Kleiderkreisel: Nutzer reagieren wütend auf neues Bezahlsystem

Mehr als 5 Millionen registrierte Nutzer und einige davon packen nun ihre bei Kleiderkreisel (KK) angebotenen Artikel und löschen ihren Account bei der Verkaufs- und Tauschbörse. Der Grund: Ein neues Bezahlsystem, das für die Nutzer Kosten entstehen lässt. Kleiderkreisel selbst gibt an, dass

die Neuerung, die Ende November in Kraft tritt, zur Behebung von Problemen im Bereich Sicherheit und Betrug nötig ist. Fakt ist jedoch, dass die ‘Kreisler’ in Litauen, Tschechien, Polen, Österreich, Frankreich und Deutschland bisher zufrieden waren, was nun vermehrt nicht mehr der Fall ist.

Kleiderkreisel: Nutzer reagieren wütend auf neues BezahlsystemKleiderkreisel führt ein neues Bezahlsystem ein und stößt auf Empörung bei den Nutzern, viele verlassen die Plattform und wechseln zu kostenlosen Konkurrenzunternehmen. Angefangen hat alles mit dieser Nachricht im ‘Thread’ an die Nutzer: „Liebe Mitglieder, Kleiderkreisel ist in den letzten Jahren richtig erfolgreich geworden und ihr habt das ermöglicht. Kleiderkreisel lebt von den vielen tollen Kreislern, von eurem Feedback und euren Erfahrungen. Heute glauben wir, den nächsten Schritt wagen zu können. Darum führen wir das Kleiderkreisel Bezahlsystem bald ein. Das heißt, wir legen den Fokus auf sichere Transaktionen und Zuverlässigkeit. Es gab seit unserer ersten Ankündigung viel Feedback. Wir möchten absolut ehrlich zu euch sein. Lest hier bitte die wichtigsten Gründe, warum wir sicher sind, dass die Einführung des Kleiderkreisel Bezahlsystems allen Kreislern zu Gute kommt.”

Anschließend listete das Münchner Unternehmen die Gründe für die Neuerung auf: „Probleme im Bereich Sicherheit und Betrug werden gelöst: Betrug, Schwindel und das Gefühl, keine Sicherheit beim Kauf zu haben. Das sind die größten Herausforderungen, denen sich die Kreisel-Community in den letzten Jahren stellen musste. Zum jetzigen Zeitpunkt haben ein Drittel aller Käufer Probleme bei Transaktionen. Wir glauben, dass das Kleiderkreisel Bezahlsystem der beste Weg ist, um Käufern eine Rückerstattung zu ermöglichen, wenn Probleme auftreten. Aber auch um unseren Verkäufern ein sicheres Gefühl zu geben, weil sie nicht länger ihre privaten Bankdaten mit Fremden teilen müssen. Des Weiteren möchten wir gute Erfahrungen teilen: Wir haben das Bezahlsystem auf unseren Schwesterseiten in den USA und im UK getestet. Mitglieder waren zunächst enttäuscht über die Einführung von Gebühren. Nach einiger Zeit wurden aber die Vorteile klar. Dazu gehören die gestiegene Anzahl von Verkäufen, schnellere Transaktionen, mehr Sicherheit, weniger Betrugsfälle und die Möglichkeit eine Rückerstattung zu erhalten. Obwohl das Bezahlsystem keine Pflicht für Käufer ist, werden heute fast alle Transaktionen auf den englischsprachigen Plattformen über das Bezahlsystem abgewickelt.” Und zu guter Letzt: „Kleiderkreisel will als sichere und zuverlässige Plattform wachsen. Heute werden gerade mal 20 Prozent aller Kleiderkreisel-Kosten (das Team, Server, usw.) durch Einnahmen aus Werbung oder anderen Diensten abgedeckt. Der Rest wird durch unsere Investoren finanziert. Das heißt, wir stehen noch nicht auf eigenen Beinen. Diesen Thread haben wir geöffnet, um zu erklären, was uns zur Einführung des Kleiderkreisel Bezahlsystems bewegt hat. Aber auch, damit ihr uns sachliches Feedback geben könnt. Wir nehmen es gerne an und überlegen, wie wir unser System weiter verbessern können.”

Kleiderkreisel bezieht heute noch Stellung

Das klingt eigentlich plausibel, doch unter der Nutzern macht sich Wut und Empörung breit. Nicht bei allen, wie man lesen kann: „Ich schreibe gerade alle aus meinen Bewertungen an! Ich fordere dazu auf, den oben angepinnten Thread zu lesen und die Nachricht weiter zu verbreiten. Immer wieder bekomme ich aber zur Antwort, was das soll.... nein..... sie findet das System gut...wo denn mein Problem liegt....Scheinbar wollen es manche einfach nicht kapieren,” schrieb eine Nutzerin. Nun versuchen die Widersacher, immer mehr Kreisler zum Verlassen der Plattform zu bewegen. Eine Nutzerin schrieb: „Ich weiß nicht, ob du es bereits mitbekommen hast, aber das Kleiderkreisel Kommando wird Ende November ein neues Bezahlsystem einführen. Kurz gesagt: Es wird ein ‘Kaufen’-Button eingeführt, über den der Käufer ein Teil ‘sofort kaufen’ kann. Der Käufer bezahlt sofort über KK. Der Verkäufer wird per Mail benachrichtigt. Der Verkäufer muss innerhalb von fünf Tagen verschicken. KK behält das Geld ein, bis der Käufer bestätigt hat, dass das Paket bei ihm angekommen ist. Der Verkäufer muss den (versicherten) Versand vorstrecken. Falls der Käufer angibt, das Paket sei nicht/beschädigt/nicht der Artikelbeschreibung entsprechend angekommen, sieht der Verkäufer sein Geld nicht. Ist das Paket als ‘angekommen’ markiert, wird der Betrag dem Verkäufer auf sein "KK- Portemonnaie" gutgeschrieben. Damit kann man dann entweder bei KK einkaufen oder es auf sein normales Konto überweisen lassen. Außerdem: Der Verkäufer muss Gebühren von 10 Prozent des Artikelpreises plus 50 Cent pro Transaktion bezahlen. Das Ganze wird schön unter dem Deckmantel der Sicherheit erzählt und als ‘freiwillig’ betitelt. Für den Verkäufer ist dieses System allerdings Pflicht. Sobald ein Käufer sich dazu entscheidet, das System zu benutzen, muss der Verkäufer ihm den Artikel verkaufen.” Begeisterung klingt anders.

Von Kleiderkreisel heißt es jedoch: „Alle Artikel werden zum sicheren Kauf über das Bezahlsystem bereit stehen. Der Käufer kann entweder das Bezahlsystem nutzen oder den Verkäufer über die Nachrichtenfunktion kontaktieren und wie bisher gewohnt kreiseln.” Somit haben die Nutzer die freie Wahl, ob sie das neue System nutzen möchten oder nicht.

Aber auch der Versand, der ausschließlich über DHL erfolgen wird, wird kritisiert. Die bereits zitierte Nutzerin schrieb: „Das Ganze läuft über eine dubiose Firma namens Mangopay (Sitz im Ausland), die erst seit 2012 existiert und nur 30 Mitarbeiter beschäftigt. Bei den englischen Portalen von Vinted gab es wohl schon Zahlungsschwierigkeiten / Probleme. Sobald die neuen AGB's eingeführt werden, muss man ihnen zustimmen und seine Daten an KK weitergeben. Ansonsten kann man nichts mehr verkaufen, kaufen oder tauschen. Viele Mitglieder (ich eingeschlossen) fühlen sich hintergangen und werden sich abmelden/ nur noch im Forum unterwegs sein.” Von Kleiderkreisel kam zu dem Zeitpunkt noch keine Rundmail an die Nutzer, die somit nur durch Eigeninitiative auf die Änderung stoßen.

Das Unternehmen gab an, im Laufe des Tages Stellung zur Situation zu beziehen. Viele der deutschen Nutzer wechseln jedoch bereits zu ‘kleiderkorb.de’, wo ein vergleichbarer Service kostenlos geboten wird. Die genauen Auswirkungen sind bisher noch nicht bekannt.

Kleiderkreisel entstand aus einem kleinen Startup, das Martin Huber, Susanne Richter und Sophie Utikal, 2009 gründeten. Die zwei Freundinnen, die sich seit Schulzeiten kennen, lernen Justas Janauskas, Erfinder der Idee von Kleiderkreisel, beim 'Couchsurfing' kennen. Huber stieg dann mit ein, als die zwei Frauen KK in Deutschland einführten. Heute beschäftigt Kleiderkreisel / Vinted mehr als 120 Mitarbeiter weltweit und konnte mit seinem Konzept, den Modekonsum neu zu definieren, auch Investoren begeistern. Für die letzte Expansion in die USA wurden dem deutschen Unternehmen 25 Millionen Euro von Wagniskapitalgebern Accel Partners und Insight Venture zur Verfügung gestellt.

Foto: Conny Mirbach

 

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