Führungskräfte: Handel sieht sich als Gender-Primus

Geht es um Frauen im Einzelhandel, prägt noch immer das Klischee von der armen, schlecht ausgebildeten, unterbezahlten Verkäuferin das stereotype Denken der Allgemeinheit. Frauen stehen entweder vor oder hinter der Kasse im Modegeschäft, während der männliche Filialleiter die Tageseinnahmen zählt. Dass diese Vorstellung von Frauen im Einzelhandel längst überholt ist, zeigen nun aktuelle Zahlen vom Arbeitsmarkt.

Während der Einzug von Frauen in die Führungsgremien großer Unternehmen nämlich nach wie vor recht schleppend verläuft und der Ruf nach einer verbindlichen Frauenquote in Spitzenpositionen der DAX-Unternehmen immer lauter wird, sieht sich der deutsche Einzelhandel mittlerweile längst als Vorreiter in Sachen Gender Balance.

Laut einer aktuellen Erhebung des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung IAB sind bei den Einzelhandelsunternehmen der Republik tatsächlich überdurchschnittlich viele Frauen in Führungspositionen beschäftigt. So bekleiden Frauen im Schnitt der gesamten Wirtschaft in Deutschland ein Viertel der Jobs in der ersten Führungsebene. Im Einzelhandel dagegen sind es mit 38 Prozent deutlich mehr.

Mehr Kinderbetreuung gefordert

Auch auf der zweiten Führungsebene liegt die Branche mit 63 Prozent Frauenanteil über dem gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt von knapp 40 Prozent. „Der Einzelhandel ist traditionell eine Branche mit hohem Frauenanteil und guten Aufstiegschancen. Die Zahlen zeigen einmal mehr, dass eine Frauenquote für die Branche nicht zielführend ist“, so der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Deutschland (HDE), Stefan Genth. Wenn die Politik die Möglichkeiten zur Kinderbetreuung in Schulen und Kitas - ganztags und mit flexiblen Öffnungszeiten - weiter ausbaue, würden sich auch die Zahlen weiblicher Führungskräfte nach oben entwickeln. Insgesamt liegt der Frauenanteil der Beschäftigten im Handel bei 68 Prozent.

Nach den IAB-Zahlen ermöglicht bereits über ein Fünftel der Unternehmen in der Branche auch Teilzeitkräften Führungsjobs. „Der Handel bietet mit seinen flexiblen Arbeitszeiten vielen die Möglichkeit, Familie und Beruf miteinander zu vereinbaren“, so Genth. Viele Beschäftigte suchten gezielt nach Teilzeitstellen.

Foto: Rainer Sturm / pixelio.de

 

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