Puma: Massive Arbeitsrechtsverletzung vorgeworfen

ANALYSE_ Stromschläge von offenliegenden Maschinenkabeln, keine Krankenversicherung, gestückelte Lohnzahlung und Dumpinglöhne, die Christliche Initiative Romero erhebt hohe Anschuldigungen an den Sportartikelhersteller Puma. Laut einem aktuellen Bericht der Initiative wird in

den Fabriken lediglich die Qualität der Ware kontrolliert, Arbeits- und Menschenrechte bleiben auf der Strecke. Auch „Der Spiegel“ berichtet in seiner heutigen Ausgabe über die Zustände in einer Puma Fabrik in San Salvador.

Es ist nicht das erste und mit Sicherheit nicht das letzte Mal, dass ein Sportartikelhersteller während der Fußball-WM wegen seiner Puma: Massive Arbeitsrechtsverletzung vorgeworfenArbeitsbedingungen an den Pranger gestellt wird. Aktuell beschuldigt die Christliche Initiative Romero das deutsche Unternehmen Puma. Eine Partnerorganisation von Romero berichtet über extremen Arbeitsdruck, gestückelte Lohnzahlungen und darüber, dass die Beiträge für die Sozial- und Krankenversicherung den Angestellten zwar vom Lohn abgezogen, aber nicht abgeführt würden. Den Fabrikarbeitern wird deswegen die medizinische Versorgung verweigert. Zudem beklagt sich die zuständige Gewerkschaft über offenliegende Kabel an Maschinen, die den Näher/innen Stromschläge verpassen.

Sub-Lieferanten werden nicht von Puma kontrolliert

„Die beschriebenen Zustände sind ein klarer Verstoß gegen den Puma-Verhaltenskodex", so Maik Pflaum, Experte für Arbeitsrecht der Christlichen Initiative Romero.

Puma arbeitet mit zwei verschiedenen Kategorien von Zuliefer-Fabriken: Den direkten Auftragnehmern, die kontrolliert werden, und den Sub-Lieferanten, an die Aufträge weitergeleitet werden, die nicht von Puma kontrolliert werden. „Hier treten die Effekte der unsäglichen Preisdrückerei von Puma offen zu Tage: Nur die Billigsten können im Kampf um Aufträge mithalten. Dies ist umso skandalöser, als der Anteil, der an die Nähfabrik geht, unter zehn Prozent des Verkaufspreises ausmacht. Die Näher/innen bekommen ein Prozent ab“, sagt Pflaum.

“Der Spiegel“ schreibt in seiner heutigen Ausgabe über die untragbaren Zustände in der Fabrik Industrias Florenzi in San Salvador, der Hauptstadt El Salvadors. „Im Moment dürfen wir häufig nicht mal zur Toilette gehen", zitierte das Magazin eine Büglerin. In den vergangenen Monaten hätten viele Arbeiterinnen nicht einmal den gesetzlichen Mindestlohn von 203 Dollar (146 Euro) erhalten. Puma, vom Spiegel mit den Vorwürfen konfrontiert, habe die Produktionsbeziehungen zu Florenzi abgebrochen.

Romero fordert nun, dass Puma sich seiner Verantwortung stellt und sagt, dass es das Schändlichste wäre, nun die Produktion von Florenzi abzuziehen, da die dortigen Arbeitsbedingungen öffentlich kritisiert werden.

Die Arbeitsbedingungen in der gesamten Textilbranche stehen derzeit im öffentlichen Fokus. Die Christliche Initiative Romero erklärte, Zulieferer griffen auf noch billigere Sublieferanten zu. So entstehe ein Zwei-Klassen-Produktionssystem.

Foto: Fabrik in San Salvador (Christliche Initiative Romero)
 

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