Schuhhandel: Miserabler Saisonstart führt zu Panik-Rabatten

Der lang anhaltende Sommer mit Rekord-Temperaturen bis in den späten Oktober, verhagelt den deutschen Schuhhändlern derzeit gewaltig das Saisongeschäft. Auch der Handelsverband Schuhe (BDSE) muss in einer aktuellen Mitteilung eingestehen: „Witterungsbedingt sprang die Herbstsaison im Schuhhandel nicht wie geplant an, entsprechend schlecht sind seit Wochen Kundenfrequenz und Umsatzentwicklung.“

Doch statt mit Geduld und Besonnenheit auf den sicherlich bevorstehenden Wetterwechsel mit Kälte, Wind und Regen zu warten, geraten viele Händler bereits in Panik und gewähren üppige Rabatte auf frische Saisonware. Der BDSE fordert seine Mitglieder daher inständig dazu auf, sich nicht von aufkommenden Existenzängsten leiten zu lassen und Geduld zu bewahren. Insbesondere im Onlinehandel kursierten viel zu früh Rabattangebote in Höhe von 15 bis 20 Prozent, und das auch noch „auf alles“, kritisiert der Verband.

Die Vermutung: Offenbar bestehen teilweise erhebliche Liquiditätsengpässe, welche die betreffenden Unternehmen hoffen ließen, mit hohen Prozenten selbst bei 25 oder 30 Grad die Kunden aus ihrer Reserve zu locken.

Rabatte können zu Rohertragsverlust führen

Der BDSE hofft nun, dass der übrige Schuhhandel sich dadurch nicht beirren lässt und stattdessen „mit Vorsicht und spitzem Bleistift in die Rotpreis- und Rabattkiste greifen“. Schließlich zeige die Erfahrung, dass der Bedarf anspringe, sobald die Temperaturen sinken. „Entscheidender als der Umsatz ist – von Liquiditätsengpässen einmal abgesehen – der Rohertrag, der bekanntlich unter den Preisabschriften erheblich leidet“, lässt der Verband wissen.

In der Tat wirken sich Rabatte und Preisreduzierungen signifikant auf die Ertragslage der Händler aus. Ein Beispiel: Bei einem Rabatt von 10 Prozent (MwSt.-bereinigt 8,4 Prozent), einer Handelsspanne von 60 und variablen Kosten von 17 Prozent (darin 16 Prozent MwSt. im Abschlag) muss 24,3 Prozent Mehrumsatz erzielt werden, will man keinen Rohertragsverlust einfahren. Wird dieser rabattbedingte Mehrumsatz nicht erreicht, sinkt der Rohertrag in Absolutbeträgen. So muss der Mehrumsatz bei einem Rabatt von 15 Prozent schon 41,5 Prozent betragen.

Es gelte zu berücksichtigen, dass nach Rabattphasen oft der Umsatz unter das übliche Niveau falle, da viele Kunden ihre Einkäufe nur zeitlich vorzögen, so der BDSE. Dass Preisaktionen zudem Marketingkosten verursachen und – zumindest in frühen Phasen einer Verkaufssaison – auch das Vertrauen der Kunden in seriös kalkulierte Schuhpreise beschädigen, bereitet dem Verband ebenfalls zusehends Kopfzerbrechen. Er fordert seine Mitglieder daher eindringlich dazu auf, sich im Vorfeld von Preisaktionen die Wirkung auf den Ertrag bewusst zu machen.

Foto: meltis / pixelio.de

 

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