Der Brand in einer Textilfabrik im idyllischen Prato in der

Toskana, bei dem sieben chinesische Arbeiter ums Leben kamen, hat die menschenunwürdigen Zustände aufgedeckt, unter denen ‘Fast Fashion’ – schnelle Billigmode – auch in Europa hergestellt wird.

Zu den sogenannten ‘Sweatshops’, ausbeuterischen Betrieben, die oft illegale Arbeiter einstellen, die sich nicht gegen die schlechten Arbeitsbedingungen wehren können, gehörte auch der Betrieb Teresa Moda in der alten Woll- und Textilstadt Prato. Rund einhundert illegale chinesische Einwanderer arbeiteten nicht nur in langen 16- bis 18-Stunden-Schichten in der Fabrik, sondern lebten dort auch, zusammengepfercht wie menschliches Nutzvieh.

Am frühen Sonntagmorgen wurden sie im Schlaf von einem Feuer überrascht, das durch einen defekten Gasofen oder eine Zigarettenkippe ausgelöst worden sein könnte. Fünf Männer und zwei Frauen schafften es nicht und verbrannten in den Flammen. Was geschieht mit dem Rest der Belegschaft, die für einen Hungerlohn von 300 Euro Brutto im Monat sieben Tage die Woche arbeitet? Und Kleidung herstellte, die stolz “Made in Italy” proklamiert.

Nach Blutdiamanten scheint “blutige Kleidung”der neueste traurige Trend zu sein. Hunderte von Fabriken wie Teresa Moda soll es alleine in Prato geben, wahrscheinlich eher Tausende, da 4.000 chinesische Modefirmen dort gemeldet sind, dazu Zehntausende chinesischer Arbeiter, von denen nur rund 14.000 beim Einwohnermeldeamt gemeldet sind; die Dunkelziffer der illegalen Textilarbeiter wird auf 35.000 geschätzt. Und die Polizei und die örtlichen Behörden schauten weg, schon 20 Jahre lang, denn die erste Migrationswelle chinesischer Arbeiter begann bereits in den 1990er Jahren. Inzwischen hat Prato nach London und Paris das drittgrößte “Chinatown” Europas und damit selbst die Modestadt Mailand überflügelt.

Das bedeutet Zustände schlimmer als in Bangladesch, denn diese Arbeiter befinden sich nicht auf heimischem Boden, sprechen die Landessprache nicht und sind ihren Arbeitgebern völlig ausgeliefert. Und bis sie ihren Hungerlohn überhaupt behalten geschweige denn ans Sparen denken können, können Jahre vergehen, denn zunächst müssen die Schulden bei den Schleusern abgearbeitet werden.

Die italienische Wirtschaftsjournalistin Silvia Pieraccini rechnete aus, dass die chinesischen Betriebe in Prato jeden Tag rund eine Million Kleidungsstücke herstellen – gefertigt aus Billigstoffen aus Asien – und dann an Händler in ganz Europa verkauft werden, ohne Rechnung oder ordentliche Dokumentation versteht sich. Geschätzter Jahresumsatz: zwei bis sechs Milliarden Euro. Wie viele dieser Kleidungsstücke auch in deutschen Geschäften landen, sollte sich die Branche ausrechnen, ebenso wie viele Bekleidungsfabriken im Prato-Stil es in Deutschland gibt. Zeit, das Augenmerk von Bangladesch auf die heimische Produktion zu lenken.

Fotos: Made in Italy (Daniel Pink)/Prato Chinatown (Sailko)
 

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