Auch nach mehreren Jahren einer absoluten Durststrecke bei Umsatz und Gewinn zeigt sich der deutsche und europäische Sportfachhandel zu Beginn des 2. Halbjahres 2003 in einer stabilen Verfassung, die trotz geringer Gewinnmargen so schnell auch nicht aus dem Gleichgewicht zu bringen ist.

Der Sportfachhandel nimmt deshalb eine Sonderstellung im deutschen Einzelhandel ein. Denn auch ein sparsamer Verbraucher will ein gesunder Konsument sein. Wenn dann noch das Wetter zum jeweiligen sportlichen Hobby und zur entsprechenden Jahreszeit passt, dann machen wir als Sportfachhändler immer Umsatz und Gewinn. Sicher könnten dabei im Augenblick die erwünschten realen Zahlen höher sein als sie tatsächlich sind. Wir registrieren als Verband im Augenblick einen durchschnittlichen Umsatzanstieg von rund 1,5 Prozent. Von Januar 2003 bis Ende Juni 2003 stieg deshalb der Umsatz im deutschen Sportfachhandel auf 3,8 Milliarden Euro (Januar - Juni 2002: 3,75 Milliarden Euro).

Hochgerechnet auf das volle Jahr 2003 erwarten wir bei gleichem Marktverlauf wie im ersten Halbjahr ein Umsatzergebnis, das bei 7,61 Milliarden Euro (Vorjahr: 7,5 Milliarden Euro) liegen könnte. Über jedes Prozent mehr freuen wir uns.Die Zahlen für Gesamt-"EURO-pa" liegen etwas höher. Hier erwarten die Marktforscher eine durchschnittliche Steigerung von zwei Prozent, das heißt 36,25 Milliarden Euro. Der Vergleichsumsatz dazu lag im Jahr 2002 bei 35,54 Milliarden Euro.Da wir diesmal unseren wichtigsten Messetermin der Branche, die ispo, auf den für die Information so richtigen und wichtigen frühen Termin gelegt haben, kann ich Ihnen heute nicht wie in jedem Jahr die exakten Prozent-Zahlen für die Umsatzentwicklung in ausgewählten Angebotsbereichen geben. Diese Zahlen liegen uns erst wieder zur ispo Winter 2004 vor.

Ich will trotzdem versuchen, nach Abfrage bei meinen Kollegen jetzt kurz vor der ispo Ihnen mit der Formulierung Plus oder Minus einen Überblick über die momentane Absatz- und Nachfragelage in Deutschland zu geben. Bedingt durch einen ungewöhnlichen Schnee- und Kälteeinbruch im Februar 2003 erzielten beispielsweise unsere Kolleginnen und Kollegen in allen Teilen Deutschlands mit Ausnahme der Mitte wetterbedingt ein Monatsplus von 30 Prozent. Ausgelöst vor allem durch den Ski-, Skischuh- und Schlittschuhverkauf. Von diesem Plus wird deshalb das Umsatzplus von 1,5 Prozent im ersten Halbjahr 2003 statistisch erheblich beeinflusst.

Betrachtet man die weiteren Warengruppen in unseren Geschäften, so liegen im Umsatzplus: Wintersporthartware, Ganzjahressport und das Teamsportangebot. Wir erwarten hier im Vorfeld der Fußball-Europameisterschaft 2004 in Portugal und im Handballbereich wieder weitere neue und starke Umsatzimpulse. Gleiches gilt für Volleyball und Basketball. Beachvolleyball folgt in seinen Umsätzen mit Pluszahlen dem schönen Wetter an den deutschen und europäischen Küsten. Für den Absatz von Bademode und funktioneller Schwimmbekleidung ist das heiße Sommerwetter ideal. Hier realisieren wir nach ersten Angaben unserer Mitglieder zweistellige Pluszahlen bereits zu Beginn der Saison. Das liegt auch daran, dass die Wetterbedingungen zum Absatz von Bademode in den Vergleichsmonaten des Jahres 2002 nicht so ausgezeichnet waren.

Wir hoffen, dass die augenblickliche positive Umsatzsituation im gesamten Outdoor-Bereich weiter anhält. Wir haben durchwegs zweistellige Umsatzzuwächse im Bereich Nordic Walking und Nordic Blading und ein zweistelliges Wachstum beim Absatz von Berg-, Wander- und Trekkingschuhen. Eine Entwicklung, die uns alle sehr freut. Zeigt sie doch, dass unsere Kunden den Service und die Beratung, die sie in allen unseren Geschäften erhalten, sehr schätzen und durch Einkäufe honorieren. Damit zeigen wir als Sportfachhändler, dass wir auch die geborenen Wellnessberater in unseren Geschäften sind.Wichtige Stütze unseres Umsatzes sind die Sportschuhe, die am Sortiment unserer Geschäfte mit durchschnittlich 20 Prozent beteiligt sind (Sporthartwaren 40/Textilien 40).

Als Sportfachhändler profitieren wir hier eindeutig, so zeigen die Zahlen unserer ersten Markterhebungen, davon, dass es uns gelungen ist, zusammen mit unseren Partnern aus der Industrie aus dem Schönwetterläufer einen Ganzjahres- oder Allwetterläufer zu machen. Denken Sie dabei an unsere wichtige Berater- und Absatzfunktion in den Bereichen Marathon, Ultramarathon, Duathlon, Triathlon, Trailrunning, Berglauf.Funktionelle Sportbekleidung ist nach wie vor in unseren Geschäften gefragt und wächst in der Umsatz-Rangliste. Das Gleiche gilt für den Bereich Klettern und Bergsport allgemein.

Der Absatz im Inline- und Skatingbereich hat sich nach den Boomjahren auf hohem Niveau gefestigt. Der Umsatzanstieg hat sich aber so abgeflacht, wie es nach einer Markteinführung als neue "Grundsportart" üblich ist. Gleiches gilt für den Fitnessmarkt, der sich nach den großen Nachfragejahren ebenfalls auf hohem Niveau eingependelt hat. Umsätze entsprechen weitgehend dem jetzt anstehenden Ersatzbedarf bei Großgeräten.Erfreulicherweise steigt in unseren Geschäften der Umsatz mit Zubehör - vom Herzfrequenzmesser bis zur Skiunterwäsche - stetig. Einen stabilen Platz beim Umsatzranking hat sich auch die Wanderbekleidung gesichert, ebenso wie die sportliche Kinderbekleidung.

Selbstverständlich haben wir nach wie vor ein Sorgenkind. Die Umsatzverluste im klassischen Tennisbereich. Immer noch zweistellig. Dies würde sich unserer Meinung nach sofort ändern, wenn in Deutschland wieder Spieler vom Format eines Boris Becker oder einer Steffi Graf nachwachsen würden. Sie könnten Tennis vom Umsatzminus in unseren Geschäften zum Plus drehen. Das Tennisangebot, das hier auf der ispo komplett vertreten ist, bildet auch immer noch einen der Angebotsschwerpunkte, über die sich unser gesamter mittelständischer Sportfachhandel am Markt positioniert beziehungsweise positioniert hat. Dabei ist wichtig zu wissen, dass der Deutsche Tennisbund mit seinen 18 Landesverbänden und seinen 1,9 Millionen Mitgliedern immer noch der Welt größter Tennisverband ist. Der weiße Sport wird in 10 185 Vereinen und auf 50 483 Tennisplätzen gepflegt.

Betrachten wir die augenblickliche Preissituation. Wir als deutscher und europäischer Sportfachhandel können unsere Partner von der Industrie nur eindringlich davor warnen, weiter an der Preisschraube zu drehen. Sollte die Industrie hier auf der ispo wieder versuchen, bis zu zweistellige Preiserhöhungen durchzusetzen, wird sie sicher auf unseren erbitterten Widerstand stoßen. Preiserhöhungen, die nur den Aktionären höhere Gewinne versprechen, sind nämlich in unseren Geschäften nicht durchsetzbar. Wir erwarten, dass bei der spürbaren Zurückhaltung des Verbrauchers beim Einkauf in unseren Geschäften die Preise stabil bleiben und dadurch garantieren, dass Industrie und Fachhandel gemeinsam überleben können.

Mit "Price-ing" im Geschäft werden wir nicht überleben und nicht mehr Kunden in unsere Geschäfte bringen. Die gesamten Rabatt-, Coupon- oder anderen Aktionen am Markt, eingebunden in neue Ladenöffnungszeiten, erzeugen mit Sicherheit nicht die notwendigen Gewinne im Fachhandel und in der Industrie, die unbedingt für das Fortbestehen der gesamten Branche mehr denn je nötig sind. In diesem Zusammenhang muss auch ausgeschlossen werden, dass innovative Artikel, die hier auf der ispo vorgestellt werden, sofort nach Auslieferung bereits im großen Maß europaweit "verramscht" werden. Das schadet unserer Glaubwürdigkeit als Händler und lässt bei unseren Kunden die Basarmentalität weiter ungezügelt wachsen.

Auf dieser ispo werden wir uns, um ein Beispiel zu nennen, verstärkt um das gesamte Angebot des "Nordic Fitness"-Bereichs kümmern. Es wurde von München aus weltweit entwickelt. Hier erblickt auch der erste "Nordic Walking Schuh" der Firma Meindl das Licht des internationalen Sportartikelmarkts. Die Fachhandelserfolge in diesen neuen Outdoor-Sportarten schließen sich nahtlos an die Erfolge an, die wir auf der ispo und in unseren Geschäften mit dem gesamten Runningbereich haben. Running ist via ispo deshalb im Lauf der letzten Jahre europaweit zum Ganzjahresgeschäft geworden.

Ich hoffe, ich habe Ihnen ein aktuelles Beispiel dafür gegeben, wie wir als deutsche und europäische Fachhändler immer wieder die Impulse am Markt nutzen, die von der größten Fachmesse der Welt, der ispo ausgehen. Wo sehen wir als Sportfachhandel noch weitere Potentiale im Markt? Zweifellos bei den "Best Agers", wie man die Senioren im Marketingslang nennt, und bei den Frauen. Entsprechende Angebote werden wir hier in München sorgfältig prüfen.

 

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