Mit großer Spannung wartete am Freitagabend das Modevolk in Mailand auf die Präsentation der ersten Kollektion von Jil Sander seit drei Jahren. Eine lange Zeit in einer Branche, die schon jetzt an den nächsten Sommer denkt. Hatte sich die Meisterin des Minimalismus weiterentwickelt - konnte sie dabei ihren eigenen hohen Ansprüche treu bleiben? Sie konnte: Die Damenkollektion für Frühjahr/Sommer 2004 wird als brillantes Comeback der deutschen Designerin gefeiert. Ihre Entwürfe überraschten mit ungewohnter femininer Leichtigkeit: Mehrschichtiger Chiffon, kleine Puffärmel an zarten Oberteilen und Kaschmirpullovern, offene Saumkanten, die Farben zart - viel Weiß, Schilf- und Sepiatöne.

Aber auch wenn die Hamburgerin mit floralen Drucken und zarten Rüschen den strengen Minimalismus früherer Kollektionen weit hinter sich ließ, die Liebe zum Detail, die Qualität der Materialen und die Klarheit der Entwürfe sind immer noch klar erkennbare Stilelemente von Jil Sander und wichtiger als ein dramatisches Statement.

Nach der Schau betrat die Designerin kurz den Laufsteg, in weißem Hemd und dunklem Hosenanzug wie eh und je, verbeugt sich und lächelte still. Das sei erst der Anfang, ließ sie ein Fernsehteam nach der Schau wissen, ihre Mode habe sich weiterentwickelt. Sanders Rückkehr in das von ihr gegründete Unternehmen im Mai dieses Jahres wird in der Branche als Sensation betrachtet. Im Jahr 2000 hatte sie, nur wenige Monate nachdem die Prada Group Mehrheitseigner der Jil Sander AG geworden war, ihrem Unternehmen den Rücken gekehrt. Sie hatte sich wegen unterschiedlicher Auffassung über die kreative Ausrichtung der Marke mit dem Prada-Chef Patrizio Bertelli überworfen. Ihr Nachfolger Milan Vukmirovic konnte nicht an die kommerziellen Erfolge von Jil Sander anknüpfen - unter seiner Kreativleitung brachen die Umsätze ein.

 

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