Der Sportartikelhersteller Adidas ist von der Corona-Pandemie heftig erwischt worden. So musste das Unternehmen den Großteil seiner Läden auf Anordnung der Behörden schließen. Ein Kredit der staatlichen Förderbank KfW soll die Liquidität sichern. Am kommenden Montag wird Adidas seine Zahlen für das erste Quartal vorlegen und damit das Ausmaß der Probleme darlegen. Was beim Unternehmen los ist, was Analysten sagen und was die Aktie macht.

Lage bei Adidas

Die Corona-Pandemie hat den Höhenflug von Adidas aus den vergangenen Jahren abrupt gestoppt. Zu Jahresbeginn litt bereits der chinesische Markt massiv - einer der größten und profitabelsten des Sportartikelherstellers. Doch zeigte sich Vorstandsvorsitzender Kasper Rorsted da noch vergleichsweise zuversichtlich, dass durch die anderen Märkte wie Nordamerika und Europa ausgleichen zu können. Während China nun jedoch langsam wieder zur Normalität zurückkehrt, steht seit März jedoch der Rest der Welt größtenteils still. Und damit das Geschäft von Adidas.

Infolge der raschen Ausbreitung des Coronavirus weltweit musste Adidas seit Mitte März fast alle eigenen sowie von Partnern betriebenen Läden in Europa, Nordamerika, Lateinamerika, den Schwellenländern, Russland sowie in weiten Teilen der Region Asien-Pazifik vorübergehend schließen. Die stationären Groß- und Einzelhandelsaktivitäten in diesen Märkten machen den Angaben zufolge rund 60 Prozent des Adidas-Geschäfts aus.

Dazu kommen die Verluste aus dem China-Geschäft. Für das erste Quartal erwartete der Sportartikelkonzern Anfang März für China einen um bis zu einer Milliarde niedrigeren Umsatz als im Vorjahr. Das Betriebsergebnis dürfte um 400 bis 500 Millionen Euro schwächer ausfallen. Das Land trug 2019 fast ein Viertel zum Gesamtumsatz von 23,6 Milliarden Euro bei. Mit einem währungsbereinigten Plus von 15 Prozent gehörte es zu den Wachstumstreibern.

Die Jahresprognose hat der Sportartikelhersteller daher gestrichen. Erschwerend kommt hinzu, dass derzeit keine Sportveranstaltungen stattfinden. Prestigeträchtige Events wie die Fußball-Europameisterschaft oder die olympischen Spiele wurden in das kommende Jahr verschoben. Dies ist für Sportartikelhersteller vor allem wegen des fehlenden Werbeeffekts Gründen schmerzhaft. Umsatzseitig hatte Rorsted im März erklärt, seien die finanziellen Auswirkungen durch eine Verschiebung marginal und bezifferte die Umsatzausfälle auf insgesamt 50 bis 70 Millionen Euro.

Während das Geschäft brach liegt, laufen jedoch die Kosten weiter. Um die dringend notwendige Liquidität sicherzustellen, bekommt Adidas einen Milliardenkredit durch die staatseigene Förderbank KfW. Das Unternehmen hat die Genehmigung seitens der Bundesregierung für einen Konsortialkredit von insgesamt 3 Milliarden Euro zur Überbrückung der Corona-Krise erhalten. Der Konsortialkredit umfasse eine Darlehenszusage von 2,4 Milliarden seitens der KfW sowie weitere Zusagen von 600 Millionen Euro eines Banken-Konsortiums.

Zu den Bedingungen gehören die De-Facto-Aussetzung von Dividendenzahlungen über die Laufzeit der Kreditvereinbarung. Zudem hatte der Vorstand jüngst entschieden, das laufende Aktienrückkaufprogramm zu stoppen sowie auf kurz- und langfristige Boni, die insgesamt rund 65 Prozent der Jahreszielvergütung ausmachen, zu verzichten.

Adidas hat sich daher in Deutschland mit den Arbeitnehmervertretern über eine Arbeitszeitreduzierung für einige Mitarbeitergruppen geeinigt. Die Vereinbarung sieht unter anderem bezahlten Urlaub, Überstundenabbau sowie Kurzarbeit für 1200 Mitarbeiter vor. Adidas sondiere zudem weitere solche Maßnahmen, hieß es zuletzt.

Adidas war zudem vor kurzem in die Kritik geraten, als der Konzern im Zuge der Corona-Krise angekündigte, die Miete für die geschlossenen Läden in Europa ab April nicht mehr zu bezahlen. Daraufhin hatte es zum Teil harsche Kritik aus allen Teilen der Gesellschaft gehagelt. Im Internet gab es Boykott-Aufrufe. Anfang April war Adidas dann zurückgerudert und zahlte doch. Zudem entschuldigte sich das Unternehmen.

Das sagen Analysten

Viele Experten haben in den vergangenen Wochen zunächst ihre Ziele für Adidas gekürzt und ihre Einstufungen gesenkt. So rechnen sie mit einer äußerst schwachen Entwicklung zumindest im ersten Halbjahr. Allerdings wagten sich bereits Ende März wieder die ersten Optimisten vor und gaben neue Kaufempfehlungen ab.

Die kurzfristigen Verwerfungen durch die Covid-19-Krise seien heftig und unvermeidbar, schrieb Analyst Graham Renwick von der Privatbank Berenberg jüngst in einer Studie. Zugleich seien diese aber eine klare Chance für Adidas, um stärker und besser aufgestellt aus der Krise hervorzugehen. Er hob den Stellenwert der Liquidität hervor, um ausreichend Kraft für Langfristinvestitionen zu haben, insbesondere den Online-Handel betreffend.

Cedric Rossi von Bryan Garnier rechnet für den vergangenen Monat mit einem Umsatzrückgang in einigen Regionen wie Europa oder Nordamerika von 80 bis 85 Prozent. Im ersten Quartal schätzt er daher das Umsatzminus auf 19 Prozent und erwartet eine weitere deutliche Verschlechterung auf minus 30 Prozent im zweiten Quartal. Er zeigte sich jedoch zuversichtlich, dass Adidas in der zweiten Jahreshälfte wieder auf die Beine kommt. So geht er von einem Umsatzwachstum von währungsbereinigt rund 10 Prozent im zweiten Halbjahr aus, womit er auf einen Erlösrückgang von etwa 6 Prozent für das Gesamtjahr zielt.

Jörg Phllipp Frey von Warburg Research geht nach einem Umsatzeinbruch in den ersten beiden Quartalen von einer Stagnation in der zweiten Jahreshälfte aus. Der Sportartikelsektor bleibe jedoch eine attraktive Wachstumsbranche. So dürfte Adidas auch 2021 und 2022 ein hohes einstelliges Umsatzwachstum erzielen. Auch James Grzinic vom Analysehaus Jefferies hofft auf eine Erholung im kommenden Jahr.

Morgan-Stanley-Analystin Elena Mariani erklärte dagegen, es sei zu früh für Optimismus. Wegen der hohen Risiken unter anderem beim Lagerbestand ist der Markt ihrer Ansicht nach zu zuversichtlich in Bezug auf die Erholung des Sportartikelherstellers. Im aktuellen Umfeld sei die Branche verwundbar.

Mit Blick auf den Staatskredit hieß es von Piral Dadhania von RBC, der Sportartikelkonzern sei mit seinen frühen Schritten zur Sicherung der Liquidität auf dem richtigen Weg. Adidas könne sich damit gegen die kaum vorhersehbaren Auswirkungen der Viruskrise absichern.

Aktien

Aus Börsensicht war das erste Quartal 2020 für Adidas sicher ein historisches. In den ersten beiden Wochen des Jahres kletterte der Kurs noch auf ein Rekordhoch von 317,45 Euro. Anschließend gab er etwas nach und pendelte dann wochenlang um die Marke von 290 Euro. Ende Februar wurde die Aktie im Sog des sich im chinesischen Wuhan ausbreitenden Coronavirus in die Tiefe gerissen. In nur drei Wochen brach der Kurs um mehr als 40 Prozent ein.

Auf diesem Niveau - Kurse knapp über 160 Euro - hatten die Aktien letztmals vor drei Jahren gehandelt. Vom Rekordhoch am 16. Januar bis zum Crash-Tief auf den Tag genau zwei Monate später war ein Börsenwert von mehr als 30 Milliarden Euro vernichtet worden.

Seitdem haben Investoren wieder etwas Zutrauen gefasst. Es dürfte vor allem die Eindämmung des Virus im wichtigen Absatzmarkt China gewesen sein, die in den vergangenen Wochen eine Kurserholung zur Folge hatte. Vom Crash-Tief ging es zuletzt wieder um rund 35 Prozent auf zuletzt wieder etwas über 200 Euro nach oben.

Damit beträgt das bisherige Minus im Corona-Crash 27 Prozent - die Adidas-Aktie verlor somit etwas mehr als der Dax, aber weniger als der Erzrivale Puma (-33 Prozent). Deutlich besser abgeschnitten hat allerdings das Papier des US-Konkurrenten Nike, das in der Zeit nur etwas mehr als zehn Prozent verlor.

Damit vergrößerte sich bei der Marktkapitalisierung der Abstand zu dem US-Konzern wieder deutlich. Nike ist an der Börse derzeit umgerechnet rund 127 Milliarden Euro wert und Adidas kommt auf etwas mehr als 40 Milliarden Euro. Mitte Januar hatte die Differenz noch bei rund 55 Milliarden Euro gelegen. (dpa)

 

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