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ITS 2012: Und der Sieger ist Ichiro Suzuki

17. Juli 2012

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„Ich liebe die Mode, ich glaube an die Mode“. Das Mantra der Japanerin Chiaki Moronaga wurde vor der schweigsamen Jury des International Talent Support vorgetragen, die damit beschäftigt war, die Stickereien, Spitzen und Röcke im Stil

des 19. Jahrhunderts zu begutachten, die die Designerin für den Wettbewerb entworfen hatte. Die Auszeichnung für die Modekollektion 2012 ging an einen anderen Japaner: Ichiro Suzuki, Student des Royal College of Art, aber die moralische Siegerin des Wettbewerbs, der vergangenen Samstag in Triest zu Ende ging, ist mit Sicherheit die 23-jährige Chiaki.

In
den vergangenen 11 Jahren wurden bei der ITS Talente aufgespürt wie Slobodan Mihaijlovic, der zunächst für Cavalli entwarf und dann Starplusstar ins Leben rief, sowie Anna Louise Plunkett und Luke John Sales, die Gründer des Modelabels „Romance was born“.

Selten ist bei Modewettbewerben so viel Kreativität zu sehen. Davon zeugte auch das Interesse der Jury, der unter anderem der Diesel-Gründer (und Sponsor des Wettbewerbs) Renzo Rossa angehören sowie Barbara Franchin, die Gründerin der ITS und Direktorin der Agentur Eve, die Künstlerin Marina Abramovic, Sara Maino, Senior Fashion Editor der Vogue Italia, Nina Nitsche des Maison Martin Margiela, Robbie Spencer von Dazed & Confused, Tim Voegele-Downing, Global Creative Director bei Avery Dennison, und Modedesigner Mark Fast.

Am Nachmittag eines drückend heißen Freitags in der ehemaligen Fischhandlung an der Triester Küste wurden in dem Saal, der den 11 (bzw. mit den Sparten Schmuck und Accessoires insgesamt 31) Mode-Finalisten gewidmet war, die Fragen der Juroren an Maßschneider und Vertreter künftiger Modelabel und nicht an frischgebackene Schulabsolventen gerichtet. „Wieviel Zeit haben Sie auf die Kreation dieses Looks verwendet?“, „Welche Reaktion des Marktes erwartest du dir auf deine Kollektion?“ und weiter „Würdest du deine Kollektion als Prêt-à-Porter oder als Haute Couture bezeichnen?“ Haute Couture war die ständig wiederkehrende Antwort. Und die Männerkollektion, die Suzuki, der Sieger in der Sparte Fashion auf den Laufsteg brachte, war denn auch eine gelungene Verbindung aus schneiderischer Obsession und innovativem Design.

Die Architektur diente als Inspiration für Mark Goldenberg, dem Gewinner des Vogue Talents Award und des Brand Innovation Award von Avery Dennison Rbis, einem Unternehmen, das Branding-Lösungen bietet. „Das Branding ist wesentlich für den Erfolg eines Bekleidungsunternehmens“, erklärte dazu Tim Voegele-Downing, Global Creative Director bei Avery Dennison.

Femininität und hauchdünne Stoffe waren dagegen die Waffen, mit denen sich der 33-jährige Marius Janusauskas der Antwerpener Hogeschool den Diesel-Preis in Höhe von 25.000 Euro sowie ein Praktikum bei dem von Renzo Rosso gegründeten Unternehmen
sicherte.

„Wie macht ihr das bloß, all diese Talente auszugraben?“. Dies ist eine der Fragen, die FashionUnited der Gründerin des Wettbewerbs Barbara Franchin stellte. „Teilweise sind sie es, die zu uns kommen, und dann haben wir auch zwei, drei Personen, die in der Welt herumreisen und in den Schulen und Akademien auf Talentsuche gehen, und schließlich gibt es noch ein ziemlich intensives Scouting über das Internet“, gab Franchin zur Antwort. Die sozialen Medien, allen voran Facebook und Twitter, waren auch die offiziellen von ITS und den Teilnehmern verwendeten Medien, um die Welt über alles auf dem Laufenden zu halten, was sich an den Wettbewerbstagen 13. und 14. Juli in Triest abspielte. „Diese Stadt ist einfach perfekt als Plattform für junge Designer“, erklärte Franchin. „Wären wir in Mailand, wären die Journalisten und Unternehmer tausend anderen Reiezen ausgesetzt. Triest dagegen ist abgeschieden, hier gibt es keine auf die Mode ausgerichteten Traditionen und Aktivitäten“, urteilte die von der Veranstaltung 2012 rundum begeisterte Franchin, die sich allerdings auch Sorgen macht wegen der wachsenden Schwierigkeiten, Sponsoren für eine Veranstaltung zu finden, deren Kosten sich in diesem Jahr auf 1,4 Millionen Euro beliefen.

Von unserem Korrespondenten in Triest

Fotos: Die Eingabe von Ichiro Suzuki