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„Im E-Shop erzielen wir den höchsten Durchschnittspreis“INTERVIEW

Wer glaubt, im 128 Jahre alten Traditionsunternehmen Brax mahlen die Mühlen langsam, den belehrt die deutsche Modemarke mit ihren Digitalisierungsambitionen schnell eines Besseren. Brax zeigt sich in Sachen Omnichannel sehr agil, wie Marc Freyberg, Geschäftsleiter Marketing und E-Commerce, und Rüdiger Traub, Leitung E-Commerce/CRM bei Brax Leineweber, im Interview erzählen.

Sie haben Ihren Online-Shop bereits 2009 gestartet. Was hat Sie damals angetrieben?

Marc Freyberg: Die Marke Brax schrieb in über 125 Jahren Geschichte als Produzent und Einzelhändler. Anfang der 90er-Jahre konzentrierten wir uns auf die Produktion von Bekleidung. Doch mit dem beginnenden Strukturwandel im Modeeinzelhandel zur Jahrtausendwende wurden vertikale Händler immer stärker und Multilabel-Flächen langsam weniger. Da entschlossen wir uns, wieder eigene Läden als Monobrand zu eröffnen, um die Relevanz von Brax als eine der größten deutschen Modemarken weiterzuentwickeln. Zeitgleich haben wir entschieden, wenn wir schon eine eigene Retail-Kompetenz aufbauen und dafür Systeme und Warenwirtschaft implementieren, können wir auch gleich einen E-Shop starten. Dass wir ein Produkt haben, das sehr distanzhandelaffin ist und vergleichsweise erträgliche Retourenquoten aufweist, wussten wir vorher schon. Schließlich waren wir bei vielen Versendern eine der wichtigsten Marken – und sind es auch heute noch.

Rüdiger Traub: Ein Vorteil war sicher auch, dass wir uns 2006 schon in den B2B-Online-Markt vorgewagt hatten. Viele deutsche Fachhändler, die wir im Vorfeld befragt hatten, zeigten überhaupt kein Interesse. Wir haben trotzdem einen Shop gelauncht und erzielten plötzlich 70 bis 80 Prozent der Umsätze aus dem Ausland. Nach diesem Erfolg fiel uns auch die Argumentation leichter, einen B2C-Shop aufzusetzen.

Gibt es den B2B-Shop heute auch noch?

Traub: Natürlich. Aktuell beschäftigen wir uns damit, die Kanalsilos aufzuweichen – auch zwischen Wholesale und Retail. Zwar sprechen wir im Wholesale Fachhändler und Einkäufer an und im Retail Endkunden, aber die E-Commerce-Prozesse sind ähnlich. Im Endeffekt sind auch Einkäufer Menschen, die emotional angesprochen werden wollen. Deshalb darf eine Marke zum Fachhandel nicht anders aussehen als zum Endkunden. Für das kommende Jahr haben wir deshalb ein großes Projekt aufgesetzt, und wir haben unseren B2C-Shop bereits komplett überarbeitet. Ähnlich wird auch der B2B-Shop aussehen. Wenn man über elektronische Bestellwege spricht, ist bei uns das Sahnehäubchen natürlich die EDI-Verbindung zum Kunden. Aber automatische Nachbestellung gehört für uns zum Thema E-Business. E-Commerce dagegen bedeutet für uns das aktive Verkaufen im Internet, das an der Schnittstelle zwischen Kunde und IT-System extrem marketing- und vertriebslastig ist. Wir glauben stark an einen B2B-Online-Shop, weil wir da innerhalb der Saison in Zukunft mehr kurzfristige Themen spielen können.

„Im E-Shop erzielen wir den höchsten Durchschnittspreis“

Wieviel Prozent beträgt die klassische Vororder bei Ihnen? Welche Order-Möglichkeiten bieten Sie an?

Freyberg: Im Moment ist es so, dass 60 bis 65 Prozent des gesamten Volumens über Vororder abgedeckt werden. Für das sogenannte Risikogeschäft bleiben dann noch 35 bis 40 Prozent. Dafür halten wir Ware auf Lager – in der Regel so zwischen 800.000 und eine Million Teile – die der Retail-Kunde nachordern kann, über welche Kanäle auch immer. Ein Kanal für NOS-Artikel oder vordefinierte Depotartikel ist EDI (Electronic Data Interchange). Das Kassensystem löst automatisch die Nachbestellung aus, ohne dass der Händler etwas tun muss. Ein weiterer Weg sind Sales Reports, die zu manuellen Eingaben führen. Das hört sich schon nicht mehr nach einem guten Workflow an. Auch eine Bestellung per Telefon beim Innendienst ist möglich. Die Möglichkeit, mit der wir aktuell am intensivsten umgehen, ist unser B2B-Shop Brax24. Wir können über den B2B-Shop impulsiv den Kontakt zu den Fachhändlern suchen, indem wir Flash-Programme anbieten, Newsletter verschicken oder in die One-to-One-Kommunikation gehen. Ich würde nicht gänzlich ausschließen, künftig auch Vororders über eine Online-Plattform zu erfassen. Das ist vor allem in Non-Active-Selling-Countries ohne eigene Handelsagentur interessant.

Springen wir zum B2C. Sie sagten, Sie verkaufen seit 2009 online. Lohnt sich der Kanal?

Freyberg: Egal, was die Firma Brax anfasst, es muss letztendlich rentabel sein. Und unser E-Shop ist sehr erfolgreich.

Traub: Wir merken natürlich schon, dass das Wachstum von Jahr zu Jahr schwieriger wird. Die Marketingkosten, die man braucht, um Wachstum zu generieren, sind enorm angestiegen und werden auch weiter ansteigen, je stärker der Strukturwandel im Modebereich voranschreitet. Fachhändler und andere Partner, bei denen stationär die Frequenzen stark zurückgehen und die ihre Aktivität ins Netz verlagern, sind ja gezwungen, dort Sichtbarkeit zu erzeugen. Bei Brax profitieren wir aber von einer generell wachsenden Nachfrage nach unserer Marke, die wir dann auch immer stärker online abgreifen. In den vergangenen Jahren erzielten wir im Schnitt Wachstumsraten von 20 Prozent. In diesem Jahr wollen wir dieses Ziel sogar noch toppen.

Wie schaffen Sie dieses Wachstum?

Freyberg: Einer unserer wichtigsten Treiber sind unsere Stammkunden. Wir erzielen fast zwei Drittel unserer Umsätze im Retail über Stammkunden – online und stationär. Die kosten im Vorfeld zwar Geld, Kraft und Mühe, spielen dann aber schon mal das Grundniveau ein.

Traub: Wir stecken wirklich auch viel Herzblut in unser Clubprogramm, um Neukunden im Shop zu Stammkunden zu machen. Die einzige Möglichkeit, um trotz steigender Marketingkosten weiter wachsen zu können, ist es, den Anteil der Stammkundenumsätze überproportional zu steigern. Wenn wir trotz höherer Budgets immer weniger Neukunden in den Shop bekommen, ist das der einzige Weg, um den Kanal profitabel zu bewirtschaften. Wir nutzen sehr gute Tools zur Kundenbindung und Kundenzufriedenheitsmessung, haben eine sehr enge Kommunikation zu unserem Customer Care und hören den Kunden sehr gut zu. Schließlich bringt es langfristig nichts, dem Neukunden über teure Marketingmaßnahmen beim Erstkauf ein schlechtes Shopping-Erlebnis zu bieten.

Wie erreichen Sie online die Kundenbindung?

Freyberg: Ich denke, es ist auch von sehr großem Vorteil, dass der E-Commerce bei uns im Marketing aufgehängt ist. Die Abteilung ist über 50 Mann stark. Wir haben eine eigene Inhouse-Agentur mit Grafik und allem, was man so braucht. Außerdem haben wir einen eigenen Store in der Nähe, in dem wir alles selber ausprobieren können. Dazu sind wir unfassbar schnell. Wenn ich morgens sehe, dass es in den kommenden Tagen kühler wird und wir noch keine Leichtdaunen-Jacken zeigen, sind wir in der Lage, innerhalb von zwei Stunden den Fokus im Shop auf Leichtdaune zu setzen, passende Newsletter zu verschicken und so weiter. Dass wir situativ agieren und nicht nur die Maschinen machen lassen, das macht den Charme unseres Shops aus. Auch unser Kundenclub ist von Menschen für Menschen gemacht. Und das spürt man auch. Natürlich gibt es wie überall einen Willkommensgutschein. Aber wir geben uns auch sehr nahbar. Einfach nur mit Rabatten zu winken ist nicht intelligent. Genau unter diesem Thema leidet ja unsere ganze Branche. Wir müssen – und das gelingt uns im E-Shop vorzüglich – in den wesentlichen Monaten der Saison online hohe Durchschnittspreise erzielen. Denn das Konkurrenzumfeld rabattiert Mode ohnehin binnen kürzester Zeit.

Wie schwierig ist das Pricing im Hinblick auf die Handelspartner?

Traub: Wir hatten mit dem Fachhandel noch nie Probleme, da wir sehr spät in der Saison reduzieren und lieber unsere Services, wie den kostenlosen Versand, hochhalten. Einmal haben wir uns überlegt, in der Rotpreisphase die Kartons zu verändern. Da investieren wir nämlich relativ viel Geld in gebrandete Kartons, die dann auch noch mit viel Liebe mit Aufkleber und Seidenpapier gepackt werden. Letztlich haben wir uns dagegen entschieden, weil die Marke im Sale keine andere Markenanmutung haben sollte als in den Hochpreis-Monaten. Also lieber weniger abschreiben und die Services und das Marken- und Einkaufserlebnis hochhalten. Das kostet uns vielleicht kurzfristig zwei bis drei Prozent Wachstum, sichert uns aber langfristig die benötigte Marge, um unsere hohen Qualitätsstandards zu sichern.

Freyberg: Ich schätze, dass wir im E-Shop wahrscheinlich den höchsten Durchschnittspreis aller Kanäle erzielen. Das hat auch damit zu tun, dass wir der Überzeugung sind, dass das beste Geschäft in einem Kanal, in dem man versandkostenfrei liefert und noch ein paar andere Services anbietet, manchmal das ist, das man nicht gemacht hat. Ich glaube nicht, dass für uns eine 70-Prozent-Abschrift bei einer kostenfreien Lieferung irgendeinen Sinn macht. Dann hängen wir die Ware, die in der Regel ohnehin nicht toxisch ist, lieber wieder ins Regal.

„Im E-Shop erzielen wir den höchsten Durchschnittspreis“

Handeln Sie auch über Marktplätze?

Traub: Ja. Wir haben vor drei bis vier Jahren damit begonnen, zu schauen, wer außerhalb des E-Shops ein interessanter Partner sein könnte. Natürlich unterstützen wir vor allem auch die Online-Shops etablierter Fachhandelspartner wie Engelhorn, Breuninger oder Fashion ID. Aber wir haben auch den Markt gescreent und entschieden, dass Amazon, Zalando und Otto für uns spannende Partner wären, und fahren mit den drei Plattformen ganz unterschiedliche Systeme. Amazon ist Wholesale mit klassischer Vororder, bei Zalando haben wir eine Marktplatzanbindung, mit Otto kooperieren wir per Dropshipping. Letzten Endes arbeiten wir mit diesen drei Playern zusammen, weil sie es sind, die am Ende auch den Strukturwandel und das Kaufverhalten Richtung Online stark beeinflussen. Wenn Sie sich die Wachstumsraten von Zalando anschauen, kommen Sie als Marke kaum darum herum, dort Präsenz zu zeigen. Zumal wir gerade über neue internationale Plattformpartner neue Zielgruppen erreichen möchten.

Haben Sie keine Angst vor Abhängigkeiten?

Traub: Wir setzen bewusst auf mehrere Online-Partner und werden auch gezielt unseren Online-Shop weiterentwickeln. Die marktbeherrschende Stellung eines Players wäre für die gesamte Branche nicht gut.

Freyberg: Das Schöne bei Brax ist: Wir haben eine sehr, sehr große Risikostreuung.

Nach welchen Kriterien haben Sie denn Ihre Entscheidung letztlich gefällt?

Traub: Wichtig ist uns, dass mögliche Online-Vertriebspartner ähnlich hohe E-Commerce Standards haben wie wir, im hochwertigen Markenumfeld unterwegs sind und adäquaten Service anbieten. Das passt bei allen Plattformen sehr gut.

Freyberg: Letzten Endes sind alle drei auch auf uns zugekommen. Wir sind in Deutschland stationär die wichtigste Hosenmarke. Darauf muss man erst mal verzichten können, auch wenn unsere Kernzielgruppe sich mit bisher 40 plus sicher am oberen Rand des Zalando-Kosmos bewegt. Bei Otto und Amazon passt das ohnehin.

Aktuell, so ist zu lesen, arbeiten Sie eifrig an der Kanalverknüpfung?

Traub: Stimmt. Wir leisten hier gerade einiges an Pionierarbeit. Denn für einen Hersteller hat Omnichannel ja eine ganz andere Bedeutung als für einen Retailer. Letzterer muss nur ein Kassensystem und eine Warenwirtschaft mit dem Online-Kanal verknüpfen, bei uns geht es darum, unser Geschäft mit dem von diversen Franchise-und Wholesale-Partnern zu verbinden und das gleiche kanalübergreifende Brax-Einkaufserlebnis für unsere Endkunden auch bei unseren Partnern umzusetzen.

Freyberg: Uns ist letzten Endes total egal, wo ein Kunde kauft. Hauptsache, er kauft ein Brax-Produkt. Wir sehen uns nicht in einem Silo, wo wir nur unser eigenes Geschäft forcieren, sondern als Dienstleister. Verschiedene Multichannel- oder Omnichannel-Tools haben wir im eigenen Retail bereits ausgetestet und wollen sie jetzt mit viel Kraft und Mühe in den Wholesale bringen. Und das ist ja die nächste große Hürde, weil wir da unterschiedliche Systeme und auch unterschiedliche Interessen unter einen Hut bringen müssen.

Können Sie das erklären?

Traub: Wir haben im Wholesale gerade zwei große Themen. Zum einen wollen wir es in Zukunft nicht mehr hinnehmen, dass Kunden gewünschte Produkte nicht am POS finden. Deshalb haben wir eine Instore-Order-App entwickelt, die wir nicht nur im eigenen Retail nutzen, sondern auch dem Wholesale anbieten wollen. Über die App können Fachhandelspartner auf das komplette Brax-Lager zugreifen und dem Kunden die Ware in die Filiale bestellen. Das zweite Thema ist Frequenzverlust. Wenn wir auf die Inventory-Reports unserer Fachhändler zugreifen dürften, könnten wir Kunden über einen Reserve & Collect-Prozess ermöglichen, sich auf unserer Seite darüber zu informieren, ob ihr Wunschkleidungsstück beim Händler vor Ort gerade in der passenden Größe vorrätig ist.

Geben denn die Händler ihre Bestände preis?

Traub: Sicherlich gibt es in der vertrauensvollen, digitalen Zusammenarbeit mit unseren Fachhändlern noch Optimierungsbedarf.

Freyberg: Mit der Instore-Order-App sind wir seit kurzem im Netz. Die Partner dafür sind ausgewählt. Und eine solche App hat ja auch eine Symbolkraft für Händler, die natürlich durchaus mit einem gewissen Argwohn die Monobrand-Bestrebungen der Industrie beäugen.

Auch das Reserve & Collect-Projekt hat Symbolkraft, denn de facto stellen wir den Traffic in unserem E-Shop auch dem Fachhandel zur Verfügung. Gerade für Kunden aus Mittelstädten könnte es interessant sein, im Checkout zu erfahren, dass es das Produkt auch bei einem Händler in ihrer Innenstadt gibt und sie es dort abholen könnten, weil sie ohnehin in die Stadt müssen. Statt es online zu bestellen, können sie es dann in der Filiale reservieren – und im Idealfall gleich noch einen Gürtel oder ein Hemd dazukaufen. Das werden wir im nächsten Jahr mit einigen Händlern testen.

Wie läuft da das Procedere?

Traub: Für unseren eigenen Retail haben wir da inzwischen den perfekten Prozess definiert. Der Fachverkäufer im Laden bekommt über die Kasse eine Info, scannt das gewünschte Produkt aus, mit dem Ausscannen geht automatisch eine Benachrichtigung an den Kunden raus. Diese Prozesse mit verschiedenen Partnern und verschiedenen Systemen durchzuführen wird bestimmt eine Herausforderung. Da muss man vielleicht auch die alte Kaufmannsdenke berücksichtigen und schauen, wie man ohne perfekte Systemunterstützung sehr kundenfreundliche Prozesse umsetzt. Vielleicht ist es ja sogar kundenfreundlicher, mit jemandem am Telefon zu sprechen, als eine Automail zu bekommen. Früher hat man auch viele Dinge einfach auf einen Zettel geschrieben. Ähnlich pragmatisch sind viele Fachhändler auch heute noch unterwegs. Das Einzige, was wirklich zwingend vorhanden sein muss, ist eine Abholstation. Die sind in den eigenen Stores natürlich viel einfacher zu installieren. In einem großen Kaufhaus ist es wichtig, dass der Kunde weiß, wo er hingehen muss, und die Mitarbeiter bei Rückfragen im Thema sind.

Wie reagiert Ihr Endkunde auf Ihre E-Commerce-Aktivitäten?

Freyberg: Unsere Kunden bescheinigen uns in diesen Themen eine große Innovationskraft. Das ist für eine Marke, die nicht für Fast Fashion steht, schon etwas Besonderes. Und durch die Kombination von eigenen Läden und einem florierenden E-Shop sind wir da schon sehr gut aufgestellt. Wir haben unweit unseres Heimatstandortes in Bielefeld einen Concept Store, da haben wir für die kommenden Jahre dicke Forschungs- & Entwicklungs-Budgets geparkt. Dort wollen wir einfach neue Technologien ausprobieren. Denn was in Bielefeld funktioniert, funktioniert in der ganzen Welt.

Wie ist das Feedback der Fachhändler?

Traub: Sehr gut. Es gibt einige, die wünschen sich eine tiefergehende Integration in ihre Systeme. Das wird aus unserer Sicht auch der langfristige Weg sein. Große Fachhändler werden unsere Bestands- und Artikeldaten in ihren Systemen haben wollen. Das ist aber der aufwendigere Weg. Um Geschwindigkeit hinzubekommen, müssen wir erst mal pragmatisch vorwärtsgehen und das Hauptproblem lösen: dass Kunden Ware, die sie im E-Shop gesehen haben, in der Filiale bekommen.

Gibt es noch weitere Zukunftspläne?

Freyberg: Ich gehe davon aus, dass wir den Umsatz im E-Commerce in den kommenden vier bis fünf Jahren noch verdoppeln werden. Wir haben in den vergangenen sechs Monaten intensivst an der Marke gearbeitet und wollen sie von derzeit 45 plus um zehn Jahre verjüngen. Mit dieser Altersgruppe rücken wir noch stärker in den E-Commerce-Fokus. Zudem werden wir stark in Digital investieren.

Marc Freyberg, Geschäftsleiter Brax Marketing/E-Commerce, spricht am 7. März 2017 auf der Trend Arena der Internet World Messe in München über die eigene Omni-Channel-Strategie.

Fakten

- 1.180 Mitarbeiter (2015)

- 308 Mio. Euro Umsatz (2015)

- 20 Prozent jährliches E-Commerce-Wachstum

- 28 Prozent Exportanteil

Fotos: Rüdiger Traub und Marc Freyberg; Brax

Starker Schlussspurt: Ludwig Beck übertrifft Umsatzprognose

Lange schien 2016 kein gutes Jahr für den Münchener Modehändler Ludwig Beck AG zu werden. Vor allem im dritten Quartal liefen die Geschäfte aufgrund diverser Widrigkeiten enttäuschend. Dank eines unerwartet starken Weihnachtsgeschäfts konnte das Unternehmen am Ende aber die eigene Umsatzprognose noch übertreffen. „Die Basis für den Erfolg im traditionell umsatzstarken vierten Quartal wurde durch die angemessene kalte Witterung gelegt“, erklärte das Unternehmen am Montag in einer Mitteilung.

Insgesamt erwirtschaftete Ludwig 2016 einen Bruttoumsatz in Höhe von 177,1 Millionen Euro. Damit wurde das Vorjahresniveau von 158,6 Millionen Euro um 11,7 Prozent übertroffen. Verantwortlich für den kräftigen Zuwachs war der Umsatzbeitrag des Herrenmodehändlers Wormland, den die Münchener im Mai 2015 übernommen hatten. Im abgelaufenen Jahr flossen dessen Jahreserlöse erstmals vollständig in die Bilanz ein. So steuerte Wormland 76,0 Millionen Euro zum Jahresumsatz des Mutterkonzerns bei, nachdem es 2015 lediglich 54,7 Millionen Euro gewesen waren.

Im traditionellen Kerngeschäft, das vom Stammhaus am Münchener Marienplatz dominiert wird, musste Ludwig Beck einen Umsatzrückgang um 2,8 Prozent hinnehmen. Der Bruttoumsatz sank in diesem Segment von 104,0 Millionen Euro im Vorjahr auf 101,1 Millionen Euro.

Starker Schlussspurt: Ludwig Beck übertrifft Umsatzprognose

Nach einem schwachen dritten Quartal waren die Prognosen Anfang Oktober gesenkt worden

Vor allem im dritten Quartal hatten die Geschäfte unter negativen Rahmenbedingungen gelitten. Der Umsatz im Zeitraum von Juli bis September war daher um etwa zwölf Prozent gesunken. Probleme bereiteten dem Unternehmen unter anderem saisonal untypische Temperaturen: „Der Modehandel war im dritten Quartal anfangs mit nasskalten Wochen konfrontiert, die den Abverkauf der Sommerware stark beeinträchtigten. Die ab Mitte August eingetretene Hitzewelle verdarb anschließend das Geschäft mit den eintreffenden Herbstkollektionen“, hatte Ludwig Beck Anfang Oktober mitgeteilt. Zudem machte der Vorstand die Folgen des Amoklaufes im Münchener Olympia Einkaufszentrum Ende Juli sowie die allgemein steigende „Terrorgefahr in Deutschland und Europa“ für niedrigere Kundenfrequenzen verantwortlich.

Angesichts der daraus resultierenden schwachen Quartalszahlen hatte das Unternehmen seine Umsatzprognose für das Gesamtjahr schon Anfang Oktober auf 174 Millionen Euro heruntergeschraubt. Zuvor war mit einem Warenumsatz in Höhe von 180 bis 190 Millionen Euro gerechnet worden.

Immerhin diese revidierte Prognose konnte Ludwig Beck letztlich klar übertreffen. „Der für uns deutlich über den Erwartungen gelegene Geschäftsverlauf im vierten Quartal hat uns das Gesamtjahr 2016 doch noch versöhnlich abschließen lassen“, bilanzierte Vorstand Dieter Münch. Sein vollständiges Zahlenwerk für 2016 und die Prognosen für das laufende Jahr wird das Unternehmen am 28. März vorlegen.

Foto: Ludwig Beck AG
Neue Zahlen: Was verdient Berlin tatsächlich an der Fashion Week?

Die Berliner Modewoche ist längst eine der renommiertesten Veranstaltungen der Hauptstadt, die zweimal jährlich zigtausende Besucher anlockt und Einkäufer, Journalisten, Hersteller, Models, Kunden und Marken zusammenbringt. Unzählige Veranstaltungen säumen die Peripherie rund um die zentralen Veranstaltungen wie die Mercedes-Benz Fashion Week oder die Messen Premium und Panorama.

Auch zur kommenden Ausgabe der Modewoche, die vom 17. bis 19. Januar 2017 stattfinden wird, werden wieder über 40.000 Besucher erwartet, die in Berlin wohnen, dinieren und einkaufen werden - ein Millionengeschäft nicht nur für die Modebranche sondern vor allem auch für die Stadt.

Schaut man sich den Gesamtbetrag an, den Berlin aus der Fashion Week generiert, ist die Spreemetropole natürlich noch weit von Standorten wie New York oder Tokio entfernt. Rund 71 Millionen Euro Umsatz wird die Stadt voraussichtlich mit der Fashion Week generieren können. Gerechnet wird mit rund 40.000 Besuchern, die durchschnittlich 1.457 Euro pro Person ausgeben. Berlin liegt damit im globalen Modewochen-Ranking nur auf Platz acht, ordnet sich aber noch vor den Veranstaltungen in Mailand und Paris ein.

Neue Zahlen: Was verdient Berlin tatsächlich an der Fashion Week?

Restaurants profitieren am stärksten

Auf Rang eins der umsatzstärksten Modewochen liegt unangefochten New York. Hier geben 150.000 Besucher durchschnittlich rund 2.400 Euro aus, was zu Gesamteinnahmen in Höhe von satten 540 Millionen Euro führt. Auf Rang zwei liegt London mit 278 Millionen, gefolgt von Madrid, Tokio und Kopenhagen mit 104, 93 und 85 Millionen Euro. Jakarta und Sao Paulo folgen auf Rang sechs und sieben.

Paris und Mailand hingegen können jeweils nur rund 64 Millionen Euro Einnahmen aus ihren Modewochen generieren, allerdings bei einer vergleichsweise geringen Besucheranzahl von 30.000.

Die Recherchen von FashionUnited haben ergeben, dass in Berlin vor allem der Einzelhandel von der Fashion Week profitiert. So werden allein 29 Millionen Euro in den Retail-Stores umgesetzt. Auf Rang zwei liegen die lokalen Restaurants, auf die 19,5 Millionen Euro entfallen. Für Show- und Messelocations werden zwölf Millionen Euro ausgegeben, für Übernachtungen 9,5 Millionen.

Von den 70,5 Millionen Euro Gesamteinnahmen, die Berlin mit der Modewoche generiert, entfallen 59 Millionen auf Unternehmenseinnahmen, während die öffentliche Hand durch Steuern und Abgaben 11,5 Millionen Euro umsetzt. Dabei ist die Besucheranzahl mit 40.000 durchaus konservativ gerechnet. Die Organisatoren der Messen, Schauen und Events rechnen insgeheim mit einer noch größeren Fluktuation.

Neue Zahlen: Was verdient Berlin tatsächlich an der Fashion Week?

Gesamteinnahmen sinken, neue Konzepte müssen her

Vergleicht man die aktuellen Werte mit denen aus dem vergangenen Jahr, zeigt sich jedoch, dass der Berliner Modewoche eine Erneuerungs- und Verjüngungskur durchaus gut tun würde. So sinken sowohl die Pro-Kopf-Ausgaben der Besucher sondern auch die Gesamteinnahmen, die Wirtschaft und Staat aus der Modewoche generieren. 2016 lag Berlin nämlich mit einem Gesamtumsatz von rund 74 Millionen Euro auf Platz drei des globalen Rankings, direkt hinter New York und London. Dies liegt vor allem darin begründet, dass bei gleicher Besucherzahl fast 100 Euro mehr pro Person ausgegeben wurden.

Verlierer ist hier eindeutig der Einzelhandel, der nicht mehr in dem selben Umfang von der Fashion Week profitieren kann wie bisher. Vor allem die Berliner Modelabels, die in der Vergangenheit oftmals nur in kleinen Boutiquen vor Ort zu kaufen waren, beliefern ihre Kunden mittlerweile längst auch international über ihre eigenen Online-Stores. Restaurants und Hotels machen so im Ausgaben-Ranking durchaus Plätze gut, können den Einzelhandel als Top-Profiteur jedoch noch nicht vom Thron stoßen.

Dass die Berlin Fashion Week ein neues Konzept braucht, zeigt sich nicht nur daran, dass 2017 mit Mercedes-Benz einer der größten Sponsoren abspringen wird; auch die Besucherzahlen gehen seit Jahren kontinuierlich zurück. Zu Hochzeiten der Veranstaltung vor sechs, sieben Jahren, berichtete allein die damalige Leitmesse Bread & Butter von bis zu 100.000 Besuchern. Die aktuelle Gästeanzahl von 40.000 kann nicht dauerhaft das Ziel der Organisatoren und beteiligten Unternehmen sein.

Auch deshalb wird derzeit versucht, die bislang ausschließlich einem Fachpublikum aus Einkäufern und Journalisten vorbehaltene Veranstaltung Schritt für Schritt einem breiten, öffentlichen Publikum zugänglich zu machen. Wenn die Berliner Fashion Week es schon nicht zum Highlight im internationalen Modekalender schafft, könnte die Stadt so immerhin einen weiteren Anreiz für Touristen schaffen. Der Ausgang dieses Experiments ist allerdings völlig offen.

Foto: AFP / Citizenside / S.A. Struck, Foto 2: AFP / Emmanuele Contini / Nurphoto, Foto 3: Marc Cain via Catwalkpictures

Gap überrascht mit Umsatzplus im Weihnachtsgeschäft

Gute Nachrichten vom US-amerikanischen Bekleidungskonzern Gap Inc.: Dank einer kräftigen Umsatzverbesserung im Dezember hat der US-amerikanische Bekleidungskonzern Gap Inc. das Weihnachtsgeschäft mit überraschend starken Zahlen abgeschlossen. Damit dürfte das Unternehmen auch seine Gewinnprognose für das laufende Geschäftsjahr übertreffen.

In einer Mitteilung verkündete der Konzern in der vergangenen Woche, dass die Erlöse im Zeitraum von Anfang November bis Ende Dezember das entsprechende Vorjahresniveau um ein Prozent übertroffen haben. Auf vergleichbarer Fläche stieg der Umsatz sogar um zwei Prozent. Damit war nicht unbedingt zu rechnen gewesen: Im November hatte das Unternehmen nicht zuletzt aufgrund der Folgen des Brandes in einem wichtigen Logistikzentrum noch einen Umsatzrückgang um 2,5 Prozent (flächenbereinigt -1 Prozent) hinnehmen müssen.

Doch im Dezember nahmen die Geschäfte mächtig Fahrt auf: Der Konzern steigerte seinen Umsatz gegenüber dem Vorjahresmonat um 3,0 Prozent (flächenbereinigt +4 Prozent) auf 2,07 Milliarden US-Dollar (1,97 Milliarden Euro). Damit konnte er die Erwartungen der Analysten deutlich übertreffen und zählte zu den wenigen Gewinnern im US-amerikanischen Modehandel während der Vorweihnachtszeit. Ein kräftiger Kurssprung der Aktie war die Folge.

Die Marke Gap konnte im Dezember erstmals seit langer Zeit wieder ein flächenbereinigtes Umsatzwachstum erzielen

Zum Umsatzwachstum auf vergleichbarer Fläche trugen im vergangenen Monat zwei der drei Hauptmarken bei. Das günstige Label Old Navy, die seit Jahren konzernweit überdurchschnittliche Zahlen liefert, legte um sieben Prozent zu. Überraschend war aber vor allem, dass die Marke Gap ihre Erlöse flächenbereinigt um ein Prozent verbessern konnte. Das Freizeitmodelabel hatte zuvor eine lange Durststrecke mit rückläufigen Umsätzen durchmachen müssen. Personelle Veränderungen und eine Neuausrichtung des Sortiments, die der Konzern angesichts der Talfahrt durchgeführt hatte, scheinen mittlerweile erste Früchte zu tragen. Die Frage ist, wie nachhaltig die gerade zurückgewonnene Attraktivität bei den Kunden sein wird. Die hatten sich offenbar von der aktuellen Wintermode überzeugen lassen, nun muss Gap auch wieder in den wärmeren Monaten punkten.

Sorgenkind bleibt das edle Label Banana Republic. Dessen Umsätze sanken flächenbereinigt auch im Dezember weiter in beunruhigendem Maße: Das Vorjahresniveau wurde um zwölf Prozent verfehlt. Hier haben die eingeleiteten Reformen noch keine Trendwende bewirkt.

Der Konzern rechnet nun mit einem höheren Jahresgewinn

Die scheidende Finanzchefin Sabrina Simmons freute sich angesichts der insgesamt überraschend starken Zahlen über den „gesteigerten Schwung in der Festtagssaison“ und die „positive Kundenresonanz“ auf die Angebote von Old Navy und Gap. So konnte sie auch gute Nachrichten für das Konzernergebnis verkünden: „Aufgrund dieser Resultate gehen wir nun davon aus, dass der um Sondereffekte bereinigte Gewinn je Aktie für das laufende Geschäftsjahr etwas höher aus ausfallen wird, als wir in unserer revidierten Prognose erwartet hatten“, sagte Simmons. Die Obergrenze des bisherigen Zielkorridors hatte bei 1,92 US-Dollar gelegen.

Foto: Gap

Next rechnet mit "schweren Zeiten" und kappt Gewinnprognose

Mit schlechten Aussichten schockierte der britische Bekleidungshändler Next plc am Mittwoch die Anleger. Das Unternehmen kappte seine Gewinnprognose für das laufende Geschäftsjahr 2016/17 und erklärte, es bereite sich auf „schwere Zeiten“ vor. 2017/18 werde voraussichtlich „ein weiteres schwieriges Jahr werden“, erklärte der Konzern in einer Mitteilung. Angesichts der düsteren Aussichten brach der Aktienkurs von Next umgehend um mehr als zehn Prozent ein.

Für das Vorweihnachtsgeschäft präsentierte das Unternehmen enttäuschende Umsatzzahlen. Im Zeitraum vom 1. November bis zum 24. Dezember seien die Erlöse mit Waren, die zum vollen Preis verkauft wurden, um 0,4 Prozent zurückgegangen, erklärte Next. Angesichts schwacher Geschäfte im Vorjahreszeitraum hatte das Unternehmen eigentlich mit einer Steigerung gerechnet. Ein deutlicher Umsatzrückgang in den stationären Stores (-3,5 Prozent) konnte durch Zuwächse in der Versandsparte Next Directory (+5,1 Prozent) nicht vollständig kompensiert werden.

Im bisherigen Verlauf des Geschäftsjahres, das Ende Januar abgeschlossen wird, übertrafen die Gesamterlöse einschließlich preisreduzierter Waren das entsprechende Vorjahresniveau um 0,4 Prozent. Für das kleine Plus sorgten aber nur Rabattaktionen. Der Umsatz mit zum vollen Preis verkauften Produkten sank um 1,1 Prozent.

Die bislang schwachen Zahlen im vierten Quartal hatten auch Auswirkungen auf die Jahresprognosen: Bei den Vollpreis-Umsätzen wird nun ein Rückgang um 1,0 Prozent gegenüber dem Vorjahr erwartet. Bislang hatte das Management auch ein kleines Wachstum für möglich gehalten. Beim Vorsteuerergebnis hatte der Zielkorridor bisher bei 785 bis 825 Millionen Britischen Pfund gerechnet. Nun konkretisierte die Unternehmensführung die Prognose auf 792 Millionen Britische Pfund. Damit würde der Vorjahreswert um 3,6 Prozent verfehlt werden.

Im kommenden Jahr wird neben der anhaltenden Konsumflaute in Großbritannien auch der Kursverfall des Pfundes die Zahlen belasten

Angesichts der absehbaren Schwierigkeiten im kommenden Jahr fielen auch die langfristigen Prognosen wenig erfreulich aus. Das Unternehmen rechnet nicht nur damit, dass die sich die schon seit über einem Jahr herrschende Konsumflaute auf dem britischen Markt fortsetzen wird, sondern auch mit negativen Auswirkungen des Brexit-Votums. Der daraus resultierende Kursverfall des Britischen Pfunds würde zu inflationären Tendenzen führen und damit die ohnehin bescheidene Kauflaune der Briten weiter verschlechtern. Zudem kommen auf den Konzern aufgrund von Währungseffekten höhere Kosten zu, die auf die Preise umgelegt werden müssen. Immerhin wird Next im Auslandsgeschäft vom schwachen Pfund profitieren.

Insgesamt ist ein weiterer Umsatzschwund bei Vollpreis-Waren im kommenden Geschäftsjahr 2017/18 wahrscheinlich: Der am Mittwoch veröffentlichte Prognosekorridor reicht von währungsbereinigt -4,5 Prozent bis +1,5 Prozent. Beim Vorsteuergewinn rechnet das Management mit einem weiteren Rückgang. Dort werden 680 bis 780 Millionen Britische Pfund erwartet. Damit würde das voraussichtliche Niveau des laufenden Jahres um zwei bis 14 Prozent verfehlt werden.

Foto: Next plc
Trumps Wirtschaftspläne: Gewinner und Verlierer der Modebranche

ANALYSE Nur noch wenige Wochen ist es hin, bis Donald Trump die Präsidentschaft der Vereingten Staaten von Amerika antritt – für den 20. Januar ist sein Amtsantritt geplant. FashionUnited hat sich zu diesem Anlass die Modeunternehmen näher angesehen, die von diesem 45. Präsidenten profitieren könnten und jene, die darunter eher leiden werden: Die Gewinner und die Verlierer der Wirtschaftspläne Donald Trumps.

Unabhängig seiner politischen Präferenzen hat der Handel den Verlauf der Präsidentschaftswahlen mit besonderem Interesse verfolgt. Trumps zentrale Wahlversprechen, wenn sie umgesetzt werden, werden direkte Auswirkungen auf die Geschäfte haben. Dazu gehört die Fortsetzung oder der Abbruch internationaler Handelsbeziehungen, verschiedene Zölle und Steuern sowie spezielle Tarife, welche aller Voraussicht nach die Importmärkte und Preise von Rohmaterialien beeinflussen werden.

Eine der besorgniserregendsten Wahlversprechen, das die Bekleidungs-, Luxusgüter- und Modeindustrie bewegt, ist die von Trump angekündigte höhere Besteuerung von Gütern aus Ländern wie China und Mexiko.

Die vom FashionUnited Business Intelligence Unit untersuchten Daten weisen darauf hin, dass diese angekündigten Maßnahmen zu einem Verkaufs-Boom in der Vorweihnachtszeit geführt haben könnten, weil Konsumenten diese Waren noch schnell erwerben wollten, bevor dies zum aktuellen Preis nicht mehr möglich ist. Andererseits könnten die zukünftigen Auswirkungen einer solchen Strategie auch negative Auswirkungen auf den Modesektor haben, die dieser bald zu spüren bekommen könnte.

Gewinner – Von Ralph Lauren bis Canada Goose

Brands mit Sitz in den USA, wie beispielsweise Ralph Lauren, Michael Kors und Tommy Hilfiger werden wohl künftig ihre Rohstoffe aus anderen Ländern beziehen, als bisher, und ihre Produktion entweder auf heimischem oder möglicherweise auf kanadischen Boden verlegen. Diese Bewegung könnte dazu führen, dass die inneramerikanische Bekleidungsindustrie gestärkt und heimische Produktionsstätten wieder in Betrieb genommen werden könnten. Insbesondere kleinere amerikanische Brands und Mode Start-Ups könnten davon profitieren und werden wohl ihre Fertigungsbestrebungen erhöhen.

Kleinere Labels werden aus dem ‚Made in USA’-Label Kapital schlagen können, da ihre Produkte im Vergleich zu nicht-amerikanischen Waren preislich an Attraktivität gewinnen werden. Das FashionUnited Business Intelligence-Team deutet an, dass dies zu einer Umorientierung weg von Fast Fashion Brands hin zu eher mittelständischen Marken aus den Vereinigten Staaten führen könnte.

Ralph Lauren

Ralph Lauren könnte als Marke besonders von der Trump-Präsidentschaft profitieren. Die preppy Modemarke hat mehrere Produktionsstätten und für sie wäre es besonders einfach, die Produktion und andere Businesssparten nach Hause in die USA zu holen.

Canada Goose

Trotz Trumps Plänen für Mexiko dürfte der Handel mit dem Nachbarn an der nördlichen Grenze unter dem neuen Präsidenten florieren. Der kanadische Hersteller von Luxusgänsedaunenjacken wurde im Oktober anlässlich seiner Börsengangsspekulationen auf einen Wert von zwei Millarden Dollar geschätzt. Die benutzen Daunen sind ein Nebenprodukt der Lebensmittelindustrie und werden von lokalen Hutterer-Bauern bezogen, die freilaufende Gänse in den kanadischen Prärien züchten. Viele andere Zutaten der Jacken werden allerdings international beschafft, so das ‚Wall Street Journal’.

Levi's

Die ikonische Denimbrand bezieht ihre Baumwolle – die 95 Prozent ihrer Rohstoffe ausmacht - aus den USA, China und Indien. Insbesondere seit Levi’s Strauss Co. Sich aktiv für nachhaltige Produktion einsetzt, hat die Marke an Beliebtheit, insbesondere bei umweltbewussten Millenials, gewonnen.

Schott NYC und Tiffany’s sind weitere Unternehmen, die von dem neuen Handelsklima profitieren dürften.

Verlierer – Michael Kors, Louis Vuitton, Prada…und Ivanka Trump

Die Steuerreform der Trump-Administration könnte großen Modehändlern einen Strich durch die Rechnung machen, weil Zölle so gut wie alle ihre Produkte beeinträchtigen. Dies verriet der Handelsanalyst Jan Rogers Kniffen im Interview mit dem Businessnews-Fernsehsender CNBC. "Sie machen sich Sorgen um jeden, der seine Güter importiert. Raten Sie mal. Jeder importiert Güter im Einzelhandel," so der CEO des Finanzberatungsunternehmens J. Rogers Kniffen Worldwide Enterprises.

„Aus unserer Sicht ist der Zoll von 35 Prozent besorgniserregend“, sagte auch Hun Quach, Vizepräsident des internationalen Handels bei der Retail Industry Leaders Association. „Zuallererst liegt unsere Verantwortung bei den Konsumenten, unseren Konsumenten. Wir wollen sicherstellen, dass unsere Konsumenten Güter zu dem Preis bekommen, den sie zu zahlen bereit sind.“

Daten der American Apparel and Footwear Association (AAFA) zeigen, dass unabhängig vom Wachstum 97 Prozent der Kleidung und 98 Prozent aller Schuhe in den USA heute noch importiert werden. Selbst Modehändler, die nicht vom Import leben, sind betroffen: „Glauben Sie wirklich, nur weil Sie nur 20 Prozent direkt importieren, dass Sie fein raus sind? Nicht wirklich, denn wenn Ralph Lauren importiert oder PVH, und an Sie verkauft, dann müssen diese Unternehmen ihre Preise anpassen und die Zölle weitergeben“, so der Experte.

Michael Kors

Analystin Dana Telsey sagte gegenüber CNBC’s Squawk Box auch, dass die Grenzzölle besonders die Modeindustrie treffen werden: „Unsere Retailer, ganz besonders die Bekleidungshersteller, produzieren viel in Asien. Sie können den Konsumenten nicht einen Anstieg von 30 bis 35 Prozent vorsetzen. Wir haben Konkurrenz von internationalen Fast Fashion Modeketten, deren Preise konkurrenzfähig sind, wir müssen ebenfalls konkurrenzfähig sein.“

Aus diesem Grund kann es sein, dass Michael Kors besonders unter den von trum angekündigten Veränderungen leiden könnte. Die Marke sitzt zwar in den USA, seine Produkte sind aber alle ‚Made in China’.

Zara und H&M

Ähnlich könnte es auch Zara und H&M treffen. Die Modeketten bereiten sich jetzt auf die Auswirkungen der von Donald Trump angekündigten Einfuhrzölle vor.

Louis Vuitton, Prada und andere Luxushäuser

Neil Saunders, ein Anlyst bei Conlumino, sagte: „Trumps Versprechen könnten ziemlich weitreichende Folgen haben. Insbesondere der Arbeitsmarkt könnte stark eingeschränkt werden und Produkte werden durch Einfuhrzölle wohl deutlich teurer werden. Letzteres ist ein großes Problem, wenn man bedenkt, wie verwoben Versorgungsketten miteinander sind.“

Euromonitor sagt deshalb voraus, dass die von Trump geforderten Maßnahmen einen wirtschaftlichen Rückgang zur Folge hätten, der sich insbesondere bei Konsumartikeln bemerkbar machen werde. Diese soll besonders die Luxuswarenhäuser treffen, deren Sitz meist in Europa ist, und bei denen daher höhere Zölle anfallen.

Ivanka Trump

Zu guter Letzt könnte die Ironie des Schicksals es so wollen, dass eine der größten Verliererinnen der Wirtschaftsmaßnahmen Donald Trumps seine Tochter Ivanka werden könnte. Die ‚New York Times’ berichtete, dass einige der Produkte von Ivankas Modelinie in Übersee produziert werden. Allein im Jahr 2016 gab es laut Angaben einer Prüfung, die von der Zeitung bei der Handelsdatenbank Importgenius in Auftrag gegeben wurde, 193 Lieferungen an importierten Gütern der Marke Ivanka Trump. Darüber hinaus zeigt eine Überprüfung der Etiketten und Finanzdokumente der G-III Apparel Group, dass Ivankas Kleider und Blusen in China, Vietnam und Indonesien hergestellt wurden.

Photo: Donald Trump, von Gage Skidmore via Flickr

Nike: Jason Day ist neues Aushängeschild der Golfsparte

Zum Jahreswechsel hat Nike seinem Golfsegment ein prominentes neues Gesicht verpasst. Der US-amerikanische Sportartikelkonzern verpflichtete den Weltranglistenersten Jason Day nun auch offiziell als Werbeträger. Im Rahmen eines auf mehrere Jahre ausgelegten Ausstattervertrages wird der 28 Jahre alte Australier künftig bei Turnieren Schuhe, Kleidung, Mützen und Handschuhe von Nike tragen. Seinen ersten Auftritt als Aushängeschild des weltgrößten Sportartiklers hat Day bereits in dieser Woche: Am Mittwoch wird er beim hochkarätig besetzten Tournament of Champions in Kapalua auf Hawaii an den Start gehen.

Nike lässt sich die Verpflichtung des derzeit besten Profigolfers dem Vernehmen nach einiges kosten: Berichten zufolge wird das Unternehmen ihm zehn Millionen US-Dollar im Jahr zahlen. Gerade in der zuletzt kriselnden Golfsportbranche haben sich populäre Spieler als effektivstes Mittel erwiesen, um die Attraktivität einer Marke zu steigern. Wie bei jeder Individualsportart ist die Identifikation der potenziellen Kunden stark an Einzelpersönlichkeiten gebunden.

Nike: Jason Day ist neues Aushängeschild der Golfsparte

Der Wechsel des Weltranglistenersten von Adidas zu Nike verdeutlicht die Umbrüche in der Golfsportbranche

So konkurrieren Golfmarken spätestens seit den Hochzeiten von Tiger Woods, der zur ersten Modeikone des Sports geworden war, um die prominentesten Spieler und sind bereit, exorbitante Summen zu zahlen, um sich ihre Dienste zu sichern. Auch wenn offiziell keine Zahlen bekannt sind, gehen Experten davon aus, dass der Nike-Konkurrent Under Armour im Rahmen eines 2015 geschlossenen Zehn-Jahres-Vertrags etwa 200 Millionen US-Dollar an Jordan Spieth, Days Vorgänger an der Spitze der Weltrangliste, zahlt. Ähnlich hoch werden die Einnahmen von Rory McIlroy aus seiner seit 2013 laufenden Partnerschaft mit Nike taxiert. Nun ist offenbar auch Jason Day was die Sponsoreneinnahmen angeht in die Gruppe der Spitzenverdiener unter den Golfprofis aufgestiegen.

Dass Nike den Weltranglistenersten verpflichten konnte, hängt auch mit den Umbrüchen in der weltweiten Golfsportbranche zusammen. Bislang wurde er vom deutschen Sportartikelkonzern Adidas ausgestattet. Der beschloss im vergangenen Frühjahr, seine Golfsportsparte TaylorMade nach anhaltend schwachen Zahlen zu verkaufen. Aber auch Nike hat sein Engagement in der Sportart zurückgefahren. So produzieren die US-Amerikaner keine Schläger und Bälle mehr. Day wird daher zwar künftig in Nike-Bekleidung antreten, aber weiterhin auf Sportgeräte von TaylorMade zurückgreifen. Trotzdem freute er sich naturgemäß über die neue lukrative Partnerschaft: „Mit der Beziehung zu Nike ist für mich ein Traum wahr geworden“, verkündete er in einer Mitteilung. „Die Marke ist ein Synonym für die weltbesten Athleten.“

Fotos: Nike
Außenhandel soll auch 2017 auf Rekordkurs bleiben

Der deutschen Wirtschaft ging es im Jahr 2016 so gut wie lange nicht mehr. Nicht nur, dass eine äußerst stabile Binnennachfrage für satte Wachstumsraten sorgte, auch die Exporte liefen wie geschmiert.

„Trotz des Anstiegs globaler Krisen und der damit verbundenen Unsicherheiten hat sich der deutsche Außenhandel im laufenden Jahr 2016 wacker behauptet“, konstatiert Anton F. Börner, Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA), in einem Kommentar zum Jahreswechsel. Befeuert durch den billigen Euro sei die Nachfrage nach deutschen Produkten weltweit weiterhin ungebrochen. „Während die Exportwerte auf dem hohem Niveau blieben, lagen die Importe nach Deutschland aufgrund der niedrigen Rohstoffpreise unter dem Vorjahresergebnis - zugunsten des Binnenkonsums“, so Börner weiter.

Für das Gesamtjahr 2016 erwartet der BGA bei den Exporten nach einer Seitwärtsbewegung ein Ergebnis auf dem hohen Vorjahresniveau von rund 1.200 Milliarden Euro und rechnet im kommenden Jahr 2017 mit einem Wachstum der Ausfuhren von bis zu 2,5 Prozent auf 1.230 Milliarden Euro.

TTIP soll doch noch kommen

Trotzdem warnt BGA-Mann Börner: „Der deutsche Außenhandel ist allerdings nicht immun gegen internationale Krisen und das nächste Jahr nicht wird einfacher, denn zu den bereits bestehenden Risiken für das Auslandsgeschäft sind inzwischen einige neue hinzukommen.“ Mit Blick auf Europa müssten in diesem Zusammenhang besonders die ungewissen Modalitäten des sogenannten Brexits, die politischen Nachwehen des gescheiterten Referendums in Italien sowie eine mögliche Fortsetzung der Euro-Schuldenkrise genannt werden.

Global drohe vor allem die Gefahr, dass eine Kehrtwende in der US-Wirtschaftspolitik durch den Präsidentenwechsel den Anstieg des weltweiten Protektionismus noch weiter beschleunige. Die große Aufgabe im neuen Jahr wird laut Börner daher darin liegen, „den Bürgern deutlich vor Augen zu führen, dass der freie Austausch von Waren und Dienstleistungen weltweit für alle mehr Vor- als Nachteile bringt“.

Dafür muss Europa nach Ansicht des BGA allerdings bei der Gestaltung der weltweiten Rahmenbedingungen für den Handel mit am Tisch sitzen. „Diese Chance haben wir derzeit nur mit TTIP, das wir auf keinen Fall jetzt schon komplett abschreiben sollten", mahnt Börner abschließend.

Foto: Windrose / pixelio.de