze, die einfach anzubauen ist. Zur Fasergewinnung wird die Brennessel im Hochsommer geschnitten und dann die Stengel gut getrocknet. Dies verhindert, dass die Brennnessel weiter 'brennt'. Nach dem Trocknen wird sie gebrochen, um den holzigen Teil herauszutrennen. Dann wird die Pflanze hechelt, umd die Fasern zu trennen und die Blattansätze herauszubrechen. Die Fasern werden feucht versponnen und dann getrocknet. Ein Verzwirnen der Fasern erhöht die Reißfestigkeit.

Ähnlich wie Hanffasern sind Brennnesselfasern vielseitig, halten im Winter warm und im Sommer angenehm kühl, und lassen sich mit weit weniger Wasser und Pestiziden anbauen als zum Beispiel Baumwolle. Dank neuer Spinntechniken und Mischzüchtungen verschiedener Pflanzenarten werden inzwischen Nesselpflanzen mit superhohem Faseranteil gewonnen, die stark und biegsam sind und eine gute Spinnlänge haben. Anders als bei Hanf gibt es beim Anbau von Nesseln keine rechtlichen Probleme, was die Pflanze zu einer realisierbaren und legalen Marktfrucht gemacht hat.

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3. Kaffeefasern

Kaffeesatz wird von den meisten Kaffeetrinkern einfach weggeschmissen. Dabei ist er ein wichtiger Rohstoff -man kann Kaffeefasern daraus machen! Die Technologie der taiwanesischen Textilfabrik Singtex kombiniert den verarbeiteten Kaffeesatz mit Polymeren, bevor er zu Garn gesponnen wird. Das entstandene Kaffeegarn ist multifunktionell und kann in einer Vielzahl von Produkten verwendet werden, von Outdoor- und Sportbekleidung bis hin zu alltäglichen Haushaltsartikeln.

Stoffe aus Kaffeefasern, wie zum Beispiel der hier gezeigte von S.Café von Singtex, bieten UV-Schutz, trocknen schnell und haben hervorragende natürliche geruchshemmende Eigenschaften. Der verwendete Kaffeesatz stammt von einigen der weltweit größten Kaffeeverkäufer, wie Starbucks zum Beispiel. Auf diese Weise gibt das Unternehmen Kaffeesatz, der sonst in den Müll gewandert wäre, ein zweites Leben. Wie man sieht, bieten Kaffeefasern viele Vorteile - jetzt bleibt die Herausforderung, sie weltweit bekannt zu machen, damit mehr Modemarken sie in ihren Kollektionen integrieren, und ihre Reichweite sich über die Modebranche hinaus ausdehnt.

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4. Der Ananasstoff Piñatex

Es mag unglaublich klingen, aber es gibt eine vegane Alternative zu Leder, die aus Ananasblättern hergestellt wird - das Londoner Unternehmen Ananas Anam hat einen natürlichen Vliesstoff aus Ananasblättern entwickelt, der als Piñatex bekannt und Leder bemerkenswert ähnlich ist. Der revolutionäre Ananasstoff wird aus den Blattfasern der Ananas gemacht, einem Nebenprodukt der Ananasernte in den Philippinen. Die Fasern werden in einem Prozesses, der Entrindung genannt wird, aus den Blättern extrahiert. Sie werden dann einem industriellen Prozess unterzogen, um einen Vliesstoff zu gewinnen, der die Basis von Piñatex ist. Ein Nebenprodukt des Herstellungsprozesses ist Biomasse, die in Biodünger oder Biogas umgewandelt und von den Landwirtschaftsgemeinschaften genutzt wird, wodurch sich der Produktionskreislauf des Materials schließt.

Piñatex ist das Ergebnis jahrelanger Arbeit und der Suche nach einer Lederalternative; einem natürlichen Gewebe, das 100 Prozent vegan und nachhaltig ist. Zudem ist es ein starkes, aber vielseitiges, atmungsaktives, weiches und flexibles Material, das leicht bedruckt, genäht und geschnitten werden kann, womit es sich für eine Reihe von Modeartikeln eignet und eine Reihe von Preisen gewonnen hat. Jetzt gilt es, Piñatex weiter bekannt zu machen und die Lieferkette des bahnbrechenden Materials weiter zu entwickeln und zu stabilisieren.

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5. Bananenfasern

Bananenfasern gehören zu den weltweit stärksten Naturfasern. Sie werden aus dem Stamm der Bananenstaude gemacht, sind biologisch abbaubar und unglaublich haltbar. Die Faser besteht aus dickwandigem Zellgewebe, das durch natürlichen Gummi gebunden ist und hauptsächlich aus Cellulose, Hemicellulosen und Lignin besteht. Bananenfasern ähneln natürlichen Bambusfasern, aber ihre Spinnfähigkeit, Feinheit und Zugfestigkeit sind besser. Sie können zur Herstellung verschiedener Textilien unterschiedlicher Schwere und Stärke verwendet werden, je nachdem, aus welchem Teil der Bananenstaude sie extrahiert werden.

Wie beim Kaffeesatz und Ananasblättern schließt sich mit Bananenfasern der Stoffkreislauf, denn auch sie werden aus Abfallprodukten gemacht: aus alten Bananenstauden, die die Bauern sonst wegwerfen würden. Bananenfasern können zur Herstellung von Seilen, Matten, Webstoffen sowie handgefertigtem Papier verwendetet werden. Das Unternehmen Green Banana Paper auf der Insel Kosrae in Mikronesien verwendet Bananenfasern, um vegane Brieftaschen, Geldbörsen und Papier herzustellen. Das Extrahieren der Bananenfasern aus dem Bananenstamm ist jedoch kein einfaches Verfahren, sondern ein arbeitsintensiver Prozess. Bananengarn oder -stoff wird gewonnen, indem Streifen der Staudenhülle in einer alkalischen Lösung weich gekocht werden, um sie zu trennen. Dann werden Fasern miteinander verbunden, um lange Fäden zu erzeugen, die dann naß gesponnen werden, um zu verhindern, dass sie zerbrechen. Danach können die Fäden gefärbt oder gewebt werden.

6 nachhaltige Textiloptionen, die die Branche verändern werden

6. Lotusfasern

Der Gebrauch von Lotusfasern für Stoffe und Textilien mag sich in der westlichen Welt exotisch anhören, aber in Ländern wie Thailand und Myanmar zum Beispiel werden Lotusfasern bereits seit Jahrhunderten für besondere Stoffe benutzt. Kein Wunder, denn der Herstellungsprozess bringt einen luxuriösen Stoff hervor, der sich wie ein Gemisch aus Seide und Rohleinen anfühlt und zudem schmutzabweisend, leicht, weich, seidig und extrem atmungsaktive ist. 'What's not to love?' Der komplizierte und langwierige Herstellungsprozess.

Nach der Ernte werden die Enden der Lotusstängel aufgeschnitten und die langen, dünnen Fasern aus der Mitte der Pflanze herausgezogen. Dies muss innerhalb von drei Tagen nach der Ernte geschehen, damit das Resultat optimal ist. Die so gewonnenen Fäden werden gewaschen und zum Trocknen aufgehängt, bevor sie auf traditionellen Webstühlen von Hand zu Stoffen gewebt werden. Die Qualität des Stoffes ist jedoch so überzeugend, dass es Ansätze kommerzieller Nutzung gibt; das Unternehmen Hero’s Fashion Pvt Ltd aus dem indischen Jaipur zum Beispiel hat mit seinem weißen NoMark Lotus-Hemd bereits viele Anhänger gefunden.

Wie massentauglich die hier vorgestellten nachhaltigen Textiloptionen sind, wird sich zeigen; gerade Hanf, Brennnesseln und Kaffee haben sicher großes Potential für den Massenmarkt, während Lotus- und Ananasstoffe für den Luxus-Modemarkt interessant sein sollten.

Fotos: Kaffeefasern /Singtex Industrial CO. LTD.; Jacke aus Hanf /Patagonia-Website; Netl-Produkte via tumblr; Stoffe aus Kaffeefasern / Singtex Industrial CO. LTD.; Piñatex; Produkte aus Bananenfasern / Green Banana Paper; Lotusstoffe von Samatoa Lotus Textiles