Wieder Tote bei Großfeuer in Textilfabrik

Nur gut zwei Monate nach dem verheerenden Brand in einer Textilfabrik in Pakistan, bei dem über 300 Menschen starben, wiederholte sich das Szenario mit erschreckender Ähnlichkeit in Bangladesch: Bei einem Feuer in der Textilfabrik Tazreen

Fashions 30 Kilometer nördlich von Dhaka, die hauptsächlich für den Export fertigte, unter anderem für den deutschen Bekleidungskonzern C&A, kamen am Wochenende 112 Menschen ums Leben.

RundWieder Tote bei Großfeuer in Textilfabrik 1,000 Arbeiter hielten sich zur Nachtschicht am späten Samstagabend in der Kleiderfabrik in der Nähe der Hauptstadt Dhaka auf, als das Feuer ausbrach. Die Flammen breiteten sich schnell in dem neunstöckigen Gebäude aus und schlossen etliche Arbeiter ein. Sie sprangen in Panik aus den Fenstern; einige hatten Glück und landeten verletzt auf den Dächern der umliegenden Gebäude; andere sprangen in den Tod oder erstickten in der brennenden Fabrik.

Rund 200 weitere Menschen, darunter hauptsächlich Textilarbeiterinnen, wurden mit Brandverletzungen in die umliegenden Krankenhäuser eingeliefert. Die Brandursache ist zur Zeit noch ungeklärt, aber die untersuchenden Behörden nehmen auch die Sicherheitsvorkehrungen der Fabrik unter die Lupe. Oft sind alte oder provisorische Elektroinstallationen die Ursache von Kurzschlüssen, die Brände auslösen.

Noch im May 2011 war die Sicherheit der Fabrik bei einer Überprüfung als “hohes Risiko” eingestuft worden. Obwohl die Fabrik drei verschiedene Treppenaufgänge hatte, waren sie für die Arbeiter wenig hilfreich, da sie alle ins Erdgeschoss führten, wo das Feuer ausbrach. Laut Feuerwehr-Einsatzleiter Mohammad Mahbub hätten viele Opfer vermieden werden können, hätte auch nur eine direkt nach draußen geführt.

Firmenchef Delwar Hossein stand für einen Kommentar bereit und sprach von einem “schweren Verlust für meine Angestellten und meine Fabrik”. Tazreen Fashions gehört zur Tuba Group, die für Wal-Mart und andere Bekleidungs- und Textilfirmen in den USA und Europa fertigen läßt, darunter auch C&A, Li & Fung, Carrefour und Ikea. Die Familien der Hinterbliebenen sollen eine Entschädigung von 1.200 US-Dollar (925 Euro) erhalten, aber Genaueres ist noch nicht bekannt.

Mit seinen Billiglöhnen hat sich Bangladesch nach China zum weltweit zweitgrößten Textilexporteur emporgearbeitet; mit rund 37 US-Dollar (29 Euro) pro Monat hat das Land die niedrigsten Lohnkosten der Welt. Den größtenteils weiblichen Textilarbeitern bleibt oft nicht einmal genug für das Nötigste wie Lebensmittel. Kleidung steht dabei an letzter Stelle und die hergestellten Kleidungsstücke, selbst die für Textildiskonter mit ihren Schleuderpreisen bestimmten, könnten sich die Arbeiterinnen auf keinen Fall leisten.

Mit Bekleidung im Wert von 2,8 Milliarden Euro (laut Statistischem Bundesland) war Bangladesch 2011 der viertgrößte Textillieferant für Deutschland. Die rund 5.000 Textilfabriken des Landes tragen zu 80 Prozent der Gesamtexporte Bangladeschs bei und beschäftigen mehrere Millionen Menschen.

Foto: John Morton
 

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