100 Jahre Chore Coat: Wie Lees Arbeitsjacke allen Trends trotzte
Der Chore Coat der US-amerikanischen Traditionsmarke Lee wurde 1925 entwickelt, um der harten Arbeit in der Landwirtschaft und beim Eisenbahnbau standzuhalten. Ein Jahrhundert später hat das Design noch etwas ganz anderem getrotzt, nämlich den wechselnden Modetrends. „Lee war nie die lauteste Marke. Aber wir sind eine der beständigsten“, sagte Sedgwick Cole Jr., Global Head of Design bei Lee, gegenüber FashionUnited. Die Marke feiert das 100-jährige Jubiläum der Jacke aktuell mit einer Neuauflage für den Herbst 2026.
Lee führte das Modell ursprünglich als ‘New Lee Denim’-Jacke ein, die später unter dem Namen ‘91-J’ bekannt wurde. Das Kerndesign ist bis heute unverkennbar. Es zeichnet sich durch eine lässige, hüftlange Silhouette, einen Spitzkragen, eine durchgehende Knopfleiste und vier aufgesetzte Taschen aus. Hinzu kommt eine robuste Verarbeitung, die jede Bewegung der Träger:innen mitmacht.
„Das liegt an unserem Engagement für Qualitätsprodukte, durchdachte Passformen und Materialinnovationen sowie an einer Mischung aus zeitlosem Stil und Relevanz“, erklärte Cole die Langlebigkeit der Marke.
Französischer Stil, amerikanisch interpretiert
Chore Coats entstanden im späten 19. Jahrhundert in Frankreich als praktische Arbeitskleidung für Landwirt:innen, Fabrikarbeiter:innen und Handwerker:innen. Mit dem Modell ‘91-J’ half Lee dabei, diesen Stil in der US-amerikanischen Workwear zu etablieren. Die Jacke wurde so konzipiert, dass sie über den zeitgleich eingeführten ‘91’-Latzhosen der Marke getragen werden konnte.
Zusammen mit der Latzhose sollte die Jacke „einen funktionalen ‚Anzug‘ bilden“, so Cole. „Das Design ähnelte den Jacken anderer damaliger US-Workwear-Hersteller. Es unterschied sich jedoch durch den ‚New Lee Denim‘-Stoff, der später ‚Jelt Denim‘ genannt wurde.“
Laut Cole wurden Chore Coats in den USA bereits vor der Einführung der ‘91-J’ getragen. Den amerikanischen Versionen fehlte jedoch der satte Blauton der französischen Originale. „Die Version von Lee ähnelte dank der Textur des ‚Jelt Denims‘ dem ikonischen blauen Stoff“, sagte er. „Die leichte und dennoch dicht gewebte 2x1-Twill-Konstruktion wurde aus stark gedrehten Garnen gefertigt. Dadurch wurden Zugfestigkeit und Strapazierfähigkeit maximiert, ohne dass der Stoff auftrug.“
Lee entwickelte den Stoff exklusiv mit der US-amerikanischen Weberei Canton Mills im Bundesstaat Georgia. Der dicht gewebte, 11,5 Unzen schwere Denim sollte Ziehfäden und Rissen standhalten und zugleich bequem genug für den Alltag sein. „Wir verwenden ‚Jelt Denim‘ noch heute“, betonte Cole.
Von der Landwirtschaft zur Eisenbahn
Ursprünglich vermarktete Lee die Jacke gezielt an Landwirt:innen. „Die Jacke war immer darauf ausgelegt, die Bedürfnisse der damaligen Arbeiter:innen zu erfüllen. Die ersten Werbeanzeigen zeigten jedoch vor allem ein landwirtschaftliches Umfeld“, sagte Cole.
Innerhalb weniger Jahre wurde die Werbung der Marke ausgeweitet und zeigte auch Heizer:innen sowie Eisenbahnarbeiter:innen. Die innere Brusttasche der ‘91-J’ bot Platz für ein Fahrtenbuch, was sie zu einer praktischen Wahl für Lokführer:innen machte.
Die Originaljacke verfügte über Dreifachnähte, verstärkte Nähte, verstellbare Drei-Knopf-Manschetten und großzügig geschnittene aufgesetzte Taschen. Von 1925 bis 1982 blieben Schnittmuster und Konstruktion nach Angaben der Marke weitgehend unverändert. Variationen erschienen in Denim, braunem Segeltuch sowie in eisenbahnspezifischen Ausführungen.
Chore Coat für Herbst 2026
Die neuen Versionen behalten laut dem Designchef die Dreifachnähte, die Workwear-Taschen, eine Variante des historischen Nackenetiketts und die geknöpften Ärmel bei. „Länge und Passform können variieren, aber die typischen Lee-Details bleiben erhalten“, so Cole.
Anstatt nur eine einzige Interpretation anzubieten, entwirft Lee Modelle für unterschiedlichste Träger:innen. „Das gilt für Denim-Liebhaber:innen, die sich für die neue gefütterte ‚Lee 101‘-Jacke aus japanischem Selvedge-Denim begeistern, ebenso wie für Menschen auf der Suche nach einer verspielteren, modernen Version“, erklärte Cole. „Wir entwerfen bewusst mehrere Varianten, um den aktuellen Bedürfnissen der Kund:innen und ihren bevorzugten Einkaufsorten gerecht zu werden. Die Jacke ist universell für Männer und Frauen tragbar, lässt sich leicht im Lagenlook kombinieren und passt zu allen Arten von Hosen und Röcken.“
„Egal, ob der persönliche Stil eher in Richtung Preppy, Streetwear, Utility oder High Fashion geht, die Jacke fügt sich in die bestehende Garderobe ein“, fügte er hinzu.
Markenerbe
Cole sieht die Geschichte der Marke als klaren Vorteil in einer Zeit, in der Kund:innen mehr als nur einen reinen Kaufakt suchen. „Die Menschen sehnen sich nach Nostalgie und wünschen sich emotionale Verbindungen zu Marken durch Storytelling und Erlebnisse statt einer bloßen Transaktion“, sagte er. „Traditionsmarken wie Lee haben authentische Geschichten zu erzählen. Unsere ikonischen Produkte wurden von Generationen von Amerikaner:innen getragen und die Designs sind bis heute zeitlos und relevant. Ein solches Erbe lässt sich nicht einfach kopieren.“
Das Jubiläum ist Teil von ‘Built Like Lee’, der im vergangenen Jahr gestarteten kreativen Vision und globalen Plattform der Marke. Damit will das Unternehmen seine Denim-Kompetenz untermauern und neue Generationen von Kund:innen gewinnen. Lee wird im November 137 Jahre alt und stellt in diesem Herbst neben Kooperationen auch weitere Produktneuheiten in den Fokus. Dazu gehören ‘Lee LQD Liquid Soft Denim’ für die Damenmode und ‘Lee Gold’ für die Herrenmode.
„Diese besonderen Geburtstage bieten einen natürlichen Anlass, um unsere Geschichten zu erzählen“, sagte Cole abschließend. „So helfen wir neuen Kund:innen dabei, unser authentisches Erbe zu entdecken, und begeistern gleichzeitig bestehende Fans aufs Neue.“
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