Branchenverbände: „Modehändler fühlen sich als Bauernopfer”

Die stationären Modehändler in Deutschland sind sauer. Der zweite Lockdown in Deutschland wird verlängert und verschärft. Für die Händler bedeutet das weitere Wochen an Umsatzeinbußen bei geschlossenen Läden und sie fordern mehr Hilfen von der Politik.

„Viele Händler fühlen sich mittlerweile als Bauernopfer für ausbleibende Erfolge der Politik bei der Pandemie-Bekämpfung”, schreiben die Branchenverbände Textil (BTE), Schuhe (BDSE) und Lederwaren (BLE) in einer Mitteilung am Mittwoch. Sie stellen fest, dass es eine “massiv wachsende Welle der Wut und Empörung im Fashion-Handel wegen unzureichender Hilfen der Politik” gibt.

Schwere Zeiten für stationäre Modehändler

Die Verlängerung des zweiten Lockdown folgt auf ein Jahr mit historischem Umsatzeinbruch. Der BTE Handelsverband Textil geht von einem Minus von 30 Prozent für 2020 aus. Im Dezember verloren stationäre Modehändler durchschnittlich die Hälfte des Umsatzes, zeigen erste Hochrechnungen des Verbands. Für viele geht es mittlerweile um das Überleben, erklärt Rolf Pangels, Hauptgeschäftsführer des BTE Handelsverband Textil: „Wenn die Politik nicht schnellstens umsteuert, gehen tausende Geschäfte und damit zehntausende Arbeitsplätze allein im stationären Fashionhandel verloren!“

Die politischen Beschlüsse während der Coronavirus-Pandemie sind oft zu kurzfristig für das derzeitige Geschäftsmodell der Modeindustrie, in der die Arbeit an den Kollektionen für die kommende Saison schon Monate im Voraus beginnt. Ware muss früh geordert und durch die laufenden Einnahmen bezahlt werden. Fallen diese aus, kann es für Händler um die Existenz gehen. „Da die Kosten und vor allem der Wareneinkauf durch die langen Vorlaufzeiten in der internationalen Lieferkette kaum angepasst werden konnten, stehen viele Geschäfte nunmehr vor dem endgültigen Aus”, sagt Pangels.

Halbe Milliarde unverkaufter Modeartikel

Zu den ausbleibenden Einnahmen, mit denen in den nächsten Wochen eigentlich die neue Frühjahrsware bezahlt werden müsste, gesellt sich ein gewaltiges Warenproblem, so der BTE. Durch den verlängerten Lockdown werde sich nach Schätzungen der Handelsverbände BTE, BDSE, BLE im stationären Handel bis Ende Januar eine riesige Lawine von einer halben Milliarde unverkaufter Modeartikel auftürmen. „Allein die Umsatzverluste des gesamten Winter-Lockdowns dürften sich bis Ende Januar auf rund zehn Milliarden aufsummieren“, erwartet Pangels. „Durch den Wert- und Preisverfall der Ware am Saisonende sind diese Einbußen später nicht mehr aufzuholen.“

Inmitten der wirtschaftlichen Probleme wachsen die Zweifel der Händler an den politischen Maßnahmen. „Die Unternehmen haben registriert, dass es in ihrer eigenen Belegschaft und auch bei Kollegen keine nennenswerten Infizierungen gab und ziehen daher die Sinnhaftigkeit des Lockdowns in Zweifel“, sagt Pangels.

Bild: Ying Tang /Nur Photo / AFP

 

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