Middelhoff-Gattin: „Er hat eigentlich immer gearbeitet, immer, immer“
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Middelhoff wirkt angespannt während der Aussage seiner Frau. Die Arme hat er vor der Brust verschränkt. Das sonst demonstrativ zur Schau getragene selbstbewusste Lächeln ist aus seinem Gesicht verschwunden. Seine Züge sind starr, fast maskenhaft. Es ist im anzusehen, dass es ihm unangenehm ist, dass seine sonst die Öffentlichkeit meidende Frau als Zeugin vor Gericht aussagen muss. Doch war es ein Vorschlag seiner Verteidiger.
Middelhoff weist die Vorwürfe entschieden zurück
So widerspricht Cornelie Middelhoff vehement der Einschätzung der Staatsanwaltschaft, zwei Vorstandswochenenden von Arcandor-Topmanagern im Haus der Middelhoffs in St. Tropez seien eigentlich Privatveranstaltungen gewesen, die von dem Manager und nicht von Arcandor hätten bezahlt werden müssen. Das seien in ihren Augen eindeutig Geschäftstermine gewesen, sagt die Zeugin. Fast alle Gespräche hätten sich nur um die Firma gedreht.
Flüge im Privatjet seien für den Manager ohnehin kein Luxus gewesen - im Gegenteil, er habe vom Start bis zur Landung gearbeitet, selbst wenn die eigenen Familie mit an Bord gewesen sei. Auch in anderen Punkten stützt sie die Darstellung ihres Mannes.
Im Essener Untreue-Prozess wirft die Anklage Middelhoff vor, den inzwischen insolventen Handelskonzern insgesamt mit betriebsfremden Kosten in Höhe von rund 1,1 Millionen Euro belastet zu haben. Hauptsächlich geht es um Flüge mit Charterflugzeugen, die von Arcandor bezahlt wurden, nach Auffassung der Anklagebehörde aber ganz oder teilweise privat veranlasst waren. Middelhoff weist die Vorwürfe entschieden zurück.
Der Prozess dauert bereits seit fünf Monaten an. Doch nähert er sich jetzt offenbar dem Ende. Denn nach der Vernehmung von Frau Middelhoff forderte der Vorsitzende Richter der 15. Wirtschaftsstrafkammer, Jörg Schmitt, Staatsanwaltschaft und Verteidigung auf, sich darauf vorzubereiten, „jederzeit plädieren zu können“. Aus Sicht der Kammer könne es nun mit dem Verfahren zügig zu Ende gehen. (Erich Reimann, dpa)
Foto: Bloomberg