Nachdem vor gut zwei Wochen mehrere Tausend Arbeiter in der

Provinz Kampong Speu, westlich der Hauptstadt Phnom Penh, für bessere Löhne gestreikt und sich zu Protestkundgebungen zusammengefunden hatten, wurden jetzt fast 300 Arbeiter entlassen.

Sie hatten höhere Löhne und zusätzlich zum Mindestlohn von 74 US-Dollar (57 Euro) pro Monat 14 US-Dollar (11 Euro) für Ausgaben wie Transportkosten, Miete und Gesundheit gefordert. Die unter anderem für die US-Sportartikelhersteller Nike und Wilson Sports Apparel sowie das kanadische, auf Yogabekleidung spezialisierte Unternehmen Lululemon Athletica produzierende Fabrik Sabrina (Cambodia) war aus Sicherheitsgründen vorübergehen geschlossen worden.

Jetzt wurden fast 300 Arbeiter gezwungen zu kündigen, und zwar laut Gewerkschaftsvorsitzendem der Free Trade Union Mann Sang Hak ohne Abfindung. “Das ist illegal. Das ist eine Art von Bestrafung, um Arbeiter von weiteren Streiks und Protesten abzuhalten. Das ist unakzeptal", sagte er und kündigte an, die Gewerkschaft werde sich bei der Regierung beschweren. Weder Sprecher der betroffenen Firmen noch die Fabrikleitung haben bis jetzt Stellung genommon.

Angesichts einer Reihe von Unglücksfällen in Textilfabriken in Bangladesch und Pakistan gilt Kambodscha als “moralische Alternative” unter den Billiglohnländern, aber dies könnte ein Image sein, das systematisch von der Regierung gepflegt wurde, um internationale Marken und Einzelhändler anzulocken.

“Es ist Teil seiner Marketingstrategie”, bestätigt Kimberly Elliott, leitende Wissenschaftlerin am Center for Global Development das Image des Landes. “Die Idee ist, Auftraggeber in Sicherheit zu wiegen, dass sie keinen Sweatshop-Skandal zu erwarten haben.” In Wirklichkeit gibt es versprochene Reformen jedoch oft nur auf dem Papier und die Realität der Arbeiter sieht anders aus, wie das jüngste Beispiel zeigt.

Die Textil- und Bekleidungsindustrie in Kambodscha beschäftigt rund 650.000 Menschen in Hunderten von Fabriken. Mit fast 80 Prozent produzieren die meisten für den Export, einer Haupteinnahmequelle des Landes.
 

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