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Heimsieg für Berliner Designer

5. Juli 2013

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Sie mussten es diesmal fast allein richten: Gut, aus Süddeutschland waren immerhin Schumacher, Laurèl oder Marc Cain angereist, aber künstlerische Höchstleistungen sind von diesen soliden, völlig zurecht auf den Markt schielenden Marken nicht

zu erwarten. So war es an den Einheimischen, diesbezüglich Standards zu setzen und den gerade erst gewonnen Stellenwert der Mercedes-Benz Fashion Week zu verteidigen. Der Erwartungsdruck war entsprechend groß. Umso schöner für die Veranstaltung und den gesamten Modestandort, dass die meisten der bewährten Berliner Marken die Erwartungen souverän erfüllten – oder sogar übertrafen. Und das auf ganz individuelle Weise. Einen Berliner Stil gibt es nach wie vor nicht, und das ist gut so, denn gerade die kreative Fülle der gezeigten Kollektionen macht schließlich den Reiz der Hauptstadt aus.

Da

sind Marken, die ohne Rücksicht auf irgendwelche Trends ihren ganz eigenen Stil verfeinern, wie die auch kommerziell erfreulich erfolgreichen Augustin Teboul, die erneut ihre komplexen, schwarzen Häkelnetze spannen, Sissi Goetze, die einmal mehr mit kompromisslos reduzierter Menswear überzeugte oder das Label Achtland, das eine konzeptionell und handwerklich ausgefeilte Kollektion von ganz eigenem Reiz zeigte.

Die einheimischen Marken sichern den Stellenwert der Fashion Week

Da sind die Designer, die an ihren subtilen Minimalismus inzwischen seit Jahren feilen: Michael Sontag, Hien Le – und Perret Schaad. Die sorgten nicht nur mit einer rundum gelungenen, ebenso puristischen wie raffinierten Kollektion für einen der Höhepunkte der Woche, sondern auch mit der gelungensten Präsentation. In der von Ludwig Mies van der Rohe entworfenen Neuen Nationalgalerie, einer rundum verglasten Ikone der Nachkriegsmoderne, ließen sie ihre Models im Innenraum zwischen gediegenen Schinkelskulpturen schreiten, während das Publikum draußen stehend durch die Scheiben schauen musste. Es war ein Angriff auf die Konventionen der Modenschau: keine erste Reihe, keine laute Musik, keine grellen Scheinwerfer. Und es war die perfekte Verschmelzung von Kollektion und Raum – die schimmernd beschichteten Stoffe und klaren Linien wurden durch die Reflektionen der Glasscheiben und die strenge Geometrie des Gebäudes multipliziert und verstärkt.

Und da sind Kaviar Gauche und Lala Berlin, zwei erfolgreiche Marken, die es für Berliner Verhältnisse schon ewig gibt und die allein deshalb schon zu den Stützen der Hauptstadtmode gehören. Kaviar Gauche kehrten nach einer Saison in Paris in die Heimat zurück und präsentierten eine stimmige, sehr konzentrierte Kollektion, die von verschiedenen Varianten durchbrochener Pflanzenmuster – einer modernen Variation des Themas Spitze – geprägt wird. Lala Berlin zeigte eine luftige Sommerkollektion mit tropischen Motiven in Pastell- und Neonfarben, ergänzt um oft kastige Strickpullover und zarte Lederteile. Dass diese Kollektion zwar gut, aber im Rahmen der Fashion Week diesmal nicht herausragend war, sagt einiges über die Qualität, die in den vergangenen Tagen von den Berliner Modemachern unter Beweis gestellt wurde.

Foto: Perret Schaad SS2014, ©Mercedes-Benz Fashion Week Berlin