Hohe Kauflust trotz Brexit-Blues – nur nicht auf Mode

Deutsche gelten gemeinhin als besonders vorsichtig beim Geldausgeben und sollen zudem ein gut gepflegtes Verhältnis zum Pessimismus führen. Da wäre es nur logisch, wenn die hiesigen Verbraucher in Zeiten von Terrorangst, Brexit-Blues und Bankenkrise endlich aufhören würden, fröhlich shoppen zu gehen.

Doch genau das Gegenteil ist der Fall: Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) berichtet, setzten die Unternehmen im ersten Halbjahr 2016 real 2,3 und nominal 2,4 Prozent mehr um als im Vorjahreszeitraum, als die Kauflaune ebenfalls bereits ein Dauer-Hoch erreicht hatte. Der Handelsverband Deutschlend (HDE) führt die für Deutschland doch recht untypische Entwicklung vor allem auf die gute Lage auf dem Arbeitsmarkt zurück. Hinzu kommt die niedrige Inflation, Verbraucher haben so mehr von Gehalts- und Lohnsteigerungen.

Hinzu kommt, dass sich Sparen angesichts der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) derzeit nicht lohnt, was viele Kunden zusätzlich zum Geldausgeben animiert. Entsprechend zufrieden zeigt sich der HDE mit der Halbjahresbilanz und rechnet weiterhin mit einem Anstieg von zwei Prozent im Gesamtjahr. Bis Dezember 2016 sollen demnach rund 482 Milliarden Euro in den Kassen der Einzelhändler landen.

E-Commerce bleibt Wachstums-Sieger

Wenig Lust scheinen die Deutschen hingegen auf Modeshopping zu haben. Verunsichert durch kaum mehr vorhersehbare Wetterverhältnisse, gaben die Verbraucher in den vergangenen sechs Monaten nur nominal 0,3 Prozent mehr aus als im Vorjahr, real waren es sogar 0,3 Prozent weniger. „Textilien haben sich wegen der Wetterkapriolen etwas schwerer getan", so ein HDE-Sprecher. Die Branche hoffe nun auf den Sommerschlussverkauf, der am 25. Juli startete.

Traumhafte Wachstumsraten legte hingegen einmal mehr der Onlinehandel hin, der im Berichtszeitraum ein Umsatzplus von nominal 7,5 Prozent einfahren konnte. Die Branche setzt sich damit an die Spitze der Wachstumssegmente im ersten Halbjahr 2016.

Alles in allem kann der deutsche Einzelhandel durchaus optimistisch ins zweite Halbjahr gehen. Zwar fürchten immer mehr Bundesbürger um die Konjunktur und viele rechneten wegen des geplanten EU-Ausstiegs Großbritanniens in den kommenden Monaten mit einem gebremstem Wirtschaftswachstum in Deutschland, dennoch soll die Konsumlust nach Angaben der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) weiter hoch bleiben. Die jüngsten Zahlen aus dem Juni, in dem die Branche noch einmal nominal um 2,7 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat zulegen konnte, stützen diese Annahme.

Foto: Jörg Blanke / pixelio.de

 

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