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Bangladesch: Rana-Plaza-Opfer noch immer nicht entschädigt

2. Juli 2014

Es ist nun bereits über ein Jahr her, als am 24. April 2013 die Textilfabrik Rana Plaza in Bangladesch zusammengebrochen ist viele tausend TextilarbeiterInnen unter sich begraben hat. Mehr als 1.130 Menschen starben damals, mehr als 1.500 wurden teilweise sehr schwer verletzt.

Erschwerend kam danach für die Opfer und ihre Angehörigen hinzu, dass die von den dort produzierenden Modeunternehmen nur wenige Entschädigung leisten wollen und die so ein Jahr warten mussten, bis endlich erste Entschädigungszahlungen stattfinden konnten.

Allerdings ist der von der internationalen Arbeitsorganisation ILO kontrollierte Entschädigungsfonds nach wie vor noch nicht einmal zur Hälfte gefüllt, es fehlen noch immer knapp 25 Millionen US-Dollar. Zur Einzahlung aufgefordert sind daher laut der Organisation „Kampagne für Saubere Kleidung“ insbesondere jene Firmen, die Produktionsbeziehungen in eine der Fabriken des Rana Plaza Gebäudes gehabt hätten. Unter ihnen auch KiK, Adler Modemärkte, NKD, die KANZ/Kids Fashion Group, Güldenpfennig, Mango, Benetton und C&A.

KiK verdoppelt Einlage

Der deutsche Textildiscounter KiK will nun die Höhe seiner Kompensationszahlungen in den von der International Labour Organization (ILO) verwalteten Opferfond verdoppeln und insgesamt eine Million US-Dollar einlegen. "KiK hat die Entwicklung des Rana Plaza Treuhandfonds von Anbeginn an im Austausch mit allen involvierten Stakeholdern mit gestaltet und unterstützt. Uns war es und ist es wichtig, dass sich um alle Betroffenen nachhaltig und gerecht gekümmert wird. Daher haben wir uns zur Verdoppelung der Einlage entschieden", so Heinz Speet, Vorsitzender der Geschäftsführung von KiK.

Dem Firmenchef ist klar, dass sein Unternehmen mehr tun muss, um aus den anhaltend negativen Schlagzeilen aus diesem Vorfall herauszukommen. Zwar betont das Unternehmen weiterhin, „zum Zeitpunkt des Unglückes keine direkte Geschäftsbeziehung zu einer der im Rana Plaza Building ansässigen Lieferanten unterhalten“ zu haben, Aktivisten und Menschenrechtsorganisationen behaupten jedoch nach wie vor das Gegenteil und sehen die Anbieter weiter in der Pflicht.

Laut KiK-Chef Speet ist es seinem Unternehmen ein wichtiges Anliegen, die Produktionsbedingungen in Bangladesch nachhaltig und langfristig - auch im Schulterschluss mit anderen internationalen Unternehmen, der Regierung und den NGO's vor Ort - zu verbessern. „Wir hoffen, dass unsere Einlage weitere Unternehmen dazu bewegt, ebenfalls eine Hilfszahlung zu tätigen", lässt Speet wissen. Warum sich KiK jedoch über ein Jahr Zeit gelassen hat, um eine vergleichsweise niedrige Entschädigungssumme von insgesamt einer Million US-Dollar an den Fond zu überweisen, bleibt wohl Speets Geheimnis. Der Textildiscounter hat schließlich eigenen Angaben zufolge allein im vergangenen Jahr einen Umsatz von 1,75 Milliarden Euro erwirtschaftet.

Immerhin beteiligt sich KiK überhaupt an dem 40-Millionen-Dollar Fond. Laut Menschenrechtsorganisationen haben sich bislang einige der betroffenen Unternehmen noch gar nicht an den Kompensationszahlungen beteiligt. Allein sieben der aktuell 15 Millionen Dollar im Fond legte der irische Textilkonzern Primark ein, während sich andere Firmen weiterhin hartnäckig jegliches Engagement verweigern.

Foto: Kampagne für Saubere Kleidung