Das Europäische Parlament stellte letzte Woche eine Resolution

zusammen, in der es internationale Bekleidungsfirmen auffordert, ihre Lieferketten kritisch zu überprüfen. Zudem sollen sie auch zusammen mit ihren Zulieferern in Schwellen- und Entwicklungsländern die Sicherheits- und Gesundheitsstandards am Arbeitsplatz verbessern.

Damit reagierte das Europäische Parlament auf die schweren Brandunglücke in Pakistan und Bangladesch im letzten Jahr, bei denen Hunderte von Arbeitern um Leben kamen und mehrere Hundert verletzt wurden. Tragischerweise hätten durch bessere Brandschutzbestimmungen wie angemessene und nicht verschlossene Notausgänge und bessere Ausrüstung am Arbeitsplatz die meisten Unglücks- und Todesfälle verhindert werden können.

Die Resolution bezieht sich deshalb auf die Tatsache, dass “jedes Jahr Hunderte von Arbeitern bei ähnlichen Vorfällen in ganz Südasien zu Tode kommen und dass allein bei Fabrikbränden in Bangladesch seit 2005 circa 600 Textilarbeiter starben, was in vielen Fällen hätte verhindert werden können.”

Das Europäische Parlament beruft sich auch auf die Verantwortung des europäischen Marktes als wichtigstem Absatzmarkt für Bekleidungs- und Textilprodukte aus Bangladesch und dessen Stellung als zweitwichtigstem Exportland für Konfektionskleidung (nach China). Zudem stellt es den Zusammenhang zwischen dieser Nachfrage und der Ausbeutung von Arbeitern in sogenannten Billiglohnländern her: “…, dass die steigenden Arbeitskosten in anderen Teilen der Welt dazu geführt haben, dass die Zahl der Arbeitsplätze für gering qualifizierte Arbeitnehmer in der verarbeitenden Industrie in Indien, Pakistan, Kambodscha, Vietnam und insbesondere Bangladesch, wo auf Bekleidung inzwischen 75 % der Exporte entfallen, sprunghaft anstieg.”

Das Parlament fordert daher die Europäische Kommission, Einzelhändler, Nichtregierungsorganisationen und alle anderen beteiligten Interessenträger zur Zusammenarbeit auf, um einen ”freiwilligen Kennzeichnungsstandard zu entwickeln, mit dem bescheinigt wird, dass ein Produkt unter Einhaltung der grundlegenden Arbeitsnormen der Internationalen Arbeitsorganisation hergestellt wurde.”

Außerdem rief das Parlament im Ausland tätige EU-Unternehmen dazu auf, “verpflichtende, verantwortungsvolle Unternehmungsführungsstandards” zu fördern, und zwar insbesondere in Bezug auf internationale Standards und Vorschriften in den Bereichen Menschenrechte, Arbeit und Umwelt. Zudem begrüßte es auch die bereits unternommenen Anstrengungen gegen Kinderarbeit und alle folgenden.

Maßnahmen gegen Korruption sind ebenfalls ein zentrales Anliegen des Europäischen Parlaments und es appellierte an alle beteiligten Akteure, „die Korruption in der Lieferkette zu bekämpfen, die in vielen südasiatischen Ländern offensichtlich ist, einschließlich der Absprachen zwischen Sicherheitsinspektoren und Fabrikbesitzern.“ Die Resolution stellt den ersten Schritt da, der von der EU seit den Unglücken an offizieller Stelle unternommen wurde.
 

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