Der umstrittene Gebrauch von Angora hat eine noch nie da

gewesene Welle von Reaktionen britischer Einzelhändler hervorgerufen. Einzelhandelsriesen wie Marks & Spencer, Topshop, Primark, Next, New Look und Ted Baker haben alle bestätigt, dass sie angesichts der Brutalität gegenüber den Tieren die Angorabeschaffung einstellen werden.

Online-Händler Asos ist sogar noch einen Schritt weiter gegangen und hat als erster britischer Einzelhändler Angora dauerhaft verboten und auch bestehende Angebote von Angoraprodukten von seiner Website genommen.

Die Tierrechtsorganisation Peta hatte letzten Monat ein mit versteckter Kamera gedrehtes Video öffentlich gemacht, dass die Brutalität zeigte, mit der lebenden Angorakaninchen das Fell ausgerissen wird und die Tiere vor Schmerzen schreien. Als Reaktion darauf haben die meisten britischen Einzelhändler die Beschaffung von Angora und den Verkauf von Angoraprodukten eingestellt, während die Unternehmen nach alternative Quellen oder Materialien suchen.

Marks & Spencer gab bekannt, dass die Tierschutzbestimmungen des Unternehmens den Lebendrupf nicht erlauben und glaubt, dass seine Lieferanten strengen Kontrollen standhalten. “Wir führen gerade zusätzliche Inspektionen in diesen Farmen durch, um absolut sicher zu sein, dass dies so ist. Außerdem werden wir von unseren Lieferanten keine weiteren Angoraprodukte beziehen, bis diese Inspektionen abgeschlossen sind und wir die Ergebnisse überprüft haben”, sagte das Unternehmen.

Zu den weiteren Unternehmen, die zunächst auf Angora verzichten wollen, gehören Calvin Klein, C&A, Esprit, H&M, IC Companys, Lindex, Tommy Hilfiger und andere.

Der deutsche Garnanbieter Michael Dal Grande Naturfasern aus Lörrach hatte die "einseitige und stark verkürzte Darstellung" des Videos kritisiert, bei der es sich nur um die Darstellung für den Haartyp "Spiky Angora" handele, die weltweit lediglich 10 Prozent der Angora-Jahresproduktion ausmache. "Von einer Qualität, die zudem noch nicht einmal in westlichen Produkten Verwendung findet, auf die gesamte Angora-Produktion zu schließen und die Angora-Industrie insgesamt in Sippenhaft zu nehmen ist manipulativ, verleumderisch und grob fahrlässig", kritisierte Dal Grande, der seit 1994 Schafwolle und Edelhaare beschafft.

Wie die Erfahrungen mit der Bekleidungsproduktion in sogenannten Billiglohnländern wie Bangladesch gezeigt haben, sind Herstellungskontrollen durchaus angemessen, um bestimmte Standards in Bezug auf Sicherheit, Arbeitszeiten und Löhne zu gewährleisten. Kein Wunder also, dass die Modebranche lieber schnell reagiert, als einen weiteren Skandal zu riskieren.
 

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