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VF Corporation übernimmt Williamson-Dickie für 820 Millionen US-Dollar

Hierzulande ist der US-amerikanische Bekleidungskonzern VF Corporation vor allem für populäre Marken wie The North Face, Vans, Timberland oder Wrangler bekannt. Weniger öffentlichkeitswirksam ist die Workwear-Sparte, die professionelle Arbeitskleidung produziert. Die hat der Konzern nun massiv gestärkt: Am Montag verkündete er die Übernahme des Traditionsunternehmens Williamson-Dickie Manufacturing Company.

VF lässt sich den Neuzugang einiges kosten: 820 Millionen US-Dollar, umgerechnet also etwa 695 Millionen Euro, wird das Unternehmen den bisherigen Eigentümern zahlen. Das 1922 in Texas gegründeten Familienunternehmen, bei dem derzeit mehr als 7.000 Mitarbeiter beschäftigt sind, ist vor allem auf Hochleistungs-Workwear spezialisiert, die Marke Dickies ist aber auch in Streetwear-Läden zu finden. Nach der Übernahme, die im vierten Quartal endgültig vollzogen werden soll, wird Williamson-Dickie in die Imagewear-Sparte von VF eingegliedert, in der auch die anderen auf Arbeitskleidung spezialisierten Marken des Konzerns geführt werden. „Mit diesem Kauf vereinigen wir zwei großartige Unternehmen und eine Gruppe herausragender Marken. So schaffen wir einen globalen Marktführer im Workwear-Segment mit einem Jahresumsatz von etwa 1,7 Milliarden US-Dollar“, erklärte Steve Rendle, der CEO von VF.

Angesichts der Übernahme hob VF seine Jahresprognosen an

Aufgrund der bevorstehenden Übernahme passte VF auch seine Jahresprognosen an: Schließlich soll Williamson-Dickie noch im laufenden Geschäftsjahr etwa 200 Millionen US-Dollar zum Konzernumsatz beisteuern. Demzufolge rechnet das Management nun mit einem Jahresumsatz in Höhe von 11,85 Millionen US-Dollar, was eine Steigerung um 3,5 Prozent (währungsbereinigt +4,5 Prozent) gegenüber dem Vorjahr bedeuten würde. Zuvor waren 11,65 Millionen US-Dollar erwartet worden. Auch das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis pro Aktie wird durch den Zukauf beeinflusst: Hier wurde die Prognose von 2,94 auf 2,96 US-Dollar angehoben. Damit würde VF das Vorjahresniveau von 2,98 US-Dollar nur noch um etwa ein Prozent verfehlen. Bereinigt um Wechselkursveränderungen würde der Gewinn um einen mittleren einstelligen Prozentsatz wachsen.

Zuletzt erwirtschaftete Williamson-Dickie einen Jahresumsatz in Höhe von etwa 875 Millionen US-Dollar. Der designierte Eigentümer sieht hier noch einiges Wachstumspotenzial: Bis 2021 soll der jährliche Umsatz des Neuzugangs auf eine Milliarde US-Dollar steigen. Für Konzernchef Rendle war das ein Hauptgrund für die kostspielige Übernahme: „In unserer globalen Strategie bis 2021, die wir Anfang des Jahres vorgestellt haben, liegt die höchste Priorität auf dem Umbau des Portfolios, um das Wachstum zu beschleunigen“, erklärte er in einer Mitteilung. „Die Übernahme von Williamson-Dickie ist ein weiterer wichtiger Schritt, um dieses Vorhaben umzusetzen.“ Mit dem Kauf unterstreiche das Unternehmen zudem seine Rolle als „aktiver Portfolio-Manager“, der sich auf weiteres Wachstum und die Steigerung des Shareholder-Values konzentriere, so Rendle.

Foto: Dickies Facebook-Page
Canada Goose steigert Quartalsumsatz um fast achtzig Prozent

Canada Goose ist weiter auf Wachstumskurs: In den ersten drei Monaten des Geschäftsjahres 2017/18 konnte der Spezialist für Edel-Outdoorjacken erneut ein beeindruckendes Umsatzplus erzielen. Zudem wurde der Quartalsverlust verringert. Gleichzeitig kündigte das Unternehmen aus dem kanadischen Toronto, das im März den Gang an die Börse vollzogen hat, die Eröffnung weiterer Shops an.

In den Monaten April bis Juni erwirtschaftete Canada Goose einen Umsatz in Höhe von 28,2 Millionen Kanadischen Dollar (18,8 Millionen Euro). Das entsprach einer Verbesserung um 79,7 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Im Großhandelsgeschäft stiegen die Erlöse um 38,2 Prozent auf 19,9 Millionen Kanadische Dollar. Den größten Teil des Wachstums verdankten die Kanadier dabei allerdings der Vorverlegung von Lieferterminen.

Im eigenen Einzelhandel sprang der Umsatz sogar von 1,3 auf 8,3 Millionen Kanadische Dollar. Für den gewaltigen Anstieg sorgten die Eröffnungen der ersten eigenen Boutiquen im Herbst vergangenen Jahres, Zuwächse im nordamerikanischen E-Commerce sowie neue Online-Stores in Großbritannien und Frankreich .

Höhere Margen und Sondereffekte ließen den Quartalsverlust schrumpfen

Dank einer Verbesserung der Bruttomarge im Großhandelsgeschäft und dem deutlich höheren Anteil des margenstarken Einzelhandels am Gesamtumsatz wuchs die Bruttomarge im ersten Quartal von 29,7 auf 46,9 Prozent. Allerdings stiegen auch die Betriebsausgaben im Zuge der Retail-Expansion deutlich. So sorgte die hohe Kostenbasis dafür, dass der Daunenjackenspezialist in seinem aus saisonalen Gründen umsatzschwächsten Quartal erneut Verluste schrieb. Allerdings fielen die nicht so hoch aus wie im Vorjahr: Der operative Verlust schrumpfte von 14,9 auf 14,8 Millionen Kanadische Dollar, der Nettofehlbetrag wurde von 14,0 auf 12,0 Millionen Kanadische Dollar reduziert. Dabei spielten allerdings zahlreiche Einmaleffekte eine Rolle, die unter anderem aus Kosten im Rahmen des Börsengangs, internen Umstrukturierungen und Wechselkursveränderungen resultierten: Bereinigt um diese Sonderfaktoren stieg der Quartalsverlust nach Angaben des Unternehmens von 9,5 auf 13,2 Millionen Kanadische Dollar. Trotzdem fielen die Zahlen besser aus, als Analysten im Vorfeld erwartet hatten.

Canada Goose will im Herbst insgesamt fünf neue Flagshipstores eröffnen – darunter den ersten in Asien

Das Unternehmen stellte außerdem die nächsten Expansionsschritte vor: Neben den bereits im Mai angekündigten Neueröffnungen in London und Chicago werden in diesem Herbst auch Flagshipstores in Calgary, Boston und Tokio erstmals ihre Türen öffnen. Der geplante Shop in der japanischen Hauptstadt, der erste des Labels in Asien, soll dabei von einem lokalen Partner betrieben werden. „Für uns ist es besonders aufregend, einen Shop in Tokio zu eröffnen, weil Japan zu unseren stärksten Wachstumsmärkten zählt“, erklärte CEO Dani Reiss. Zudem erlaube das geplante Flagship, den asiatischen Kunden einen „ungefilterten“ Eindruck von der Marke zu vermitteln.

Seine ersten eigenen Boutiquen in Toronto und New York hatte Canada Goose erst im vergangenen Herbst eröffnet. Auch im E-Commerce baut das Unternehmen im Laufe des Jahres mit der Eröffnung von eigenen Online-Stores in Deutschland, Schweden, den Niederlanden, Irland, Belgien, Luxemburg und Österreich seine Präsenz weiter aus.

Foto: Canada Goose
Nach jahrelangem Anstieg: Fallen die Baumwollpreise wieder?

ANALYSIS

Während der ersten sechs Monate des Jahres wollten die Baumwollpreise nichts anderes, als steigen. Im Mai erreichten sie den Höchststand seit drei Jahren: Das Pfund Baumwolle kostete über 0,88 US-Dollar, so die Daten des FashionUnited Cotton Price Index.

Die erste Jahreshälfte war gekennzeichnet von Höchstpreisen, die seit der ersten Jahreshälfte 2014 nicht mehr erreicht worden waren: um die 80 US-Cents pro Pfund. Der FashionUnited Cotton Price Index , zeigt die Preisentwicklung in der ersten Jahreshälfte 2017: Die Preise lagen 19,48 Prozent höher als noch im Vorjahr zur gleichen Zeit.

Trotz des Aufwärtstrends warnt das Cotton Advisory Committee (ICAC) davor, dass die Preise in der kommenden Saison auf ein Neunjahres-Tief fallen sollen. Voraussichtlich werden die Vorräte außerhalb Chinas das „höchste Volumen seit Beginn der Aufzeichnungen“ erreichen.

Die Abwertung kam mit dem Abschluss des ICAC, der für das Ende der kommenden Saison ein Inventarzuwachs um 470.000 Tonnen vorhersagt (2,16 Millionen Ballen) auf 17.15 Millionen Tonnen (78.8 Millionen Ballen). Deshalb verringerte die internationale Institution den erwarteten Vorrats-Rückgang auf 150.000 Tonnen, wie die FashionUnited Business Intelligence Analyse feststellt.

Wenn man sich die verfügbaren Daten genauer ansieht, wird klar, dass sich die Produktion in Indien und China nach dem Rückgang in 2014 and 2015 stabilisiert hat. In der gleichen Zeit haben die USA ihre Produktion deutlich erhöht und Pakistan erreicht das größte Wachstum über die vergangenen vier Jahre. Seit 2014 ist die weltweite Baumwollproduktion ins Stocken geraten und ging von damals 26,2 Millionen Tonnen auf 22.5 zurück. Im Juli stieg die Produktion allerdings schon wieder auf 25,1 Tonnen - diese positive Wendung habe mit besserem Wetter zu tun, so die Marktexperten.

Die Baumwollpreise sollen aufgrund des Überschusses fallen

Wie im Cotton Inc Lifestyle Newsletter vom März erklärt wurde, werden längere Rückgänge mehrerer Millionen Ballen üblicherweise von einem starken Anstieg der Preise begleitet. Aber nach fünf Jahren des Angebotsüberschusses ist die Produktion nun hinter dem Verbrauch zurückgefallen. Als Beweis: In der Saison 2014/15 lag die Stock-to-Use-Ratio bei 0.89 (dies ist ein Schlüsselindikator dafür, dass die verfügbaren Vorräte beinahe elf Monate an Fabriknachfrage decken konnten.) All das deutet auf einen langfristigen Angebotsüberschuss hin, der die Preise sinken lässt.

Grund zur Freude bereitet allerdings das Ergebnis der FashionUnited Business Intelligence-Analyse, dass die schädlichen Effekte des Preisanstieges der Saison 2010/11, der zu vielen Kreditausfällen führte und die Attraktivität alternativer Materialien steigen ließ, offenbar überwunden ist. In anderen Worten: Die Baumwollpreise sind näher an ihrem langfristigen Mittel.

Nichtsdestotrotz ist der Markt noch nicht wieder im normalen Zustand, nachdem seit sich in China in der Saison 2011/12 und 2014/15 immense Lagervorräte angesammelt hatten.

Selbst mit hohen Reduzierungen 2015/16 und 2016/17 sollen die Erntevorräte am Jahresende noch immer etwa 50 Prozent höher liegen, als Mitte der 2000er Jahre, einer Periode in der die Erträge mit etwa 60 Millionen Ballen neue Rekorde feierten. Ein weiterer bedeutsamer Rückgang globaler Vorräte 2017/18 kann eine Rückkehr zu Marktkonditionen einläuten, bei denen globale Erntezahlen sich direkt auf die Preise auswirken, aber diese Entwicklung wird wohl noch mehrere Jahre in Anspruch nehmen.

Bild:Cotton Field, Kimberly Vardeman, Creative Commons

Mango: Umsatzflaute und Fast-Fashion-Investitionen fressen Gewinne

Der spanische Modekonzern Mango konnte im 2016 nicht weiter wachsen. Wie das Unternehmen unlängst bekannt gab, lag das Umsatzvolumen mit 2,26 Milliarden Euro sogar leicht unter Vorjahresniveau. Auch die regionale Gewichtung blieb mit 79 Prozent Auslandsanteil relativ stabil. Dabei hat sich das Geschäftsjahr sehr unterschiedlich entwickelt: Während das erste Halbjahr vom Marktabschwung gekennzeichnet war, zeichnete sich im zweiten Halbjahr bereits eine beträchtliche Besserung ab.

Ein positiver Trend, der sich auch im neuen Jahr fortgesetzt habe, heißt es. Bei den Geschäftslinien steche dabei vor allem die Entwicklung von Man, Kids und Violeta hervor, die ihren Anteil am Gesamtumsatz von 14,7 auf 17,6 Prozent steigern konnten.

Gut läuft es für Mango auch im Online-Bereich, der 2016 mit 294 Millionen Euro 25,6 Prozent mehr Umsatz generierte als im Vorjahr. So erhöhte sich der Online-Anteil am Gesamtumsatz innerhalb des Berichtszeitraums von 10,7 auf 13 Prozent und soll laut Management bis 2020 auf 20 Prozent steigen. 2016 hatte das E-Commerce-Portal der Gruppe insgesamt bereits 397 Millionen Besucher, 54 Millionen mehr als im Vorjahr. 60 Prozent des Internetverkehres sei dabei über mobile Geräte erfolgt, so das Unternehmen.

Nicht so gut lief es für Mango 2016 hingegen bei der Marge. So belief sich das EBITDA nur noch auf magere 77 Millionen Euro, nachdem 2015 noch 170 Millionen Euro zu Buche standen. Schuld an der Misere seien vor allem schlechte Umsatzzahlen im ersten Halbjahr 2016, die unterhalb der eigenen Erwartungen gelegen hätten, so die Konzernführung. Außerdem seien durch die Umsetzung eines ehrgeizigeren Fast-Fashion-Modells hohe Kosten entstanden, die anfänglich zu kleineren Margen geführt hätten. Und auch die verlässlich ungünstigen Wechselkurse trugen wohl ihren Teil zum EBITDA-Verlust bei.

Kleine Filialen müssen Megastores weichen

Trotzdem sind die Verantwortlichen zuversichtlich, die gewinnseitige Talsole durchschritten zu haben und 2017 wieder die gewohnt positiven Ergebniszahlen präsentieren zu können. Schließlich habe sich die Geschäftsentwicklung seit September 2016 grundlegend verändert und es habe eine Umsatzsteigerung verzeichnet werden können, die darauf schließen lasse, dass das Jahr 2017 wieder Gewinne bringen werde.

„Nach Rechnungsabschluss im Juni 2017 hat Mango das Ergebnis um mehr als 45 Millionen Euro im Vergleich zum gleichen Zeitraum im Vorjahr verbessern können, ein Plus, das die Zielvorgaben überschreitet, die zu Beginn des Geschäftsjahres festgelegt wurden“, heißt es stolz in einer Unternehmensmeldung. Diese wichtige Verbesserung sei grundsätzlich auf die folgenden Faktoren zurückzuführen: Konsolidierung des neuen Shopformats und Optimierung von Lagerbeständen, die im Zusammenhang mit der Fast-Fashion-Strategie stünden und dafür sorgten, dass die Firma besser und schneller auf Marktanforderungen reagieren kann.

Der Konzern baut derzeit sein Shopsystem grundlegend um: Kleinere Filialen werden geschlossen, während sogenannte Megastores mit rund 1.000 Quadratmeter Fläche neu eröffnet werden. 191 dieser Großstandorte betreibt Mango mittlerweile weltweit, allein 24 davon wurden 2016 neu in Betrieb genommen.

Geschlossen worden sind 2016 auch 440 kleine Verkaufsflächen, die Mango gemeinsam mit dem US-Einzelhändler JC Penney betrieben hatte. Man habe beschlossen, die Zusammenarbeit mit den Amerikanern nicht weiterzuführen und sich stattdessen stärker auf die eigene Präsenz auf dem Retail-Markt zu konzentrieren, so das Unternehmen. Die Anzahl der Verkaufspunkte lag daher zum Jahresende bei 2.217.

Aktuell ist Mango eigenen Angaben zufolge in 110 Ländern mit einen Gesamtverkaufsfläche von 798.000 Quadratmetern Verkaufsfläche vertreten. Im Jahr 2016 wurden neue kommerzielle Flächen von 57.000 Quadratmetern im Franchise-System eröffnet. Ende 2016 zählte die Firma so insgesamt 1.167 Franchise-Shops auf der ganzen Welt, was 52 Prozent aller Verkaufspunkte des Unternehmens ausmacht. Im Laufe des Geschäftsjahres 2017 ist geplant, dass die Gruppe ihren Wachstumspfad mit diesem Modell hält und weitere 66.000 Quadratmeter neue Franchise-Flächen eröffnet.

Foto: Mango

Munich Fabric Start: Elf Unternehmen zeigen ‚Microfactory 4 Fashion‘

Mehr Personalisierung und immer schneller wechselnde Trends – die Bekleidungsindustrie braucht neue technische Lösungen und passende Geschäftsmodelle, die mit dem Tempo der Konsumenten Schritt halten.

Digitalisierte Prozesskette

Aus diesem Grund hat die Stoffmesse Munich Fabric Start, die vom 5. bis 7. September 2017 in München stattfindet, in Zusammenarbeit mit elf namhaften Kooperationspartnern eine „Microfactory“ aufgebaut. Dort soll gezeigt werden, wie eine ineinandergreifende Lösung vom Entwurf bis zum finalen Kleidungsstück in der Bekleidungsindustrie aussehen kann. Digitalisierung heißt das Zauberwort. In der Bekleidungsindustrie ist die Digitalisierung von Arbeitsschritten bereits in vollem Gange. Jetzt gilt es, die Vorteile nicht nur in einzelnen Phasen der Produktentwicklung zu nutzen, sondern über die gesamte Prozesskette bis hin zum fertigen Produkt. Ein Zukunftsmodell sind deshalb sogenannte Microfactories.

Bis Losgröße 1

Realise now! lautet das Motto der auf der Munich Fabric Start gezeigten „Microfactory 4 Fashion“, die speziell auf die Bedürfnisse der Bekleidungsindustrie maßgeschneidert ist und ganz im Zeichen der Industrie 4.0 stehen wird. Ziel ist es, Bekleidung kostengünstig und effizient zu produzieren – auch bei Losgröße 1. Koordiniert wird die Microfactory von den Deutschen Instituten für Textil- und Faserforschung (DITF). „Die gesamte Textil- und Bekleidungsbranche spricht über Digitalisierung und Industrie 4.0 – vieles ist aber noch Theorie. Wir machen auf der Munich Fabric Start die Praxis erlebbar und zeigen, wie effizient die Umsetzung von Trends und die schnelle Reaktion auf Marktbedürfnisse bereits ab Losgröße 1 sein kann“, sagt Christian Kaiser vom DITF Denkendorf.

In vier Schritten soll der Prozess vom Design zum fertigen Produkt mithilfe der einzelnen Kooperationspartner präsentiert werden:

CAD/DESIGN

Start ist die kreative Gestaltung der Designs durch Mitwill Textile. Die Entwicklung des Designs in CAD erfolgt im Anschluss. Die korrekte Farbgebung wird durch die Verwendung der multispektralen Systeme der Firma Caddon und den damit erstellten digitalen Color-Books gewährleistet. Mit Hilfe einer 3D-Simulation wird das Design für den Zuschnitt und die Konfektion aufbereitet. Zu diesem Zweck werden identifizierende QR-Codes sowie Positionsmarker für die spätere Lageerkennung in den Produktionsauftrag eingebunden. Umgesetzt werden diese Schritte von der Assyst GmbH, einer Tochter der Human Solutions Gruppe, sowie Printcubator by Mitwill.

Printing

Das TexPrint Programm der Firma ErgoSoft ermöglicht die farbverbindliche Aufbereitung der Design-Daten für den Digitaldruck. Anschließend erfolgt der Druck der individuellen Designs auf Transferpapier der Firma Coldenhove durch den Digital-Sublimationsdrucker von Mimaki. Der Thermotransfer auf Kalandern der Marke Heatjet sorgt für ein brillantes Druckbild. Als Systempartner bietet die Firma Multi-Plot Turnkey Solutions für die gesamte Prozessstufe. Die can:view Systeme der Firma Caddon stellen in diesem Kontext zugleich die visuelle sowie die messtechnische Farbkontrolle an allen involvierten Standorten in Echtzeit sicher.

Zuschnitt

Mit Hilfe der identifizierenden Tags wird der Auftrag kameragestützt erkannt. Aufgrund der integrierten Positionsmarker ist eine exakte Lageerkennung möglich und das Material wird gemäß der gewählten Auftragsparameter vollautomatisch zugeschnitten. Dieser Arbeitsschritt erfolgt auf modernsten digitalen Schneidsystemen der Zünd Systemtechnik AG.

Konfektion

Zuletzt werden die einzelnen Komponenten mit Ultraschall-Schweißmaschinen von Pfaff live zu einem fertigen Produkt zusammengefügt.

Anschaulich sollen Messebesucher die Möglichkeit erhalten, das Entstehen eines Bekleidungsstücks Schritt für Schritt zu begleiten und sich vor Ort von der Durchgängigkeit der Prozesse überzeugen zu lassen. Messebesucher können ein eigenes Laufshirt aus Materialien von Schoeller designen und dieses am Ende der Prozesskette fertig genäht in ihren Händen halten.

Foto: Human Solutions Group

Nachhaltige Textilinnovationen: Brennnesselfasern

Angesichts schwindender Ressourcen, die besonders durch Naturfasern wie Baumwolle erschöpft werden, und der Umweltbelastung erdölbasierter Fasern wie Acryl, Polyester, Nylon und Spandex, ist es höchste Zeit, nach nachaltigen Alternativen Ausschau zu halten. In dieser neuen Serie untersucht FashionUnited oft überraschende nachhaltige Alternativen und Textilinnovationen aus der ganzen Welt. Heute geht es um die gemeine Brennnessel, Urtica dioica, eine weit verbreitete Pflanze, die einfach anzubauen ist.

Bereits vor drei Jahren stellte FashionUnited Brennnesselfasern und die deutsche Designerin Gesine Jostvor, die die glänzenden, geschmeidigen Fasern und Stoffe in ihren Kollektionen verwendet. „Man denkt immer, von der Brennnessel halte ich mich lieber fern. Zu Unrecht“, sagt die Designerin, die die Vielseitigkeit des Materials in ihrem Atelier in Düsseldorf durch Pullover, Strickjacken, T-Shirts, Röcke und einen Mantel aus Brennnesselgarn beweist.

Nachhaltige Textilinnovationen: Brennnesselfasern

Nesselfasern und -stoffe sind die Materialien der Zukunft

Seitdem hat sich das Interesse an nachhaltigen Garnen und Alternativen zu Baumwolle weiter intensiviert. „Dieser neue Trend nach Brennnesselfasern wurde von Bedenken über die Umweltbelastung durch die Produktion von Stoffen wie Baumwolle angetrieben. Auf der Jagd nach neuen, umweltfreundlichen Stoffen haben sich Brennnesselfasern bewährt“, bestätigt der Schweizer Anbieter von Nesselfasern und -garnen, SwicoFil.

Dabei bedeutet die Entscheidung, Nesselfasern zur Herstellung von Kleidung zu verwenden, sich wieder auf die Wurzeln zu besinnen, da die Menschen Kleidung aus Brennnesselfasern und -garnen bereits seit 2.000 Jahren tragen; die frühesten Beweise gehen aufs Bronzezeitalter zurück und wurden im dänischen Voldtofte gefunden. Es gibt aber auch Anzeichen der Bekleidungsproduktion aus Nesseln in Skandinavien, Polen, Deutschland, Russland und Schottland, sowie außerhalb Europas. Schließlich findet man zwei der drei Hauptnesselarten zur Faserproduktion - europäische Nessel, Himalaya Nessel und Ramie - in Asien, wobei letztere bereits seit einiger Zeit in China und Japan kommerziell produziert wird.

Nachhaltige Textilinnovationen: Brennnesselfasern

Durch das Aufkommen von Baumwolle und Seide als Konkurrenten der Nessel im 16. Jahrhundert verloren Nesselfasern, -garne und -kleidung bald an Beliebtheit, zudem war Baumwolle damals noch einfacher zu ernten und spinnen. Dank neuer Spinntechniken und Mischzüchtungen verschiedener Pflanzenarten werden jedoch inzwischen Nesselpflanzen mit superhohem Faseranteil gewonnen, die stark, biegsam und vielseiting sind und eine gute Spinnlänge haben.

Nesselkleidung erfuhr im 1. Weltkrieg ein kurzes Comeback, als die deutsche Armee aufgrund eines Baumwollengpasses auf Nesseln umsteigen musste, um daraus Uniformen für ihre Soldaten zu machen. Dies geschah übrigens auch bei der französischen Armee unter Napoleon. Und sie könnten sich wohler gefült haben als Soldaten heute, denn wie Hanffasern funktionieren auch Nesselfasern wie eine natürliche Klimaanlage. Wie ist dies möglich? Nesselfasern sind hohl, wodurch sie innen mit Luft gefüllt sind, was eine natürliche Isolation schafft.

Nachhaltige Textilinnovationen: Brennnesselfasern

Nesselkleidung kühlt im Sommer und wärmt im Winter

Garnhersteller machen von dieser Nesseleigenschaft Gebrauch, indem sie Garnlängen für Sommerkleidung zusammendrehen, um ihre Isolierung zu reduzieren, während sie bei Winterbekleidung nur locker zusammengedreht werden, damit die hohlen Fasern offen bleiben und eine konstante Temperatur erlauben. Ganz schön schlau!

Aber das ist noch nicht alles - Brennnesselfasern sind sehr vielseitig. Und im Gegensatz zu Hanffasern, die wir zuvor vorgestellt haben, gibt es beim Anbau von Nesseln keine Probleme mit dem Gesetz, was die Pflanze zu einer realisierbaren und legalen Marktfrucht gemacht hat. Zudem braucht man wie beim Hanf auch weit weniger Wasser und Pestizide als zum Beispiel beim herkömmlichen Baumwollanbau.

Ray Harwood, Professor für Textiltechnik und Materialforschung einer Gruppe an Leicesters De Montfort University, glaubt, dass Nesselfasern, -garn und -bekleidung die Materialien der Zukunft sind. Er ist am ersten zeitgenössischen britischen Projekt beteiligt, das Brennnesseln als Stoff entwickeln will und passenderweise STING heißt - 'Sustainable Technologies in Nettle Growing'. Die Forscher sind auch eine Partnerschaft mit Camira eingegangen, einem Hersteller von Möbelstoffen, um verschiedene Oeko Tex 100-zertifizierte Nesselstoffe herzustellen.

Nachhaltige Textilinnovationen: Brennnesselfasern

Im Jahr 2004 stellte das Florenzer Modehaus Corpo Nove Jeans mit Nesselgarn vor, die ein großer Hit bei Selfridges waren. Netl, ein holländisches Modelabel, arbeitete mit der nachhaltigen Designerin Rianne de Witte an einer ersten Kollektion in leuchtenden Farben und geometrischen Formen zusammen, die zu 75 Prozent aus Baumwoll- und zu 25 Prozent aus Nesselgarnen gemacht wurde.

Das Unternehmen bezieht die Brennnesseln sogar aus eigenem Anbau und lässt die Kleidung in europäischen Fabriken nähen, die faire Arbeitspraktiken anwenden. Da Nesselfasern und -garne leicht zu beschaffen, gebrauchen und sogar selbst herzustellen sind, werden sie relativ häufig benutzt - sei es kommerziell als Mischgarn mit anderen Fasern oder in reiner Form für hausgemachte Designs.

Zuguterletzt müssen sich nur noch jene beruhigen lassen, die immer noch über das Brennen der Brennnesseln nachdenken. „Man schneidet sie ab und trocknet sie aus, der Druck verschwindet und damit auch das Brennen“, erklärt Harwood. Na dann - her mit den Brennnessel-Kollektionen!

Fotos: Gesine Jost- Kollection via Gesine Jost-Website; Nesselkleid von Leimomi Oakes via thedreamstress.com; Nessel-Großaufnahme von Frank Vincentz via Wikipedia; Nesselstoffe via Camira- Website; Netl-Produkte via tumblr.

Tom Tailor: Sparmaßnahmen lassen Gewinne sprudeln

Die umfangreichen Maßnahmen zur Kosten- und Prozessoptimierung, die der Vorstand des Tom Tailor Konzerns sein einigen Monaten konsequent umsetzt, zahlen sich wohl bereits in barer Münze aus. Wie das Hamburger Modeunternehmen berichtet, konnte der Konzerngewinn im ersten Halbjahr gegenüber dem Vergleichszeitraum 2016 signifikant gesteigert werden, und das bei weitgehend gleichbleibender Umsatzentwicklung. Genau genommen ging der Umsatz infolge der Bereinigung des Produkt- und Filialportfolios sogar leicht um 1,1 Prozent auf 446,3 Millionen Euro zurück. Zugleich stieg jedoch das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) um fast 63 Prozent auf 30,7 Millionen Euro.

Das EBIT verbesserte sich im gleichen Zeitraum um 17,3 Millionen auf 11,8 Millionen Euro. Damit sei die Gesellschaft auf gutem Weg, ihr Zweijahresziel von 30 bis 40 Millionen Euro Kosteneinsparungen zu erreichen, so der Vorstand. „Wir kommen mit unserem Ziel, die Tom Tailor Group wieder auf eine gesunde Basis zu stellen, gut voran“, so der Vorstandsvorsitzende Heiko Schäfer. „Insbesondere im zweiten Quartal haben wir einen ordentlichen Sprung nach vorn gemacht. Unsere Ergebnisse zeigen klar, dass die Maßnahmen zur Neuausrichtung greifen. Unser Fokus liegt neben dem erfolgreichen Abschluss unseres Reset Programms deshalb nun auch in der Vorbereitung und Implementierung von Wachstumsmaßnahmen, wie zum Beispiel dem Ausbau unseres Onlinegeschäfts.“

Bonita: Mehr Gewinn mit weniger Filialen

Was Schäfer besonders freut: Das Unternehmen konnte über alle Vertriebskanäle hinweg einen Umsatzanstieg von 2,9 Prozent auf 306,5 Millionen Euro erzielen. Dabei steigerte der Retail-Bereich den Umsatz um 1,7 Prozent auf 140,2 Millionen Euro, wobei positive Beiträge insbesondere aus dem zweiten Quartal kamen, in dem der Umsatz um zwei Prozent auf 75,4 Millionen Euro zulegte. Die Zahl der eigenen Filialen ging zeitgleich seit Jahresende 2016 infolge der bewussten Schließung nicht profitabler Standorte von 472 auf 462 zurück. Allerdings sank das EBITDA des Retail Segments im Berichtszeitraum leicht auf 2,7 Millionen Euro.

Das Wholesale-Segment legte im ersten Halbjahr sogar um 3,9 Prozent auf 166,3 Millionen Euro zu. Einen besonders kräftigen Schub lieferte auch hier das zweite Quartal mit einem Wachstum von 8,3 Prozent auf 78,8 Millionen Euro und Steigerung des EBITDA-Beitrags von elf auf 20 Millionen Euro.

Großes Sorgenkind bleibt hingegen die Marke Bonita, die auch im ersten Halbjahr 2017 nicht auf die Beine kam und ein Umsatzminus von knapp neun Prozent hinnehmen musste. Dafür verantwortlich seien insbesondere die Reduzierung von Altwaren und der Abverkauf von Warenbeständen der mittlerweile eingestellten Linie Bonita Men, so das Management. Auch die Schließung von über 150 Filialen innerhalb eines Jahres wirkten sich negativ auf das Umsatzvolumen aus. Trotzdem konnte Bonita das EBITDA gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf acht Millionen Euro fast verdoppeln.

Da die nun veröffentlichten zahlen durchaus den Erwartungen entsprechen, bestätigt der Konzernvorstand seine zum ersten Quartal 2017 angepasste Prognose für das laufende Geschäftsjahr. Man gehe weiterhin von einem leichten Rückgang des Konzernumsatzes aus und erwarte gleichzeitig einen „starken Anstieg des berichteten EBITDA gegenüber dem Vorjahr“.

Foto: Tom Tailor

Wolford: Aufsichtsratschefin stürzt sich ins Bietergefecht

Beim österreichischen Modeunternehmen Wolford AG bleibt es spannend. Am Mittwoch verkündete der wirtschaftlich angeschlagene Legwear-Spezialist den nächsten namhaften Abgang: Die Aufsichtsratsvorsitzende Antonella Mei-Pochtler habe ihren Posten mit sofortiger Wirkung niedergelegt, hieß es in einer Meldung aus Bregenz. Bis zur Jahreshauptversammlung am 14. September wird nun ihre bisherige Stellvertreterin Claudia Beermann das Gremium führen. Im Anschluss an das jährliche Aktionärstreffen soll dann ein neuer permanenter Aufsichtsratschef gewählt werden.

Mit dem Ausstieg von Mei-Pochtler, die den Aufsichtsrat seit September 2014 geleitet hatte, setzt sich der personelle Aderlass beim kriselnden Traditionsunternehmen fort. In diesem Jahr hatten bereits Kreativchefin Grit Seymour und CEO Ashish Sensarma den Konzern verlassen.

Doch die frühere Aufsichtsratschefin will Wolford keineswegs den Rücken kehren – ganz im Gegenteil: Mei-Pochtler habe ihren Posten verlassen, „um am laufenden Bieterprozess zu partizipieren“, erklärte das Unternehmen. Der war Anfang Juni gestartet worden, nachdem die bisherige Hauptaktionärsgruppe um die WMP Familien-Privatstiftung, die Sesam Privatstiftung und deren Tochter, die M. Erthal & Co. Beteiligungsgesellschaft m.b.H., angekündigt hatte, ihre Anteile verkaufen zu wollen. Seither ist das Unternehmen auf der Suche nach neuen Eigentümern. Ziel ist es, einen „Kernaktionär“ zu finden und im Rahmen der geplanten Transaktion auch eine Eigenkapitalerhöhung durchzuführen, um die Liquidität des Unternehmens „nachhaltig“ zu stärken.

Seit Anfang Juni sucht Wolford neue Eigentümer

Frisches Geld kann man bei Wolford gut gebrauchen. Am Dienstag veröffentlichte das Unternehmen vorläufige Zahlen für das Ende April abgeschlossene Geschäftsjahr. Demnach stieg der Nettoverlust gegenüber dem Vorjahr um 68 Prozent auf 17,9 Millionen Euro. Das Management hat auf die anhaltend schwachen Zahlen bereits reagiert: Ein umfassendes Sanierungsprogramm soll dafür sorgen, dass im kommenden Geschäftsjahr 2018/19 operativ wieder schwarze Zahlen geschrieben werden.

Darauf setzt auch Mei-Pochtler: „Mit der gemeinsamen Konzeption und dem unmittelbaren Start der Restrukturierungsmaßnahmen, der Absicherung der Finanzierung und der Einleitung eines professionellen M&A-Prozesses sind wichtige Voraussetzungen für eine erfolgreiche Zukunft von Wolford geschaffen worden“, erklärte sie anlässlich ihres Rücktritts vom Aufsichtsratsvorsitz in einer Mitteilung. Offenbar scheinen der gebürtigen Italienerin, die als Senior Partner und Managing Director bei der internationalen Unternehmensberatung Boston Consulting Group tätig ist, die Aussichten nun gut genug zu sein, um selbst auf die Eigentümerseite zu wechseln.

Foto: Wolford Facebook-Page