Otto-Chef Birken: Mit klassischen Werten gegen den Turbo-Kapitalismus

Alexander Birken, Chef der Otto Group, macht sich anscheinend ernsthafte Sorgen über Fairness und Anstand im Zuge der Digitalisierung des Handels.

„Die Disruption der Märkte darf nicht dazu führen, dass diese Werte weniger wichtig werden", warnte der Manager in einem Interview mit der Fachzeitschrift Textilwirtschaft. Sein Unternehmen sei „der letzte der großen früheren Katalogversender, der sich im digitalen Handel eine gewichtige Stellung erarbeitet hat“.

Vor allem im dramatisch wachsenden Segment der Marktplätze sieht der Birken derzeit schwerwiegende Fehlentwicklungen. Er nennt Beispiele, aber keine Namen. Dass er dabei vor allem über Amazon und den chinesischen Online-Riesen Alibaba sprechen dürfte, ist dennoch offensichtlich – zumal er von „großen, börsennotierten Playern aus den USA oder China“ spricht. Otto wolle sich mit unternehmerischer Verantwortung und einem „europäischen Wertekanon" von derlei Wettbewerbern abheben.

„Verantwortung gegenüber der Gesellschaft“

„Wir können versichern, dass wir auf unseren Plattformen nicht die erfolgreichsten Produkte von Marktplatz-Partnern kopieren und unter eigenem Label verkaufen", so Birken über die Unternehmen seiner Gruppe. Er könne versichern, „dass wir dauerhaft mit verlässlichen Konditionen arbeiten und nicht die Daumenschrauben anziehen, wenn ein Partner etwa über Otto.de so viel Umsatz macht, dass er eigentlich nicht mehr ohne uns leben kann", sagt Birken und spricht damit ein Problem an, das vor allem Amazon-Partner immer wieder beklagen.

Besonders achten sollen die unter dem Dach der Otto Group versammelten Unternehmen daher auf die Nachhaltigkeit und die Herkunft der angebotenen Produkte: „Wenn anderswo Millionen fragwürdiger Lieferungen aus Asien gehandelt werden, für die offensichtlich weder Mehrwertsteuer noch Zoll bezahlt wurden, werden wir das nach Kräften ausschließen" – was wohl vor allem gegen Alibaba ging. Unternehmen hätten eine Verantwortung gegenüber der Gesellschaft, den Mitarbeitern und der Umwelt. „Und wir geben unsere Verantwortung nicht an der Garderobe der Digitalisierung ab“, so Birken.

Wie genau der angesprochene „europäische Wertekanon“, nach dem sich Otto richten will, klingt, führte der Konzernchef hingegen nicht näher aus. Auch die angemahnte gesellschaftliche Verantwortung, sollte diese über die gesetzlichen Steuerpflichten hinausgehen, wurde von Birken nicht näher thematisiert.

Foto: Alexander Birken / Otto Group