Er US-Einzelhandelsriese Walmart gab am Montag bekannt, dass er

seine Regeln für Lieferanten geändert habe: Gab es vorher eine Kulanzzeit von drei Regelverstößen, setzt das Unternehmen jetzt auf “Null-Toleranz”. Zulieferern soll bei Verstößen sofort gekündigt werden, zum Beispiel wenn Arbeiten an Fabriken und Subunternehmer vergeben werden, die Walmart nicht bekannt sind beziehungsweise die das Unternehmen nicht genehmigt hat.

"Offenbar ist unsere Strategie mit den drei Verwarnungen nicht aufgegangen",äußerte sich Walmart-Vize-Präsident Rajan Kamalanathan."Unsere Null-Toleranz-Botschaft soll sich in den Köpfen festsetzen." Zu diesem Zweck schickte Walmart seinen Zulieferern ein zehnseitiges Schreiben, in dem sie über die neuen Regeln in Kenntnis gesetzt wurden.

Sich auf Transparenz und Rechenschaftspflicht berufend will das Unternehmen auf seiner Website auch die Namen von Zulieferern veröffentlichen, mit denen Beauftragte keine Geschäfte mehr machen dürfen. Sinnvoll wäre es, auch die Namen aller von Walmart genehmigten Betriebe zu veröffentlichen, damit diese unabhängig überprüft werden könnten, aber davon ist bis jetzt noch nicht die Rede.

Auch wenn der Schritt, der im Zuge eines verheerenden Fabrikfeuers bei Tazreen Fashions in Bangladesch Ende November 2012 bei dem 112 Arbeiter starben, geschah, ein erster Verbesserungsversuch ist, reagierten die Gewerkschaften verhalten. Walmarts Änderungen gingen den Problemen nicht auf den Grund, bemängelten sie. Um faire Löhne und sichere Arbeitsbedingungen garantieren zu können, müsste Walmart seinen Zulieferern zunächst einmal deutlich mehr zahlen.

Außerdem seien die neuen Brandschutzanforderungen für Fabriken in Bangladesch nur dann effektiv, wenn die Einhaltung auch unabhängig überprüft werden könne. Dazu müssten aber zunächst die Namen aller Zulieferer bekannt gemacht werden, um den Prozess transparent zu machen.

Das Unglück bei Tazreen Fashions fungierte als Weckruf für Walmart, denn offiziell hatte das Unternehmen seine Geschäfte mit der Fabrik bereits eingestellt und Tazreen Fashions war zum Zeitpunkt des Brandes “nicht länger befugt, Ware für Walmart herzustellen”. Trotzdem wurden aber Etiketten von Walmartmarken am Brandort gefunden. Ein Zwischenhändler soll den Auftrag ohne Absprache weitergegeben und so gegen Walmarts Richtlinien verstoßen haben.

“Die Tatsache, dass der Vorfall geschehen konnte, ist für uns sehr beunruhigend. Wir werden weiterhin innerhalb der Bekleidungsbranche daran arbeiten, Brandschutzaufklärung und -training in Bangladesch zu verbessern,” hatte sich ein Walmart-Sprecher im November geäußert. Mit zwei der Zulieferer, die Aufträge unbefugterweise an Tazreen Fashions vergeben hatten, hat Walmart inzwischen die Zusammenarbeit eingestellt, verschweigt allerdings deren Namen.

Das Unternehmen hat inzwischen Lücken in der eigenen Wertschöpfungskette eingestanden und will diese durch striktere Standards füllen. Dazu treffen sich die Zulieferer am heutigen Donnerstag mit Walmart auf dem Firmensitz in Arkansas. Es sollen Sicherheitsbestimmungen bekannt gegeben und Kredite diskutiert werden, die Walmart Fabriken gewähren will, um die Umstellung zu erleichtern.
 

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