Ein trauriger Tag der Arbeit für Bangladesch,

der dem Land mehr Demonstrationen angesichts eines am letzten Mittwoch eingestürzten Industriegebäudes und einen Stand der Toten von 427 einbrachte. 149 Arbeiter werden immer noch vermisst und mehr als 2.500 wurden verletzt. Zudem muss das Land sich ernsthaft überlegen, wie es weitergehen soll, um eine Krise seines wichtigsten Industriezweigs zu vermeiden.

"Alle Fabriken wurden heute wieder geöffnet und die Arbeiter sind wieder an die Arbeit gegangen,” hatte Shahidullah Azim, stellvertretender Vorsitzender der Bangladesh Garments Manufacturers and Exporters Association, am Morgen gegenüber der Nachrichtenagentur AFP bestätigt. Mehr als drei Millionen Menschen, darunter viele Frauen, werden von der Textilindstrie in Bangladesch beschäftigt.

Außer dem schlimmsten Industrieunglück seiner Geschichte sieht sich Bangladesch auch Sanktionen von Seiten der Europäischen Union gegenüber. Sie erwägt, Handelsvergünstigungen aufzuheben, sollten sich die Arbeitsbedingungen im Land nicht verbessern. Augrund einer Regelung zur Unterstützung von Schwellenländern profitiert Bangladesch bis jetzt von einem zollfreien EU-Marktzugang für fast alle seiner Waren. Die Textilindustrie macht mit einem Exportvolumen von 19 Milliarden US-Dollar im Jahr 60 Prozent aller nach Europa exportierten Produkte aus.

Allein wird sich die Industrie mit mehr als 4.500 Betrieben sicher schwertun – auch internationale Auftraggeber, Zwischenhändler und andere Beteiligte, Gewerkschaften und Arbeitsorganisationen sind gefragt.

Der irische Textildiscounter Primark und die kanadische Supermarktkette Loblaw haben bereits unabhängig voneinander Unterstützung für die Opfer und ihre Familien angekündigt, sowohl kurz- als auch langfristig. „Wir werden den Familien der Opfer, die für unsere Lieferanten arbeiteten, eine Entschädigung zahlen,“ erklärte eine Sprecherin von Loblaw, und zwar "jetzt und in der Zukunft", ohne jedoch einen konkreten Betrag zu nennen. „Wir arbeiten mit einer örtlichen Hilfsorganisation zusammen,“ hieß es bei Primark.

Der spanische Modekonzern Mango erklärte hingegen, in einer der im eingestürzten Rana Plaza befindlichen Fabriken nur Muster habe fertigen lassen und hatte keine Unterstützung zugesagt, ebenso der italienische Konzern Benetton, der eine "einmalige Bestellung" angab. Der deutsche Textileinzelhändler NKD bestätigte, bis Herbst 2012 Waren von Phantom Apparels bezogen zu haben, machte aber keine weiteren Angaben.

"Es ist gut, dass Unternehmen erste Schritte unternehmen,“ sagte Frauke Banse, Eilaktions-Koordinatorin der Kanpagne für Saubere Kleidung beim Netzwerk Inkota, gegenüber der Taz. Allerdings dürfe die Unterstützung nicht „nach Gutdünken geregelt und als Almosen verteilt werden“, sondern müsse gemeinsam mit Gewerkschaften anhand bestehender internationaler Standards ausgehandelt werden.

Für Banse ist der Fall auch für Mango, Benetton, NKD & Co. klar, die sich auf abgelaufene Verträge oder Probebestellungen berufen. Alle, die jemals mit den Zulieferern zusammengearbeitet hätten, ohne gegen die Missstände vor Ort anzugehen, trügen die gleiche Verantwortung, und nicht nur die, „für die zufällig zum Zeitpunkt des Einsturzes produziert wurde.“

„Aller Voraussicht nach werden wir Primark, NKD, Benetton und noch weitere Unternehmen zu Entschädigungszahlungen nach internationalen Standards auffordern,“ kündigte sie an. Wichtig ist auch, dass so viele internationale Auftraggeber wie möglich "endlich das verbindliche und transparente Abkommen zum Gebäude- und Brandschutz unterzeichnen”, sagte Banse.
 

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