Die Deutschen sind in der Fashion-Welt nicht gerade als modisch
und experimentierfreudig bekannt. In Sachen Mode zählt hierzulande alles, was bequem ist und eine Funktion hat. Hochwertige Materialien und Marken-Bekleidung spielen dabei eine ganz besondere Rolle, denn entgegen dem allgemeinen Konsens sparen die Deutschen nicht etwa bei der Qualität. Dass bequem aber nicht immer gleich modisch bedeutet, steht auf einem anderen Blatt.
Woher dieser Drang nach Gemütlichkeit?
Bekleidung und Schuhe sollen sich heute dem Träger anpassen und nicht umgekehrt. Nach Jahren des High-Heels-Tragens verformen sich die Füße und deformieren.
Zudem ist eine Frau in hohen Schuhen längst nicht so agil, wie diejenige mit Sneakers oder anderen flachen Schuhen. Gleichzeitig sind viele Frauen heute berufstätig, oft auf Reisen und versorgen nebenbei die Familie und den Haushalt. Für all diese Aufgaben sind Schuhe oder Bekleidung, die ständig irgendwo drückt und einschnürt, vollkommen ungeeignet. Mit den hohen Absätzen kann man nicht mit den Kids auf dem Spielplatz spielen und die kleinen Wirbelwinde auch nicht einfangen, wenn sie weglaufen.
Das bodenlange Seidenkleid ist ebenfalls für die Aufgaben des Alltags ungeeignet: Man könnte an etwas hängenbleiben, der Stoff kann die
Unterwäsche durchscheinen lassen und Flecken vom gemeinsamen Eis essen lassen sich nur schlecht wieder aus den modischen Textilien entfernen. Da ist es nur logisch, dass die Frauen nicht immer bereit sind, sich in unbequeme und behindernde Sachen zu stecken. Auch vor den Männern macht dieser Trend nicht halt. Auch die Herren der Schöpfung springen gerne auf den Komfort-Zug auf und tragen atmungsaktive Sneakers statt steifer Budapester Schuhe mit schmalen Leisten. Wenn es
keinen Dresscode am Arbeitsplatz gibt, tragen Männer gerne Jeans und Shirt, oder praktische Cargohosen, wie in der Freizeit. Selbst die einengende Krawatte muss nur noch in äußerst konservativen Kreisen angelegt werden. Der wichtigste Aspekt bei der Wahl von Bekleidung und Schuhen ist, dass es sich dem Träger anpasst und bei der Erfüllung der Alltagsaufgaben nicht stört.
Entenförmige Orthopädieschuhe: Relikt vergangener Tage
Dabei gibt es nicht erst seit heute bequeme Kleidung und Schuhe. Ein bekannter Hersteller produzierte schon seit den 1990er Jahren Sandalen mit orthopädischem Fußbett. Doch anders als heute waren diese Schuhe sehr breit und entenförmig, Träger wurden schnell als „Ökos“ verspottet. Und das Schlimmste: Nichts passte zu diesen Schuhen - weder Röcke noch Hosen, es sah einfach immer komisch und auch ein wenig altbacken aus. Auch die bei den Herren heute so populären Funktionsjacken und Funktionsbekleidung aus atmenden Hightech-Fasern gab es schon vor 20 Jahren, wenn auch weniger gut entwickelt. Nur wirkten diese Kleidungsstücke wie nur für den Sport gemacht, man zog es einfach nicht im Büro oder im Alltag an. Und wer es doch tat, wurde schnell komisch angeschaut.
Bequemschuhe sind heute trendy und modisch
Heutzutage ist Funktionsbekleidung für Männer wie für Frauen auch im Alltag vollkommen normal, teilweise trägt man solche Fasern ebenso im Büro. Die Farben und Dessins der Bekleidung erinnern nicht mehr so stark an Sport und lassen sich so zu allen möglichen Gelegenheiten tragen und perfekt kombinieren. Die stärksten Trends in der Mode setzen derzeit auf Anleihen aus der Sportswear, die Jogginghose wird heute mit Blazer im Büro getragen. Bei den Schuhen besonders für Frauen ist zu beobachten, dass diese seit Jahren immer flacher werden. Die Formen haben sich verändert, so gibt es heute flache sportliche Sneaker, Stiefel und Stiefeletten, sowie die unvermeidlichen Ballerinas in bequemen und flachen Ausführungen. Die Leisten sind dabei eher schmal, denn das gesunde Innenleben spiegelt sich nicht mehr in der Optik des Schuhs wieder. Die Bequemschuhe sind modisch und trendy geworden. Und
wer einmal einen solchen Bequemschuh getragen hat, wird seine Füße nie wieder in drückendes zu enges Schuhwerk quetschen wollen.