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René Lezard: Halbjahresumsatz schrumpft, operativer Verlust wächst

Der Bekleidungsanbieter René Lezard Mode GmbH hat das erste Halbjahr 2016/17 mit ernüchternden Zahlen abgeschlossen: Der Umsatz sank, der operative Verlust stieg. Das Unternehmen aus Schwarzach am Main begründete die schwachen Zahlen unter anderem mit dem zu warmen Wetter im September.

In den ersten sechs Monaten des laufenden Geschäftsjahres, die am 30. September endeten, erwirtschaftete René Lezard einen Umsatz in Höhe von 20,7 Millionen Euro. Gegenüber dem entsprechenden Vorjahresniveau bedeutete das einen Rückgang um 6,3 Prozent. Im Online-Geschäft stiegen die Erlöse, in den stationären Stores liefen die Geschäfte aber enttäuschend. Das Unternehmen machte dafür insbesondere die ungewöhnlich milden Temperaturen im September verantwortlich. Zu Beginn des zweiten Halbjahres habe es in den eigenen Boutiquen aber besser ausgesehen: „Im Oktober mit zunehmender Kälte zeigte sich hier wieder eine stärkere Nachfrage“, erklärte René Lezard in einer Mitteilung.

Im laufenden Jahr soll der Betriebsgewinn das Vorjahresniveau erreichen

Aufgrund der „Planverfehlung im Retail“ litt auch das Ergebnis. Der operative Verlust stieg von 0,6 Millionen Euro in der ersten Hälfte des vergangenen Jahres auf 0,7 Millionen Euro. Für das gesamte Geschäftsjahr ist die Geschäftsführung weiterhin recht zuversichtlich: Sie rechnet mit einem operativen Ergebnis „auf Vorjahresniveau“. Dazu sollen Kostensenkungen beitragen.

Das Unternehmen hatte Anfang November einen herben Rückschlag bei seinen Sanierungsbemühungen hinnehmen müssen, als ein potenzieller Investor überraschend abgesprungen war. Seither ist es auf der Suche nach einem neuen Geldgeber.

Foto: René Lezard
"Zukunft gesichert": Schweizer Treuhandgesellschaft übernimmt Strenesse

Das insolvente Modehaus Strenesse ist auf der Suche nach einem Investor endlich fündig geworden. Am Freitag teilte das in Nördlingen ansässige Unternehmen mit, dass es mit einer Schweizer Treuhandgesellschaft ein Vertrag „über den Erwerb der beweglichen Gegenstände des Anlage- und Umlaufvermögens der Strenesse AG abgeschlossen“ habe. Mit der Vereinbarung würden „alle Arbeitsplätze erhalten und die Grundlage für eine erfolgreiche Zukunft des Unternehmens gesichert“, erklärte Strenesse.

Die Anteile an den ausländischen Tochtergesellschaften sowie die im Eigentum der Strenesse AG befindlichen Immobilien sind nach Angaben des Unternehmens nicht Bestandteil der Transaktion. Sie sollen dem Käufer künftig „zum Zwecke der Fortführung des Geschäftsbetriebs vermietet“ werden.

„Wir freuen uns sehr, einen strategischen und langfristig planenden Investor für Strenesse gefunden zu haben. Sowohl das Konzept als auch das Team haben uns überzeugt“, erklärte Insolvenzverwalter Jörg Nerlich in einer Mitteilung. Besonders freue er sich „für die Mitarbeiter von Strenesse, deren Arbeitsplätze gesichert werden konnten“. Das Unternehmen beschäftigt derzeit etwa 240 Angestellte.

Jürgen Gessler wird Anfang Januar neuer CEO von Strenesse

Nach Angaben des Insolvenzverwalters hat der neue Eigentümer große Ziele: Er wolle „mit Strenesse wieder an die großen Erfolge aus der Vergangenheit anknüpfen“. geplant seien „die Stärkung der nationalen Wholesale-Partner sowie die internationale Expansion“.

Im Zuge des Eigentümerwechsels bekommt das Modehaus auch eine neue Geschäftsführung. Der Investor habe „für die zukünftige Ausrichtung ein erfahrenes Team an Branchenexperten zusammengestellt“, erklärte Nerlich. An die Spitze des Unternehmens wird Jürgen Gessler rücken. Am 1. Januar wird er den Posten des CEO und sich auch selbst an Strenesse beteiligen. Gessler hatte bis 2015 die Porsche Design Group geleitet.

Anfang September war ein erster Kaufinteressent kurzfristig abgesprungen

Die Strenesse AG hatte im Frühjahr 2014 Insolvenz angemeldet und versucht seither, sich in Eigenverwaltung zu sanieren. Bei der Suche nach einem Käufer schien das Unternehmen im Sommer bereits fündig geworden zu sein. Damals hatte es sich mit die niederländische MAEG Holding über eine Übernahme geeinigt. Die geplante Transaktion platzte aber einen Monat später. Über die Gründe für das Scheitern machten das Modehaus und die niederländische Gesellschaft unterschiedliche Angaben.

Nun steht die Premiummarke anscheinend tatsächlich vor einem Neubeginn. „Wir alle freuen uns sehr auf das Unternehmen Strenesse und vor allem auf seine kompetenten Mitarbeiter“, erklärte Anna Busch, die Verwaltungsratspräsidentin des neuen Eigentümers. „Strenesse hat eine Alleinstellung im deutschen Modemarkt und wir werden mit großem Engagement in den nächsten Monaten daran arbeiten, unsere Kunden und Wholesale-Partner auch weiterhin von unseren Produkten zu begeistern.“

Foto: Strenesse
China Textile Information Center schließt sich ZDHC an

Das China Textile Information Centre (CTIC), ein staatliches Forschungsinstitut, ist am Freitag der neueste Partner des “Zero Discharge of Hazardous Chemicals” (ZDHC)-Programms geworden. Auch als “Roadmap to Zero” bekannt, befasst sich ZDHC mit dem Thema gefährliche Chemikalien in der globalen Wertschöpfungskette der Textil-und Schuhindustrie.

“Mit dem Beitritt von CTIC zum ZDHC-Programm als offizieller Mitwirkender besteht eine erhöhte Chance für die Harmonisierung und Abstimmung zwischen ZDHC und CNTACs 'Chemical Stewardship 2020 Initiative'. Darüber hinaus schafft dies Impulse für Chinas heimische Marken und Hersteller, was die Kontrolle der gefährlichen Chemikalien in China angeht”, kommentierte ZDHC-Asienchefin Lydia Lin.

Das CTIC wird vom China National Textile and Apparel Council (CNTAC) geleitet, einem Branchenverband, der alle Unternehmen in China vertritt, die mit der Textilindustrie zu tun haben. Anfang dieses Jahres startete die CNTAC ihre "Chemicals Stewardship 2020 Initiative", ein branchenübergreifendes Regelwerk zur Minimierung der nachteiligen Auswirkungen von Chemikalien auf die menschliche Gesundheit und die Umwelt. Der Beitritt zum ZDHC-Programm wird die Ziele des Chemicals Stewardship 2020 unterstützen.

China Textile Information Center schließt sich ZDHC an

Das ZDHC-Programm begann im Jahr 2011 mit sechs führenden Marken (Adidas, C&A, H&M, Li Ning, Nike und Puma) und besteht heute aus 18 Partnern der Wertschöpfungskette, 8 Mitwirkenden und 22 unterzeichnenden Marken wie Burberry, Esprit, Gap und H&M, Inditex, Kering, Levi Strauss und Primark.

ZDHC sorgt für einen ganzheitlichen Ansatz bei der Verbesserung des Chemikalienmanagements in der Wertschöpfungskette der Textil- und Schuhindustrie und unterstreicht die Bedeutung der Zusammenarbeit aller Beteiligten für die Erreichung dieses Ziels: “Die Bewältigung dieser ökologischen Herausforderung kann nicht allein erreicht werden. Um aussagekräftige und nachhaltige Auswirkungen zu erzielen, brauchen wir die gesamte Industrie, einschließlich NGOs, um diesen Standard zu übernehmen und zu unterstützen”, sagte ZDHC-Direktor Frank Michel.

Ohne China geht es nicht

Die chinesische Textil- und Bekleidungsindustrie an Bord zu haben ist entscheidend für den Erfolg des Programms, da laut Greenpeace Ostasien “China seit 2010 der weltweit größte Chemieproduzent und damit der größte Umweltverschmutzer ist. Das Land gab die Existenz sogenannter Krebsdörfer zum ersten Mal im Februar 2013 zu und enthüllte einen Chemikalienplan im selben Jahr, der 58 Chemikalien auf die schwarze Liste setzt und einen Durchbruch darstellte.

Alle am ZDHC-Programm Beteiligten verpflichten sich, gemeinsam an der Entwicklung und Umsetzung der ZDHC-Standards und -Tools zu arbeiten sowie dem Ziel der Beseitigung gefährlicher Chemikalien in der Textil- und Schuhindustrie. Schwerpunkte werden dabei auf die folgenden Bereiche gelegt: eine Liste der verbotenen Substanzen in der Produktion zu erstellen, Abwasserqualität, Auditprotokoll, Forschung, Ausbildung, Daten und ihre Offenlegung.

Im vergangenen Monat hat das ZDHC seine Abwasserrichtlinien veröffentlicht, eine Reihe einheitlicher Erwartungen an die Abwasserqualität für die gesamte Textil- und Schuhindustrie, die nun von allen Akteuren innerhalb der Wertschöpfungskette angenommen werden sollen.

Fotos: ZDHC
Inditex streitet Steuertricks ab

Wie gestern berichtet, wurde der spanische Modekonzern Inditex, der für Marken wie Zara, Pull & Bear und Bershka bekannt ist, von der Grünen-Fraktion des Europaparlaments beschuldigt, durch geschickte Steuertricks Abgaben in Höhe von 585 Millionen Euro umgangen zu haben. Inditex konnte dies nicht auf sich sitzen lassen und handelte schnell: In einer gestern noch veröffentlichten Stellungnahme bestreitet der Konzern jegliches Fehlverhalten und glaubt, dass der Bericht der Grünen auf “fehlerhaften Annahmen” beruhe, die zu “falschen Schlussfolgerungen” geführt haben.

“Inditex verfolgt eine Politik der höchsten steuerrechtlichen Verantwortung in jedem Markt, in dem wir aktiv sind”, hieß es dort. Der Modekonzern fügte hinzu, dass seine Berichte “transparent” und im Jahresbericht des Unternehmens erhältlich seien. Zudem verwies er darauf, von 2011 bis 2015 mehr als 4,4 Milliarden Euro an Körperschaftssteuer bezahlt zu haben, was einem Durchschnitt von zwischen 22 und 24 Prozent enspricht.

In dem gleichen Zeitraum machte der Konzern 2,2 Milliarden Euro Umsatz in seinem Heimatmarkt Spanien, was über 2 Prozent der gesamten Körperschaftssteuereinnahmen des Landes entspricht. Er wies in seiner Stellungnahme ebenfalls darauf hin, dass Transaktionen zwischen den verschiedenen Unternehmen der Gruppe regelmäßigen Steuerprüfungen durch die zuständigen Behörden des jeweiligen Landes unterzogen werden.

Grüne gehen gegen Steuer-Schlupflöcher vor

Der Bericht der Grünen mit dem Titel “Tax Shopping: Exploring Zara's Tax Avoidance Business” verweist insbesondere auf Schlupflöcher des Unternehmens und auf Ungleichheiten in nationalen Steuersystemen, die es genutzt haben soll, etwa große Gewinne in Ländern mit niedrigen Steuern wie Irland, der Schweiz und den Niederlanden versteuerte und nicht dort, wo sie erzielt wurden.

In der Schweiz wird so zum Beispiel Kleidung von Zulieferern angekauft, um die geringe Umsatzsteuer von 7,8 Prozent zu nutzen, bevor sie an das Mutterunternehmen weiterverkauft wird. In Irland wiederum werden Darlehen nur mit 12,5 Prozent versteuert, weshalb sich das Land zur Vergabe von Darlehen innerhalb der Unternehmensgruppe eignet.

Für die Versteuerung von Gewinnen aus verschiedenen EU-Ländern suchte sich Inditext laut der Analyse der Grünen die Niederlande aus und führte sie in Form von Lizenzgebühren an Tochterfirmen in den Niederlanden, da sie hier nur mit 15 Prozent versteuert werden müssen. Im Vergleich: In Deutschland würde dies mit etwa 30 Prozent zu Buche schlagen, im OECD-Durchschnitt mit 25 Prozent. Allein in Deutschland soll der Konzern so geschätzte 25 Millionen Euro gespart haben.

Dies ist nicht die erste Untersuchung der Grünen: Erst vor wenigen Wochen hatten sie dem Chemiekonzern BASF und dem Möbelriesen Ikea ähnliche Steuertricks vorgeworfen und stellten fest, dass multinationale Konzerne viel mehr legale Möglichkeiten zur Steuervermeidung hätten als etwa Mittelständler.

Damit wollen sie aufräumen und fordern außer einer europaweiten Mindeststeuer auf Unternehmensgewinne auch, dass multinationale Unternehmen ihre Gewinne in Zukunft einzeln für jedes Land benennen müssen, in dem sie vertreten sind. Auch wenn das Vorgehen von Inditex in Spanien derzeit nicht illegal ist, soll es dies werden. “Wir wollen, dass hier umfassende Regelungen gefunden werden, um die Steuervermeidung im großen Umfang zu verhindern”, erklärte der spanische Grünen-Abgeordnete Ernest Maragal.

Und die Verbraucher? Kümmert es sie genug, dass sich ihre Lieblingsmarke Steuertricks bedient, um den Zara- und anderen Filialen fernzubleiben? Das bleibt abzuwarten. Fest steht jedoch, dass der 80-jährige Spanier Amancio Ortega und Inditex Gründer mit einem Vermögen von 67 Milliarden US-Dollar nicht nur der reichste Mann Europas sondern auch der zweitreichste Mann der Welt ist. Dieses Vermögen wurde ohne Zweifel durch einen der größten Textilkonzerne der Welt, Inditex, erwirtschaftet. Und dass dieser auf Billiglöhne und sklavenähnliche Bedingungen, Fast Fashion und irreführende Preisgestaltung setzt, ist allgemein bekannt. Bleibt die Frage, wie lange Verbraucher dies zugunsten gefüllter Kleiderschränke noch ignorieren können.

Foto: Inditex
Aufatmen nach Krisenjahr: Modebranche soll sich 2017 erholen

2016 war sicherlich nicht das Jahr der Mode, schon gar nicht der Modeindustrie. Überall auf der Welt häuften sich die nachrichten von rückläufigen Umsätzen, von Einsparungen, Restrukturierungen, Entlassungen oder gar Insolvenzen und Unternehmensschließungen. Zwar wuchs die Branche insgesamt global noch immer um voraussichtlich zwei bis 2,5 Prozent, erwirtschaftete damit jedoch das schwächste Ergebnis seit der Finanzkrise 2009.

Zugleich stagnierte die Gewinnmarge (vor Steuern) der Modeunternehmen bei knapp zehn Prozent. Besonders zu spüren bekamen das Firmen aus dem Luxus- und mittleren Segment. Ihre Wachstumsrate erreichte zuletzt nur noch 0,5 bis ein Prozent. Aber es gibt Hoffnung: Laut einer Studie des Medienunternehmens Business of Fashion (BoF) und der Managementberatung McKinsey & Company soll sich die Lage auf dem globalen Modemarkt 2017 wieder ein wenig entspannen.

So erwarten die Experten für das kommende Jahr ein durchschnittliches Umsatzwachstum von 2,5 bis 3,5 Prozent. Damit erholt sich die Branche zwar merklich, kann allerdings nicht an die Top-Ergebnisse des vergangenen Jahrzehnts anknüpfen, als die Modeindustrie jährlich um durchschnittlich 5,5 Prozent und damit stärker als das globale BIP wuchs.

Die Macht der Verbraucher wächst

„Wir erwarten, dass sich die Branche 2017 erholen wird. Viele Modeunternehmen haben inzwischen umfassend restrukturiert, was sich im kommenden Jahr auszahlen wird", so Imran Amed, Gründer und Chefredakteur von BoF. Gestützt wird diese Prognose durch Vorhersagen über bessere wirtschaftliche Rahmendaten wie ein stärkeres weltweites BIP-Wachstum. Insgesamt erwartet fast die Hälfte der 140 befragten Modemanager, dass 2017 besser als 2016 wird.

„Alle Marktsegmente außer Discount werden 2017 stärker wachsen. Im Segment über dem Discount, dem sogenannten Value-Segment, erwarten wir mit drei bis vier Prozent Wachstum eine besonders starke Entwicklung", schätzt Achim Berg, Seniorpartner bei McKinsey und Experte für die Mode- und Luxusindustrie. „Im Segment der erschwinglichen Luxusmode erwarten wir sogar bis 4,5 Prozent", so Berg. Beide Segmente profitieren von Verschiebungen im Käuferverhalten: Mehr Kunden bevorzugen statt reiner Luxusmode erschwingliche Luxusmode, gleichzeitig greifen mehr Käufer zu Value statt Discount.

Erneuter Textil-Überflieger soll die Sportrtikelbranche werden. Hier prognostizieren die Experten Wachstumsraten von 6,5 bis 7,0 Prozent. Bereits 2016 ist die Branche mit acht bis 8,5 Prozent weit über dem Durchschnitt gewachsen.

Die Autoren des Reports definieren einige Trends, die die Modebranche im kommenden Jahr besonders bewegen werden. Ein Teil der Trends wird von der globalen Wirtschaftsentwicklung beeinflusst, darunter die Intensivierung der Volatilität, die anhaltende Unsicherheit im chinesischen Markt und die zunehmende Bedeutung der Großstädte. Der zweite Teil der Trends wird von den Verbrauchern getrieben, die immer besser informiert und anspruchsvoll sind und deren demografisches Profil sich verändert. Weitere Veränderungen beziehen sich auf den Wandel im Modesystem. „Technologische Fortschritte verändern die Branche bereits nachhaltig. Darüber hinaus erwarten wir, dass es einige branchenerschütternde Entwicklungen geben wird, wenn größere Spieler ihr Unternehmen umstrukturieren und Branchenfremde in die Modeindustrie eindringen", so Leonie Brantberg, Associate Partner bei McKinsey und Co-Autorin der Studie.

Auch 2017 wird es daher bei weitem nicht allen Modeunternehmen besser gehen. Es ist eine weitere Ausdifferenzierung der gesamten Branche zu erwarten, in deren Zuge sicherlich etliche überholte Geschäftsmodelle und klassische Marken vom Markt verschwinden werden. Neue Anbieter, neue Modekonzepte wie Wearables und eine neue On-/Offline-Synchronisation werden zudem das Textilgeschäft des nächsten Jahres bestimmen. Wohl dem, der sich bereits jetzt gut positioniert hat.

Foto: Foto: Maclatz / pixelio.de

Online-Expansion ins deutschsprachige Ausland: Das sind die Hürden

Gleiche Sprache, ähnliche Kulturen – und doch ist die Expansion von deutschen Online-Shops nach Österreich und in die Schweiz problematischer als gedacht.

Für deutsche Online-Händler scheint der Schritt über die Grenze ins deutschsprachige Alpenland ziemlich einfach. Zwar gilt es, zumindest auf rechtlicher Seite, verschiedene Verbraucherschutzgesetze zu beachten, doch das lässt sich mit überschaubarem Aufwand lösen. Nicht zuletzt auch deshalb, weil Österreich und die Schweiz merklich weniger strenge gesetzliche Auflagen kennen als Deutschland. Doch der Teufel steckt bekanntlich im Detail.

Schweizer wollen keine deutschen Klone sein

„Die korrekte Kundenansprache ist das A und O im E-Commerce“, sagt Melisa Hadzic, Leiterin der Internet World Messe in München. Internationaler E-Commerce gehört zu den Schwerpunkten der kommenden Messeveranstaltung. Das heißt, der Schweizer Stolz lässt es z.B. kaum zu, dass er sich mit einem deutschen Klon abspeisen lässt. „Untersuchungen haben gezeigt, dass der Durchschnittsschweizer innerhalb weniger als zehn Sekunden einen Onlineshop negativ bewertet, wenn dieser eine rein deutsche Kopie ist“, so Hadzic weiter. Nur Währung, Mehrwertsteuer und Preis-Darstellung anzupassen, reicht also nicht. Kulturelle Eigenheiten, spezielle Sortiments- und Produktbezeichnungen müssen adaptiert sowie die Ansprache nicht nur im Wording sondern auch in der Tonalität angepasst werden. „Im DACH-Raum reden zwar alle Deutsch, doch in den einzelnen Ländern unterscheiden sich doch so manche Produktbezeichnungen“, erklärt die Expertin. Um den Schweizer Konsumenten also erreichen zu können, muss man seine Sprache sprechen. Und die ist in zwei Dritteln der Schweiz zwar Deutsch, doch es ist ein Deutsch mit Eigenheiten und französischem Einschlag. So ist der deutsche „Rock“ der Schweizer „Jupe“, das deutsche „Fahrrad“ das Schweizer „Velo“ oder das deutsche „Sakko“ der Schweizer „Veston“. Hadzic: „Genau diese Bezeichnungen findet man in gut helvetisierten Onlineshops wieder.“ Auch andere Details differieren: Werden in Österreich und Deutschland die Preise mit der Währung nach der Zahl ausgezeichnet, so gehört das „CHF“ in der Schweiz vor den Preis. Auch die Mehrwertsteuer wird bei den Eidgenossen generell mit „MwSt“ abgekürzt und nicht als Umsatzsteuer bezeichnet. Diese Liste ließe sich beliebig weiterführen.

Fingerspitzengefühl bei den Zahlungsmitteln

Bei den Zahlungsmitteln gibt es weitere Eigenheiten, die man beachten muss. „In Deutschland sind das Lastschriftverfahren (LSV) oder die Bankeinzugsermächtigung nicht ungewöhnlich“, so Hadzic, „in der Schweiz kennt man beides aber nicht.“ Der Schweizer nutz LSV nicht für Einzeltransaktionen, sondern für wiederkehrende Zahlungen wie Strom, Telefon oder Versicherungen.

Und in keinem der drei DACH-Länder ist der Anteil am Rechnungskauf so hoch wie in der Schweiz. Nach den letzten Erhebungen des Verbandes der Schweizer Versandhändler (VSV) beträgt der Anteil an Rechnungen immer noch mehr als 80 Prozent. „Und jeder Onlineshop-Betreiber weiß, dass der Kauf gegen Rechnung einige Besonderheiten bereithält“, meint Hadzic.

Da ist z.B. die Bonitätsprüfung, die in der Regel von jedem seriösen Onlinehändler angewandt wird aber im Ausland schwerer durchzuführen ist. So sind Beispiele von deutschen Onlinehändlern bekannt, die bei Markteintritt in die Schweiz vielen Kunden trotz guter Bonität die Zahlung gegen Rechnung verweigerten, weil sie deren Bonität nicht validieren konnten. Dies hat wiederum unweigerlich zu Umsatzeinbußen geführt, da bei fehlender Rechnungsoption zahlreiche Kunden den Kauf abgebrochen haben. Und apropos Rechnung; diese wird in der Schweiz nach wie vor mit dem beliebten Einzahlungsschein gestellt und beglichen. Ein Formular, das man im deutsch-sprachigen Ausland weder kennt noch dort beheimatete Onlinehändler systemseitig generieren können.

Unterschiede gibt es auch bei den weiteren Zahlungsmitteln. Zwar sind die großen Kreditkarten ähnlich verbreitet in allen DACH-Ländern, doch bereits bei den Debit-Karten gibt es nennenswerte Unterschiede. Die Schweiz kennt die gelbe Postfinance Karte, welche stark verbreitet ist. In Österreich wiederum kennt man die lokale eps Online-Überweisung oder in Deutschland das Giropay.

Gewichtszoll verursacht Kopfzerbrechen

Aber auch der Versand der Ware stellt vor Allem in die Schweiz eine echte Hürde dar. Melisa Hadzic: „Die Schweiz ist weltweit noch die einzige Handelsnation, die den Gewichtszoll anwendet und beharrlich daran festhält.“

Konkret bedeutet das, dass die Ware nicht nach Wert sondern nach Gewicht verzollt wird. Oder anders gesagt: AboutYou, Outfittery, Zalando & Co müssen jede Jeans, jedes Paar Schuhe, jede Gürtelschnalle und jeden Pullover für die Schweizer Konsumenten wiegen, damit diese Artikel korrekt verzollt werden können. Und damit einher geht natürlich, dass deren Systeme entsprechend ausgerüstet und die Prozesse definiert sind. Die großen deutschen Fashion-Anbieter sind verantwortlich für die Verzollung, Mehrwertsteuer und Retouren-Prozess.

Ganz anders, wenn der Kauf bei einem Onlineshop im Ausland stattfindet, der die Verzollung nicht selbst vornimmt. Da wird der Schweizer Käufer zum Importeur und muss Zoll und Mehrwertsteuer dem Transportdienstleister entrichten. Meist verbunden mit einer Administrationsgebühr die schon mal 20 bis 30 Franken betragen kann. Das sind dann die unliebsamen Überraschungen beim vermeintlichen Schnäppchen-Einkauf. „Diese Hürden spielen eine wichtige Rolle bei der Expansion über die Grenzen hinweg“, sagt Melisa Hadzic. „Man sollte sie nicht unterschätzen, wenn man glaubt, dass man dort vermeintlich die gleiche Sprache spricht.“

Der Cross-Border-E-Commerce gehört deshalb zu den fokussierten Themen auf der kommenden Internet World Messe, die vom 7.bis 8. März 2017 auf dem Messegelände in München stattfinden wird.

Foto: Internet World Messe

Geldentwertung: indische Textilbranche muss 10.000 Arbeiter entlassen

HINTERGRUND In einem sowohl mutigen als auch historischen Schritt hat die indische Regierung, angeführt von Premierminister Narendra Modi, Anfang letzten Monats mit der Entwertung von 500- und 1000-Rupien Geldscheinen begonnen, um das Bargeldgeschäft einzudämmen und Schwarzgeld auszumärzen. Die überraschende Maßnahme trifft jedoch traditionell bargeldintensive Branchen wie die Textil- und Bekleidungsindustrie hart. Die Textilindustrie musste bereits 10.000 Arbeiter entlassen und ihre Kapazitäten teils von sieben auf drei Tage die Woche herunterfahren; der Lederindustrie ergeht es nicht besser, besteht sie doch zu 90 Prozent aus kleinen und mittelgroßen Betrieben.

Laut dem Verband der Textilverarbeiter in Amritsar (ATPA) hat sich die Production von Amritsars 40 verarbeitenden Betrieben auf nur 25 Prozent reduziert. Dies beeinträchtigt die über 700 Kettenwirkereien und Textilwebereien der Region, die von ihnen abhängig sind. Laut ATPA-Präsident Krishna Kumar Sharma ist der Mangel an Banknoten, so viele Tage nach Einführung der Geldentwertung, "ein Organisationsmanko der Zentralregierung", so in der Tribune India zitiert. Er drängt die Regierung deshalb darauf, die Tages- und Wochenlimits für Barauszahlungen zu erhöhen.

Geldentwertung: indische Textilbranche muss 10.000 Arbeiter entlassen

Betriebe brauchen mehr Bargeld, als derzeitige Limits erlauben

"Wir brauchen 1-1,5 Millionen Rupien [13.600 - 20.400 Euro] Bargeld pro Monat, um unsere Mitarbeiter zu bezahlen, aber die Banken erlauben nur Auszahlungen von bis zu 20.000 Rupien [rund 300 Euro]", erklärte Sabu M. Jacob, Vorstandsvorsitzender von Kitex Garments, das Dilemma gegenüber dem Business Standard.

Die Aktion einiger Fabrikbesitzer, ihren Arbeitern ihre Gehälter und Extrazahlungen im voraus zu geben, allerdings in alten Banknoten, um ihre eigenen Bargeldvorräte loszuwerden, ist nach hinten losgegangen, da die Arbeitsausfälle gestiegen sind: Die Arbeiter müssen jetzt bei den Banken Schlange stehen, um die alten Banknoten vor dem 30. Dezember umzutauschen, statt zur Arbeit gehen zu können.

"Täglich erscheinen pro Schicht etwa die Hälfte der Arbeiter nicht zur Arbeit, da sie bei der Bank anstehen, um Geld umzutauschen", bestätigte Taj Alam, der ehemalige Chef des Verbands der Lederindustrie in Uttar Pradesh gegenüber der gleichen Quelle. Dies beeinträchtigt das Einhalten von Produktionsfristen, gerade für den Export, was wahrscheinlich zum Verlust von Aufträgen und Kunden führen wird.

Aber immerhin sind die Arbeiter, die in alten Banknoten bezahlt werden, besser dran als die, die aufgrund des Bargeldmangels gar nicht bezahlt werden können. Der Exporteurverband im Textilzentrum Tirupur in Tamil Nadu, der eigentlich die Geldentwertung begrüsst, fordert ebenfalls höhere Bargeldlimits der Banken, um die Tages- oder Wochenlöhne von Tirupurs 300.000 Wander- und saisonalen Arbeitskräften bezahlen zu können, die 40-50 Prozent der 600.000 Textilarbeiter der Stadt ausmachen. Die meisten haben kein Bankkonto und werden deshalb bar bezahlt.

Banken sind vom derzeitigen Ansturm überwältigt

Obwohl sowohl die Arbeiter als auch ihre Arbeitgeber nichts dagegen haben, Bankkonten zu eröffnen - ein Vorgang, der normalerweise zwischen 2 Wochen und 2 Monaten dauert - steht er angesichts der bereits langen Schlangen und überlasteten Bankangestellten im Moment außer Frage.

"Jeden Monat kommen etwa 150-200 neue Mitarbeiter hinzu; diese müssen bar bezahlt werden, bis sie ein eigenes Bankkonto haben. Es würde sogar normalerweise 15-60 Tage dauern, ein Konto für Wanderarbeiter zu eröffnen, aber jetzt ist die Eröffnung neuer Konten zum Stillstand gekommen", sagte Jacob.

Und dies sind noch nicht alle Probleme, denen sich die indische Textil -und Bekleidungsindustrie im Moment gegenüber sieht: Angesichts der Hochzeitssaison, die in vollem Gange ist, haben dieses Jahr nur wenige Zulieferer und Einzelhändler Grund zur Freude. Schließlich hängt ihr Geschäft ganz vom Bargeld und vom Kundendienst ab - zwei Gründe, weshalb sie bis jetzt neben dem organisierten Sektor und besonders Einkaufszentren weiter bestehen konnten. Aber ohne Bargeld bleiben die Kunden fern. Und “da Einzelhändler keine Geschäfte machen, tut es der Großhandel auch nicht", erklärte Ch. Raghuram, Präsident des Stoffhändlerverbands in Vastralatha gegenüber The Hindu.

Auch wenn die Geldentwertung auf lange Sicht ihre Vorteile haben wird - wie die lange überfällige Umstellung auf ein bargeldloses System im unorganisierten Einzelhandel und Produktionssektor und die Erfassung von Rentenzahlungen und anderen Leistungen für Angestellte, die bei Barzahlungen gern unter den Tisch fallen - muss die indische Textil- und Bekleidungsindustrie doch noch einige Zeit die Zähne zusammenbeißen, bis sich die Lage stabilisiert hat. Und auf Auftraggeber hoffen, besonders aus dem Ausland, die verständnisvoll sind und in diesen schwierigen Zeiten zu ihnen halten.

Fotos: der neue 2000-Rupienschein - FashionUnited / alte 500-Rupiescheine - Satish Krishnamurthy via Flickr
Chance und Risiko: Under Armour wird MLB-Ausstatter

Der US-amerikanischen Under Armour Inc. ist bei seinen Sponsoring-Aktivitäten in eine neue Dimension vorgestoßen: Erstmals in seiner Geschichte wird das Unternehmen aus Baltimore Exklusivausstatter einer der großen nordamerikanischen Profiligen. Am Montag verkündete es den Abschluss einer entsprechenden Partnerschaft mit der Major League Baseball (MLB).

Im Rahmen der Zusammenarbeit wird Under Armour ab 2020 zehn Jahre lang exklusiv die Spiel- und Trainingskleidung der dreißig MLB-Clubs zur Verfügung stellen. Außerdem wird das Unternehmen die Spieler mit Connected-Fitness-Produkten ausstatten. Der Sportartikler wird damit Nachfolger der Marke Majestic, die ihren seit 2005 laufenden Ausrüstervertrag erst im Frühjahr bis 2019 verlängert hatte. Neben der MLB und Under Armour ist auch der Textilhersteller Fanatics am nun geschlossenen Abkommen beteiligt. Das Unternehmen wird die Lizenz für MLB-Fanbekleidung erhalten.

Als „Meilenstein in der Geschichte der Marke Under Armour“ bezeichnete Kevin Plank, der Gründer und CEO des Unternehmens, die Partnerschaft mit der Baseball-Liga. Ziel sei es, die „unglaublich vielfältige Fangemeinschaft der MLB in Amerika und dem Rest der Welt“ zu begeistern und den Sport „mit der nächsten Athletengeneration weiter wachsen zu lassen“. MLB-Commissioner Robert Manfred erklärte, Under Armour sei „mit seinem Markenstatus und seinen Marketingfähigkeiten ein perfekter Partner, um den Spielern eine Bühne zu bieten und eine noch stärkere Bindung zwischen unserem Sport und jungen Fans und Spielern zu schaffen“.

Für Under Armour bietet der Deal, dessen finanzielle Konditionen nicht veröffentlicht wurden, große Chancen. Er ist aber auch nicht ohne Risiken. Das Unternehmen hatte jahrelang beeindruckende Umsatzzuwächse erzielt und im vergangenen Jahr schließlich sogar das deutsche Traditionsunternehmen Adidas vom zweiten Platz in der Rangliste der größten Sportartikelanbieter in den USA verdrängt.

Das Wachstumstempo des Aufsteigers in der Sportartikelbranche war zuletzt ins Stocken geraten

Zuletzt war das Wachstumstempo aber etwas ins Stocken geraten. Dazu trugen neben den Insolvenzen großer US-amerikanischer Sportartikelketten auch erste Sättigungstendenzen auf dem Heimatmarkt bei, auf dem das Unternehmen den Großteil seines Umsatzes erzielt. Für viele Beobachter scheint die Marke ihr Potenzial bei den aktuellen Zielgruppen in den USA so langsam ausgeschöpft zu haben. Branchenexperten zweifelten daraufhin daran, dass Under Armour seine ambitionierten mittelfristigen Wachstumsziele erreichen könne. Außerdem wiesen sie auf die Risiken der vielen kostspieligen Sponsorenverträge hin, die das noch recht junge Unternehmen abgeschlossen hat, um die Markenbekanntheit zu steigern und so den Abstand auf den Marktführer Nike zu verkleinern. Im vergangenen Jahr ließ sich Under Armour solche Aktivitäten dem Geschäftsbericht zufolge bereits knapp 860 Millionen US-Dollar kosten.

Die Ausgaben für immer mehr teure Testimonials wie Basketball-Superstar Stephen Curry, Golfer Jordan Spieth oder Quarterback-Legende Tom Brady sowie exklusive Ausstatterrechte könnten die Margen belasten, wenn die Umsatzentwicklung die Erwartungen nicht erfüllt, befürchteten Analysten. Kritisiert wurden auch die immensen Investitionen in das Connected-Fitness-Segment, das inzwischen zwar branchenweit führend ist, aber nur geringe Erträge abwirft.

Mit der MLB-Partnerschaft könnte Under Armour neue Kundengruppen erschließen

Angesichts dieser Zweifel sackte der Aktienkurs in der vergangenen Woche auf ein Zwei-Jahres-Tief ab. Nach der Verkündung des MLB-Deals stieg er allerdings wieder. Denn das Abkommen bietet auch Chancen. Zwar wird es das Kostenrisiko weiter vergrößern, es könnte der Marke aber auch ganz neue Kundengruppen erschließen und damit den Sättigungstendenzen in Nordamerika entgegenwirken – nicht umsonst rühmte Konzernchef Plank ausdrücklich die „große Vielfalt“ der MLB-Fans. Zudem dürfte der flächendeckende Einsatz von Connected-Fitness-Produkten in einer der weltgrößten Profiligen der für viel Geld zusammengekauften Konzernsparte zusätzliche Aufmerksamkeit verschaffen.

Foto: Under Armour