Der Rekordlauf des Sportartikelherstellers Puma hat am Aktienmarkt jüngst einen Dämpfer erhalten. So befürchten Experten, dass der Ausbruch des Coronavirus in China die Geschäfte zumindest kurzfristig bremsen könnte. China ist einer der wichtigsten Märkte für Puma. In den vergangenen Jahren war das Unternehmen rasant gewachsen. Was in dem Unternehmen los ist, was Analysten sagen und was die Aktie macht.

Lage bei Puma:

Zweistellige Wachstumsraten, steigende Gewinne, prestigeträchtige Ausrüsterverträge - eigentlich läuft nahezu alles ganz nach dem Gusto des Vorstandschefs Björn Gulden. In diesem Jahr finden olympische Spiele sowie die Fußballeuropameisterschaft statt - Garanten für weiteres Wachstum. Doch bauen sich Wolken am Horizont auf, die die rasante Entwicklung merklich trüben könnten. Führt der Zollstreit zwischen den USA und China zunehmend "zu einem gewissen Druck auf der Beschaffungsseite", wie Gulden zuletzt einräumte, bedroht nun auch das Coronavirus das Wachstum.

China ist für Puma ein wichtiger Markt - in zweierlei Hinsicht. Das Land ist ein wichtiger Produktionsstandort für das Unternehmen. Als Reaktion hat Puma bereits Kapazitäten in andere Länder verlagert, was die Kosten erhöht. Preiserhöhungen hatte Gulden zuletzt nicht ausgeschlossen. Das Management ging aufgrund des Kostenanstiegs davon aus, dass die US-Zölle auf Importe aus China im vierten Quartal erstmals das Geschäft belastet haben dürften.

Zum anderen ist China aber auch ein wichtiger Absatzmarkt. Geschätzt über 15 Prozent des Umsatzes erwirtschaftet Puma dort. Bei Puma war der chinesische Markt im dritten Quartal 2019 neben Nordamerika der wichtigste Wachstumstreiber. Zudem ist China der profitabelste Markt. Der Ausbruch des Coronavirus mit zehntausenden Fällen und fast 2000 Toten hat das öffentliche Leben in dem Land teilweise lahmgelegt: So verfügte die Regierung Reisebeschränkungen sowie die Einstellung von Teilen des öffentlichen Verkehrs, was die Kauflust bremst. Die großen Sportartikelkonkurrenten Nike und Adidas teilten bereits mit, dass ein beträchtlicher Anteil ihrer Läden vorübergehend geschlossen blieben.

So werden Analysten daher vor allem auf Aussagen zum Coronavirus und dessen Auswirkungen auf die Prognose für das laufende Jahr achten, wenn Puma an diesem Mittwoch (19.2.) Zahlen für das vergangene Jahr vorlegt. Beim operativen Gewinn (Ebit) geht das Unternehmen für 2019 von 420 bis 430 Millionen Euro aus und peilt ein währungsbereinigtes Umsatzwachstum von rund 15 Prozent an.

Das sagen Analysten:

Marktexperten sind gegenüber Puma trotz der Virussorgen weiterhin positiv gestimmt. So überwiegen die Kaufempfehlungen für die Aktie. Dabei gehen die Analysten von einer starken Entwicklung 2019 aus, auch im vierten Quartal dürfte sich Puma vergleichsweise gut entwickelt haben. Den Ausblick erwarten sie jedoch konservativ, wobei das schon eine gute Tradition bei Puma ist.

Philipp Frey von Warburg Research hält dabei die Konsensschätzung des Marktes für das Ebit für 2020 für zu hoch. Dabei merkt er jedoch an, dass dies auch zu Beginn des vergangenen Jahres bei Pumas ursprünglicher Prognose ebenfalls der Fall gewesen sei - das Management hatte die Ziele für 2019 jedoch im Verlauf angehoben.

Risiken durch das Coronavirus erwartet Christian Salis von Hauck & Aufhäuser. Dabei sieht er diese vor allem auf der Absatzseite, auch er befürchtet eine sinkende Verbraucherstimmung in China. Die Unterbrechungen der Geschäfte fielen in das chinesische Neujahrsfest, traditionell für Einzelhändler ein wichtiger Umsatzzeitraum. Die Sportartikelhersteller sind in dem Land vor allem mit eigenen Läden vertreten.

Auf der Absatzseite sieht Frey dagegen lediglich begrenzt Probleme für die Branche. So spiele China eine nachgelagerte Rolle verglichen mit Vietnam oder Kambodscha, notierte er.

Die Bank of America geht für das Geschäft 2020 von Risiken aus. Auch Analyst David Holmes stellte die durchschnittlichen Margenziele des Marktes in Frage. So sieht er den starken Dollar als Hemmnis - Puma verbucht die Kosten überwiegend in der US-Währung. Zudem dürften sich seiner Ansicht nach die US-Zölle zunehmend negativ bemerkbar machen. Allerdings verwies auch er darauf, dass Puma traditionell konservative Prognosen mache und diese in den vergangenen zwei Jahren übertroffen hatte.

DAS MACHT DIE AKTIE:

Die vergangenen Jahre kannten bei Puma nur einen Weg: nach oben. Der Puma-Kurs sprang von einem Rekord zum anderen, 2019 lag das Kursplus bei rund 60 Prozent. Der Mittelwerteindex MDax legte im gleichen Zeitraum um die Hälfte zu. Noch Ende Januar erreichte die Aktie einen neuen Höchststand von 79 Euro. Danach war es mit dem Rekordlauf jedoch vorbei.

Mit Aufkommen der Sorgen um das Coronavirus und seine Auswirkungen auf die Wirtschaft ging es jedoch stetig bergab. Die Aktie rutschte ab, aktuell notiert das Papier bei gut 72 Euro. Seit Jahresbeginn liegt der Kurs dennoch mit rund 6 Prozent im Plus. (dpa)

 

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