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Cognitive Computing: Das nächste große Ding im Handel

INTERVIEW Ganz in der Tradition von Dr. Watson, der als fleißiger Assistent des berühmten Sherlock Holmes die kniffligsten Fälle lösen half, will Cognitive Computing den Menschen heute helfen, datenbasiert bessere und fundiertere Entscheidungen zu treffen. Und wieder mal ist es der Handel, für den die neuen schlauen Computersysteme einiges an Veränderung bringen werden.

Veränderungen, die sowohl die Kundenansprache als auch das Shopping an sich betreffen werden. Dabei will Watson, das kognitive Computersystem von IBM, den Menschen nicht ersetzen, sondern ihm als Ratgeber zur Seite stehen. Marilies Rumpold-Preining, IBM Watson Customer Engagement Executive für Deutschland, Schweiz und Österreich, erklärt, wie Watson die Welt des Handels erobern will.

Cognitive Computing wird von Experten als das nächste große Ding angepriesen. Was ist das überhaupt?

Kognitive Computersysteme wurden entwickelt, um dem Menschen zu helfen, bessere Entscheidungen zu treffen. IBM definiert Cognitive Computing über vier Kriterien, die nur in ihrem Zusammenspiel ein kognitives System darstellen: Eine Funktion ist dann kognitiv, wenn sie erstens ein tiefes Fachwissen in dem Bereich hat, in dem sie eingesetzt wird. Das kann z.B. der Gesundheitsbereich sein oder Bildung oder Handel. Zweitens muss die Funktion selbstständig Schlussfolgerungen in Bezug auf bestimmte Ziele ziehen können. Drittens ist es notwendig, dass die Funktion fortlaufend aus ihren Erfahrungen lernen und sich damit kontinuierlich selbst optimieren kann. Als viertes Kriterium muss das System in der Lage sein, auf natürliche Art und Weise – zum Beispiel auch durch Sprache – mit Menschen und Systemen zu interagieren.

IBM Watson ist ein kognitives Computersystem und wird von Experten als einer der wichtigsten Innovationsmotoren der nächsten Zeit angesehen. Warum?

Watson eröffnet eine Vielzahl von Anwendungsmöglichkeiten und schafft für den Menschen einen großen Nutzen. Überall dort, wo Daten ausgewertet, interpretiert und z.B. auch mit externen Daten verknüpft werden sollen, kann Watson ein wertvoller Ratgeber sein. Im Bereich des E-Commerce kann Watson helfen, Kunden sehr treffsicher anzusprechen indem er z.B. die intern vorhandene Kundenhistorie, öffentliche Daten zum Wetter oder lokalen Events mit dem öffentlich zugänglichen Social Media Profil des Kunden zu einem individuellen Angebot verknüpft. Dann bekommt z.B. der sportlich interessierte Kunde aus Kitzbühel automatisiert dicke Winterstiefel für das anstehende Hahnenkammrennen angeboten.

Natürlich machen kognitive Systeme nicht überall Sinn. Und nur, weil kognitive Systeme aktuell sehr populär sind, heißt das auch nicht, dass alles kognitiv werden wird. Solche Systeme sind eine zusätzliche Möglichkeit, sie sollen dem Menschen Ratschläge geben, damit dieser bessere Entscheidungen treffen kann. Ob man die Vorschläge dann annimmt, ist nach wie vor allein in der Hand des Menschen.

Schauen wir auf den Handel: Wie kann Watson Händlern helfen, erfolgreicher zu sein?

Auch da gibt es verschiedene Anwendungsszenarien. Wie bereits kurz angerissen, kann Watson helfen, die Kundenansprache zu optimieren und treffsicherere Angebote personalisiert auszusprechen. Ein Beispiel: Heute konfiguriert ein Marketingverantwortlicher die Kommunikationsregeln folgendermaßen: Hat ein Kunde das Produkt A und B gekauft, wird ihm anschließend das Produkt C angeboten, denn das müsste ihm auch gefallen. Watson dagegen kann diese Regeln personalisieren und auch externe Daten in Echtzeit für die Definition hinzuziehen. So weiß Watson dann vielleicht, das Produkt C bei schlechtem Wetter besser funktioniert oder dass Produkt D sehr erfolgreich ist bei Personen, die sehr aktiv auf Facebook sind. Watson kann schlichtweg eine Fülle von Daten verarbeiten und ist dadurch in der Lage, neuartige Korrelationen herzustellen und neue Ideen zu generieren, auf die selbst ein erfahrener Marketer nicht so schnell kommen würde. Zudem kann Watson die Kundenansprache ganz individuell gestalten, sowohl hinsichtlich Inhalt, Frequenz und Kanal.

Ein anderer Einsatzbereich von Watson ist die Optimierung von Online-Shops und von Marketing-Kampagnen. Mit Hilfe von kognitive Computing und internen Daten zum Userverhalten können Shop-Betreiber die Punkte im Shop identifizieren, an denen ihre Kunden Probleme haben und z.B. aus dem Shop aussteigen oder Missverständnisse herrschen. Auch den Verlauf von Marketing-Kampagnen kann Watson überwachen und steuern. Treten im Verlauf einer Werbeaktion z.B. in einer bestimmten Zielgruppe oder auf einem bestimmten Zielmarkt Anomalien auf, kann das System diese in Echtzeit erkennen und es können Gegenmaßnahmen getroffen werden.

Cognitive Computing: Das nächste große Ding im Handel

Wer nutzt die Watson Plattform heute bereits kommerziell? Gibt es Beispiele aus der Fashion-Branche?

Ja, z.B. das Outdoor Label The North Face nutzt Watson als Online-Assistenten, der Kunden hilft, die richtige Ausrüstung für ein bestimmtes Outdoor-Abenteuer zusammenzustellen. Kunden können natürlichsprachlich über eine App mit dem Assistenten kommunizieren und erhalten von ihm Vorschläge, welche Bekleidung und Ausrüstung für sein bestimmtes Vorhaben – auch unter Berücksichtigung von externen Parametern wie Wetter, Jahreszeit, etc. – sinnvoll sind.

Auch im Fashionbereich ist das denkbar, wenn Watson zu einem bestimmten Schuh z.B. ein Foto von Taylor Swift mit ähnlichen Schuhen „hervorzaubern“ kann. Denn Watson kann auch Bilder erkennen.

Ein weiteres Beispiel ist American Eagle Outfitters (AEO), einer der führenden Fashion Retailer für Jugendliche aus den USA mit über 1.000 Geschäften und einem Online-Shop, der 77 Länder beliefert. AEO setzt IBMs Watson Customer Engagement Lösungen dazu ein, seinen Kunden eine konsistente Erfahrung über alle digitalen Kanäle hinweg zu bieten. Durch die Analyse des Kundenverhaltens auf der Website konnte AEO z.B. erkennen, dass ein Rabatt-Code beim Einlösen zu einer Fehleranzeige führte und damit mehr Kunden verärgert als begeistert wurden. Dieser Fehler konnte, ebenso wie andere Probleme, durch die automatische Analyse rasch erkannt und behoben werden. Damit konnte das Unternehmen die Loyalität ihrer Kunden erhöhen.

Dass Watson datenbasiert gute Produktvorschläge für zielgerichtete Käufe vorschlagen kann, ist vorstellbar. Doch wie sieht es aus mit Neuheiten oder mit Mode? Wie kann Watson wissen, ob mir die Schlaghosen der nächsten Saison gefallen werden?

Natürlich kann Watson passende Kleidung für einen bestimmten Anlass vorschlagen. Aber vorhersagen, ob jemandem eine bestimmte Mode gefallen wird oder nicht, das kann er nicht. Wohl aber kann er eine Prognose zu dem Geschmack des Kunden erstellen, die übrigens ziemlich treffsicher ist. Auch hier bedient sich das System interner und externer Daten und erstellt daraus ein individuelles Kundenprofil. Öffentlich verfügbare Daten lassen durchaus erkennen, ob Menschen eher intro- oder extrovertiert sind, sich eher für Hip-Hop-Events interessieren oder für den Wiener Opernball. Diese Informationen in ihrer Fülle liefern dann Rückschlüsse für den Modegeschmack.

Was sind die Herausforderungen? Welche Vorarbeit muss ein Unternehmen leisten, wenn es Watson nutzen möchte?

Je nachdem, welche Aufgabe Watson erfüllen soll, muss die entsprechende Daten-Infrastruktur vorhanden sein bzw. geschaffen werden. Denn das Herz von Watson sind Daten, und davon braucht er möglichst viele. Wer also die Kundenansprache personalisieren möchte, braucht Kundendaten. Wer den Customer Struggle, also die Shop-Optimierung, im Auge hat, braucht ein stabiles User-Tracking.

Mit welchen Kosten muss z.B. ein Online-Shop rechnen, wenn er z.B. mithilfe von Watson seinen Kunden zukünftig datenbasiert und treffsicher ansprechen will?

Watson ist ein sehr skalierbares System und leicht in bestehende Infrastrukturen zu integrieren. Die Kosten können je nach Größe des Shops und gewähltem Einsatzgebiet sehr variieren. Um eine Hausnummer zu nennen: Unter Verwendung von bestimmten Gratis-Services ist Watson schon für 2.000 bis 3.000 Euro pro Monat zu haben. Es gibt aber auch Anwendungen, die 20.000 bis 30.000 Euro pro Monat kosten.

Ist Watson nur etwas für Unternehmen oder wird Watson auch in meinem Wohnzimmer dazu beitragen, dass ich zukünftig fundiertere Entscheidungen treffe?

Nun, wenn ich dank Watson in meinen Patagonia-Urlaub die richtige Ausrüstung mitnehme, hat mir die Technologie ganz persönlich geholfen. Auch z.B. im Finanzsektor kann Watson Endkunden direkt unterstützen – etwa bei der Identifizierung von passenden Geldanlagen. Cognitive Computing ist also nicht nur etwas für Unternehmen, auch Konsumenten profitieren davon.

Inwieweit passt Watson zu dem Trend „Voice-Commerce“?

Watson hat bereits heute die Funktionalität eines Sprachassistenten, ähnlich wie „Alexa“ von Amazon oder „Siri“ von Apple. Er kann aber noch einiges darüber hinaus leisten und bietet vor allem branchenspezifisches Expertenwissen und kann Schlussfolgerungen treffen. Daher erfolgt der Einsatz heute meist branchenspezifisch auf Expertenseite und nicht direkt beim Endkunden. Wenn diese Sprachassistenten sich am Markt durchsetzen werden, ist Watson eine gute Ergänzung.

Viele Menschen begegnen dieser neuen Entwicklung mit Angst, da sie ihre Arbeitsplätze und ganze Branchen in Gefahr sehen. Wie stehen Sie zu diesen Ängsten?

Es hat in unserer Vergangenheit immer wieder Umbrüche durch technologischen Fortschritt gegeben. So sehe ich auch das Thema Cognitive Computing. Es ist wichtig, sich weiterzuentwickeln! Watson ermöglicht höherwertige Arbeit und ersetzt weniger wertvolle wie z.B. Recherchetätigkeiten. Dabei will Watson den Menschen ja nicht ersetzen, sondern ihm als Assistent zur Seite stehen. Die Menschen sollten den neuen Möglichkeiten offen gegenüberstehen und sich nicht verschließen. Denn dann sind die Vorteile auch deutlich sichtbar. Z.B. im Gesundheitswesen: Hier kann Watson Ärzten ein wertvoller Ratgeber sein, weil er auf Knopfdruck einen tagesaktuellen Überblick über die neuesten Studien und Verfahren liefern kann. Gerade in ländlichen Gegenden oder armen Ländern mit Ärztemangel ist das ein großer Vorteil.

Fällt Ihnen eine Branche ein, die zukünftig ohne Watson auskommen wird?

Grundsätzlich kann jede Branche von Watson profitieren und sei es der Bauer, der seinen Fruchtwechsel besser planen will. Wir von IBM haben uns im ersten Schritt jedoch auf bestimmte Branchen fokussiert, bei denen wir aktuell den größten Nutzen und die besten Umsetzungschancen sehen. Das sind die Bereiche Marketing, Commerce, Supply Chain, Healthcare, Internet of Things und Education.

Watson als Shop-Assistent lautet auch das Thema, das Marilies Rumpold-Preining am 7. März auf der Bühne der TrendArena der Internet World Messe in München vorstellen wird.

Fotos: IBM / The North Face

Burberry: Einzelhandelsumsatz steigt im dritten Quartal um 22 Prozent

Der britische Modekonzern Burberry plc. hat seine Retail-Erlöse im dritten Quartal deutlich verbessert. Das lag im Wesentlichen am Kursverfall der Berichtswährung, aber auch an besseren Geschäften in Großbritannien und Asien.

Am Mittwoch veröffentlichte Burberry erste Informationen zur Umsatzentwicklung in den Monaten Oktober bis Dezember. Den vorläufigen Zahlen zufolge lagen die Einzelhandelserlöse mit 735 Millionen Britischen Pfund (848 Millionen Euro) um 22 Prozent über dem Vorjahresniveau. Bereinigt um Wechselkursveränderungen stiegen sie um vier Prozent, währungs- und flächenbereinigt um drei Prozent.

In Asien konnte das Unternehmen wieder einen leichten Zuwachs melden. Dort stiegen die Retail-Erlöse währungs- und flächenbereinigt „um einen niedrigen einstelligen Prozentsatz“. Neben guten Geschäften in Festlandchina trugen Verbesserungen in Hongkong zum Wachstum bei. Dort sanken die Erlöse nur noch „um einen niedrigen einstelligen Prozentsatz“. Damit wurde der rapide Abwärtstrend der vergangenen Monate merklich gebremst.

CEO Christopher Bailey sieht erste Erfolge der neuen Strategien

In Europa stieg der Einzelhandelsumsatz währungs- und flächenbereinigt zweistellig. In Großbritannien wirkte sich die Kursentwicklung des Pfundes positiv aus, die den Markt attraktiver für kaufkräftige Touristen machte. Dort wuchsen die Erlöse flächenbereinigt um vierzig Prozent. In Kontinentaleuropa seien die Geschäfte hingegen weiterhin „schwach“ verlaufen. In der Region Americas sanken die Retail-Erlöse um einen niedrigen einstelligen Prozentsatz.

Angesichts der vorliegenden Zahlen erklärte CEO Christopher Bailey, das Unternehmen liege bei seinen Bemühungen, langfristiges Wachstum und höhere Effizienz zu erzielen, „auf Kurs“. Die Resultate zeigten „erste Fortschritte“ aufgrund der im vergangenen Jahr eingeleiteten strategischen Maßnahmen. Die im November vorgelegten Prognosen für das gesamte Geschäftsjahr blieben unverändert.

Foto: Burberry
Zalando: Quartalsumsatz überschreitet die Milliardengrenze

Der Berliner Modeversender Zalando hat im vierten Quartal 2016 ein symbolträchtiges Ziel erreicht. „Zum ersten Mal haben wir in einem Quartal mehr als eine Milliarde Euro umgesetzt“, verkündete Co-CEO Rubin Ritter am Dienstag in einer Zwischenmitteilung.

Genaue Resultate konnte das Unternehmen noch nicht präsentieren. Den veröffentlichten vorläufigen Zahlen zufolge kam Zalando im Schlussquartal des abgelaufenen Geschäftsjahres auf einen Umsatz zwischen 1,086 und 1,094 Milliarden Euro. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum bedeutete das eine Steigerung um 25 bis 26 Prozent. Auch beim Betriebsgewinn konnte sich das Unternehmen verbessern. Es rechnet mit einem um Sondereffekten bereinigten Quartalsergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) im Bereich von 81 bis 104 Millionen Euro. Im vierten Quartal des Vorjahres hatte Zalando 71,8 Millionen Euro erreicht.

In diesem Jahr will Zalando ein Logistikzentrum in Schweden eröffnen

„Wir haben 2016 erfolgreich abgeschlossen“, erklärte Ritter. „Damit hat sich unser klarer Fokus auf den Kunden ausgezahlt. Wir konzentrieren uns auf weiteres Wachstum und werden deswegen auch weiterhin in die Verbesserung des Kundenerlebnisses in all unseren Märkten investieren.“

Im gesamten Geschäftsjahr 2016 belief sich der Umsatz von Zalando auf 3,633 bis 3,642 Milliarden Euro, was einem Wachstum um 22,9 bis 23,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Dank höherer Margen konnte das bereinigte EBIT möglicherweise sogar verdoppelt werden: Nach 107,5 Millionen Euro im Jahr 2015 erreichte es den vorliegenden Zahlen zufolge nun 202 bis 225 Millionen Euro. Seine endgültige Jahresbilanz wird das Unternehmen am 1. März vorlegen. Dann werden auch die Prognosen für 2017 veröffentlicht.

Neben den vorläufigen Zahlen verkündete Zalando am Dienstag auch den nächsten Expansionsschritt. Das Unternehmen will noch im Laufe dieses Jahres ein Logistikzentrum in Schweden eröffnen. Die Anlage soll „von einem Dienstleister betrieben“ werden und den „Kundenservice in den wichtigen nordeuropäischen Märkten in Schweden, Norwegen, Finnland und Dänemark weiter verbessern“.

Foto: Zalando
Alibaba geht mit neuer Marken-Allianz gegen Fälschungen vor

Der chinesische Internetriese Alibaba hat eine Allianz mit internationalen Marken aufgestellt, um gemeinsam und mit moderner Technologie und Big Data gegen gefälschte Produkte auf seinen Online-Plattformen vorzugehen. Bereits 20 bekannte Marken wie Amway, Louis Vuitton, Mars, Samsung, Shiseido und Huawei sind dabei.

„Die gewaltigste Waffe gegen Imitate sind heutzutage Daten und deren Analyse und der einzige Weg, wie wir diesen Kampf gewinnen können, ist uns zusammenzuschließen”, sagte Alibabas Chief Platform Officer Jessie Zheng gestern in einer Mitteilung. „Mit unseren robusten Datenfähigkeiten sind wir zuversichtlich, dass die Allianz die digitale Transformation in unserem weltweiten Kampf gegen Fälschungen beschleunigen wird.”

Die „Alibaba Big Data Anti-Counterfeiting Alliance“ will Produkte und Produktangebote analysieren, um so gegen gefälschte Ware vorzugehen und entsprechende Anbieter zu entfernen beziehungsweise rechtlich zu belangen. Laut der gestrigen Mitteilung des Unternehmens soll Alibaba mithilfe seiner Technologien 10 Millionen Produkte pro Tag analysieren können und soll damit in den 12 Monaten bis August 2016 380 Millionen Produktangebote enfernt und mehr als 180.000 Shops von Drittanbietern geschlossen haben.

Alibaba arbeitet mit Marken und Behörden zusammen

Das Unternehmen wies auch darauf hin, in der „Operation Cloud Sword“ genannten gemeinsamen Aktion mit den chinesischen Behörden zwischen April und Juli 2016 417 Produktionsbanden, 332 Verdächtige sowie Waren im Wert von 207 Millionen US-Dollar sichergestellt zu haben. Dabei verließen sich die Akteure ebenfalls auf moderne Technologien wie bestimmte Algorithmen, künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen.

„Diese Allianz wird es uns ermöglichen, die wirksamsten Technologien im Kampf gegen gefälschte Ware einzusetzen,” bestätigte Sam Shen, Direktor für Amway in Shanghai. „Alibaba hat bereits wesentliche Ergebnisse in Bezug auf die Feststellung von Urheberrechtsverletzern gemacht und wir freuen uns darauf, mit ihnen und den anderen Mitgliedern zusammenzuarbeiten, um bei diesem Erfolg weiterzumachen.”

Die neue Big Data Anti-Fälschungs-Allianz soll den Wissensaustausch, die Zusammenarbeit und Transparenz zwischen ihren Mitgliedern und anderen Akteuren verstärken und Marken und Urheberrechtsinhabern einen formalen Weg bieten, Informationen zu teilen. Mithilfe dieser wird Alibaba besser in der Lage sein, ihr geistiges Eigentum zu schützen, so das Unternehmen.

Zudem haben die Marken so eine Möglichkeit, Alibabas Richtlinien für die jeweilige Online-Plattform genauer einzusehen, zu bewerten und den Onlineriesen eventuell dazu zu bewegen, sie zu ändern. Die Allianz wird ihre Erkenntnisse und Ergebnisse auch regelmäßig veröffentlichen.

Alibabas letzter Schritt in einer Reihe von Maßnahmen gegen Fälscher und Imitate scheint der bis jetzt großflächigste und hoffentlich wirkungsvollste zu sein, da er die betroffenen Marken und die neuesten Technologien mit einbezieht. Dies könnte dem Unternehmen den Ruf retten, war es doch in der Vergangenheit auf Schwarzen Listen gelandet und stand allgemein in dem Ruf, nicht genug gegen Fälschungen zu tun.

Foto: Alibaba Group
Hugo Boss: Vorläufige Zahlen besser als befürchtet

Beim Metzinger Modekonzern Hugo Boss AG liefen die Geschäfte in den vergangenen Monaten besser als befürchtet. Zwar ging der Umsatz im vierten Quartal erneut zurück, das lag aber nur an weiterhin schlechten Zahlen in Amerika. In Europa und Asien konnten die Erlöse in den jeweiligen Lokalwährungen gesteigert werden. Das geht aus vorläufigen, noch nicht testierten Zahlen hervor, die das Unternehmen am Montag veröffentlichte.

Demnach belief sich der Konzernumsatz im vierten Quartal 2016 auf 725 Millionen Euro. Das Vorjahresniveau wurde damit um drei Prozent verfehlt. Bereinigt um Wechselkursveränderungen schrumpften die Erlöse nur um ein Prozent. Verantwortlich für den Umsatzrückgang war das schwache Amerikageschäft (währungsbereinigt -14 Prozent). In Europa (+2 Prozent) und Asien (+5 Prozent) konnte der Konzern in den jeweiligen Lokalwährungen zulegen. Positiv entwickelten sich die Erlöse vor allem auf dem chinesischen Festland. Flächen- und währungsbereinigt wuchsen sie dort nach Angaben des Unternehmens um fast zwanzig Prozent.

Im eigenen Einzelhandel verbuchte Hugo Boss währungsbereinigt aufgrund von Neueröffnungen ein Umsatzplus (+4 Prozent). Flächen- und währungsbereinigt sanken die Retail-Erlöse allerdings um drei Prozent. Der Konzern sah trotzdem einen Aufwärtstrend: Der Rückgang sei im Schlussquartal „deutlich niedriger“ ausgefallen als im bisherigen Jahresverlauf, erklärte er. Im Großhandel schrumpfte der Umsatz währungsbereinigt um 13 Prozent. „Fortgesetzte Bereinigungen der Distribution in den USA hatten darauf einen wesentlichen Einfluss“, erläuterte das Unternehmen.

“Die Ergebnisse des vierten Quartals zeigen, dass wir auf dem richtigen Weg sind“

Mark Langer, CEO der Hugo Boss AG

CEO Mark Langer wertete die vorliegenden Zahlen als Beleg dafür, dass der seit längerem schwächelnde Konzern auf seinem Sanierungskurs Fortschritte gemacht habe. „Die Ergebnisse des vierten Quartals zeigen, dass wir auf dem richtigen Weg sind“, erklärte er in einer Mitteilung. „In China haben wir im zweiten Halbjahr den Turnaround geschafft. Auch in Europa haben wir uns in einem schwierigen Marktumfeld gut behauptet“, so Langer. Das Management werde nun „weiter intensiv an der Umsetzung unserer im November vorgestellten strategischen Pläne arbeiten“. Er sei „zuversichtlich, damit auf einen nachhaltigen profitablen Wachstumskurs zurückzukehren“, erklärte der Konzernchef.

Im Geschäftsjahr 2016 sank der Umsatz um vier Prozent

Im gesamten Geschäftsjahr 2016 kam Hugo Boss damit auf einen Umsatz in Höhe von rund 2,69 Milliarden Euro. Gegenüber dem Vorjahr bedeutete das einen Rückgang um vier Prozent (währungsbereinigt -2 Prozent).

Auch beim Ergebnis dürften die Zahlen angesichts der niedrigen Erwartungen trotz eines deutlichen Rückgangs verhältnismäßig zufriedenstellend ausfallen. „Vorbehaltlich des noch andauernden Jahresabschlusses geht der Konzern davon aus, dass das operative Ergebnis (bereinigtes EBITDA vor Sondereffekten) im Jahr 2016 am oberen Ende der Prognosespanne liegen wird“, erklärte der Konzern. Der zuletzt im November bestätigte Zielkorridor für das bereinigte EBITDA sah einen Rückgang „zwischen 17 Prozent und 23 Prozent gegenüber Vorjahr“ vor. 2015 hatte Hugo Boss ein um Sondereffekte bereinigtes EBITDA in Höhe von 594 Millionen Euro erzielt. Seine endgültigen Zahlen für 2016 und die Prognosen für das laufende Geschäftsjahr wird der Konzern auf seiner Bilanzpressekonferenz am 9. März präsentieren.

Foto: Hugo Boss AG
Deutschland ist Weltmarktführer bei Technischen Textilien

Deutschland hat sich in den vergangenen Jahrzehnten nicht gerade einen Namen als große Modenation gemacht. Weder im exklusiven Luxusbereich noch bei den großen, vertikalen Anbietern tauchen deutsche Marken in den Rankings globaler Top-Player auf. Denn während relevante Designermode noch immer vor allem aus Frankreich und Italien kommt, sitzen die größten Modekonzerne in Spanien, Schweden und den USA.

Doch nun scheint sich das Blatt zu wenden: Bei der Mode der Zukunft, den technischen Textilien, steht Deutschland aktuell besser da als alle traditionellen Modestandorte. „Deutsche Unternehmen sind Weltmarktführer mit Technischen Textilien“, teilte der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbandes der deutschen Textil- und Modeindustrie, Manfred Junkert, unlängst auf einer Pressekonferenz der Branchenmesse Techtextil mit.

Seit Jahren steige der Umsatz in diesem Bereich kontinuierlich an, für Junkert „ein Zeichen einer innovativen Branche mit exzellenten Produkten“. Nun hoffen die Verantwortlichen, dass die Digitalisierung textiler Produkte und Prozesse einen „Innovationsschub auch in vielen anderen Branchen auslösen“ wird.

Techtextil als globaler Branchentreffpunkt etabliert

Bei dieser Entwicklung helfen soll auch die Messe Techtextil in Frankfurt am Main, die sich mittlerweile als wichtigster internationaler Marktplatz für technische Mode und Wearables etabliert hat. Zu kommenden Ausgabe der alle zwei Jahre stattfindenden Plattform erwarten die Organisatoren mehr als 30.000 Besucher aus über 100 Ländern, so viele wie noch nie. Zudem wurde auch die Ausstellungsfläche noch einmal erweitert.

Vom 9. bis 12. Mai 2017 seien „alle internationalen Marktführer“ vor Ort, heißt es seitens der Messe Frankfurt. Zudem stellten zahlreiche Firmen das erste Mal oder nach zwischenzeitlicher Abwesenheit wieder auf der Techtextil aus. Ein deutlicher Ausstellerzuwachs komme dabei vor allem aus Europa, allen voran aus Deutschland, Italien, den Niederlanden, Polen, der Schweiz und Spanien. Auch aus Asien werden weitere Zuwächse erwartet.

Parallel zur Techtextil soll die Texprocess als Leitmesse für die Verarbeitung technischer Textilien und Vliesstoffe Einblicke in alle Schritte der Textilverarbeitung, einschließlich der Textilveredelung und dem Digitaldruck bieten. Auch die Texprocess verzeichne einen hervorragenden Anmeldestand, der über der Vorveranstaltung liege, so die Verantwortlichen.

Geht es nach den deutschen Mode- und Textilverbänden, wird technische Mode schon bald den internationalen Fashion-Markt prägen und sich immer stärker gegen traditionell hergestellte Textilien durchsetzen. Eine Entwicklung, die vor allem den deutschen Unternehmen zugute kommen dürfte. Schließlich erwirtschaftet die deutsche Textilindustrie bereits heute rund 60 Prozent ihrer Umsätze mit technischen Produkten, Tendenz weiter steigend.

Foto: Messe Frankfurt Exhibition GmbH / Pietro Sutera

Gildan gewinnt Poker um American Apparel

Der kanadische Textilkonzern Gildan Activewear ist seinem Ziel, die Marke American Apparel zu übernehmen, einen entscheidenden Schritt näher gekommen. Am Dienstag setzte sich Gildan in einer vom zuständigen Insolvenzgericht beaufsichtigten Auktion durch und konnte neben den Markenrechten auch weitere Vermögenswerte des bankrotten Bekleidungsunternehmens ersteigern.

Das finale Gebot belief sich nach Angaben des kanadischen Konzerns auf 88 Millionen US-Dollar, also umgerechnet rund 83 Millionen Euro. Sollte das Insolvenzgericht am Donnerstag seine Zustimmung geben, kann Gildan die weltweiten Markenrechte und sämtliche sonstigen Rechte am geistigen Eigentum sowie bestimmte Produktionseinrichtungen von American Apparel übernehmen. Der Konzern rechnet damit, dass die Transaktion Anfang Februar abgeschlossen sein wird. An den verbliebenen Filialen des Unternehmens, das am 14. November zum zweiten Mal Insolvenz anmelden musste, hatte Gildan von vornherein kein Interesse bekundet. American Apparel hatte schon vor dem Jahreswechsel zahlreiche Geschäfte geschlossen, darunter nahezu alle seine Läden in Großbritannien.

Für 88 Millionen US-Dollar ersteigerte der kanadische Konzern die weltweiten Markenrechte an American Apparel sowie weitere Vermögenswerte

Bereits am Tag der Insolvenz hatte Gildan ein erstes Gebot abgegeben. Es belief sich auf 66 Millionen US-Dollar und bildete den Ausgangspunkt des nun abgeschlossenen Auktionsprozesses. In der Zwischenzeit waren Spekulationen über weitere Interessenten aufgekommen. Unter diesen sollen der Online-Händler Amazon, der Textilfilialist Forever 21 sowie die US-Konzerne Next Level Apparel und Authentic Brands Group gewesen sein. Wie die Auktion konkret ablief, wurde nicht bekannt. Letztlich erhielt aber Gildan für 88 Millionen US-Dollar den Zuschlag.

Gildan gewinnt Poker um American Apparel

„Das Label American Apparel ist eine starke Ergänzung unseres wachsenden Markenportfolios“, erklärte Glenn Chamandy, der CEO von Gildan, nach der Auktion. „Wir sehen große Chancen, American Apparel zu weiterem Wachstum zu führen, indem wir unsere Printwear-Vertriebsnetzwerke in den USA nutzen und im Ausland die Marktanteile im Segment für modische Basics vergrößern“, so Chamandy.

Beim zukünftigen Mutterkonzern soll American Apparel in die Printwear-Sparte integriert werden. Um in diesem Bereich den reibungslosem Nachschub an Kleidungsstücken sicherzustellen, wird Gildan unabhängig von der Übernahme der Markenrechte auch vorhandene Lagerbestände von American Apparel aufkaufen. Wie sich die Akquisition in Zukunft auf die Zahlen des Konzerns auswirken wird, will Gildan im Februar erläutern.

Foto: American Apparel

Alibaba-Chef Ma trifft Donald Trump: alles ist „großartig“

MEINUNG Von „großen Dingen“ und einem "großartigen und aufgeschlossenem Treffen“ war die Rede, als der Gründer der chinesischen Online-Handelsplattform Alibaba, Jack Ma, am Montag den zukünftigen Präsidenten der USA, Donald Trump, in New York traf. Dabei ging es um die Schaffung von Arbeitsplätzen in den USA - von potentiell einer Million sprach Ma - und um verbesserte Handelsbeziehungen zwischen den USA und China.

Eins muss man Ma und Trump lassen - der reichste Mann Chinas und der bald einflussreichste Mann der Vereinigten Staaten vergeudeten keine Zeit, um über den Handel ihrer beiden Länder zu diskutieren. Eine Vorahnung von Trumps Wirtschaftsplänen, sich auch im Rahmen der Weltpolitik auf Wirtschaftliches zu konzentrieren? Auf jeden Fall ein kleverer Schachzug von Ma, dessen Imperium von einem Handelsstreit zwischen den beiden Ländern stark in Mitleidenschaft gezogen werden könnte.

Während seines Wahlkampfs hatte Trump China noch angegriffen und der Regierung in Peking vorgeworfen, für den Verlust von Arbeitsplätzen in den USA verantwortlich zu sein. Zudem drohte er Strafzölle von 45 Prozent auf chinesische Importe an, was für chinesische Anbieter und den Handel mit den USA verheerende Konsequenzen hätte.

Dies scheint sich nach dem Treffen jedoch geändert zu haben - Donald und Jack sind Verbündete geworden und ersterer nannte den 52-jährigen Milliardär überschwenglich einen „großartigen, großartigen Unternehmer; einen der besten der Welt“. „Er liebt dieses Land und er liebt China“, sagte Trump. „Jack und ich werden einige große Dinge vollbringen. Kleinunternehmen, nicht wahr?“ fügte er hinzu (mit einem kumpelhaften Augenzwinkern an seinen neuen „Bestie“, wie man sich leicht vorstellen kann).

Ma und Trump - das neue Dream Team?

Auch Ma hielt sich nicht zurück und sprach von einem „produktiven Treffen“. „Wir haben darüber gesprochen, kleinen amerikanischen Unternehmen dabei zu helfen, Waren über die Alibaba-Plattform in China zu verkaufen“, erklärte Ma Reportern gegenüber. Die Idee ist, kleinen Firmen wie zum Beispiel Textilunternehmen im Mittleren Westen der USA dabei zu unterstützen, ihre Produkte über Online-Plattformen wie Alibaba und Tmall in China zu verkaufen. Eine Million neue Arbeitsplätze würden sich laut Ma in den USA ergeben, wenn jede dieser Firmen einen zusätzlichen Mitarbeiter einstellt.

Machbar? Theoretisch schon, praktisch wird es jedoch die sprichwörtliche Karotte bleiben, die Ma vor Trump herwedelt. Denn über Alibabas und Tmalls massives Problem mit gefälschter Ware und immer besser werdenden Imitaten wurde nicht gesprochen (Lesen Sie hier, wieviel Alibaba wirklich dagegen tut). Oder wievel Ware ein Kleinunternehmer konkret in China verkaufen müsste, damit die Einstellung eines weiteren Mitarbeiters gerechtfertigt wäre.

Auf jeden Fall wäre es so, als ob Amazon 1 Million Klein- und Kleinstanbieter in China einladen würde, über die US-amerikanische Amazon-Plattform zu verkaufen und sie bei Erfolg aufzufordern, jeweils einen weiteren Mitarbeiter einzustellen. Aber halt, das geht ja auch viel einfacher, schließlich ist Amazon bereits in China vertreten. Na, wenn das kein Ansporn für Alibaba ist.

Foto: Drew Angerer / Getty Images North America / AFP