Made in Italy-Marken im Fokus der Weihnachtswunschliste von Fonds und industriellen Investor:innen
Das Jahr endet mit zwei bedeutenden Finanztransaktionen. Im Mittelpunkt stehen dabei zwei Made-in-Italy-Marken: Etro und Golden Goose.
Letztere geht an das chinesische Unternehmen Hsg, eine internationale Venture-Capital- und Private-Equity-Gesellschaft. Hsg erwirbt eine Mehrheitsbeteiligung an der Gruppe. Gleichzeitig übernehmen die globale Investmentgesellschaft Temasek sowie ein von deren hundertprozentiger Vermögensverwaltung True Light Capital verwalteter Fonds eine Minderheitsbeteiligung.
Bei Etro hingegen übernimmt ein Konsortium industrieller Investor:innen die bislang von der Familie Etro gehaltene Minderheitsbeteiligung. Das Konsortium besteht aus der türkischen Rams Global, Mathias Facchini von Swinger International sowie dem Banker Giulio Gallazzi über die Sri Group. Die Übernahme erfolgt in Abstimmung mit L Catterton. Der Private-Equity-Fonds bleibt Mehrheitsaktionär und wird die langfristige Wachstumsstrategie der Marke weiterhin aktiv unterstützen.
Beide Nachrichten stammen aus der vergangenen Woche und haben eine vielschichtige Bedeutung für das Gütesiegel „Made in Italy“. Dieses stand in den letzten Monaten bereits unter Kritik. Auslöser waren sowohl mehrere Fälle ausbeuterischer Schwarzarbeit als auch strukturelle Probleme, auf die Branchenverbände aufmerksam machten. Diese fordern unter anderem einen besseren Schutz und eine stärkere Verteidigung italienischer Marken gegenüber der Fast-Fashion-Industrie.
Betrachtet man das Glas als halb voll, zeugen die beiden Transaktionen von der anhaltenden Anziehungskraft italienischer Marken. Trotz ihrer unterschiedlichen Ausgangslagen unterstreichen sie die Fähigkeit von Designer:innen und Kreativteams, einen langlebigen Markentraum zu schaffen – und diesen durch Kreativität und handwerkliches Können weiterzuentwickeln.
Sieht man das Glas hingegen als halb leer, ist die Entwicklung bedauerlich. Die Eigentumsverhältnisse von Made-in-Italy-Labels verändern sich zunehmend und überschreiten immer häufiger die Landesgrenzen. Die Geschichte solcher Übernahmen ist lang, und von Jahr zu Jahr wächst die Liste italienischer Marken, die in europäische oder asiatische Hände übergehen. Parallel dazu nimmt die Zahl der Gründerfamilien zu, die keine Anteile mehr an dem Unternehmen halten, das ihren Namen trägt.
Die Geschichte von Etro reicht bis in die späten 60er-Jahre zurück
Etro ist eine historische italienische Marke – genauer gesagt eine zutiefst mailändische. Sie wurde 1968 in Mailand von Gerolamo „Gimmo“ Etro gegründet. Der gebürtige Mailänder begann seine Tätigkeit als Hersteller hochwertigster Stoffe. Der stilistische Wendepunkt kam 1981, als er das Paisley-Muster einführte: ein tropfenförmiges Design mesopotamischen Ursprungs, das zur unverwechselbaren visuellen Identität der Marke wurde.
In den 1980er- und 1990er-Jahren expandierte das Unternehmen vertikal. Zunächst wurden Lederwaren eingeführt, gefolgt vom Launch der Home-Linie und dem Debüt von Düften. Schließlich etablierte sich die Ready-to-wear-Linie unter der Leitung von Gimmos vier Kindern Kean, Veronica, Jacopo und Ippolito.
Über Jahrzehnte hinweg blieb Etro ein reines Familienunternehmen. Um den Herausforderungen der Globalisierung und des Generationenwechsels zu begegnen, entschied sich die Familie jedoch für die Aufnahme eines Finanzpartners. 2021 erwarb der Private-Equity-Fonds L Catterton, an dem der Luxuskonzern LVMH sowie die Familie Arnault beteiligt sind, die Mehrheit der Anteile.
Die Familie Etro behielt zunächst rund 32,8 Prozent. Mit der in der vergangenen Woche angekündigten Transaktion ist die Gründerfamilie nun nicht mehr am Unternehmen beteiligt. Der Anteil von Gefin, der Finanzgesellschaft der Familie Etro, geht an ein Investor:innenkonsortium über, bestehend aus Rams Global, Mathias Facchini von Swinger International und Giulio Gallazzi über die Sri Group. L Catterton bleibt Mehrheitsaktionär:in und wird die langfristige Wachstumsstrategie der Marke weiterhin aktiv unterstützen. Rothschild & Co begleitete die Transaktion als Berater:in für das Unternehmen sowie für die beiden Aktionär:innen Gefin und L Catterton.
Golden Goose wurde 2000 in Venedig gegründet
Die Geschichte von Golden Goose reicht hingegen „nur“ in 2000 zurück. Golden Goose Deluxe Brand wurde in Venedig von Alessandro Gallo und Francesca Rinaldo gegründet. Das kreative Duo verfolgte die Idee, venezianische Handwerkskunst mit einer Street- und Distressed-Ästhetik zu verbinden. Mit dem charakteristischen Used-Look verwandelten sie den Sneaker von einem Sportschuh in ein Luxusobjekt.
2013 übernahm der italienische Fonds Dgpa die Kontrolle über die Marke. Zwei Jahre später ging sie an den belgischen Fonds Ergon Capital über. 2017 wurde das Unternehmen von der Carlyle Group für rund 400 Millionen Euro übernommen. 2020 erwarb Permira die Marke für knapp 1,28 Milliarden Euro.
Im Juni 2024 stand Golden Goose kurz vor dem Börsengang an der Borsa Italiana, der Euronext Mailand. Aufgrund der Volatilität der europäischen Märkte wurde das Vorhaben jedoch verschoben und entwickelte sich zu einem der meistbeachteten Finanzereignisse des Jahres.
Am 19. Dezember gab die Golden Goose Group S.p.A. bekannt, dass Hsg eine Mehrheitsbeteiligung an der Gruppe erwerben wird. Gleichzeitig werden Temasek sowie ein von True Light Capital verwalteter Fonds eine Minderheitsbeteiligung übernehmen.
Die finanziellen Bedingungen der Transaktion wurden nicht veröffentlicht. Marktquellen beziffern den Wert der Operation jedoch auf rund 2,5 Milliarden Euro. Der Abschluss wird bis zum Sommer 2026 erwartet.
Silvio Campara wird die Gruppe weiterhin als Chief Executive Officer (CEO) führen und dabei vom bestehenden Managementteam unterstützt. Marco Bizzarri, derzeit nicht geschäftsführendes Mitglied des Verwaltungsrats von Golden Goose, wird den Vorsitz als nicht geschäftsführender Chairman übernehmen.
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