Nachdem es am Montag zu gewaltsamen Auseinandersetzungen

zwischen Demonstranten und der Polizei kam, wurde die Nike-Fabrik Sabrina (Cambodia) in der Provinz Kampong Speu, westlich der Hauptstadt Phnom Penh, vorübergehend aus Sicherheitsgründen geschlossen.

Rund 3.000 Arbeiter, darunter überwiegend Frauen, hatten Ende letzter Woche die Arbeit niedergelegt und waren auf die Straße gegangen. Sie fordern ihren Arbeitgeber auf, zusätzlich zum Mindestlohn von 74 US-Dollar (57 Euro) pro Monat 14 US-Dollar (11 Euro) für Ausgaben wie Transportkosten, Miete und Gesundheit zu zahlen.

Bei den Ausschreitungen waren 23 Arbeiter verletzt worden, darunter auch eine schwangere Frau. Nike sagte in einer Stellungnahme, das Unternehmen werde die Fabrik “aus Sorge um das Wohl der Arbeiter und weil weitere Proteste geplant” seien, vorerst geschlossen halten.

Nike betonte auch, dass die Fabrik bereits zum 1. Mai die Löhne erhöht habe und damit über dem Mindestlohn bezahle. Außerdem hätten die Arbeiter bereits Anspruch auf eine Gehaltszulage für Wohnen, Transport und Essen. Ferner stellte das Unternehmen klar, dass Nike die Arbeiter nicht direkt beschäftige, sondern der Auftragnehmer Sabrina (Cambodia) Garment Manufacturing für deren Löhne und andere Zahlungen verantwortlich sei.

“Nike ist tief betroffen von der Behandlung der Arbeiter außerhalb einer Fabrik in Phnom Penh, Kambodscha, die Nike-Artikel herstellt. Better Factories Cambodia (BFC) hat durch eine unabhängige Untersuchung gegenüber Nike bestätigt, dass einige Arbeiter bei einer Demonstration in Kambodscha am Montag Verletzungen davontrugen”, so die Stellungnahme.

Das Unternehmen mit Sitz in Oregon will jetzt weiter mit BFC zusammenarbeiten, einem Programm der Internationalen Arbeitsorganisation, sowie der Regierung von Kambodscha, damit die Sicherheit der Arbeiter gewährleistet ist, sie aber trotzdem von ihrem Demonstrationsrecht Gebrauch machen können.

Mit einem Exportvolumen von 3,55 Milliarden Euro ist die Bekleidungsindustrie einer der wichtigsten Wirtschaftszweige des Landes. Kambodscha steht für die EU als Zulieferer an neunter und für die USA an siebter Stelle.

Erst im März hatte die Kampagne für Saubere Kleidung (CCC) H&Ms “Conscious Collection” kritisiert und sie in “Unconscious Collapses” umbenannt, nachdem aufgrund schlechter Arbeitsbedingungen Arbeiterinnen reihenweise in Ohnmacht fielen und zwei sogar starben (s. “CCC kritisiert H&M”). Nur wenige Wochen zuvor waren CCC-Aktivisten bei einer Versammlung streikender Textilarbeiterinnen festgenommen worden.
 

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