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Deutschlands Wirtschaft legt Nullrunde ein

18. Aug. 2008

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Die deutsche Wirtschaft hat während der Sommermonate kaum zugelegt und pendelt sich nach den starken Zuwächsen der Vergangenheit langsam bei einem Nullwachstum ein. Wie das neue Konjunkturbarometer des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW)

 signalisiert, kann im laufenden dritten Quartal 2008 nur noch von einem Wirtschaftswachstum in Höhe von mageren 0,1 Prozent ausgegangen werden.

Schuld an der Misere ist vor allem das bislang so starke produzierende Gewerbe, das sogar einen Rückgang um 0,5 Prozent verkraften muss. Allein dem Dienstleistungssektor sei es zu verdanken, dass nicht die gesamte Wirtschaft ins Minus gerutscht sei, so die Forscher in ihrer Studie. Der Wertschöpfungsanteil des Dienstleistungssektors an der deutschen Volkswirtschaft beläuft sich mittlerweile auf gut 70 Prozent. Mit einem Plus von 0,3 Prozent bleibt auch der Bereich Handel, Gaststätten und Verkehr zwar etwas unter den im Vormonat formulierten Erwartungen zurück, liegt jedoch immer noch über dem prognostizierten Durchschnittswachstum der Gesamtwirtschaft. Gefestigt hat sich nach Angaben des DIW auch die Wachstumserwartung für die übrigen Bereiche: Die unternehmensnahen Dienstleistungen wachsen um 0,6 Prozent, während die öffentlichen und privaten Dienstleistungen um 0,2 Prozent zulegen.

Trotz schwächelnder Produktionsleistungen und steigender Preise für Energie und Lebensmittel gehen die Experten davon aus, dass sich die Inflation schon bald wieder abschwächen wird. Es sei daher „völlig abwegig, von einer Rezession zu sprechen“, so der DIW-Konjunkturexperte Stefan Kooths. In der Tat schätzt das Institut die weitere Entwicklung deutlich günstiger ein, als es die schwachen Wachstumswerte für das zweite und dritte Quartal zum Ausdruck bringen. Insbesondere müsse der Wachstumsrückgang im Frühling vor dem Hintergrund einer ungewöhnlich kräftigen Expansion im ersten Quartal gesehen werden, so das DIW. Auch dürfte sich der außenwirtschaftlich bedingte Preisauftrieb in der zweiten Jahreshälfte deutlich zurückbilden, wodurch die Kaufkraft der privaten Haushalte gestärkt werde und die Binnennachfrage bei hohem Beschäftigungsstand neue Impulse erhalte.

Trotz der täglich in den Medien wiederkehrenden Nachrichten von Konjunkturflauten, Firmenpleiten, Entlassungswellen und steigenden Lebenshaltungskosten ist die deutsche Wirtschaft wohl in einem recht ordentlichen Zustand. Bleibt abzuwarten, ob die nun abgegebenen Prognosen durch die realen Zahlen bestätigt werden oder ob am Ende doch einmal mehr nach unten korrigiert werden muss.

Foto: DIW