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Nach rund vierjähriger Bauzeit hat in Marrakesch das Yves-Saint-Laurent-Museum offiziell seine Türen geöffnet. Auf 4000 Quadratmetern werden die schönsten Haute-Couture-Kreationen des französischen Modeschöpfers gezeigt. Die Kosten des Baus werden auf etwa 15 Millionen Euro beziffert. Das Museum liegt neben dem berühmten Garten Jardin Majorelle, den Yves Saint Laurent 1980 erworben hat. Eingeweiht wurde das «mYSLm» am vergangenen Samstag von Prinzessin Lalla Salma, der Ehefrau des marokkanischen Königs Mohammed VI.

Neben der Dauerausstellung, die mit Luxuskleidern aus der umfangreichen Sammlung des Designers bespielt wird, werden auch Sonderausstellungen präsentiert. Die Eröffnungswerkschau ist dem französischen Maler Jacques Majorelle gewidmet, dessen Garten und Anwesen Yves Saint Laurent jahrelang renoviert hatte. Das Museum ist eine Initiative des vor wenigen Wochen verstorbenen Geschäftsmanns Pierre Bergé. Er war der Lebensgefährte und Manager des Designers.

Der Bau aus rotem Ziegelstein und rosafarbenem Granit wurde von den französischen Architekten Olivier Marty und Karl Fournier entworfen. In dem Museum befindet sich zudem ein Auditorium und eine Bibliothek, denn die Einrichtung will nicht nur ein Modetempel sein, sondern auch ein Kulturzentrum. (DPA)

Als Edmund Hillary und Tenzing Norgay im Mai 1953 dem Gipfel des Mount Everest entgegen stapften, waren Fleece und Thermounterwäsche noch gar nicht erfunden. Stattdessen hielten Daunenfedern in den Jacken die beiden Bergsteiger warm. Aber konnten sie ahnen, dass Daunenjacken eines Tages zum Hingucker in den Winterkollektionen von Modedesignern weltweit, oder auch zum Stilsymbol einer Generation von Rapmusikern werden würden?

Ob Berggipfel, Arktis, Tiefsee oder Weltraum: Expeditionen in extreme Verhältnisse erfordern besondere Schutzkleidung. Modedesigner schöpfen seit Jahrzehnten von der ausgefallenen Kluft, die Forscher, Taucher, Astronauten oder eben Bergsteiger bei ihren Einsätzen tragen.

Die Ausstellung «Expedition: Fashion from the Extreme» im New Yorker Fashion Institute of Technology (FIT) zeigt, dass Designer von Jean Paul Gaultier über Chanel bis zu Karl Lagerfeld sich seit den 1960er Jahren von solchen Erkundungsreisen anregen lassen.

Yves Saint Laurent stellte 1968 etwa die «Saharienne»-Kollektion vor, die in khakifarbenen Tunikas an Safaris erinnerte. Auch Ralph Lauren griff diesen Look später auf.

Der zunächst vor allem in Alaska von Inuit-Ureinwohnern getragene Parka fand seinen Weg in die Modewelt, als Kate Moss ihn in den 1990er Jahren trug. Bei der Masse angekommen war er spätestens, als Gitarrist und Sänger Kurt Cobain von der Grunge-Band Nirvana sich im dunkelgrünen Parka zeigte. Entwickelt worden war der «Fishtail»-Parka in seiner modernen Form aber für das US-Militär und dessen Einsatz im Koreakrieg (1950-53).

ie unter anderem von den Bergsteigern Hillary und Norgay populär gemachten Daunenjacken wiederum sind aus Wintermonaten in vielen Städten heute kaum mehr wegzudenken. Eddie Bauer gilt als erster, der sich die puffigen, fluffigen Jacken in den USA patentieren ließ. Der japanische Designer Junya Watanabe war es dann, der das Spiel mit den Daunen für Comme des Garçons mit einfarbigen «Puffer Jackets» in den vergangenen Jahren zur Perfektion trieb. Auch für Tommy Hilfigers poppigen Amerika-Stil gehörte die Daunenjacke fest zum Repertoire, bevor Hiphop-Marken wie Karl Kani, Helly Hansen und Carhartt nachzogen.

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Karl Lagerfeld richtete seinen Blick derweil in die Arktis. Für die «Ready-to-wear»-Kollektion, die Lagerfeld im Herbst 2010 für Chanel auf den Markt brachte, ließ der deutsche Stardesigner in Paris nicht nur Models mit reichlich (falschem) Fell antreten - für die passende Kulisse sorgte Lagerfeld gleich mit, indem er für die Show einen Eisberg aus Skandinavien importieren ließ. Lagerfeld zeigte Tweed-Anzüge, Säume aus Plüsch und zottelige Stiefel. Seine Designs waren nicht weit entfernt von dem, was Arktisforscher Matthew Henson bei seiner (bis heute umstrittenen) Nordpol-Expedition im Jahr 1909 gegen die Kälte getragen haben soll.

Auch die Welt der Meere schien es Lagerfeld angetan zu haben. Die Pailletten auf seiner blauschwarzen, grob gerippten Jacke von 1991 glitzern wie nasses Neopren, auch die Säume ähneln denen der Anzüge von Tauchern und Surfern. «City Surfer» nannte Lagerfeld das Stück und merkte an, es sei «perfekt, um in das Nachtleben von Paris über Rom bis London und New York einzutauchen». Designergrößen wie Jean Paul Gautier, Gianni Versace und Donna Karan stellten in den 1980er und 1990er Jahren ähnliche Outfits im teils synthetischen Taucher-Look vor.

Die Erforschung des Weltalls stellt heute die größte Herausforderung für den Menschen dar, und auch die Modewelt dürfte die Raumfahrt noch eine Weile beschäftigen. Bei der Pariser Fashion Week im März lehnte sich Lagerfeld stilistisch an das Space Age der 1960er an, als er im Grand Palais eine 37 Meter hohe Rakete aufstellen ließ. Chanel hob sprichwörtlich ab, als sich das Unterteil fauchend und funkensprühend in Richtung Glasdach schob. Sollten Menschen eines Tages auf dem Mars landen, scheint eine passende Reaktion der Modewelt bereits vorprogrammiert. (DPA)

Yves Saint Laurent-Museum in Paris: Der Geist von einst

HINTERGRUND - Das Yves Saint Laurent-Museum in Paris ist mehr nur als ein Schaufenster für Luxuskreationen. Es erzählt die Geschichte eines der bedeutendsten Modeschöpfer seiner Zeit.

Carla Bruni, Claudia Schiffer und Laetitia Casta trugen die Luxuskreationen. Nun schmücken sie die Silikon-und Polyester-Mannequins in dem neuen Museum Yves Saint Laurent in Paris. Sie sind Prototypen, so wie fast alle Modelle, die in den umgebauten ehemaligen Ateliers des 2008 verstorbenen Designers zu sehen sind. Zur Eröffnung des Museums hat man nun jene ausgewählt, die den Weltruf des Modeschöpfers begründeten, darunter sein Mondrian-Kleid und sein Damen-Smoking, mit dem sich der Modeschöpfer für die Emanzipation der Frau einsetzte.

Le «Musée Yves Saint Laurent» liegt in der Avenue Marceau zwischen Eiffelturm und der Prachtstraße Champs-Elysées. Frankreichs Kulturministerin Françoise Nyssen hat es im kleinen Kreis und ohne viel Aufsehen am Donnerstag eingeweiht. Denn der Initiator Pierre Bergé, Yves Saint Laurents Geliebter und Manager, ist erst vor wenigen Wochen, am 8. September, gestorben.

Man wollte so diskret wie möglich sein, lautete die Begründung. Auf die VIP-Party für den Abend wurde aber nicht verzichtet, denn in Paris läuft derzeit die Fashion-Week, auf der auch die von Designer Anthony Vaccarello entworfene Saint Laurent Haute-Couture-Kollektion für Frühling/Sommer 2018 präsentiert wurde.

In dem Gebäude, das offiziell am 3. Oktober als Museum eröffnet wird, entwarf Yves Saint Laurent einst zusammen mit 200 Näherinnen und Schneidern seine berühmten Kreationen. Zwischen 1974 und 2002 sind dort tausende von Modellen entstanden. Das Museum könne auf eine etwa 35 000 Werke große Sammlung zurückgreifen, darunter auf über 7 000 Haute-Couture-Silhouetten und 15 000 Accessoires, sagte Aurélie Samuel, die Leiterin der Sammlung.

Einiges in dem Stadthaus im neoklassizistischen Stil erinnert noch an die ursprüngliche Wirkstätte des Modeschöpfers, wie der Ankleidesalon im Erdgeschoss mit seinen Veloursitzen, herrlichen Spiegeln und schweren Stoffvorhängen. Denn man wollte die Seele des Ortes bewahren. «Es war uns wichtig, den Geist des Hauses zu behüten», erklärte Samuel.

Dazu gehört vor allem das Arbeitszimmer von Yves Saint Laurent. Alles wurde so hergerichtet wie zu Lebzeiten des Designers. Und fast alle Möbel stehen im Original da: sein Schreibtisch, auf dem seine Hornbrille liegt, sein Stuhl, auf dem sein weißer Arbeitsmantel liegt.

Auch der Futternapf seines Hundes Moujik, eine französische Bulldogge, wurde nicht vergessen, ebensowenig das von Bernard Buffet gezeichnete Porträt des Designers. Mit dem französischen Maler war Bergé liiert, ehe er Ende der 50er-Jahre Yves Saint Laurent kennenlernte.

Mitte Oktober wird in Marrakesch ein weiteres Yves Saint Laurent-Museum eröffnet, ein rund 4000 Quadratmeter großer Neubau. Gezeigt werden rund 300 Modelle und 1000 Objekte, darunter Zeichnungen und Fotografien, mit denen die Geschichte der Mode illustriert werden soll, so die Leiterin der Sammlung. In der marokkanischen Stadt hatte der Designer einen seiner Wohnsitze. (Von Sabine Glaubitz / DPA)

Foto: Yves Saint Laurent Museum in Paris

Mit dem neuen Yves Saint Laurent-Museum hat Paris einen Touristenmagnet mehr. Das Museum unweit der Champs-Elysées wurde am Donnerstag von der französischen Kulturministerin Françoise Nyssen in kleinem Kreis eingeweiht, wie die zuständige Pressestelle bestätigte. Man habe angesichts des am 8. September verstorbenen Pierre Bergé, Initiator des Museums und Geliebter des Modeschöpfers, diskret sein wollen. Offiziell eröffnet wird der Modetempel am 3. Oktober.

Das Museum befindet sich in den ehemaligen Ateliers des im Jahr 2008 verstorbenen Designers. In dem prächtigen Stadthaus entwarf er zwischen 1974 und 2002 seine berühmten Kreationen. Das Museum wird mit Stücken aus seiner rund 35 000 Werke zählenden Sammlung bespielt, darunter über 7 000 Haute-Couture-Modelle und 15 000 Accessoires. Mitte Oktober wird in Marrakesch ein weiteres Yves Saint Laurent-Museum eröffnet. In der marokkanischen Stadt hatte der Designer einen seiner Wohnsitze. (DPA)

Wonderbra, Basecap und ein schlichtes weißes T-Shirt: «Is Fashion Modern?» (Ist Mode modern?), fragt das New Yorker Museum of Modern Art (MoMA) ab Sonntag in seiner ersten Mode-Ausstellung seit mehr als 70 Jahren. Unter den rund 350 Objekten sind Bikinis, Perlenketten, Krawatten, Yoga-Trainingshosen, Mützen und Abendroben, viele Stücke sind von berühmten Designern. Mit beispielsweise Videos und Fotos werden die Kleidungsstücke in einen Kontext gesetzt und Entstehungsgeschichte und Bedeutung näher erklärt.

Besonders aktuell ist ein rotes Jersey von Football-Star Colin Kaepernick, der im vergangenen Jahr als Zeichen gegen Polizeigewalt während der Nationalhymne im Stadion niederkniete und damit für Schlagzeilen sorgte. In dieser Football-Saison hat sich der Protest ausgeweitet und den Zorn von US-Präsident Donald Trump auf sich gezogen.

Mode-Ausstellungen haben sich in den vergangenen Jahren als sehr beliebt erwiesen. Das New Yorker Metropolitan Museum beispielsweise hat damit zuletzt Rekordbesucherzahlen verzeichnen können. Die Mode-Ausstellung am MoMA soll bis zum 28. Januar 2018 zu sehen sein. (DPA)

In Bildern: Fashion Together Ausstellung

Lou Stoppard von Showstudio hat eine neue Gruppenausstellung kuratiert, deren Fokus auf den bekanntesten kreativen Partnerschaften der Modebranche liegt. Die Ausstellung mit dem Titel ‚Fashion Together‘ wird in der Fashion Space Gallery am London College of Fashion gezeigt.

In Bildern: Fashion Together Ausstellung

Die Ausstellung wirft einen Blick hinter die Kulissen der spannendsten Kreativduos der Modebranche, wie die Zusammenarbeit zwischen Rick Owens und Michèle Lamy, Nick Knight und Daphne Guinness, oder Shaun Leane und Alexander McQueen. So werden die Synergien beleuchtet, die die Inspiration zwischen manchen kreativen Individuen besonders erfolgreich machen. In Bildern: Fashion Together Ausstellung

Stoppard erklärt: „Mich interessiert die langfristige Zusammenarbeit - das Formative, die Freundschaften, die Zusammenschlüsse, welche hinter den Kulissen jahrzehntelanger erfolgreicher Kollaboration stehen, die die jeweiligen kreativen Visionen der Personen mitgestalten.“

In Bildern: Fashion Together Ausstellung

“Diese Beziehungen sind in der Branche nicht ungewöhnlich, aber ihre Komplexität wird zu wenig analysiert. Wie wird der jeweilige Beitrag anerkannt? Wie ist die Arbeitsteilung gestaltet? Spielen Neid oder Eigentumsansprüche eine Rolle? Gibt es ein Erfolgsrezept?“

In Bildern: Fashion Together Ausstellung

Lou Stoppard zeigt in der Ausstellung ‘Fashion Together’ kreative Zusammenarbeit

Fashion Together zeigt noch bis 13. Januar, wie zwei Individuen sich gegenseitig beflügeln und zu Höchstleistungen anregen können. Die jeweiligen Kreativduos und das Aufeinandertreffen ihrer jeweiligen Expertisen werden von nie zuvor gezeigten Skizzen, handgeschriebenen Notizen und Modestrecken illustriert, ebenso wie durch Kleider, Filme und Fotografien unterstützt.

In Bildern: Fashion Together Ausstellung

Selbst Audioaufnahmen der Paare in Konversation mit dem Kurator gibt es, die seltene Einblicke in die Charaktere und Geschichten der Protagonisten liefern.

Weitere Partnerschaften, die in der Ausstellung gezeigt werden, sind die von Viktor Horsting und Rolf Snoeren, Inez van Lamsweerde und Vinoodh Matadin, Gareth Pugh und Ruth Hogben sowie Thom Browne und Stephen Jones.

In Bildern: Fashion Together Ausstellung

Highlights der Ausstellung bilden unter anderem der ‚Star‘ Kopfschmuck von Shaun Leane für Alexander McQueen aus der Salem Collection Herbst/Winter 2007, oder Inez van Lamsweerde und Vinoodh Matadin’s Portrait von Clint Eastwood für das New York Times Magazine aus dem Jahr 2005.

In Bildern: Fashion Together Ausstellung

Die Ausstellung läuft noch bis zum 13. Januar und wird neben Talks auch Workshops und Kurse anbieten.

In Bildern: Fashion Together Ausstellung

Fotos: courtesy of Fashion Space Gallery

"Beyond Seeing" untersucht Modedesign mit allen Sinnen

Wie fühlt sich Mode an, wie riecht sie und wie hört sie sich an? Mit dem Recherche- und Ausstellungsprojekt "Beyond Seeing" untersucht das Goethe-Institute Paris innovatives Modedesign mit allen Sinnen. Es bringt Studierende vier bekannter Modehochschulen aus Deutschland, Frankreich, Schweden und der Schweiz mit blinden und sehbehinderten Teilnehmern zusammen. Die entstandenen Arbeiten sind erstaunliche Kreationen zwischen Mode und Kunst, die zum ersten Mal im Rahmen der ESMOD Graduate Show am 14. September in Berlin präsentiert werden.

"Das Projekt zielt darauf ab, Mode in einem Zusammenspiel von Sinneswahrnehmungen über den visuellen Reiz hinaus wahrnehmbar zu machen. Bislang nicht miteinander in Berührung gekommene Zielgruppen – Designstudierende, blinde und sehbehinderte Teilnehmer sowie Experten verschiedenster künstlerischer Disziplinen – werden erstmalig zusammengebracht, um gemeinsam innovative Designkonzepte zu entwickeln", heißt es im Pressedossier des Projekts.

"Beyond Seeing" untersucht Modedesign mit allen Sinnen

"Beyond Seeing" wird zur sinnlichen Erfahrung

Angesichts der Tatsache, dass 80 Prozent aller Wahrnehmungen des Menschen über die Augen aufgenommen werden, untersucht das Projekt die Frage, wie blinde oder sehbehinderte Menschen unter diesen Bedingungen Mode wahrnehmen. Auch den Fragen 'Wie gehen sie damit um, nicht zu sehen, was getragen wird und wie andere Menschen auf ihre Kleidung reagieren?', 'Wie erfahren sie Farben, Stoffe und Oberflächen?', 'Was nehmen sie wahr, was wir vielleicht nicht oder nicht mehr wahrnehmen?', 'Worin besteht für sie der Begriff der Schönheit?' und 'Wie lässt sich Mode über die anderen Sinne jenseits des Sehens erlebbar machen?' wird nachgegangen.

Die vier teilnehmenden Modehochschulen sind ESMOD in Berlin, IFM – Institut Francais de la Mode in Paris, La Cambre in Brüssel und The Swedish School of Textiles in Boras. Insgesamt kamen 50 sehende und nicht sehende Teilnehmer zusammen, um an dem Projekt zu arbeiten, das mit einer Impulskonferenz im Oktober 2016 in Paris eingeleitet wurde. Experten aus unterschiedlichen künstlerischen Bereichen – sehend und nicht sehend – stimmten sich gemeinsam mit den Teilnehmern in Vorträgen, Filmscreenings und interaktiven Performances inhaltlich auf das Gesamtprojekt ein. Initiiert wurde das Projekt von Silvia Kadolsky, Gründerin und Trägerin von ESMOD Berlin sowie Katharina Scriba, Beauftragte für kulturelle Programmarbeit am Goethe-Institut Paris. Die pädagogische und künstlerische Leitung des Projekts übernahm Francine Pairon.

"Beyond Seeing" untersucht Modedesign mit allen Sinnen

Im Februar und März 2017 fanden Recherche-Workshops In allen vier Teilnahmeländern an den jeweils beteiligten Hochschulen statt, um in einem partizipativen, dialogischen Prozess kreative Ansätze zu finden, wie Mode über den Sehsinn hinaus erfahrbar gemacht werden kann. Ein Kreationsworkshop in Berlin startet die dritte Phase, den Gestaltungsprozess, in der die Designstudierenden gemeinsam mit den blinden und sehbehinderten Teilnehmern und Architekturstudierenden Konzeptideen entwickelten.

Die vierte Phase des Projekts konzentriert sich auf der Präsentation der Kreationen in einer transdisziplinären und interaktiven Ausstellung, deren Ziel es ist, eine Erfahrung zu schaffen, die alle Sinne umfasst. Die Besucher - ob sehend oder nicht – können Mode anfassen, hören, riechen und schmecken und sie über den visuellen Aspekt hinaus interpretieren.

Zusätzlich ist ein umfangreiches Veranstaltungsprogramm geplant. "Beyond Seeing" ist auch in der "Woche des Sehens" vom 8. bis 15. Oktober 2017 zu erleben. Gemeinsam mit der sehbehinderten Modedesignerin Bianca Maria Raffaella aus London können sich blinde und sehbehinderte Menschen selbst im Nähen ausprobieren. Im Januar 2018 wird "Beyond Seeing" dann zum ersten Mal in einer transdisziplinären und interaktiven Ausstellung im WIP im Parc de la Villette in Paris präsentiert. Nach der Eröffnungsveranstaltung in Paris wird die Ausstellung noch im selben Jahr nach Borås, Berlin and Brüssel reisen.

Fotos: Beyond Seeing
Ausstellung München: Mode in der Antike & heute

Kleidung hatte schon in der Antike eine hohe gesellschaftliche Relevanz. Die Ausstellung „Divine X Design. Das Kleid der Antike“ will ein Gespräch über Bekleidung im antiken Griechenland und unsere Vorstellungen von Kleidung und Mode anregen.

Gemeinsam mit der AMD Akademie Mode & Design haben die Staatlichen Antikensammlungen und Glyptothek München dazu ein Projekt umgesetzt, um antike Kleidung und zeitgenössisches Modedesign in einen Dialog treten zu lassen. Hochkarätige antike Kunstwerke und eigens für die Ausstellung entworfene Mode von Nachwuchsdesignern veranschaulichen den Dialog zwischen den Epochen. Des Weiteren geht die Ausstellung der Frage nach, welches Aussehen, welche Funktion und welchen gesellschaftlichen Stellenwert Kleidung im antiken Griechenland hatte, und wie diese Vorstellungen im Laufe der vergangenen Jahrhunderte in unsere heutige Zeit tradiert wurden und werden.

Kleidung in der griechischen Antike wird im Alltag, bei Festlichkeiten, beim Sport, bei der Jagd und im Krieg präsentiert. Auch Kosmetik, Frisuren und Accessoires waren damals schon wichtige Stilmittel für das individuelle Erscheinungsbild. Da kaum Textilreste aus der griechischen Zeit erhalten sind, wird anhand von gemalten Bildern auf antiken Gefäßen, Statuetten aus Ton und Bronze, Schmuck sowie lebensgroßen Marmorstatuen den Fragen nach dem Aussehen und der Bedeutung der damaligen Kleidung sowie den Fertigungsprozessen nachgegangen.

Die Ausstellung ist noch bis zum 8. Oktober in der Staatliche Antikensammlungen und Glyptothek in München zu sehen.

Foto: Peter Schreiber

Die französische Modemacherin Agnès b. (75) will 2018 in Paris eine Kunststiftung eröffnen. Die Einrichtung werde in einem populären Stadtviertel ihre Adresse haben, sagte die Designerin der Deutschen Presse-Agentur in Avignon. Wo, werde sie jetzt noch nicht verraten. Einen Eindruck davon, was in ihrer zukünftigen Kunststiftung gezeigt wird, bekommt man jedoch derzeit in Avignon zu sehen. Unter dem Titel «On aime l'art» (etwa: Wir mögen Kunst) sind in der südfranzösischen Stadt rund 400 Werke aus ihrer Sammlung zu sehen. Die Ausstellung im Museum Collection Lambert dauert bis zum 5. November.

Die international bekannte Designerin hat in über 30 Jahren rund 5000 Werke zusammengetragen. Die Kunst sei eine Art geistige Nahrung, sorge für Emotionen und entführe aus der Wirklichkeit, erklärte sie die Bedeutung, die Kunst für sie hat. Und deshalb will sie an ihrer Leidenschaft auch andere teilhaben lassen. «Ich teile gerne. Das ist meine Antriebskraft, das macht mir Spaß.» Deshalb mache sie auch Mode für alle.

Die Modeschöpferin hat Kunst studiert, sich jedoch aus rein finanziellen Überlegungen heraus der Mode zugewandt. «Ich musste mein Leben verdienen. So bin ich Designerin aus Notwendigkeit geworden», erzählte sie. Der Kunst blieb sie dabei stets verbunden. Im Jahr 1984 eröffnete sie in Paris die «Galerie du jour», wo sie heute durchschnittlich zehn Ausstellungen jährlich organisiert. In Avignon sind aus ihrer Sammlung neben Papierarbeiten von Andy Warhol Arbeiten der Street-Art-Künstler Shepard Fairey und Futura 2000 zu sehen. (DPA)

Nach über 70 Jahren: Das MoMa zeigt wieder Mode

Das New Yorker Museum of Modern Art (MoMa) zählt zu den renommiertesten Museen für moderne Kunst weltweit und machte in der Vergangenheit immer wieder durch spektakuläre Ausstellungen, Werkschauen und Sammlungen von sich reden. Globale Relevanz und kompromisslose Modernität waren dabei immer die Grundvoraussetzungen für die Institution, sich einem Thema zu widmen. Da ist es nicht gerade eine Auszeichnung für die Modeszene, dass das Museum schon seit über 70 Jahren keine Ausstellung zu Fashion und Style organisiert hat.

1944 fand die letzte Mode-Schau im MoMa statt, und schon damals fragte sich der Architekt und Kurator Bernard Rudofsky im Ausstellungsmotto: „Are Clothes Modern?“. Damals stand das Modedesign voll im Bann des Zweiten Weltkriegs: Männer trugen fast ausschließlich Praktisches im Uniform-Look – robust, einfach und mit vielen Taschen. Frauen hingegen mussten sich mit einfachen Kleidern in unvorteilhaften Schnitten zufriedengeben. Das große Zeitalter des modernen Modedesigns war also noch nicht einmal angebrochen, als das MoMa sich zuletzt mit diesem Thema auseinandersetzte.

Mittlerweile zählt die Textil- und Modeindustrie zu den weltweit wichtigsten Wirtschaftszweigen. Designer wurden zu Popstars, Models zu Ikonen und es gibt kaum noch einen Menschen zwischen Tokio und Los Angeles, für den Mode und Stil nicht zumindest halbwegs relevant ist.

350 ikonische Ausstellungsstücke

Gleichzeitig befindet sich die globale Modeindustrie aktuell in der wohl größten Krise ihrer Geschichte. Avantgardistisches Design ist kaum mehr möglich, da diesbezüglich in den letzten Jahrzehnten bereits alles Machbare ausprobiert worden ist. Die Textilproduktion steht zudem als ausbeuterisch und umweltverschmutzend immer stärker in der Kritik von Regierungen, NGO’s und Verbrauchern. Echte Innovation findet derzeit fast nur noch im Materialbereich statt, der eine zunehmende Technisierung der Kleidung vorsieht. Kurzum: Es geht nicht mehr voran, im globalen Fashion-Zirkus.

Die Mode-Misere ist also aktuell ähnlich groß wie zu Zeiten des Zweiten Weltkriegs – so groß, dass sich sogar das MoMa nach 73 Jahren erneut fragt: „Is Fashion Modern?“. Gezeigt werden sollen im Rahmen der spektakulären Ausstellung 350 Kleidungsstücke und Accessoires, die die Modewelt in den vergangenen hundert Jahren am meisten geprägt haben.

Dafür belegt das Museum vom 1. Oktober 2017 bis zum 28. Januar 2018 das gesamte sechste Stockwerk. Nicht zu viel, um die Komplexität des Themas darstellen zu können. Schließlich sei Mode eine „kraftvolle und kreative Form der persönlichen Ausdrucksweise“, so Kuratorin Paola Antonelli - aber eben auch Design.

In der Ausstellung sollen unter anderem Sneakers, Bikinis, Perlenketten, Krawatten und Yoga-Trainingshosen zu sehen sein, darunter viele von berühmten Designern.

Foto: Museum of Modern Art (MoMa)