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MFW: Unzählige Marken, aber der Zusammenhalt fehlt

26. Feb. 2013

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An Versprechen fehlte es nicht, aber es herrscht große politische und wirtschaftliche Unsicherheit (in Italien wurde am Sonntag und Montag, den 24. und 25. Februar gewählt). Auch die Mailänder Modewoche Mailand bekam etwas davon ab.

Forschung,

Innovation und Tradition waren allesamt gut vertreten, auf den Verkaufsmessen White, Super und Mipap ebenso wie bei den 71 Modepräsentationen, jedoch wogen politisches Klima und Zahlen auf der Fashion Week wesentlich schwerer. Da gibt es zum Beispiel die 450 überschüssigen Arbeitskräfte bei Benetton oder auch die Zahlen im Hinblick auf die italienische Damenmode. Darüber hinaus hatte Mario Boselli, Präsident der italienischen Camera Nazionale della Moda Italiana, im Rahmen der Vorstellungskonferenz in klaren Worten erklärt, es werde „Geld, Geld, Geld benötigt“, und sich sogar eine deutliche Maßnahme seitens der Regierung gewünscht.

Die italienische Damenmode wird wohl das Jahr 2012 mit einem Rückgang von -0,7 Prozent verzeichnen müssen sowie einem Umsatz von nur knapp unter 12,2 Milliarden Euro. Der ausländische Geschäftsanteil am Gesamtumsatz erreicht nahezu 56%.

Die Verkaufsmessen

Super,

die neue von Pitti in Zusammenarbeit mit der Fiera Milano ins Leben gerufene Verkaufsmesse, startete vielversprechend. "Wir arbeiten daran, einen neuen Termin bestmöglich in die Wahrnehmung der Käufer zu bringen, und Italien benötigt definitiv Anreize. Ich erwarte internationales Publikum ", erklärte Raffaello Napoleone, Geschäftsführer der Pitti Immagine, gegenüber FashionUnited, und fügte hinzu, dass man noch nicht wisse, welches Los die anderen, der Damenmode gewidmeten Verkaufsmessen Touch! Neozone und Cloudnine erwarte, die sich bis zum vergangenen Jahr im Trendviertel Mailands, der Zona Tortona befanden. "Sie befinden sich sozusagen in der Warteschleife, im Augenblick konzentrieren wir uns auf Super", erklärte Napoleone. Am Sonntagnachmittag hatte die Messe keinen besonders großen Zulauf, allerdings meldeten einige Anbieter, dass es vormittags zu Spitzenwerten kam. Unter dem Angebot an Accessoires und Prêt-à-Porter fand sich auch Lardini, die legendäre Marke für Männermode, die seit Jahren für Burberry, Ferragamo, Etro und Dolce&Gabbana produziert und nun mit einer Damenlinie auf den Markt ging. "Bei der Pitti Uomo sind wir schon seit so vielen Jahren, deshalb stellen wir jetzt bei der Super die neue Damenlinie vor", erläuterte der Präsident der Gruppe, Andrea Lardini, gegenüber FashionUnited.

An einen Wald von Pilzen erinnerte die außergewöhnliche Installation aus Podesten, auf denen die Schuhe der britischen Designerin Sophia Webster - der früheren Assistentin Nicholas Kirkwoods - präsentiert wurden. Farbig und abwechslungsreich gaben sich die Schuhe aus Cavallino-Fell der italienischen Marke Avec Modération, die gerade die Eröffnung des ersten Monomarken-Geschäftes erwägt.

Interesse gab es für die Marken Made in UK und das Projekt Green Closet sorgte für Aufmerksamkeit für die Umwelt.

Weniger trendig als überwiegend in der Tradition der Konfektionsmode und der Strickwaren gehalten, zeigten sich bei der MIPAP die 170 Prêt-à-Porter-Kollektionen für Damen sowie die Accessoires, von denen circa 25 Prozent ausländischer Herkunft waren. Mäßiger Andrang bei White am anderen Ende der Stadt, obwohl sich viele Käufer, nachdem sie lange genug vergeblich auf den Shuttle-Bus gewartet hatten, für die Fahrt per Taxi entschieden.

Die Modenschauen

Im Vordergrund standen die großen Namen, angefangen bei Dolce&Gabbana, über Prada und Gucci bis hin zu Emporio Armani. Enthusiastisch zeigte sich Diesel-Firmengründer Renzo Rosso anlässlich seiner ersten Marni-Modenschau. Seit vergangenem Dezember hält seine Holding Only the Brave die Mehrheit an dem Modehaus. Bei Prada dominierten strenge Linien, wobei Handwerkskunst und Qualität des Made in Italy absolut respektiert wurden. "Eigentlich möchtest du romantisch sein, aber du kannst nicht”, erklärte Miuccia Prada, "es ist eine verbotene Fantasie".

Nach den Schlangen der überwiegend asiatischen Käufer zu schließen, scheinen die Mailänder Laufstege immer noch von Interesse zu sein. Zum Empfang der chinesischen Kunden bei der Modenschau von Anteprima gab es sogar eine Übersetzung der Kollektionsbeschreibung in chinesischer Sprache. Tatsächlich ist Chinesisch neben Italienisch und Englisch bei der Mailänder Modemesse zu einer offiziellen Sprache geworden. Dieselbe Sprache und dieselben Gesichter auch unterwegs in der Stadt: bei der Präsentation der Strickwarenmarke Ballantyne Cashmere im Concept Store von Carla Sozzani, 10 Corso Como. Die Schaufensterpuppen tragen die neue Capsule Collection, die Sonderkollektion des britischen Designers Matthew Williamson.

Fotos: Emporio Armani, Prada, Williamson

Isabella Naef