Ladendiebe bevorzugen Luxusmode

3,9 Milliarden Euro - so hoch belief sich der Differenzbetrag, der 2014 bei den Inventuren der deutschen Einzelhändler ermittelt wurde. 2,1 Milliarden Euro und damit der Löwenanteil des so entstandenen Schadens soll durch Ladendiebstähle verursacht worden sein, wie eine aktuelle Studie des EHI Retail Instituts zeigt. Dabei werden den eigenen Mitarbeitern knapp 900 Millionen angelastet, während Lieferanten und Servicekräften etwas mehr als 300 Millionen Euro an Warenverlusten im Jahr zugerechnet werden. Die restlichen 600 Millionen Euro entfallen auf organisatorische Mängel.

Die durchschnittliche Inventurdifferenz beträgt ein Prozent vom Umsatz, weitere Kosten entstehen durch Investitionen von rund 1,3 Milliarden Euro in Technik und Personal zum Diebstahlschutz. Insgesamt gehen dem Einzelhandel durch Inventurdifferenzen und Investitionen zu deren Vermeidung 1,3 Prozent des Umsatzes bzw. absolut rund 5,2 Milliarden Euro verloren. Letztlich wird diese Summe in die Verkaufspreise einkalkuliert und jeder ehrliche Kunde zahlt mit. Der Mehrwertsteuerverlust, den der Staat durch Kundendiebstähle erfährt, beträgt rund 450 Millionen Euro jährlich.

Wachsame Mitarbeiter gefragt

Die angezeigten Ladendiebstähle sind 2014 laut polizeilicher Kriminalstatistik im Vergleich zum Vorjahr um 2,6 Prozent auf 365.373 Fälle gestiegen. Anlass zur Sorge bereitet, dass der einfache Ladendiebstahl zwar eher stagniert, schwere Ladendiebstähle, z.B von gesicherter Ware, aber dramatisch zugenommen haben. In den letzten sieben Jahren haben sie sich mehr als verdoppelt. Dabei spiegeln die angezeigten Ladendiebstähle die tatsächlichen Verhältnisse nur sehr eingeschränkt wider, denn die polizeilichen Kriminalstatistiken erfassen nur einen Bruchteil der Taten – die Dunkelziffer liegt nach wie vor bei über 98 Prozent. Setzt man den durchschnittlichen Schaden der angezeigten Taten in Relation zu dem Anteil, den Kunden an den Inventurverlusten haben, ergibt sich, dass jährlich mehr als 26 Millionen Ladendiebstähle unentdeckt bleiben.

Bei den Dieben anscheinend besonders beliebt sind hochwertige Modemarken und Accessoires wie Brillen, Tücher oder Modeschmuck. So ist es kein Wunder, dass der textile Einzelhandel zu den am stärksten betroffenen Branchen zählt.

Zur Eindämmung der Ladendiebstähle setzen die Unternehmen vor allem auf Mitarbeiter-Schulungen. Es hat sich gezeigt, dass Servicemitarbeiter, die sich ständig in den Ladengeschäften aufhalten, die wirksamste Waffe gegen Diebe sind. Kameraüberwachung, Wachdienste an den Ausgängen oder diebstahlhemmende Verkaufsträger konnten hingegen wenig überzeugen. Kein Wunder also, dass Personalschulungen zur Vermeidung von Inventurdifferenzen für fast alle befragten Unternehmen die wichtigste Maßnahme darstellen. Fast 30 Prozent planen zudem, diesen Bereich zukünftig weiter zu forcieren, z.B. durch spezielle Schulungen des Kassenpersonals sowie der Führungs- und Verkaufskräfte.

Foto: Rike / pixelio.de

 

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