Karachi-Brand: Kik im Visier

Das Unternehmen Ali Enterprises in Karachi, bei dessen Brand letzte Woche fast 300 Menschen starben, hat Jeans für den Billigeinzelhändler Kik produziert. Der Brand, bei dem am vergangenen Dienstag rund die Hälfte der 650 Beschäftigten

aufgrund verschlossener Notausgänge, vergitterter Fenster und versperrter Treppenhäuser ums Leben kam, hat nun offenbar auch ein Nachspiel in Deutschland. In der Brandruine der Fabrik, die weder offiziell registriert war und noch jemals durch offizielle Stellen überprüft worden war, sind am vergangenen Wochenende Textilien mit dem Etikett und Logo der Marke „Okay" gefunden worden, die von Kik in Deutschland, Österreich und Osteuropa verkauft wird.

WährendKarachi-Brand: Kik im Visier die Eigentümer der Fabrik des Mordes angeklagt worden sind und die National Trade Union Federation die lokalen Behörden dazu aufgerufen hat, Kik und alle anderen Käufer, die in der Fabrik produzieren ließen, wegen strafbarer Fahrlässigkeit anzuklagen, hat auch das Bönener Unternehmen mittlerweile reagiert. Der Discounter gibt zu, in der betroffenen Fabrik Jeans habe produzieren lassen und zeigt sich zugleich „zutiefst betroffen über dieses schreckliche Unglück und den tragischen Tod so vieler Menschen“.

Um in dieser Situation den Verletzten und Angehörigen der Opfer schnellstmöglich Hilfe zukommen zu lassen, arbeite man bereits seit der vergangenen Woche am Aufbau eines Hilfsfonds. Dieser solle - finanziell ausgestattet von Kik und den anderen Unternehmen, die bei Ali Enterprises haben fertigen lassen - „schnell und unbürokratisch“ die vorhandenen Mittel verteilen. „Absprachen, wie dies pragmatisch und unabhängig in der aktuell instabilen Situation in Pakistan organisiert werden kann, sind bereits mit verschiedenen weltweit agierenden Hilfsorganisationen getroffen worden“, heißt es in einer Stellungnahme des Unternehmens.

Darüber hinaus arbeite man parallel an der Klärung der Ursachen, die zu der Katastrophe führen konnten. Zudem stellt die Firmenleitung klar: „Grundsätzlich verpflichtet Kik alle Lieferanten auf die Erfüllung und Einhaltung elementarer Arbeitsrechte und Sicherheitsstandards. Diese Verpflichtung werde in Audits von externen, unabhängigen und akkreditierten Zertifizierungsunternehmen geprüft, und gerade das Thema Brandschutz habe dabei „herausragende Bedeutung“ und werde in gesonderten firesafty Trainings berücksichtigt.

Genau dies bezweifeln jedoch Arbeitsrechtler wie Nasir Mansoor von der pakistanischen National Trade Union Federation. Seiner Meinung nach interessieren sich die ausländischen Käufer nicht für die Arbeitsbedingungen in den hiesigen Fabriken. Eine 30-minütige Inspektion in der Fabrik hätte ausgereicht um festzustellen, dass die Arbeiter über keine der Einrichtungen verfügten, deren Existenz die Eigentümer in den an die Käufer gesandten Dokumenten behaupten. Dem hingegen widerspricht Kik. Ein Bericht des Zertifizierungsunternehmens UL Responsibel Sourcing INC. habe vorgelegen, in dem die Einhaltung des Brandschutzes bestätigt sei. Wie es trotzdem zu der Katastrophe kommen konnte, werde aktuell durch diverse Recherchen aufgeklärt. Zudem führe man noch in dieser Woche alle notwendigen Gespräche mit dem verantwortlichen Zertifizierungsunternehmen. Kik verspricht: Wir werden mit größtmöglicher Transparenz und Offenheit zur Klärung der Ursachen beitragen“. Ob sich dadurch jedoch auch die Situation in anderen Zulieferbetrieben ändern wird, bleibt abzuwarten. Nach Ansicht vieler Experten war Ali Enterprises nämlich kein Einzelfall.

Foto: Kik Textilien

 

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