Adidas zahlt an indonesische Arbeiter

Was lange währt, wird endlich gut. Nach mehreren Jahren der Ungewissheit können die Arbeiter von PT Kizone, einem indonesischen Zulieferbetrieb, endlich aufatmen – Sportartikelhersteller Adidas hat sich bereit erklärt, ausstehende

Abfindungszahlungen an rund 2,800 Arbeiter zu übernehmen.

"Dieser Adidas zahlt an indonesische ArbeiterFall ist ein Meilenstein im Kampf für die Rechte von Beschäftigten in Zulieferbetrieben der Sportartikelindustrie. Dies wäre ohne die internationale Solidarität mit den Arbeitern in Indonesien nicht möglich gewesen. Er zeigt aber auch, dass Adidas nur unter Druck bereit ist, Arbeitsrechte zu achten," sagte Maik Pflaum von der Christlichen Initiative Romero.

Und dieser Druck ist gerade in den USA massiv geworden und hatte Adidas drei Sponsorenverträge in Millionenhöhe gekostet: Wie berichtet hatte Rutgers nach Cornell und Wisconsin-Madison als dritte US-amerikanische Hochschule aus Protest gegen die ausstehenden Zahlungen an die Arbeiter von PT Kizone ihren Sponsorenvertrag mit Adidas gekündigt (s. Artikel “Hartnäckigkeit kostet Adidas Rutgers Deal” vom 4. Dez. 2012). Auch die Kampagne für Saubere Kleidung hatte mit öffentlichen Aktionen und Onlineprotesten gegen Adidas Druck gemacht.

Trotzdem hatte Adidas zwei Jahre lang jegliche Verantwortung von sich gewiesen, nachdem PT Kizone vom Besitzer plötzlich geschlossen worden war. Das Unternehmen berief sich auf die Tatsache, dass PT Kizone im April 2011 vom Besitzer illegal geschlossen worden sei, nicht von Adidas. “Wir haben alle Bedingungen unseres Vertrags eingehalten und den Fabrikbesitzern jeden Cent für Leistungen gezahlt, die wir in Anspruch genommen haben,” hieß es noch Ende letzten Jahres bei Adidas. “Im Gegenzug können wir keine Verantwortung für die Abfindungen übernehmen, die der ehemalige Besitzer von PT Kizone seinen Arbeitern schuldet, nachdem er das indonesische Recht gebrochen hat und geflohen ist.”

Die Kampagne für Saubere Kleidung hielt dagegen, dass Adidas durch das Lizenzabkommen zur Einhaltung der gleichen Regeln verpflichtet sei, die auch für direkt im Besitz der Firma befindliche Fabriken gelten. Nicht wenige stimmten zu und dachten wie Andreas Schneider vom Fürther Eine-Welt-Laden, dass Adidas verpflichtet gewesen wäre, sofort zu helfen: “Sowohl moralisch – die Arbeiterinnen und deren Familien standen vor dem Nichts – als auch nach den eigenen, firmenintern geltenden und oft zitierten Sozialstandards”, so Schneider.

Auch wenn die genauen Vereinbarungen des Abkommens zwischen Adidas und den betroffenen Arbeitern noch nicht veröffentlicht wurden, ist jedoch sicher, dass es sich um eine beträchtliche Summe handeln wird – gefordert waren zwischen 1,8 und 2,3 Millionen Euro, die auf rund 2.800 Arbeiter verteilt werden sollen.

"Zwei Jahre lang hatte sich der Konzern geweigert, die Abfindungen auszuzahlen und damit gegen indonesisches Recht, internationale Arbeitsstandards und den eigenen Verhaltenskodex verstoßen. Umso mehr freuen wir uns, dass Adidas in diesem Fall endlich das Richtige getan hat," sagte INKOTA-Vorstandsmitglied Axel Schröder.

Vielleicht nachdem es auch Opposition im eigenen Land gab, denn auch im heimischen Fürth war der Druck gewachsen: Für die Hauptversammlung der Adidas-Aktionäre am 8. Mai in Fürth hatten die Christliche Initiative Romero und der Fürther Eine-Welt-Laden geplant, zwei betroffene Näherinnen einfliegen zu lassen, um ihren Fall den Aktionären persönlich vorzutragen. Auch Flugblätter und Plakate waren schon gedruckt.

Die haben sich jetzt erübrigt, aber Andreas Schneider vom Eine-Welt-Laden ist darüber nicht böse, im Gegenteil: „Es ist unglaublich ermutigend zu sehen, dass man etwas bewegen kann, auch wenn man sich als Verbraucher noch so klein fühlt. Wir gehen davon aus, dass die erneuten Proteste rund um die Aktionärsversammlung das Fass zum Überlaufen gebracht haben“, so Schneider. Sogar der Kaffee, den Adidas am 8. Mai ausschenken wird, ist fair gehandelt, denn das Unternehmen soll ihn über ein Catering-Unternehmen beim Eine-Welt-Laden bestellt haben. Wenn das kein Zeichen des Umdenkens ist.

Foto: Adidas
 

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