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Berlin Fashion Week: klarer Heimsieg

11. Juli 2014

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Nach drei Tagen Mercedes-Benz Fashion Week ließ es sich nicht verleugnen: Wirkliche Höhepunkte gab es in diesem Sommer nur wenige. Und für die sorgten erwartungsgemäß wieder einmal einheimische Designer. Nun ist eine Modewoche keine Fußball-Weltmeisterschaft – es geht

nicht darum, Finalisten oder gar einen Sieger zu ermitteln. Dazu sind die gezeigten Kollektionen auch zu unterschiedlich. Aber während für einige Labels die große Bühne der Mercedes-Benz Fashion Week doch zu groß war, konnten andere rundum überzeugen. Da waren Dawid Tomaszewski und Lala Berlin an den beiden ersten Tagen – und dann kam Perret Schaad am Donnerstag.

Johanna Perret und Tutia Schaad war glücklicherweise das Wetter gewogen – nach den heftigen Unwettern der Vortage konnten sie ihre neue Kollektion unter freiem Himmel im Garten des Kronprinzenpalais im strahlenden Sonnenschein präsentieren. Und ihre Entwürfe hatten das auch verdient: Den reduzierten puristischen Stil der Anfangsjahre bereicherten sie um ein malerische Elemente – viele in die Modegeschichte zurückverweisende lockere Knoten und Schleifen verliehen Kleidern und Tops einen leicht postmodernen Einschlag.

Berliner Designer sorgten bislang für die Highlights der Mercedes-Benz Fashion Week

Trotzdem ging die für das Label so typische Klarheit nicht verloren. Ihr Farbkanon aus gebrochenen Grün- und Blautönen blieb unverwechselbar. Hinzu kamen – als Zeichen des Fortschritts – diesmal zurückhaltende Drucke mit verspringenden grauen Streifen und kleinteilige Lasercuts, die an magnetische Wellen erinnern. Und auch einen Ausflug in die Opulenz erlaubten sich die beiden: Ein Trenchcoat mit subtil durchbrochener, goldig schimmernder Außenhaut und blauem Futter war ein Höhepunkt der Show, die mit der gleichermaßen zurückhaltenden wie edlen, von Karl Friedrich Schinkel entworfenen Friedrichswerderschen Kirche einen adäquaten Hintergrund hatte.

Die übrigen Kollektionen, die am dritten Tag der Mercedes-Benz Fashion Week zu sehen waren, konnten da nicht mithalten. Vladimir Karaleev, der im Winter ein echtes Meisterstück abgeliefert hatte, gab sich diesmal rauer und experimenteller – er collagierte unterschiedlichste, oft transparente Materialien, stapelte seine Stoffe oder fügte sie zu konstruktivistisch anmutenden Kreationen zusammen. Die typische Handschrift war unverkennbar, so unmittelbar stimmig wie die jüngste Winterkollektion wirkten die Entwürfe in der Summe aber nicht.

Die übrigen Berliner Labels, die am Donnerstag ihre Entwürfe zeigten, boten insgesamt ein eher durchwachsenes Bild. Anlass zur Hoffnung bot Isabell de Hillerin, die diesmal weniger auf die bislang typischen osteuropäische Stickereien, als auf geschickt konstruierte Silhouetten setzte. Sie kombinierte schmal geschnittene Stücke mit darüber liegenden transparenten, voluminöseren Lagen und experimentierte mit raffiniert drapierten Stoffstreifen, die ihren Entwürfen eine größere Komplexität gaben. Vom Publikum wurde sie dafür euphorisch gefeiert. Die Designerin scheint auf einem guten Weg zu sein, wohin der führen wird, ist aber angesichts einiger Richtungswechsel noch nicht absehbar.

Ansonsten gaben sich am Donnerstag die soliden süddeutschen Marken ein Stelldichein. Was die Umsätze angeht, sind sie den Berliner Labels oft meilenweit voraus. Entsprechend risikolos fielen ihre Kollektionen aus. Dorothee Schumacher zeigte eine gewohnt solide, von einigen orangen Akzenten belebte Kollektion, Marc Cain ist ohnehin eher für handwerkliche Qualitäten als ästhetischen Wagemut bekannt, und Laurèl präsentierte die routinierte und verkäufliche, aber nie allzu wagemutige Coolness, für die die frühere Escada-Tochter nun einmal steht.

Foto: Isabell de Hillerin, SS2015, ©Mercedes-Benz Fashion