Mode, Märkte, Massenware? Erkenntnisse aus der New York Fashion Week

Wenn die Geschichte stimmt, machte Eleanor Lambert den Anfang. 1943 lud die Publizistin zur «Press Week» nach New York, wo amerikanische Designer ihre neuen Kollektionen vorstellten. Bald wurden auch Modezeitschriften wie «Vogue» und «Harper's Bazaar» aufmerksam, nachdem sie sich lange nur für französische Designer interessiert hatten. Die New York Fashion Week war geboren. Doch heute steht die Modeschau an einem Wendepunkt. Sieben Erkenntnisse nach der diesjährigen Herbst- und Wintermodewoche in der Metropole:

Exklusiv war gestern

Die blitzschnelle, weltweite Verbreitung neuer Kollektionen durch Livestreams und soziale Medien hat der Aufregung um neue Ware einen Dämpfer verpasst. Designer Tommy Hilfiger bittet nun etwa zum für Instagram-Fotografen reservierten «Insta-Pit», damit der Foto-Kanal der Marke in Echtzeit gefüttert wird. Auch Pinterest, Snapchat und Vine sind voll mit Bildern und Clips der Schauen.

Der kunde ist könig

Während Fachleute, Handelsvertreter und Journalisten über Jahrzehnte Ziel der NYFW waren, richten sich Marken zunehmend direkt an die Verbraucher. Designer wollen neue Stücke nach der Schau künftig sofort zum Kauf anbieten, weshalb Lieferketten komplett umgestellt werden müssen. Die üblichen vier bis sechs Monate Wartezeit lassen neue Kollektionen veraltet wirken, wenn sie endlich im Laden angekommen sind. Schuld daran ist vor allem das Internet.

Nach der show ist vor der show

Auch der Designer-Verband CFDA liest die Zeichen der Zeit. Eine Unternehmensberatung untersucht seit Jahresbeginn und bis Ende Februar, wie die NYFW in eine Schau für Verbraucher umgewandelt werden könnte. Erste Änderungen am Konzept dürften in New York bereits im September ans Licht kommen. Immer mehr Designer halten auch nicht mehr viel vom klassischen Laufsteg und suchen neue Formen der Präsentation.

Mode, Märkte, Massenware? Erkenntnisse aus der New York Fashion Week

Trends sind nebensache

Stilistische Parallelen neuer Kollektionen lassen sich teils zwar erkennen - oder krampfhaft hineinlesen. Doch im komplett übersättigten Modemarkt ist die Zahl der Designer so groß wie nie zuvor. Jeder hat seinen eigenen Stil. Und weniger als je zuvor wollen sich Verbraucher sagen lassen, was «in» oder «out» ist. Der größte Trend heißt deshalb zumindest in New York: Individualität.

Mode kann popkultur

Mailand und Paris ist für edelste Stoffe und hohen Stil bekannt, bei der kommerzielleren New Yorker Schau versucht man sich aber auch mal in der Welt des Pop. So hat der US-Verlag Marvel etwa fünf Topmodels in Superhelden verwandelt. Die zu Figuren wie She-Hulk, Spider-Gwen und Thor gestylten Models erschienen als Covergirls auf der neuen Ausgabe des Kunstmagazins «Garage».

Musik von morgen

Berühmte Musiker und solche, die es mal waren, haben sich in der US-Modewelt fest etabliert. Einige Beispiele: Victoria Beckham, Gwen Stefani, Courtney Love, Pharrell Williams, Madonna und Beyoncé. Auch R&B-Sängerin Rihanna hat nun ihre erste eigene Modekollektion vorgestellt, nämlich die in weiß und schwarz gehaltene «Fenty»-Reihe für den Sportartikelhersteller Puma.

Kicking off #NYFW with the best. @badgalriri debuts #FENTYxPUMA collection.

A photo posted by PUMA (@puma) on

Kanye gewinnt

Auch Rapper Kanye West, der mittlerweile die dritte «Yeezy»-Kollektion auf den Markt geworfen hat, hat sich etabliert. Er ging sogar noch einen Schritt weiter und stellte sein neues Album «The Life of Pablo» zeitgleich mit der Kollektion vor. Der Hype um sein Programm im Madison Square Garden war groß genug, um der eigentlichen New York Fashion Week die Schau zu stehlen. (DPA)

 

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