Rückzug von LVMH treibt Tiffany-Anleger in die Flucht

Das nächste Frühstück bei Tiffany könnte für die Anleger mager ausfallen. Möglicherweise müssen diese entgegen anderer Planung kleinere Brötchen backen, weil die Übernahme des Edeljuweliers durch den Luxusgüterkonzern LVMH zu platzen droht. Nach einer Reihe von Vorkommnissen sieht sich LVMH aus heutiger Sicht nicht in der Lage, den Zukauf wie geplant durchzuführen, wie der Konzern in Paris mitteilte.

Während die LVMH-Aktien mit einem knappen Gewinn von 0,1 Prozent an der Pariser Börse nur dürftig auf diese Entscheidung reagierten, sackten die Tiffany-Aktien in New York um zehn Prozent auf 110 US-Dollar ab. Dass Tiffany die Übernahme nun per Klage durchsetzen will, half den Aktien somit nicht. Sie erreichten ein Tief seit Mitte März und näherten sich wieder dem Niveau vom Oktober 2019, als erste Spekulationen über den Deal laut wurden. Davor waren die Papiere noch zu etwa 100 Dollar gehandelt worden.

Als Streitpunkt gelten Verzögerungen beim Abschluss der Transaktion sowie die laufenden Handelskonflikte mit den USA. Analyst Michael Pohn von der DZ Bank verwies darauf, dass die USA mit Strafzöllen auf französische Wareneinfuhren drohen, wovon LVMH nach der Übernahme in erheblichem Umfang betroffen wäre. Er hält es aber auch für möglich, dass die Corona-Krise eine Rolle spielt. Diese rücke die ursprünglich von ihm als angemessen bezeichnete Bewertung der Juwelierkette in dem Deal in ein völlig anderes Licht.

In einer nun drohenden rechtlichen Auseinandersetzung sieht Pohn das Ergebnis als ungewiss an. Für sehr wahrscheinlich hält er eine außergerichtliche Einigung mit einer Zahlung von LVMH an Tiffany, die aber geringer ausfallen dürfte als der vorgesehene Bewertungsaufschlag. Eine Minderung des Übernahmepreises schätzt der Experte als eher unwahrscheinlich ein. Ein dafür erforderlicher Verzicht auf die US-Strafzölle sei zumindest bist Januar 2021 nicht realistisch. (dpa)

Cindy Ord / Getty Images North America / Getty Images via AFP

 

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