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Kopenhagen: Rezepte gegen die Kälte

3. Feb. 2012

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Strick, wohin man schaut: In den Kollektionen für die Saison Herbst/Winter 2012/13, die in dieser Woche auf der Copenhagen Fashion Week vorgeführt werden, ist Wolle in den verschiedensten Variationen ein allgegenwärtiges Thema.

Und passenderweise spielt auch das Wetter mit: Bei klirrend kalten Temperaturen, wie sie sich pünktlich zur Modewoche in der dänischen Hauptstadt eingestellt haben, wirken die gestrickten Teile umso verführerischer.

Das

spielt einer Stine Ladefoged natürlich in die Karten: Seit sie 2009 ihr eigenes Label gründete, beschäftigt sich die Absolventin der Royal Danish School of Design vornehmlich mit Wolle – und zwar auf künstlerische Weise. Gestrickte Zöpfe und Schläuche verschlingt sie zu skulpturalen, organisch anmutenden Krägen oder nutzt sie zur Akzentuierung einfacherer Teile, großflächige Zopf- und Flechtmuster prägen ihre unkonventionell konstruierten kurzen Kleider. Ergänzt wird die selbstbewusste Zurschaustellung der Strickkunst durch ornamentale Schwarz-Weiß-Prints, die die abstrakten Strukturprinzipien der dreidimensionalen Wollkreationen in die Fläche übersetzen. Dass das Ganze nicht zu weit ins Kunsthandwerkliche abdriftet, sondern fast durchgehend modisch-avantgardistisch bleibt, ist angesichts der deutlich herausgearbeiteten technischen und konstruktiven Finessen schon eine Kunst für sich.

Anders als die ambitionierte Jungdesignerin Stine Ladefoged ist Charlotte Eskildsen wahrlich nicht auf Wolle fixiert. Ihr Label Designers Remix steht für kühle, urbane Modernität und eine Präferenz für klare Linien – organische Wollskulpturen sind so ziemlich das Gegenteil dessen, was Designers Remix ausmacht. Und trotzdem räumte auch die neue Kollektion des Labels dem Thema Strick gebührenden Raum ein. Feine Mohairteile, aber auch gröber Gestrickteres ordnen sich aber dem nach wie vor strengen Gesamtbild unter. Hier geht es nicht in erster Linie um Technik und Material, sondern um die Variation eines ästhetischen Ideals mit verschieden Mitteln. Und weil dieses Ideal eben sehr stark und schlüssig ist, zählt Eskildsens Kollektion – wie schon bei ihrer Rückkehr nach Kopenhagen im vergangenen Sommer – zu den Highlights der Modewoche. Dass sie die in der wohl schönsten Location der Fashion Week – dem von Vilhelm Lauritzen errichteten alten Flughafengebäude der dänischen Hauptstadt – zeigte, unterstrich nur die Qualität der Kollektion: historische Moderne erster Güte traf hier auf aktuelle Moderne.

Gar nicht für Strick bekannt ist Vibe Lundemark. Der kreative Kopf des Labels „Tabernacle Twins“ steht eher für meisterhafte Drucke – und die prägen auch die neue Kollektion. Da Stine Goya, die dänische Veteranin auf diesem Gebiet, Prints diesmal eher spärlich einsetzte, war es Lundemark vorbehalten, die spektakulärsten und schönsten Motive vorzuführen. Aber auch sie konnte sich dem Thema Strick nicht entziehen. Und meisterte es äußerst überzeugend, mit voluminösen, grobmaschigen Kleidern, Pullovern und Accessoires. Die Highlights waren aber trotzdem die verschiedenen Drucke – schwarzweiße Comics und farbige, abstrakte Motive. Die Handschrift der Designerin, die nicht nur die Kleider selbst, sondern das gesamte verspielt-fantasievolle, aber trotzdem ernsthaft überzeugende Bild der Marke gestaltet, ist noch einmal stärker geworden.

Foto: Tabernacle Twins / ®Copenhagen Fashion Week

COPENHAGEN FASHION WEEK
DESIGNERS REMIX
Stine Ladefoged
Tabernacle Twins