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Handel fordert im Bundestagswahljahr Stärkung der Kaufkraft

Wahljahre sind Zahljahre, zumindest war das in der Vergangenheit eine verlässliche Mechanik der bundesdeutschen Politik. Kurz vor der Bundestagswahl wird seitens der Regierenden gerne das eine oder andere kleine Geldgeschenk an diejenigen Wählergruppen verteilt, von denen man sich die meisten Stimmen erhofft. Egal ob bei Steuern, Renten oder Sozialleistungen, der Staat wird plötzlich zum Wohltäter.

Doch in diesem Jahr soll alles anders sein: Obwohl die Bundesrepublik 2016 einen Haushaltsüberschuss in Milliardenhöhe erwirtschaftet hat, will Finanzminister Wolfgang Schäuble keine Steuererleichterungen versprechen. Auch ein Konjunkturprogramm, wie von vielen Wirtschaftsexperten gefordert, soll es in diesem Jahr nicht geben. Stattdessen will die Bundesregierung lieber Verbindlichkeiten abbauen und den Haushalt konsolidieren.

Dass der Steuerzahler so gar nicht von den überraschend guten Entwicklungen profitieren soll, ruft nun jedoch den Einzelhandel auf den Plan, der um die Stärke der Kaufkraft besorgt ist. Schließlich haben die Verbraucher aufgrund der aktuellen Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank bei gleichzeitig anziehender Inflation immer weniger Geld zur Verfügung, was – so die Befürchtungen des Handels – zumindest mittelfristig zu einer Negativentwicklung bei der Kaufkraft führen könnte.

Änderung der Regierungspläne unwahrscheinlich

„Der gut laufende Konsum stützt die gesamte Volkswirtschaft. Damit das auch in Zukunft so bleibt, muss die Politik die Kaufkraft der Verbraucher stärken“, so der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands HDE, Stefan Genth. Dafür müssten insbesondere Privathaushalte und Bezieher niedriger Einkommen entlastet werden.

Genth fordert, dass die Steuerzahler an den Überschüssen des Staates teilhaben können müssen. „Die Politik sollte jetzt die unteren Einkommensbereiche entlasten, den Mittelstandsbauch auf den Prüfstand stellen und eine Entlastung bei den Sozialabgaben angehen“, so Genth weiter. Darüber hinaus sollten die Verbraucher über eine gerechtere Verteilung der Kosten für die Energiewende weitere finanzielle Spielräume bekommen.

Für die Handelsunternehmen seien vor allem gesetzliche Rahmenbedingungen, die für einen fairen Wettbewerb zwischen allen Marktteilnehmern sorgen, von großer Bedeutung. Von einem funktionierenden Wettbewerb profitieren über günstige Preise schließlich am Ende auch die Verbraucher. Genth ist sich sicher: „Ein funktionierender Wettbewerb ist Voraussetzung für Wachstum und gesellschaftlichen Wohlstand.“

Dass Genths Forderungen bei der Bundesregierung auf offene Ohren stoßen, darf allerdings bezweifelt werden. Minister Schäuble hat sich nämlich bereits auf eine Fortsetzung des bisherigen Sparkurses festgelegt und scheint nicht gewillt zu sein, von seinen Plänen abzurücken. Dabei würde gerade dem Modehandel ein wenig mehr Schwung gut tun.

Foto: Dr. Klaus-Uwe Gerhardt / pixelio.de

BSI warnt vor Trojanern in "mindestens 1.000 deutschen Online-Shops"

Bedenken hinsichtlich der Datensicherheit im Internet sorgen bei vielen deutschen Verbrauchern für eine gewisse Skepsis gegenüber dem Online-Handel. Unberechtigt sind diese Sorgen offenbar nicht. Anfang der Woche schlug das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) Alarm: Die in Bonn ansässige Behörde erklärte, ihr lägen Informationen vor, denen zufolge „aktuell mindestens 1.000 deutsche Online-Shops von Online-Skimming betroffen sind“.

Verantwortlich sei eine veraltete Version der beliebten Shopsoftware Magento, erklärte das BSI. Die enthalte Sicherheitslücken, durch die sogenannte Trojaner eingeschleust worden seien. Die Schadsoftware spähe „beim Bestellvorgang die Zahlungsinformationen der Kunden aus“ und übermittele sie an die Täter. Für die betroffenen Nutzer seien diese Vorgänge nicht unmittelbar erkennbar. Wie viele Verbraucher bereits betroffen sind, konnte die Behörde nicht mitteilen. „Über den Umfang der über diese Angriffe bereits abgeflossenen Zahlungsdaten liegen dem BSI zur Zeit keine Erkenntnisse vor“, heißt es in einer Mitteilung.

BSI-Präsident Schönbohm: "Viele Betreiber handeln bei der Absicherung ihrer Online-Shops sehr nachlässig"

Die Behörde kritisierte das mangelnde Sicherheitsbewusstsein vieler deutscher Online-Händler, die bereits im vergangenen September auf die entsprechenden Probleme hingewiesen worden waren: Obwohl sie gesetzlich dazu verpflichtet seien, „ihre Systeme nach dem Stand der Technik vor Angriffen zu schützen“, hätten zahlreiche Shop-Betreiber nicht die nötigen Maßnahmen ergriffen, um die Trojanerattacken zu verhindern.

„Aktuellen Erkenntnissen zufolge wurde diese Infektion von vielen Betreibern bis heute nicht entfernt oder die Server wurden erneut kompromittiert“, erklärte das BSI. „Die von den Angreifern ausgenutzten Sicherheitslücken in Magento wurden von den Shop-Betreibern trotz vorhandener Softwareupdates offenbar nicht geschlossen.“ Aufgrund dieser Nachlässigkeiten sei „die Anzahl aktuell bekannter betroffener Online-Shops in Deutschland auf mindestens 1.000 angestiegen“, teilte die Behörde mit.

Auch BSI-Präsident Arne Schönbohm beklagte das mangelnde Problembewusstsein unter deutschen E-Commerce-Anbietern: „Leider zeigt sich nach wie vor, dass viele Betreiber bei der Absicherung ihrer Online-Shops sehr nachlässig handeln. Eine Vielzahl von Shops läuft mit veralteten Software-Versionen, die mehrere bekannte Sicherheitslücken enthalten“, erklärte er und ließ einen deutlichen Apell folgen: „Die Betreiber müssen ihrer Verantwortung für ihre Kunden gerecht werden und ihre Dienste zügig und konsequent absichern.“

Foto: Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik
Miss Sixty kehrt auf den deutschsprachigen Markt zurück

Nach einem Rückzug im Jahr 2012 kehrt die italienische Modemarke Miss Sixty mit einem Neueintritt in den Märkten Deutschland, Österreich, Schweiz und Benelux nach Westeuropa zurück. Pünktlich zur Herbst/Winter-Saison 2017/18 bringt die Vertriebsagentur CP Fashion sie unter der Leitung von Reinhart und Eric Oberstein zurück.

„Der Denim-Markt stagniert. Besonders die weiblichen Endverbraucher sind auf der Suche nach neuen, modischeren Styles. Genau hier sehen wir die Chancen von Miss Sixty“, erklärt Oberstein und fügt hinzu, dass die Marke sich erwachsener und feminin präsentieren will.

Dazu verfolgt die Kollektion drei Themen: „Fashion Collection“ für eine legere Grundausstattung, „Denim Grid“ für neu interpretierte Denim-Klassiker und die Sonderkollektion „Angel Collection“, die auf aufwendige Stickereien setzt. Die Preise reichen von 49 und 89 Euro für Oberteile, 89 bis 259 Euro für Hosen, 129 und 199 Euro für Kleider und 69 bis 269 Euro für Strickwaren.

Miss Sixty-Comeback umfasst DACH und Benelux

Das Comeback von Miss Sixty auf den deutschsprachigen Markt und die Benelux-Länder geschieht über ein Jahr nachdem die Sixty Group die Marke in Italien, Großbritannien und Frankreich neu einführte. Außer brandneuen Filialen bekam sie hier auch ein neues Image und eine bessere Marktpositionierung.

Das 1991 gegründete Label, das zur Sixty Group gehört, hatte sich ab 2014 aus dem europäischen Markt zurückgezogen, um sich stärker auf seine Geschäfte in Asien zu konzentrieren und Filialen in Städten wie Shanghai, Peking und Hongkong aufzubauen.

Die Sixty Deutschland GmbH hatte bereits Ende 2012 den Großhandelsvertrieb für die Marken Miss Sixty, Energie, Killah, Murphy & Nye und Refrigiwear eingestellt. Kurz davor war die Sixty Group vom chinesischen Investor Crescent Hyde Park übernommen worden und war ausschließlich auf dem amerikanischen und osteuropäischen Markt präsent.

Foto: Miss Sixty Website
COS expandiert weiter

Die zum schwedischen Bekleidungskonzern H&M gehörende Modemarke COS setzt ihre internationale Expansion mit einer Ausweitung ihres Einzelhandelsnetzes fort: Mit einem ersten Flagshipstore in Kuala Lumpur ist das Unternehmen jetzt auch in Malaysia vertreten und übertrifft damit sogar die Muttermarke.

Der Flagshipstore in der malaysischen Hauptstadt erstreckt sich über zwei Etagen und befindet sich im Pavilion Elite, einer Erweiterung des bekannten Einkaufszentrums Pavilion KL. Er wurde am 16. Dezember eröffnet und bietet Kunden die komplette Bandbreite der Damen- und Herrenkollektionen der Marke.

“Wir freuen uns sehr, die Eröffnung unseres Geschäfts in Malaysia bekannt geben zu können. Die Eröffnung unseres ersten Geschäfts in Kuala Lumpur stellt eine aufregende Phase unserer Expansion in Asien dar und wir hoffen, in diesem Markt auch zukünftig weiter zu wachsen”, sagte COS-Geschäftsführerin Marie Honda.

COS, kurz für 'Collection of Style', wurde 2007 vom Mutterkonzern H&M ins Leben gerufen, um mit klassischen, zeitlosen Kleidungsstücken eine Zielgruppe zu erreichen, die über eine größere Kaufkraft verfügt als die Hauptmarke H&M. Bereits zwei Jahre später trat COS auf den spanischen und US-amerikanischen Markt und expandiert seitdem fleißig weiter; 2011 wurde der Onlinestore cosstores.com eingeführt. Inzwischen betreibt die Marke 197 Filialen in 34 Ländern in Europa, Asien, Nordamerika, Nahost und Australien.

Foto: COS x Agnes Martin, COS
Die Lieblingsmarken der Deutschen: Adidas und Nike Kopf an Kopf

STUDIEMarken sind auch eine emotionale Angelegenheit. Welche Labels die Deutschen aktuell besonders sympathisch finden, hat das Umfrageinstitut Forsa im Auftrag der Agentur Brandmeyer Markenberatung ermittelt. Demnach teilen sich zwei Sportartikler den Titel der „Lieblingsmarke der Deutschen“. Bei den jüngeren Verbrauchern sind die Kräfteverhältnisse in der Beliebtheitsrangliste eindeutiger.

Auf die Frage nach ihrer „absoluten Lieblingsmarke“ nannten 1.928 der insgesamt 3,052 Befragten einen klaren Favoriten. Von ihnen entschieden sich jeweils 7,3 Prozent für Adidas oder Nike. Damit liegen die beiden Marken gleichauf an der Spitze. Die US-Marke konnte demnach einigen Boden auf das deutsche Traditionslabel gutmachen: Bei der letzten Befragung 2014 lag Adidas mit 6,8 Prozent noch unangefochten in Führung, Nike belegte mit 4,5 Prozent den dritten Platz hinter dem Autohersteller BMW (4,9 Prozent). In der aktuellen Befragung landete BMW mit 6,5 Prozent auf dem Bronzerang.

Nike ist bei den Unter-30-Jährigen klarer Spitzenreiter

Dass Nike seine Beliebtheit so deutlich steigern konnte, lag vor allem an den Vorlieben der jüngeren Verbraucher. Bei den Befragten unter 29 Jahren dominierte das US-Label klar (19,0 Prozent). Adidas (8,8 Prozent) und Apple (8,0 Prozent) folgten mit großem Abstand. Unter den Teenagern (14 bis 17 Jahre) ist die Dominanz sogar noch ausgeprägter: Hier führt Nike mit 34,1 Prozent vor H&M (13,2 Prozent) und Apple (11,1 Prozent). Adidas liegt in dieser Altersgruppe nur auf Rang vier (7,7 Prozent). Spitzenreiter ist die US-Marke auch bei den befragten Frauen (7,5 Prozent), während bei den Männern weiterhin Adidas die Nase vorn hat (8,6 Prozent).

Ältere Verbraucher schätzen deutsche Automobilhersteller

Unter den Lieblingsmarken der Deutschen finden sich besonders viele Marken aus der Bekleidungs- und Sportartikelbranche. 39 Prozent der Befragten, die einen klaren Favoriten nannten, entschieden sich für ein Label aus diesem Segment. Es folgen Automobilhersteller (26 Prozent) sowie Elektronik- und Lebensmittelmarken mit jeweils 12 Prozent. Hinter dem Spitzentrio komplettieren Mercedes (Benz), Apple, VW, Audi, Esprit, Alnatura und Samsung die Top Ten der Deutschen aller Altersgruppen. Deutsche Automarken erfreuen dabei vor allem bei den Über-60-Jährigen großer Wertschätzung: In dieser Altersgruppe bilden BMW (10,8 Prozent), Mercedes (Benz) (9,7 Prozent), Audi (5,0 Prozent) und VW (4,0 Prozent) das Spitzenquartett.

Foto: Adidas AG
Tmall: importierte Produkte machen fast 50 Prozent aus

Tmall, die globale E-Commerce-Plattform des chinesischen Internetriesen Alibaba, konnte im vergangenen Jahr die Anzahl der angebotenen Kategorien importierter Produkte auf fast 50 Prozent oder 3700 steigern.

Mehr als 14.500 internationale Marken aus 63 Ländern und Regionen der Erde nutzen derzeit Tmall Global, um ihre Produkte zu verkaufen, so Alibaba. Für mehr als 80 Prozent von ihnen ist die internationale Plattform der erste Vorstoss auf den chinesischen Markt.

“Mit diesem Fluss an Informationen… haben alle Hersteller und Marken unabhängig von ihrer Größe die gleichen Chancen, auf den Verbrauchermarkt zu treten, solange ihre Produkte gut sind und sie einen guten Service bieten”, bestätigte Daniel Zhang, Geschäftsführer der Alibaba Group, auf einem Gipfeltreffen zur Unterstützung des internationalen E-Commerce in Hangzhou letzte Woche.

Alibaba will Tmall zur elektronischen Welthandelsplattform machen

Jack Ma, Gründer und Vorsitzender der Alibaba Group, visiert den Aufbau einer übergreifenden elektronischen Plattform für den Welthandel (eWTP) an, die das Internet nutzen würde, um Handelsgrenzen abzuschaffen und es kleinen und mittelgroßen Unternehmen zu erlauben, einfacher am Welthandel teilzunehmen.

Angesichts einer hohen nationalen Sparquote und einer Generation von Verbrauchern, die mehr verfügbares Einkommen hat als je zuvor, ist China daran gelegen, den Konsum weiter anzukurbeln, um seine Wirtschaft voranzutreiben.

Und die chinesischen Verbraucher verlangen bereits nach Artikeln aus dem Ausland; ein Zustand, der auch weitherhin zunehmen wird. Laut Chinas Handelsministerium reisten 120 Millionen Chinesen im letzten Jahr ins Ausland und gaben dort 216 Milliarden US-Dollar (205 Milliarden Euro) aus. Sollten sie jedoch über Plattformen wie Tmall Global in der Lage sein, ausländische Produkte auch im eignen Land zu erstehen, wird ein Teil dieser Ausgaben in China bleiben, hofft Alibaba.

Für internationale Marken ist Tmalls Kundenprofil sehr attraktiv: über 70 Prozent von ihnen sind zwischen 24 und 32 Jahre alt, gehören der Mittelklasse an und verfügen über ein durchschnittliches Jahreseinkommen von über 100.000 Yen (knapp 14.000 Euro). Die meisten von ihnen wohnen in Großstädten wie Peking, Shanghai, Guangzhou und Shenzhen.

Die beliebtesten Produkte auf Tmall Global spiegeln das Konsumverhalten dieser Zielgruppe wider: Unterwäsche von Victoria’s Secret, Schweizer Preiselbeeren, Aufbaupräparate aus Australien, Manuka-Honig aus Neuseeland, Hautpflegeprodukte der japanischen Marke Matsumoto Kiyoshi, Milch der deutschen Supermarktkette Metro und Olivenöl des britschen Einzelhändlers Sainsbury’s.

Foto: Tmall Website
Amazon investiert weitere 283 Millionen Euro in Indien

Konkurrenz belebt das Geschäft und im Fall von Amazon Indien die Investitionen: der indische Arm des US-Internetriesen hat jüngst mit 20,1 Milliarden Rupien (283 Millionen Euro) die bis jetzt größte Finanzspritze in seine indischen Geschäfte gesteckt; in den letzten Monaten sogar 70 Milliarden Rupien (über 986 Millionen Euro) und das alles, um den Rivalen Flipkart von der Spitzenposition des am schnellsten wachsenden Onlinemarkts der Welt zu stossen.

Insgesamt war es ein Jahr der aggressiven Expansion für Amazon in Indien, hat das Unternehmen doch in eine Reihe weltweiter Programme investiert, darunter der "Prime Abo-Service", der Kunden die Lieferung in einem oder zwei Tagen garantiert sowie früheren Zugang zu speziellen Angeboten. Vor einigen Tagen stellte Amazon auch Prime Video vor, ein neues Programm, für das das Unternehmen mit einer Reihe von Verfassern von Inhalten zusammenarbeitet.

Amazon, Jeff Bezos' Unternehmen, das den Online-Marktplatz Amazon.in betreibt, soll allein im Oktober angesichts der Feiertage geschätzte 140 Millionen Euro bei seinem Versuch verloren haben, Kunden mit Sonderangeboten und Rabatten zu locken. Jeden Monat (in dem es keinen Ausverkauf gibt) verliert das Unternehmen aus Seattle fast 85 Millionen Euro und wird allein in Indien in diesem Jahr 1 Milliarde US-Dollar dafür ausgeben, seine indischen Rivalen auszustechen.

Laut einem Sprecher von Amazon India wird das Unternehmen hier das investieren, was nötig ist, um zur bevorzugten Wahl der Kunden in Indien zu werden; im März dieses Jahres war noch von umgerechnet 175 Millionen Euro die Rede gewesen. All dies folgt der ermutigenden Einschätzung, dass Amazon der größte und am schnellsten wachsende E-Commerce-Marktplatz Indiens sei. Das Unternehmen betreibt auch verschiedene Einheiten für die Logistik, den Großhandel und Zahlungen, die ebenso Kapital verlangen.

Foto: Amazon India Website
Weihnachtsgeschäft: Deutsche Einzelhändler hoffen auf Nachspielzeit

Das Fest ist vorbei, das Weihnachtsgeschäft noch nicht. Der deutsche Einzelhandel hofft nun auf zusätzliche Umsätze mit Geschenkgutscheinen. Auch Geldpräsente könnten die Geschäfte noch einmal ankurbeln.

„Die kommenden Tage sind für den Einzelhandel eine sehr umsatzstarke Zeit. Viele Kunden geben Bargeldgeschenke aus oder lösen Gutscheine ein“, erklärte Stefan Genth, der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Deutschland (HDE). Auch viele Unternehmen rechnen offenbar mit ertragreichen Tagen vor dem Jahreswechsel: „In einer aktuellen HDE-Umfrage gaben fast drei Viertel der Händler an, dass die Zeit zwischen dem 27. Dezember und Silvester sehr wichtig oder wichtig für ihre Geschäfte ist“, teilte der Branchenverband mit.

Zum Zuge kommen könnten nun auch Händler, für die das Geschäft vor den Feiertagen nicht so gut gelaufen ist. Angesichts schwankender Kundenfrequenzen in den Innenstädten zählten Läden in zentralen Lagen bisher nicht zu den Gewinnern des Weihnachtsgeschäfts. Der Umfrage zufolge könnten sich nun aber „insbesondere Handelsunternehmen in zentralen Innenstadtlagen auf ein starkes Nachweihnachts-Geschäft einstellen“, erklärte der Verband.

Foto: ECE
Mit einem Klick Zuhause, dann zurück: Das Problem der Retouren

Das Buch zu Weihnachten gefiel dem Onkel nicht? Dann wird es zurückgeschickt. Das Outfit für Silvester fehlt? Schnell werden noch zwei Kleider online gekauft, eins geht dann wieder zurück. So sieht heutzutage bei vielen das Einkaufen aus. Der Klick auf "Bestellen" heißt längst nicht mehr, dass die Ware auch tatsächlich behalten wird. Darauf haben sich Online-Händler zwar eingestellt oder gar ihr Geschäft aufgebaut, Ärger macht es aber trotzdem.

Retouren sind Teil des Geschäftsmodells - das sagen viele Online-Händler. Vor allem die, die ihre Ware ausschließlich im Internet verkaufen. "Unsere Idee ist, dem Kunden das Anprobieren zu Hause zu ermöglichen, so wie er es aus der Umkleide im stationären Laden kennt", sagt eine Sprecherin des Fashion-Händlers Zalando.

Das bedeutet gerade für Fashion-Händler eine sehr hohe Retourenquote: Bei Zalando kommen nach Angaben des Unternehmens rund 50 Prozent der Ware zurück. In anderen Branchen sind Retouren weitaus geringer. Laut einer Studie des EHI Retail Institutes liegt bei zwei Dritteln der befragten 112 Online-Händler die Quote bei rund 10 Prozent. Allerdings ist es bei Produkten abgesehen von Bekleidung auch weitaus schwieriger, die Ware erneut zu verkaufen: etwa bei Elektronik, die beschädigt ist, oder bei Produkten, deren Originalverpackung zerstört ist. Mit einem Klick Zuhause, dann zurück: Das Problem der Retouren

Teil des Geschäftsmodells oder nicht - die Kosten sind hoch. Der EHI-Studie zufolge müssen Händler im Durchschnitt pro Rücksendung Kosten von 10 Euro einkalkulieren, eine Erhebung des Forschungsinstituts IBI Research an der Universität Regensburg vor drei Jahren ergaben einen Durchschnitt von 20 Euro - etwa für Versand, Überprüfung und eventuelle Reinigung. Experten zufolge variieren die Kosten allerdings stark nach Händler und Branche. Zudem hätten größere Online-Händler effizientere Rücksendeprozesse als kleinere.

"Die Kosten waren in den Anfangsjahren des Online-Shoppings weniger im Fokus, weil es darum ging, Umsatz zu machen und Kundenbeziehungen aufzubauen", sagt Marco Atzberger, Mitglied der Geschäftsführung von EHI. Seit zwei bis drei Jahren stehe aber die Wirtschaftlichkeit der Unternehmen im Vordergrund.

Dabei ist das Porto für die Händler das kleinste Problem. "Maßgebliche Kostentreiber sind die Sichtung der retournierten Artikel und die Qualitätskontrollen", schreibt das EHI. Denn beim Eintreffen eines Pakets im Retourenzentrum muss die Ware einzeln kontrolliert und womöglich repariert, gewaschen oder gebügelt werden, bevor sie wieder in den Handel kommt. Manche Produkte können gar nicht wiederverkauft werden und müssen abgeschrieben werden.

Freuen dürften sich dabei die Paketdienste. DHL hat vor Weihnachten nach eigenen Angaben erstmals 8,4 Millionen Pakete pro Tag bearbeitet, 10 Prozent mehr als im Vorjahr. Wie viele davon Retouren sind, sagte der Paketdienst allerdings nicht. Um die Brief- und Paketflut zu bewältigen, setzte das Unternehmen vor Weihnachten demnach 10 000 zusätzliche Aushilfskräfte ein. Allein in München, wo normalerweise 500 Paketzusteller im Einsatz sind, wurden für die Weihnachtszeit 100 zusätzliche Mitarbeiter eingestellt.

"Der größte Grund für eine Rücksendung ist, dass das Produkt nicht passt oder anders aussah als auf der Webseite", sagt Holger Seidenschwarz von IBI Research. Das betrifft vor allem Mode. Ein Gegenmittel: Bessere Informationen zur Ware - woran der EHI-Studie zufolge fast 80 Prozent aller Online-Händler arbeiten. Der Otto Versand setzt nach eigenen Angaben unter anderem auf detailliertere Fotos sowie Typ- und Größenberatung. Amazon nutzt schon lange Kundenbewertungen, was auch vermehrt andere Unternehmen einführen. Und der Fashion-Versand Asos bietet für viele seiner Produkte inzwischen Videos an.

Warum nicht dem Kunden die Rücksendung schwer machen, etwa, indem er sie selber bezahlen muss? "Da ist der Wunsch, Umsatz zu machen, größer als die Angst vor der Retoure", sagt Atzberger von EHI. Den Kunden vom Kauf abschrecken wolle man auch nicht. Dann lieber bei der Retoure Zeit sparen und sie so einfach wie möglich machen: Denn je länger eine Produkt nicht im Warenlager, sondern beim Kunden oder im Umlauf ist, desto teurer für den Händler, erklärt Atzberger.

Mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen setzen sich daher laut der EHI-Studie mit der Optimierung der Verpackung auseinander, damit die Ware geschützt ankommt, die Verpackung aber auch für die Rücksendung genutzt werden kann. Zudem testet etwa Zalando derzeit in einigen Städten die Abholung von Rücksendungen direkt an der Haustüre oder am Arbeitsplatz.

Allerdings, die Zeit zurückdrehen könne man nicht, sagen Experten. Denn angefangen mit Amazon - das als erste kostenlose Rücksendungen angeboten habe - hätten die Online-Händler das heutige Kaufverhalten selbst "antrainiert", sagt Atzberger. (DPA).

Foto's: Zalando

American Apparel schließt fast alle britischen Geschäfte

Das US-amerikanische Bekleidungsunternehmen American Apparel hat zum 23. Dezember 2016, nur vier Wochen nach Insolvenzanmeldung, 12 seiner 13 Geschäfte in Großbritannien geschlossen. Dies bestätigte der Insolvenzverwalter KPMG. Das letzte verbleibende Geschäft befindet sich in der Nähe der Camden High Street in London. Durch die Schließungen gehen 147 Arbeitsplätze verloren.

"In den vergangenen sieben Wochen haben wir immer gesagt, dass wir entweder alle Läden kuirzfristig verkaufen wollen oder die Lagerbestände, um möglichst viel für unsere Gläubiger herauszuholen. Der Camden Store wird daher bis in den Januar hinein geöffnet bleiben", versprach Insolvenzverwalter und Restrukturierungspartner Jim Tucker von KPMG.

In seinem Heimatland steht American Apparel bereits seit Oktober 2015 in der Insolvenz. Gildan Activewear Inc. soll am intellektuellen Eigentum der Marke interessiert sein und Rechte, Lizenzen und Patente für 66 Millionen US-Dollar (rund 63,2 Millionen Euro) kaufen wollen. Ein Erwerb der Filialien ist für den kanadischen Textilproduzenten jedoch wenig sinnvoll.

Auch wenn die verbleibende Filiale in London, in der 31 Mitarbeiter beschäftigt sind, und das Hauptbüro geöffnet bleiben, ist fraglich, ob dies über den Januar 2017 hinaus möglich sein wird.

In Deutschland verbleiben sieben Filialen des auf Teenmode spezialisierten Einzelhändlers. Auch wenn diese geöffnet bleiben sollen, bis die Bestände auslaufen (was bei eingestellter Warenlieferung nicht lange dauern sollte), hatten sich die Mitarbeiter vor einigen Wochen über die sozialen Medien Luft gemacht. Bereits Anfang November zeichnete sich ab, dass American Apparel Europa zuerst betroffen sein würde.

Foto: American Apparel