Finanzinvestor übernimmt Victoria's Secret - CEO Leslie Wexner tritt ab

Image-Probleme und sinkende Verkaufszahlen haben das Dessous-Label «Victoria's Secret» in die Krise gebracht - jetzt übernimmt ein Finanzinvestor die Kontrolle. Die Beteiligungsgesellschaft Sycamore Partners erhält für 525 Millionen Dollar (486 Mio Euro) die 55-prozentige Mehrheit, wie die Unternehmen am Donnerstag in Columbus mitteilten. Die restlichen 45 Prozent bleiben beim bisherigen Mutterkonzern L Brands. Insgesamt werde «Victoria's Secret» bei dem Deal mit 1,1 Milliarden Dollar bewertet.

“Wir sind zuversichtlich, dass diese transformative Transaktion der beste Weg ist, um unsere ikonischen Marken zu stärken und allen Aktionären von L Brands einen höheren Wert zu bieten.", teilte das Vorstandsmitglied Allan Tessler in einer Pressemitteilung am Donnerstag mit.

Wexner tritt zurück

L Brands umstrittener Chef Leslie Wexner wird von seinem Amt zurücktreten, sobald die Transaktion abgeschlossen ist. Wexner hatte L Brands 1963 gegründet und 1982 Victoria's Secret übernommen. Er soll aber einen Posten im Verwaltungsrat behalten. Der Ruf des 82-Jährigen hat stark unter seiner Verbindung zum US-Millionär Jeffrey Epstein gelitten, der sich im vergangenen August nach einem Missbrauchsskandal das Leben in einem New Yorker Gefängnis genommen hatte. Wexner soll lange Zeit enge Geschäftsbeziehungen mit Epstein unterhalten haben, was zu heftiger Kritik am L-Brands-Chef führte.

Tessler steht dennoch hinter Wexner: "Les Wexner ist eine Einzelhandelslegende, die unglaubliche Marken aufgebaut hat, die weltweit bekannt sind. Seine Führung durch diesen Übergang ist ein Beispiel für sein Engagement für das weitere Wachstum von Bath & Body Works und Victoria's Secret und für die Steigerung des allgemeinen Unternehmenswertes."

Problemkind Victoria's Secret

Ohnehin hat sich «Victoria's Secret» beim Mutterkonzern L Brands längst vom Aushängeschild zum Problemfall entwickelt. Das Reizwäsche-Label, das bei seinen pompösen Modenschauen stets die internationale Elite der Top-Models über den Laufsteg schickte, tut sich schon länger schwer. Mit seiner «Sex Sells»-Vermarktung, die auf makellose, leicht bekleidete Frauenkörper setzt, wurde das Label in Zeiten reger «Body Shaming»-Debatten und der «#MeToo»-Bewegung zu einem Stein des Anstoßes. Berichte über Belästigungsvorwürfe gegen Manager brachten die Unterwäsche-Marke zuletzt weiter unter Druck.

Der derzeitige Chief Operating Officer von Bath & Body Works Andrew Meslow, wurde zum Chief Executive Officer von Bath & Body Works befördert. Dabei übernimmt er die Position von Nick Coe, der nun zum stellvertretenden Vorsitzender von Bath & Body Works Brand Strategy and New Ventures ist. Nach Abschluss der Transaktion wird Meslow zum neuen Chief Executive Officer von L Brands ernannt.

"Seit fast neun Jahren sind Nick und Andrew eine schlagkräftige Kombination, die die Marke Bath & Body Works zu einem Umsatz von mehr als 5 Milliarden Dollar mit der besten Rentabilität ihrer Klasse geführt hat. Das Management und der Vorstand haben in den letzten Jahren durchdachte Diskussionen geführt, um einen Nachfolgeplan zu entwickeln, der die einzigartige Partnerschaft von Nick und Andrew nutzt, um die langfristige, strategische Ausrichtung der Marke voranzutreiben", sagte Wexner. (dpa)

 

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