Einem schwachen ersten Halbjahr zum Trotz will die Optikerkette Fielmann ihr Vorsteuerergebnis in diesem Jahr stabil halten. Der MDax-Konzern bestätigte zur Vorlage seiner endgültigen Halbjahreszahlen die bisherigen Ziele. In den ersten sechs Monaten des Jahres hatten den Hanseaten Wetterkapriolen, höhere Personalkosten und Wechselkursschwankungen insbesondere beim Schweizer Franken zu schaffen gemacht, wie Fielmann am Donnerstag in Hamburg mitteilte. Die Börse reagierte entspannt auf die Zahlen, da der Konzern bereits Ende Juni auf ein rückläufiges Ergebnis eingestellte hatte.

Zwar verkaufte der Konzern im zweiten Quartal mehr Brillen als zu Jahresbeginn und im Vorjahr, doch der frühe Sommer ließ die Kunden vermehrt zu Sonnenbrillen greifen, wie ein Sprecher sagte. An diesen verdient der Konzern weniger als an der klassischen Sehhilfe. Der Umsatz stieg im Quartal um 2,3 Prozent auf 361,6 Millionen Euro. Vor Steuern verringerte sich hingegen das Ergebnis von 63,0 Millionen auf 54,8 Millionen Euro. Unter dem Strich ging der Gewinn auf 37,2 Millionen Euro (Vorjahr: 42,4 Mio Euro) zurück. Im ersten Halbjahr sank er von 83,2 auf 79,5 Millionen Euro.

Fielmann hatte bereits zur Vorlage der vorläufigen Zahlen vor einigen Wochen wegen gestiegener Vergütungen auf um 10 Millionen Euro erhöhte Personalkosten verwiesen. Zudem schlugen Vorlaufkosten für die Expansion nach Italien, sowie Aufwendungen für den Markenauftritt und die Digitalisierung negativ zu Buche. Auch hatten sich für Fielmann im Vorjahr beim Abverkauf Einkaufsvorteile positiver ausgewirkt, die der Konzern durch hohe Lagerbestände erzielt.

Im Frühjahr hatte die Optikerkette den Generationenwechsel in der Konzernführung eingeleitet. Das Unternehmen wird seit April durch eine Doppelspitze aus Gründer Günther Fielmann und dessen 29-jährigem Sohn Marc Fielmann geleitet. Der Juniorchef, nun für das operative Geschäft zuständig, will eigene Duftmarken mit Themen wie Expansion des Konzerns ins Ausland und der Digitalisierung setzen.

Aktuell erwirtschaftet der Konzern den größten Teil seines Umsatzes im Heimatland Deutschland, gefolgt von den Märkten in der Schweiz und Österreich. In Italien will Fielmann in den kommenden drei bis vier Jahren ein Netz von rund 40 Filialen aufbauen. Im ersten Halbjahr eröffnete der Konzern dort zwei neue Geschäfte in Verona und Como, sechs weitere Neueröffnungen sind für die zweite Jahreshälfte geplant.

Fielmann mit mehr als 18 000 Mitarbeitern ist die Nummer eins auf dem Brillenmarkt, vertreibt aber auch Kontaktlinsen und Hörgeräte. Im ersten Halbjahr wuchs die Zahl der Niederlassungen auf 727 (Vorjahr: 711). Für das laufende Jahr rechnet der Konzern neben einem Ergebnis auf Vorjahresniveau (248,6) weiterhin mit einem Wachstum bei Absatz und Umsatz wie 2017. 2017 war der Absatz um 1,5 Prozent gestiegen, der Umsatz um 3,6 Prozent.

Die Fielmann-Aktie legte kurz nach dem Handelsbeginn moderat auf 58,15 Euro zu. Die finalen Daten hätten den vorläufigen entsprochen, sagte ein Händler. Die frühsommerliche Negativbotschaft zum Ergebnis hat das Papier aber noch längst nicht komplett verdaut. Infolge der Nachricht war das Papier binnen weniger Handelstage auf ein Jahrestief bei 54,40 Euro gefallen und hatte damit ein Fünftel seines Wertes eingebüßt. Seitdem hatte die Aktie zwischenzeitlich zwar wieder etwas Auftrieb erhalten, war dann aber wieder zurückgefallen. (dpa)

 

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