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Wunderwerk: fair und nachhaltig = lässig und cool

9. Juni 2014

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INTERVIEW_ Auf der Suche nach jungen, kreativen Labels hat FashionUnited auch diesmal wieder mit dem Düsseldorfer Label Wunderwerk eine überraschende Entdeckung gemacht. Im Gespräch mit den beiden Gründern Heiko Wunder und Tim Brückmann, die Wunderwerk 2012 ins Leben riefen,

ergaben sich interessante Ansatzpunkte zu den Themen Mode, Nachhaltigkeit, Trends und Umweltbewusstsein.

FashionUnited: Wunderwerk setzt auf modisches Design, komfortable und perfekte Passformen und hochwertig, naturbelassene Bio-Stoffe.

Das sind höchste Ansprüche, die sicher nicht einfach zu verwirklichen sind. Erzählen Sie ein bißchen, wie es zur Entstehung von Wunderwerk kam und was Ihre Vision ist.
Wunderwerk: Wir haben lange Jahre in der Textilbranche gearbeitet und verschiedene Stationen durchlebt. Je mehr Know-how wir hatten, wurde uns unabhängig voneinander bewusst, dass das Material der Kleidung, das unmittelbar auf der Haut getragen wird, so natürlich wie möglich sein sollte.

Konventionelle Kleidungsstücke sind zumeist mit so vielen umweltunverträglichen Chemikalien versetzt, was den Endverbrauchern überhaupt nicht bewusst ist. In einigen Jeansläden kann man die Chemikalien, wie das Chlor, sogar noch auf der Kleidung riechen. Wir produzieren so umweltgerecht und menschenwürdig wie möglich und möchten somit eine Vorreiterrolle einnehmen und gleichzeitig zeigen, dass faire, ökologisch hergestellte Mode nicht unerschwinglich oder gar langweilig ist.

Wunderwerk möchte Trends setzen, modische und lässige Styles anbieten und gleichzeitig den fairen, Eco-Aspekt in die Mode mit einbringen. Für uns ist die Mode Leidenschaft und der ökologische und faire Aspekt eine Selbstverständlichkeit. Wir möchten das Bewusstsein der Kunden für Mode sensibilisieren und gleichzeitig stärken.

FU: Welche Rolle spielt die Stadt Düsseldorf für Wunderwerk?
Wunderwerk: Neben der Tatsache, dass wir aus Düsseldorf kommen, stellt Düsseldorf die ideale Lage für die Fashion Industrie dar. Die CPD ist ein wichtiger Faktor und wir glauben, dass die Modestadt immer eine der wichtigsten Adressen Deutschlands sein wird. Düsseldorf liegt zentral in Europa und ist für uns der geeignetste Standort. Wir sind hier geboren und fühlen uns mit unserer Marke am richtigen Standort vertreten.

FU: Was unterscheidet Wunderwerk von anderen jungen Labels? Was schätzen Ihre Kunden an Wunderwerk?
Wunderwerk: Wir sind ein junges Startup Label, jedoch besitzen wir durch unsere langjährigen Erfahrungen in der Modeindustrie die nötigen Kontakte zu Nähbetrieben und Kunden, außerdem das Know-how der Materialien und wissen, was dem Markt fehlt. Wir sind im Vertrieb bereits professionell aufgestellt und haben kürzlich auch mit der Pressearbeit begonnen.

Unsere Kunden wissen unsere Mode zu schätzen, da die Kleidung neben den tollen Designs und der perfekten Passform auch den ökologisch korrekten Hintergrund aufweist. Unsere Kunden sind vor allem sehr von unseren inzwischen umweltverträglichen Waschungen und Färbungen unserer Denims und T-shirts begeistert.

Im

Vergleich zu vielen anderen Labels überzeugen sowohl unsere klare Markenpositionierung und die konsequent ökologische Umsetzung der Produkte als auch das außerordentliche Preis-Leistungsverhältnis. Wir bieten eine breite Produktpalette von T-shirts, Sweats und Pullovern an, über Blusen, Hemden und Denims, bis hin zu konfektionierten Jacken, Mänteln und Hosen für Damen und Herren.

FU: Denims, T-Shirts, Strickwaren und Jacken - was sind die derzeitigen Renner im Programm?
Wunderwerk: Das absolute Highlight sind die neuen Waschungen und Überfärbungen auf unseren Denims. Generell laufen die Hosen in Seide und Tencel zusammen mit unseren konfektionierten Blazern und Mänteln hervorragend. Die absoluten Bestseller unter den T-shirts und Jerseys sind die mit used-effect und fabric-mix. Überraschend ist die positive Resonanz unserer slim-fit Blusen und Hemden; die mit kleinen, festen Krägen und aus feinstem Popeline hergestellt werden.

FU:

Was steckt hinter der Idee des “Lovemarks”?
Wunderwerk: Da wir eine nachhaltige Firma sind, liegt uns primär der ökologische Aspekt unserer Kleidung am Herzen. Wir möchten Menschen erreichen, die unsere Philosophie verstehen und unsere Mode lieben. Beim Tragen von Wunderwerk soll sich der Kunde wohl fühlen und sich für das Produkt emotional begeistern. Wir vereinen Mode und Stilsicherheit in bester Qualität. Je häufiger die Kleidung beansprucht und gewaschen wird, desto „schöner" wird sie. Wir möchten unsere Kunden für ökologisch und fair produzierte Ware begeistern und auch dafür sensibilisieren.

FU: Wunderwerk verbindet Mode und Nachhaltigkeit. Wie sieht dies konkret aus und was waren einige der Hürden, die anfangs zu überwinden waren und vielleicht noch zu überwinden sind?
Wunderwerk: Die größte Herausforderung bestand anfangs darin, die Hersteller dahin zu bewegen, die vermeintlich „teuren“ Bio-Materialien aus europäischer Herstellung für die nachhaltige Produktion zu kaufen. Dazu zählen beispielsweise Stoffe, Farbstoffe, Garne, Knöpfe und Labels in Bio-Qualität. Der konsequente Einsatz von natürlichen und nachhaltig produzierten Fasern ohne Verwendung von mineralölbasierenden Kunststoffen, wie Polyester oder Polyacryle kann eine große Herausforderung darstellen, jedoch haben wir eine Lösung gefunden, diese zu umgehen. Die einzige Ausnahme bildet Elasthan, das wir für unsere Hosen maximal mit 2-3 Prozent einsetzen, um die nötige Flexibilität und Rücksprung der Hose zu gewähren.

Besonders

aufwendig und mit dem längsten Vorlauf verbunden war die Entwicklung unserer Denim-Waschungen und Färbungen. Wir verzichten nämlich komplett auf die umweltbelastenden Chemikalien Chlor und Kaliumpermanganat und kommen bei der Produktion mit extrem wenig Wasser und Energie aus. Das Finishing und der authentische Look der Denims werden durch reine Handarbeit erzielt.

Diese lang erarbeitete, ökologische Entwicklungsmethode und auch der modische Aspekt, die Qualität und Passform unserer „wunderwerke“ finden so gute Zustimmungen im Handel, so dass wir bereits in vielen konventionellen Modehäusern zu finden sind.

FU: Wie sieht die Prüfung der europäischen Produktionsstätten und Nähbetriebe konkret aus, schauen Sie sich selbst vor Ort um?
Wunderwerk: Wir fertigen ausschließlich in den von uns bekannten Betrieben und besuchen alle Lieferanten zwei bis viermal pro Jahr. Dort sprechen wir über die Produktion, neue Prototypen und Entwicklungen, sowie Färbe- und Waschtechniken.

Bei den Vorstufen, wie z.B. der Baumwollproduktion oder der Beschaffung der Wolle wird fast ausschließlich GOTS-zertifizierte Ware eingesetzt. Eine unabhängige Institution wie die Institute of Marketecology (IMO) sorgt dafür, dass alle Vorstufen entsprechend kontrolliert werden. So wird sichergestellt, dass auch tatsächlich nachhaltige Ware eingesetzt wird. Die Zutaten, deren Wichtigkeit oft nicht wahrgenommen wird, stammen größtenteils aus deutscher, dänischer oder englischer Herstellung.

FU: Was würden Sie sich für die Zukunft wünschen, sowohl für die Einstellung der Verbraucher als auch der Branche?
Wunderwerk: Wir wünschen uns, dass sich die nachhaltige Herstellung generell in der Branche durchsetzt, dass nicht nur Endverbraucher auf diesen Aspekt reagieren, sondern auch die Politik. Baumwolle und v.a. Wolle, sollte komplett auf Bio umgestellt werden. Die schnelle Ausbeutung, Schadstoffbelastung von Natur, Mensch und Tier sollte vermieden werden und zwar von der kompletten Herstellungskette bis zum Endprodukt. Wir möchten unsere Kunden für ökologisch und fair produzierte Ware begeistern und auch dafür sensibilisieren.

FU: Hat

es die ökologische und nachhaltige Mode geschafft, als cool und lässig zu gelten? Und wann denken Sie, wird es eine Selbstverständlichkeit sein, dass Mode ökologisch, nachhaltig und modisch ist?
Wunderwerk: Das Feedback unserer Kunden zeigt, dass unsere Kleidung lässig und zeitlos ist, aber gleichzeitig auch modisch angenommen wird. Daher denken wir schon, dass nachhaltige Kleidung generell lässig und cool sein kann. Das bestätigen besonders die „konventionell“ orientierten Facheinzelhändler, die Wunderwerk begeistert ordern. Es ist aber noch ein weiter Weg, die große Masse darauf aufmerksam zu machen. Den Zeitpunkt dafür bestimmen allein die Kunden. Für uns ist die Entwicklung einer nachhaltigen Kollektion und Herstellung von Beginn an selbstverständlich, deshalb reden wir nicht allzu viel darüber, sondern machen es einfach, so gut wir können.

FU: Zuguterletzt - wo und wie kann man Mode von Wunderwerk kaufen?
Wunderwerk: Wir haben verschiedene Einzelhändler in Deutschland, Österreich und in der Schweiz, die unsere Ware verkaufen. Zusätzlich werden wir uns auch auf die übrigen europäischen Länder konzentrieren. Außerdem werden wir bald einen Online Shop anbieten.

Fotos: Wunderwerk-Gründer Heiko Wunder und Tim Brückmann; Artikel aus den Wunderwerk-Kollektionen

Simone Preuss


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