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Die Luxusindustrie hat 70 Milliarden US-Dollar verloren, nachdem China überhöhte Einkommen ins Visier nimmt

Von Don-Alvin Adegeest

6. Sept. 2021

Business

Bild: Pexels

Lange Zeit wurde von der Volksrepublik China erwartet, dass das Land der weltgrößte Konsument von Luxusgütern wird. Jetzt könnte die Zukunft doch anders aussehen. Der Umsatz mit Luxusgütern stieg dort im vergangenen Jahr um 48 Prozent auf rund 54 Milliarden US-Dollar. Nun sollen überhöhte Einkommen angeglichen und sein nationaler Reichtum gleichmäßiger verteilt werden.

In China klafft derzeit eine der weltweit größten Lücken zwischen Arm und Reich, und die Regierung ist entschlossen, diese Kluft nicht noch größer werden zu lassen.

Die Botschaft kam im Vorfeld des 20. Nationalen Parteikongresses, auf dem Präsident Xi Jinping den „“gemeinsamen Wohlstand“ auf seine Agenda setzte. Die Nachricht schickte den Luxusaktienmarkt auf eine Talfahrt, wobei die LVMH-Aktie um fast 10 Prozent fiel. Gleichzeitig schob sich der Investor und LVMH-CEO Bernard Arnault auf den dritten Platz der Forbes-Liste der reichsten Menschen der Welt.

Auch andere Marken litten. Die Aktie von Kering fiel um 9,47 Prozent, Richemont und Burberry verzeichneten ähnliche Verluste von 6,6 Prozent und 5,51 Prozent respektive.

Eine Analyse des Fachblatts Jing Daily prognostiziert, dass die langfristigen Auswirkungen der Beseitigung der Armut den chinesischen Konsum ankurbeln und das Wirtschaftswachstum fördern werden. Allerdings ist unklar, was „unangemessenes Einkommen“ definiert und welche Folgen es für die Oberschicht und die Superreichen haben wird, wer zur Kasse gebeten wird und wie sie besteuert werden.

Jing Daily zog einen Vergleich: „1991 versuchten die USA einen ähnlichen Ansatz, als Präsident George H. W. Bush Luxussteuern auf teure Güter wie Yachten, Privatflugzeuge, Schmuck und Autos erhob, um das Haushaltsdefizit des Landes zu verringern. Das Gesetz blieb jedoch aufgrund der katastrophalen Auswirkungen auf verschiedene Branchen unvollständig.“ Zwei Jahre später nahm Bill Clinton es aufgrund von Arbeitsplatzverlusten und Gewinnkorrekturen wieder zurück.

Während der Pandemie haben vor allem chinesische Kunden weiterhin europäische Luxusmarken gekauft, weshalb die Investoren in Alarmbereitschaft sind. Chinas wachsende Mittelschicht hat einen Großteil des Luxuswachstums angekurbelt, wobei die „Nachfrage nach Luxus eher mit der Psychologie der wohlhabenden Verbraucher korreliert als nur mit den finanziellen Mitteln“ , kommentierten Analysten der britischen Bank HSBC Chinas Agenda.

In Bezug auf die Einkommensungleichheit „kommt die Luxusnachfrage nicht nur von Blasen hier und da, sondern von Ungleichheiten in der Art des Gini-Koeffizienten“, so HSBC. „Ein gutes Beispiel dafür war die wirtschaftliche Erholung in den USA, wo wohlhabende Einzelpersonen vom Aktienmarkt, den Zweitwohnungsmärkten und dem 'Staycationing' profitierten und mehr Mittel hatten, um Geld auszugeben, und genau das taten sie auch.“

60 Milliarden Euro wurden vom Wert europäischer Luxusaktien vernichtet

Die Beseitigung der Armut sollte ein Ziel jeder Regierung sein, aber die Besteuerung der Vermögensumverteilung ist möglicherweise eine schlechte Nachricht für die Luxusindustrie, so das Wall Street Journal. „Eine kleine Gruppe sehr wohlhabender Personen – nach Schätzungen von Jefferies sind es nur 110.000 – ist verantwortlich für rund ein Viertel aller Luxusumsätze in China, das inzwischen die wichtigsten Käufer der Branche nach Nationalität stellt. Das Risiko höherer Steuern und der Missbilligung durch die Partei könnte diese Umsatztreiber ausbremsen.“

Chinesische Tech-Giganten spüren ein ähnliches Echo und ihre Aktien verloren zeitweise 50 Milliarden US-Dollar an kollektivem Wert durch neu vorgeschlagene Wettbewerbsregelungen in China.

Daten von Bain und Altagamma zeigen, dass China auf dem besten Weg ist, bis 2025 der größte Luxusmarkt der Welt zu werden. Aber, wie Luca Solca, Senior Research Analyst für Luxusgüter bei Bernstein, gegenüber Jing Dailysagte. „Wenn die Chinesen niesen, bekommt der Luxussektor eine Lungenentzündung.“