Kik gibt sich cool nach der am 6. Dezember ausgestrahlten Panorama-Sendung

“Tod in der Fabrik: der Preis für billige Kleidung.” Darin wurden der Textildiskonter und dessen Sicherheitsvorkehrungen in Deutschland und in Karatschi unter die Lupe genommen .

Schon in den ersten Minuten der Reportage sahen die Zuschauer die ausgebrannte Fabrik Ali Enterprises, in der bei einem Großbrand am 11. September 260 Menschen ums Leben kamen. Stapel von Jeans liegen noch vor der Fabrik herum; eine Untersuchung der Etiketten bringt immer wieder die Kik-Marke Okay zum Vorschein.

Weitere Recherchen ergaben, dass Arbeiter ohne Verträge arbeiteten und es nur einen Notausgang gab, der verschlossen war, aus Angst vor Diebstahl. Dabei hatte Ali Enterprises wenige Wochen vor dem Brand noch ein Okay in Punkto Brandschutz und Sicherheit bekommen. Unverdient, wie sich auf tragische Weise herausstellte. Dass bedeutet für Auftraggeber wie Kik, dass sie sich nicht auf Überprüfungen vor Ort verlassen können, sondern strengere Eigenkontrollen und andere Maßnahmen nötig sind, um dem vielbeschworenen ‘Code of Conduct’ Bedeutung beizumessen.

Die scharfe Kritik der Sendung läßt Kik jedoch kühl, da eine “breite Kritikwelle” von seiten der Kundschaft ausgeblieben sei. Es seien “ etwa 50 bis 60 E-Mails von Kunden eingegangen, die uns zu der Sendung befragt haben. Die meisten waren sehr sachlich und interessiert”, äußerte sich eine Sprecherin der Firma am Freitag. Von einer offiziellen Reaktion direkt nach der Sendung wurde abgesehen, stattdessen veröffentlichte Kik eine Stellungnahme auf seiner Website.

Darin bestätigt das Unternehmen zunächst, dass alle deutschen Filialen über überwiegend nicht verschließbare Notausgänge verfügen und dass solche mit Schlüsseln mit sogenannten Panikschlössern nachgerüstet werden sollen. Für Ali Enterprises verweist Kik auf den Hilfsfond in Höhe von 500.000 US-Dollar (rund 390.000 Euro), der bald an die Angehörigen der Opfer ausgezahlt werden soll.

Ansonsten beruft sich Kik auf ein “branchenübliches Kontrollsystem, bestehend aus Auditierung, Qualifizierung und Re-Auditierung”, das es als Einkäufer verpflichtend auch für die Prüfung der Einhaltung von Sicherheits- und Brandschutzstandards bei Ali Enterprise eingehalten habe. Die entsprechenden Dokument hätten “keine Verdachtsmomente” aufgewiesen , seien jetzt jedoch durch den Brand “auf tragische Weise widerlegt worden”.

Und hier weist das Unternehmen alle Schuld von sich: “Wenn die Zustände in der Fabrik derartig nachlässig waren, dann haben die Agentur und auch das Zertifizierungsunternehmen hier nicht sorgfältig gearbeitet. Dies sind eindeutige Fehler. Wir wissen aber auch, dass eine Katastrophe dieses Ausmaßes nur möglich ist, wenn an mehreren Stellen Fehler gemacht worden sind. Diese reichen von Fehlverhalten derjenigen, die die Türen verschlossen hatten, über die Feuerwehr, die zu spät an der Brandstelle eintraf, bis hin zu den pakistanischen Behörden, die ihrer Aufsichtspflicht nicht nachgekommen sind,” heißt es in der Stellungnahme.

Jedoch will Kik Konsquenzen ziehen und noch in diesem Jahr mit Revisionsprozessen in Pakistan und Bangladesch beginnen, sowohl durch externe Agenturen als auch durch interne Instanzen. Zudem will das Unternehmen Arbeiter und Arbeiterinnen verstärkt in den Entwicklungsprozess von Arbeits- und Sicherheitsstandards miteinbeziehen. Dazu soll ein Pilotprojekt in Pakistan gestartet werden. So vielversprechend sich dies zunächst anhört, bleibt doch zu hoffen, dass diese Maßnahmen auch tatsächlich durchgeführt werden.
 

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