Erholung der deutschen Industrie gerät ins Stocken

Die deutsche Industrie hat sich den dritten Monat in Folge von dem Produktionseinbruch in der Corona-Krise erholt. Allerdings fiel der Anstieg im Juli deutlich schwächer aus als erwartet. Im verarbeitenden Gewerbe habe die Fertigung im Monatsvergleich um 1,2 Prozent zugelegt, teilte das Statistische Bundesamt am Montag in Wiesbaden mit. Analysten hatten mit einem stärkeren Zuwachs um 4,5 Prozent gerechnet. Nach dem historischen Konjunktureinbruch im zweiten Quartal rechnen Volkswirte unverändert mit einer starken Erholung im dritten Quartal.

Der Anstieg im Juni war allerdings stärker als bisher bekannt ausgefallen. Das Bundesamt revidierte den Zuwachs im Monatsvergleich auf 9,3 Prozent nach oben, nachdem zuvor nur ein Anstieg um 8,9 Prozent gemeldet worden war. In den Monaten März und April war die Produktion wegen der Einschränkungen im Kampf gegen die Corona-Pandemie deutlich gefallen. Seitdem konnte ein Teil des Einbruchs wettgemacht werden.

Vorjahresvergleich: Gesamtherstellung 10 Prozent rückläufig

Dass die Krise immer noch schwer wiegt, zeigt der Jahresvergleich. Gegenüber dem Vorjahresmonat war die Gesamtherstellung im Juli um 10,0 Prozent rückläufig. Das Vorkrisenniveau wird immer noch klar unterschritten: Gegenüber Februar, dem Monat vor Beginn der Einschränkungen, liegt die Gesamtproduktion 10,8 Prozent niedriger.

Juli: Produktionsdaten enttäuschend

Die Produktionsdaten aus dem Juli seien «schon eine ziemliche Enttäuschung», kommentierte Ökonom Jens-Oliver Niklasch von der Landesbank Baden-Württemberg. «Die Erholung der Industrie kommt ins Stocken», sagte Chefvolkswirt Thomas Gitzel von der VP Bank. Immerhin seien die Daten aus der deutschen Autoindustrie «erfreulich» ausgefallen.

Der Ökonom rechnet weiter mit einem «kräftigen Wachstum» der Gesamtwirtschaft im dritten Quartal. Zwar seien die Verbraucher und Konsumenten nach wie vor verunsichert, was den Konsum und die Investitionen belaste. Dagegen sorge die starke konjunkturelle Erholung beim wichtigen Handelspartner China für einen Hoffnungsschimmer. «Die deutschen Unternehmen können zumindest auf Bestellungen aus Asien setzen», sagte Gitzel. (dpa)

Foto: Erwin Lorenzen / pixelio.de

 

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